Friedensnobelpreis Nobelpreis für Bürgerrechtlerinnen

Das Osloer Komitee ehrt drei Frauen für ihren Kampf um Demokratie: Die Jemenitin Tawakkul Karman sowie die Liberianerinnen Leymah Gbowee und Ellen Johnson-Sirleaf.

Liberias Präsidentin Ellen Johnson-Sirleaf (72) sowie die Bürgerrechtlerinnen Leymah Gbowee (39), ebenfalls aus Liberia, und Tawakkul Karman (32) aus Jemen werden mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Dies gab das Nobel-Komitee in Norwegens Hauptstadt Oslo bekannt. Mit der Ehrung wird ihr Engagement für Demokratie, Frauen- und Bürgerrechte honoriert.

Zur Begründung schrieb das norwegische Komitee: "Wir können Demokratie und dauerhaften Frieden auf der Welt nicht erreichen, wenn Frauen nicht dieselben Möglichkeiten wie Männer zur Beeinflussung von Entwicklungen auf allen Ebenen der Gesellschaft bekommen."

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Komiteechef Thorbjørn Jagland begründete die Entscheidung mit dem erfolgreichen Einsatz der beiden Frauen aus Liberia zur Beendigung des Bürgerkrieges in ihrem Land nach 13 Jahren. Tawakkul Karman gilt als eines der bekanntesten Gesichter der Protestbewegung im Jemen. Sie ist Vorsitzende der Vereinigung "Journalistinnen ohne Ketten".

Johnson-Sirleaf: "Mir fehlen die Worte"

In einer ersten Reaktion bezeichnete Johnson-Sirleaf den ihr zuerkannten Friedensnobelpreis als "riesige Überraschung". Am Telefon sagte sie dem norwegischen Rundfunksender NRK: "Ach, ich bin so überwältigt und aufgeregt, dass mir die Worte fehlen." Der Preis sei ein "wunderbarer Ausdruck für die Hoffnung auf ein neues Liberia". Johnson-Sirleaf deutete den Preis als "Anerkennung für sehr viele Jahre voller Kampf".

Der Preis

Der Friedensnobelpreis ist mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro (zehn Millionen Kronen) dotiert. Überreicht wird er – wie auch die anderen Nobelpreise – traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833-1896). Als einziger der sechs Preise wird er nicht in Stockholm, sondern in Oslo übergeben.

Die Preisträger seit 2001

2011: Die Bürgerrechtlerinnen Ellen Johnson-Sirleaf, Leymah Gbowee (beide Liberia) und Tawakkul Karman (Jemen)
2010: Menschenrechtler Liu Xiaobo (China)
2009: Präsident Barack Obama (USA)
2008: Ex-Präsident Martti Ahtisaari (Finnland)
2007: Ex-Vizepräsident Al Gore (USA) und der UN-Klimarat
2006: Wirtschaftsfachmann Muhammad Yunus und seine Grameen Bank (Bangladesch)
2005: Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) und ihr Direktor Mohammed ElBaradei
2004: Umweltaktivistin Wangari Maathai (Kenia)
2003: Menschenrechtsaktivistin Schirin Ebadi (Iran)
2002: Ex-Präsident Jimmy Carter (USA)
2001: Vereinte Nationen und ihr Generalsekretär Kofi Annan (Ghana)

Die mitausgezeichnete Karman sagte im Nachrichtensender Al Arabiya: "Diese Ehrung wird den Kampf für Gerechtigkeit und Reformen vorantreiben." Der Osloer Komiteechef Jagland meinte zu Karmans Rolle bei den Protesten in ihrem Land: "Sie ist schon aufgestanden und hat Mut gezeigt, als der arabische Frühling noch in weiter Ferne lag."

Merkel spricht von "sehr gutem Signal"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wertete die Vergabe des Friedensnobelpreises an die drei Frauen aus Afrika und der arabischen Welt als ein "sehr gutes Signal". Die Preisträgerinnen hätten sich mutig für Frauenrechte und Freiheit eingesetzt.

Bundespräsident Christian Wulff sprach von einem "wichtigen Signal zur Stärkung der Frauenrechte weltweit". Die Preisträgerinnen hätten sich "mutig für die demokratische und gesellschaftliche Entwicklung und für die Verwirklichung der Menschenrechte eingesetzt".

Bundesaußenminister Guido Westerwelle bezeichnete die Frauen als hochverdiente und würdige Preisträgerinnen. "Alle drei haben sich auch gegen Widerstände und persönliche Gefahren dafür eingesetzt, dass Menschen in Würde und Freiheit leben können."

Aus Brüssel teilten EU-Ratspräsident Hermann Van Rompuy und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso mit: "Das ist ein Sieg für ein neues demokratisches Afrika und für eine neue demokratische arabische Welt, die in Frieden und im Respekt für die Menschenrechte leben."

Leser-Kommentare
    • Kanzel
    • 07.10.2011 um 11:20 Uhr

    Eine Dokumentation über ihre schwierige Regierungsarbeit hat mir schon damals viel Respekt abverlangt. Und den Respekt geniesst sie auch in in ihrem eigenen Land.
    Eine sehr gute Entscheidung!

  1. Friedensnobelpreis für Frauen.
    Kommt auch nicht gerade alle Tage vor. Oder?

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    Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich zum konkreten Artikelthema. Danke, die Redaktion/mk

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich zum konkreten Artikelthema. Danke, die Redaktion/mk

  2. Gesellschaftlicher Fortschritt geht immer und NUR über Frauen!

    Labert nicht über sonstige/kuriose/vergangene Kandidaten/Preisträger – stellt die ausgezeichneten Frauen vor!
    Wohl kalt erwischt und nicht vorbereitet die liebe Zeit?

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    Wenn Sie nicht vollauf damit beschäftigt wären hier herumzutrollen, hätten Sie beispielsweise in der gestern erschienen Ausgabe der ZEIT ein ganzseitiges Porträt von Ellen Johnson-Sirleaf lesen können.

    Wow, immerhin die berühmtetste Frau Afrikas.

    "Gesellschaftlicher Fortschritt geht immer und NUR über Frauen!"

    Das so ein dümmlicher Macha-Spruch kommen musste war klar!

    Hygiene – Gesundheit/Lebenserwartung
    Geburtenkontrolle - Überbevölkerung
    Ernährung/Feldarbeit – anstatt nur „stark und wichtig“
    Kindererziehung!

    Wenn Sie nicht vollauf damit beschäftigt wären hier herumzutrollen, hätten Sie beispielsweise in der gestern erschienen Ausgabe der ZEIT ein ganzseitiges Porträt von Ellen Johnson-Sirleaf lesen können.

    Wow, immerhin die berühmtetste Frau Afrikas.

    "Gesellschaftlicher Fortschritt geht immer und NUR über Frauen!"

    Das so ein dümmlicher Macha-Spruch kommen musste war klar!

    Hygiene – Gesundheit/Lebenserwartung
    Geburtenkontrolle - Überbevölkerung
    Ernährung/Feldarbeit – anstatt nur „stark und wichtig“
    Kindererziehung!

  3. hat der Friedesnobelpreis an Bedeutung verloren
    Ein gut dotierter Preis einer ehrwürdigen Stiftung, die auch mal zweifelhaft entscheidet, halt.
    Herzlichen Glückwunsch den Preisträgerinnen trotzdem und mögen die Preisgelder etwas Gutes bewirken.

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    wieder an Bedeutung dazugewonnen, der Preis.

    Ellen Johnson-Sirleaf, Liberia - dazu fällt mir als erstes ein: Resolution 1325
    http://www.gwi-boell.de/w...

    • Moika
    • 07.10.2011 um 12:30 Uhr

    Die Preisverleihung an Obama hatte viel von vorauseilenden Hoffnungen, die sich leider größtenteils nicht erfüllt haben.

    Gestern Abend sah ich eine lange Dokumentation über die ermordete russische Bürgerrechtlerin Politkowskaja und ihre "Kollegin", eine Tschetschenin, die den Krieg dort in allen Facetten filmte und im Ausland veröffentlichte.

    Die Preisverleihung an diese drei Frauen kann ich nur begrüßen. Wir könnten heute z.B. auch nicht über einen nennenswerten Widerstand im Iran sprechen, wenn dort nicht ebenfalls Frauen an der Spitze stehen würden.

    Es ist mir als Mann schon langsam peinlich zu sehen, daß an den Stellen, an denen wirklich Mut, Courage verlangt wird, praktisch nur noch Frauen auszumachen sind.

    wieder an Bedeutung dazugewonnen, der Preis.

    Ellen Johnson-Sirleaf, Liberia - dazu fällt mir als erstes ein: Resolution 1325
    http://www.gwi-boell.de/w...

    • Moika
    • 07.10.2011 um 12:30 Uhr

    Die Preisverleihung an Obama hatte viel von vorauseilenden Hoffnungen, die sich leider größtenteils nicht erfüllt haben.

    Gestern Abend sah ich eine lange Dokumentation über die ermordete russische Bürgerrechtlerin Politkowskaja und ihre "Kollegin", eine Tschetschenin, die den Krieg dort in allen Facetten filmte und im Ausland veröffentlichte.

    Die Preisverleihung an diese drei Frauen kann ich nur begrüßen. Wir könnten heute z.B. auch nicht über einen nennenswerten Widerstand im Iran sprechen, wenn dort nicht ebenfalls Frauen an der Spitze stehen würden.

    Es ist mir als Mann schon langsam peinlich zu sehen, daß an den Stellen, an denen wirklich Mut, Courage verlangt wird, praktisch nur noch Frauen auszumachen sind.

  4. Ich freue mich gleich doppelt. Einerseits für die drei Frauen. Andererseits kann ich auch eine klammheimliche Freude nicht verhehlen, dass der Bimbesmann leer in die Röhre guckt.

  5. Nach den Fehlgriffen der letzten Jahre hat das Komitee diesmal richtig entschieden.

    3 Bürger- und Frauenrechtlerinnen aus Liberia und Yemen sind anscheinend die letzte Hoffnung des Komitees, das Chaos in der Welt durch Erweiterung der Frauenrechte vor allem in Afrika und der Islamischen Welt einzudämmen.

    Glückwunsch an die Preisträgerinnen!

  6. wieder an Bedeutung dazugewonnen, der Preis.

    Ellen Johnson-Sirleaf, Liberia - dazu fällt mir als erstes ein: Resolution 1325
    http://www.gwi-boell.de/w...

  7. Ich hab das eine oder andere Interview mit Ellen Johson-Sirleaf gesehen und mich mit ihrer Arbeit beschäftigt. Ein absolut gerichtfertigter Preis.

    Dass die Initiatoren des arabischen Frühlings nicht zum Zuge gekommen sind, ist sicher schade, aber dass man dieses Jahr mehrere absolut gerchtfertigte Alternativen hatte, ist doch ingesamt eine sehr schöne Entwicklung.

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    • pinero
    • 07.10.2011 um 11:58 Uhr

    Ellen Johnson-Sirleaf und Leymah Gbowee haben gezeigt, wie man aus den Ruinen eines brutalen Bürgerkriegs einen demokratischen Staat mit aktiver Zivilgesellschaft aufbaut.

    Ein besseres Signal hätten man auch an die Initiatoren des arabischen Frühlings nicht geben können.

    • pinero
    • 07.10.2011 um 11:58 Uhr

    Ellen Johnson-Sirleaf und Leymah Gbowee haben gezeigt, wie man aus den Ruinen eines brutalen Bürgerkriegs einen demokratischen Staat mit aktiver Zivilgesellschaft aufbaut.

    Ein besseres Signal hätten man auch an die Initiatoren des arabischen Frühlings nicht geben können.

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