Rechtsextremismus: Ein Land lernt sehen
Die Entdeckung des rechten Terrors verändert unsere Wahrnehmung nachhaltig. Die Gesellschaft erkennt, dass die Taten der Zwickauer Zelle keine Zufälle sind.
Seit sechs Wochen vergeht kaum ein Tag, an dem das Land nicht von einer schockierenden Meldung zum rechtsextremen Terror getroffen wird. Auch am Mittwoch war es so: Generalbundesanwalt Range schilderte der Öffentlichkeit , wie aggressiv der Ton schon in den ersten zwei Videos des "Nationalsozialistischen Untergrunds" war.
Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe sind nicht in eine Serie von Gewalttaten hineingestolpert. Die Zelle hat planmäßig Terrorismus inszeniert. Dass es niemand außerhalb des Umfelds der Mörder begriff, verstärkt den Schrecken. Weder die Sicherheitsbehörden noch die Politik noch die Medien und nicht einmal die Antifa, die "Nazis" seit jeher grell markiert, haben etwas gemerkt. Blinder kann ein Land kaum sein.
Das schockartige Erwachen müsste die Republik verändern. Es erscheint schwer vorstellbar, dass die rechtsextreme Gefahr, wie es bis vor sechs Wochen die Regel war, weiterhin nur in konjunkturellen Erregungskurven wahrgenommen wird. Langsam setzt sich offenbar die Erkenntnis durch, dass die Taten der Terrorzelle, trotz ihrer unerhörten Professionalität, keine Zufallsgeschichte sind.
Seit der Wiedervereinigung haben Rechtsextremisten mindestens 148 Menschen getötet, mit den zehn Opfern der Terrorgruppe. Die Zahl von Bundesregierung und Polizei ist um 90 Tote kleiner. Schon diese Diskrepanz verdeutlicht, wie groß die Wahrnehmungslücke ist, die sich der Staat und die Mehrheit der Gesellschaft leisten.
Eine traumatische Erfahrung
Das Problem wird auch keinesfalls geringer, wenn sich herausstellt, dass der „Nationalsozialistische Untergrund“ nicht, wie Terrorgruppen à la IRA oder Eta, von einer Massenbasis unterstützt wurde. Und es bewahrt die Sicherheitsbehörden nicht vor einer Vertrauenskrise, wie es sie in der Bundesrepublik selten gegeben hat. Dass Hunderte Spezialisten in Polizei und Verfassungsschutz nicht in der Lage waren, das Treiben einer braunen Terrorgruppe zu erkennen und zu stoppen, ist eine traumatische Erfahrung für das ganze Land. Und sie wird noch schlimmer, je länger unklar bleibt, welche Rolle V-Leute gespielt haben.
Die Politik bemüht sich nun um den berühmten Blick nach vorn. Es werden Ausschüsse eingesetzt, die Sicherheitsbehörden bekommen ein "Gemeinsames Abwehrzentrum gegen Rechtsextremismus", die Länder und der Bund reden, wenn auch dissonant, über ein zweites Verbotsverfahren gegen die NPD.
Die Chancen sind größer als beim Debakel im Jahr 2003. Diesmal gibt es den offenbar begründeten Verdacht, Funktionäre der Partei hätten Terroristen unterstützt. Aber es ist bislang nur ein Verdacht. Manche in SPD und Union halten ihn dennoch für ausreichend, um vor das Bundesverfassungsgericht zu ziehen. So wird die Unschuldsvermutung vernachlässigt, ebenso die Notwendigkeit einer rechtskräftigen Verurteilung. Die Hektik in der Verbotsdebatte weckt dann doch Zweifel, ob die Lektionen der letzten sechs Wochen überall angekommen sind.





Entfernt. Bitte bemühen Sie sich, sachlich zum Thema des Artikels beizutragen. Die Redaktion/mak.
Die Nachhaltigkeit beschränkt sich vermutlich nur auf die Länge der Berichterstattung und die wird sicherlich bald ermüden, oder ein neues Thema zum ausweiden finden.
Wenn schon nicht mal WW2 und die Verbrechen des sogenannten "Dritten Reiches" zur reflektiven Nachhaltigkeit bewegten, wird es auch der braune Tumor, der gegenwärtig zur Schau gestellt wird, nichts reissen können.
Jetzt schon? Nur ca. 80 Jahre "danach"?
Wir sind ja mal wieder extrem frühreif...
Rechtsextremismus ist kein Massenphänomen? Voraussetzung für diese Massenmorde ist ein rassistisches Weltild a la Sarrazin! Kein Massenproblem - na klar! Sagt Ihnen Dessau etwas? Was passierte den Angehörigen der Opfer dieses Massenmordes - die Angehörigen wurden verdächtigt in kriminellen Kreisen zu agieren! Wahrscheinlich werden diese Morde auch noch unter kriminelle Taten von Ausländern geführt!
"Es gibt nur Linken Terrorismus!" - Na klar doch. Wer das sagte steht genau da, wo die Täter leben! Stellt euch vor ihr steht auf dem Nordpol, dann gibt es um euch herum auch nur noch Süden!
1. Sie äußern sich in unzulässiger Weise über den alten Genossen Sarrazin.
2. Man kann Sätze auch mit einem Punkt beenden.
1. Sie äußern sich in unzulässiger Weise über den alten Genossen Sarrazin.
2. Man kann Sätze auch mit einem Punkt beenden.
Sind Menschen mit geschmackloser Deko im Garten verdächtig, rechts zu sein?
Gibt es überhaupt einen Zusammenhang zwischen Rechtsextremismus und Vorgarten oder spielt es mit unseren Erwartungen, dass das bieder aussehende ohnehin verdächtig ist.
Seit TEMPO mit dem Bebraistik-Artikel ist schon klar, dass die Republik an diesen Bildern in Vorgärten krankt...
Ich finde das Bild super. Erinnert mich an Lieder wie Vorstadtfeierabend von Degenhardt.
... und rekuriert natürlich auch direkt in Richtung der neuen Strategie der NPD-Führungsriege um Holger Apfel. Die wollen jetzt am allerliebsten ganz normal erscheinen.
Ich finde das Bild super. Erinnert mich an Lieder wie Vorstadtfeierabend von Degenhardt.
... und rekuriert natürlich auch direkt in Richtung der neuen Strategie der NPD-Führungsriege um Holger Apfel. Die wollen jetzt am allerliebsten ganz normal erscheinen.
Seit der Wende sind über 150 Menschen Opfer von Rechter Gewalt geworden.
Mölln, Rostock, Solingen, Völklingen - Pogromstimmung inklusive. Neu war all das nicht.
Was nur neu ist, ist das die Ermittlungsbehörden nun blamiert dastehen, weil es nun erwiesen ist, dass die Behörden auf dem rechten Auge blind sind.
Bei uns im Stadtbezirk ist die CDU immer noch der Meinung, dass Verschweigen die beste Reaktion auf Umtriebe von Nazis ist. Der Ruf des Stadtteils soll nicht leiden. Und jede Erwähnung treibt deren Ansicht zufolge den Nazis Interessenten zu. Wer laut "Jehova" sagt, kriegt von ihnen Gegenwind. Solange große Teile der Gesellschaft so ticken, zweifle ich die Lernfähigkeit an.
... denn Frau Schröder warnt derzeit eindringlich vor Linksextremismus an Schulen. In einer recht einseitigen Broschüre, die dann auch vor so schlimmer Musik wie "Keine Macht für Niemand" der Ton Steine Scherben warnt. Wie üblich sind viele Aussagen darin wenig wissenschaftlich fundiert, aber das ist man von Frau Schröder auch schon gewohnt, dass sie sich an Erkenntnissen der Forschung wenig stört.
Gibt es so eine Broschüre eigentlich auch zum Thema Rechtsextremismus, Frau Schröder?
Entfernt. Verzichten Sie auf die Darstellung haltloser Theorien. Die Redaktion/mak
Entfernt. Verzichten Sie auf die Darstellung haltloser Theorien. Die Redaktion/mak
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