Januar – Arabischer Frühling

Das Jahr beginnt mit dem dramatischen Aufbruch in einer Region, die jahrzehntelang von politischem Stillstand, Armut und Unterdrückung geprägt war und weltpolitisch im Abseits stand: Zuerst erheben sich Menschen in Tunesien, Algerien und Ägypten gegen die Gewaltherrschaft, dann schließen sich wie in einem Flächenbrand Protestierende in anderen arabischen Ländern an. Am 14. Januar flieht der tunesische Machthaber Sein al-Abidin Ben Ali vor den revoltierenden Massen. Knapp einen Monat später stürzt auch Ägyptens Präsident Hosni Mubarak nach 30-jähriger Herrschaft und wochenlangen Demonstrationen auf dem Kairoer Tahrir-Platz .

Doch die vorwiegend jungen Revolutionäre siegen nicht überall so schnell: In Libyen entbrennt ein monatelanger Bürgerkrieg. Rebellen erobern die Stadt Bengasi und den restlichen Osten des Landes und versuchen, von dort aus auf die Hauptstadt Tripolis zu marschieren. Der langjährige Diktator Muammar al-Gadhafi lässt seine Truppen jedoch immer wieder erfolgreich zurückschlagen. Am 17. März beschließt der UN-Sicherheitsrat deshalb die Einrichtung einer Flugverbotszone und militärische Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung. Daraufhin greifen zunächst eine internationale Allianz unter Führung Frankreichs, Großbritanniens und der USA und später die Nato unter Beteiligung einiger Golfstaaten in den Konflikt ein.
Im Golfstaat Bahrain lässt der König den Aufstand blutig niederschlagen, mithilfe von Truppen aus dem benachbarten Saudi-Arabien. In Syrien klammert sich Baschar al-Assad noch immer an die Macht.

Und es ist auch noch nicht ausgemacht, ob in den Ländern Nordafrikas nach dem Ende der Diktaturen auf Dauer demokratische Strukturen entstehen: In Tunesien und Marokko siegen bei den ersten demokratischen Wahlen im Herbst gemäßigte Islamisten , auch in Ägypten liegen sie vorne. Dort gibt es im Dezember neue Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften, das Militär als zentraler Teil des alten Regimes hält die Zügel unverändert hart in der Hand. Ein Zurück hinter die "Arabellion" wird es jedoch wohl nie mehr geben.