Jahresrückblick 2011 : Ein Jahr, das die Welt veränderte

Arabischer Frühling, Fukushima, Euro-Krise, Guttenberg-Affäre: 2011 hat uns wie kaum ein Jahr zuvor in Atem gehalten. Eine Rückschau auf die wichtigsten Entwicklungen
© Marco Longari/AFP/Getty Images

Januar – Arabischer Frühling

Das Jahr beginnt mit dem dramatischen Aufbruch in einer Region, die jahrzehntelang von politischem Stillstand, Armut und Unterdrückung geprägt war und weltpolitisch im Abseits stand: Zuerst erheben sich Menschen in Tunesien, Algerien und Ägypten gegen die Gewaltherrschaft, dann schließen sich wie in einem Flächenbrand Protestierende in anderen arabischen Ländern an. Am 14. Januar flieht der tunesische Machthaber Sein al-Abidin Ben Ali vor den revoltierenden Massen. Knapp einen Monat später stürzt auch Ägyptens Präsident Hosni Mubarak nach 30-jähriger Herrschaft und wochenlangen Demonstrationen auf dem Kairoer Tahrir-Platz .

Doch die vorwiegend jungen Revolutionäre siegen nicht überall so schnell: In Libyen entbrennt ein monatelanger Bürgerkrieg. Rebellen erobern die Stadt Bengasi und den restlichen Osten des Landes und versuchen, von dort aus auf die Hauptstadt Tripolis zu marschieren. Der langjährige Diktator Muammar al-Gadhafi lässt seine Truppen jedoch immer wieder erfolgreich zurückschlagen. Am 17. März beschließt der UN-Sicherheitsrat deshalb die Einrichtung einer Flugverbotszone und militärische Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung. Daraufhin greifen zunächst eine internationale Allianz unter Führung Frankreichs, Großbritanniens und der USA und später die Nato unter Beteiligung einiger Golfstaaten in den Konflikt ein.
Im Golfstaat Bahrain lässt der König den Aufstand blutig niederschlagen, mithilfe von Truppen aus dem benachbarten Saudi-Arabien. In Syrien klammert sich Baschar al-Assad noch immer an die Macht.

Und es ist auch noch nicht ausgemacht, ob in den Ländern Nordafrikas nach dem Ende der Diktaturen auf Dauer demokratische Strukturen entstehen: In Tunesien und Marokko siegen bei den ersten demokratischen Wahlen im Herbst gemäßigte Islamisten , auch in Ägypten liegen sie vorne. Dort gibt es im Dezember neue Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften, das Militär als zentraler Teil des alten Regimes hält die Zügel unverändert hart in der Hand. Ein Zurück hinter die "Arabellion" wird es jedoch wohl nie mehr geben.

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Kommentare

13 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Sei du selbst die Veränderung...

Abgesehen davon, dass wohl JEDES Jahr die Welt ein Stück weit verändert, finde ich diese knappe Übersicht der Ereignisse dieses Jahres einseitig. Klar, man kann den Arabischen Frühling auch positiv sehen, wenn man von den Opfern absieht. Aber im Grunde ist dies ein Artikel über eine Welt, die schlechter kaum sein könnte.
Schade eigentlich, denn das Jahr 2011 hatte auch positive Seiten.
Da kann man es doch nur halten wie Gandhi: Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt.

Danke, für Ihr Zitat von Mahatma Gandhi

Das Jahr 2011 war, wie Sie schon sagten, alles andere als positiv.

Am meisten bleibt mir persönlich Fukushima und der m. E. dilettantische Umgang mit dieser schrecklichen Katastrophe in Erinnerung.

Politisch gab es in der BRD auch nicht wirklich viel neues, da das "Niveau" von (z.B.) zu Guttenberg und Wulff, auf diesem Level bei "Kollegen", auch schon in der Vergangenheit bekannt war.

Ich bin mal gespannt, wie lange es den Euro in seiner aktuellen Form noch gibt...

Stromausfälle

Die Stromausfälle gibt es ja schon! Man muß wissen, daß der Wechselstrom im Netz eine bestimmte physikalische Definition einhalten muß: gefordert ist eine sinusförmig verlaufende Spannungskurve mit einer Frequenz von exakt 50 Hertz. Wird dem Netz zu wenig Leistung zur Verfügung gestellt, dann sinkt die Frequenz ab. Für jemanden, der in seinem Wohnzimmer ein Buch liest oder an seinem (akkugepufferten!) Notebook arbeitet, mag das keine Rolle spielen, weil er geringfügige Schwankungen in der Helligkeit seiner Beleuchtung nicht wahrnimmt. Aber viele hochsensible Anlagen in unserer Industrie fallen dann aus oder produzieren Ausschuß. Ich hatte vor ein paar Jahren Gespräche beim Halbleiterhersteller AMD in Dresden, wo man mir erzählte, daß schon damals die physikalische Qualität des öffentlichen Netzstroms in Sachsen so schlecht war, daß AMD zwei eigene Kraftwerke in seinem Werksgelände hatte aufbauen müssen. Durch die völlig willkürliche und m.E. verfassungswidrige Zwangsstillegung von 8 zuverlässigen KKWs sowie die weiter steigenden Zufallseinspeisungen der Windparks wird die Frequenzstabilität aber immer noch schlechter.