Rechter Terror "V-Leute sind kein perfektes Instrument"

Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm spricht im Interview über die Fahndung nach Terrorzellen. Und warnt vor übertriebenen Erwartungen an ein NPD-Verbot.

Frage: Sind Sie es leid, Verfassungsschützer zu sein?

Heinz Fromm: Überhaupt nicht. Ich war immer darauf eingestellt, dass auch schlimme Dinge passieren können. Das gehört bei meinem Beruf dazu. Allerdings, eine Terrorzelle wie den "Nationalsozialistischen Untergrund" habe ich mir in dieser Dimension nicht vorstellen können.

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Frage: Fast 14 Jahre konnten Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe aus dem Untergrund heraus agieren – bis hin zu Morden, Sprengstoffanschlägen und Banküberfällen . Wie war das möglich?

Fromm: Nachdem diese dem Verfassungsschutz schon als Neonazis bekannten Personen untergetaucht waren, haben mehrere Landesbehörden für Verfassungsschutz, auch mithilfe des Bundesamtes für Verfassungsschutz, zahlreiche Maßnahmen ergriffen, sie zu finden. Rund vier Jahre ist intensiv gesucht worden, dann endeten diese Bemühungen. Ein eindeutiger Grund hierfür ist nicht erkennbar.

Frage: Wieso nicht?

Fromm: Es ist im Moment nicht nachvollziehbar, warum die Bemühungen der Behörden Ende 2001 weitgehend eingestellt wurden . Man kann darüber lediglich Vermutungen anstellen: Vielleicht war es von Bedeutung, dass sich nach den Anschlägen vom 11. September der Blick sehr stark auf den islamistischen Terrorismus richtete. Und es könnte eine Rolle gespielt haben, dass ab 2002, wegen des damals anhängigen NPD-Verbotsverfahrens, V-Leute in der rechtsextremistischen Szene abgeschaltet worden waren. Damit verschlechterte sich für den Verfassungsschutz die Zugangslage, auch in der Neonazi-Szene. Außerdem waren ab 2003 die meisten Taten des Trios verjährt. Das hatte Folgen für die polizeiliche Fahndung, sie wurde eingestellt. Für den Verfassungsschutz hätte dieser Umstand allein kein Grund sein müssen, sich nicht weiter um die Verschwundenen zu kümmern. Aber es gab ausweislich der mir bekannten Akten keine Hinweise mehr.

Frage: Haben Sie oder ein anderer Experte beim Verfassungsschutz nie den Verdacht gehabt, hinter der Serie von Morden an Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft könnten militante Rechtsextremisten stecken?

Fromm: Ich persönlich nicht. Es wurde zwar viel über die Mordserie gesprochen, aber soweit ich weiß, nie gezielt ein rechtsextremistischer Hintergrund weiterverfolgt. Der Grund dafür war offenbar, dass eine solche Hypothese nicht mit Fakten zu unterlegen war. Im Übrigen hat auch außerhalb der Sicherheitsbehörden niemand von denjenigen, die ebenfalls die rechtsextremistische Szene beobachten, je geäußert, die Morde seien womöglich einer rechtsextremistischen Terrorgruppe zuzuordnen. Weder Journalisten noch Initiativen gegen Rechts haben jemals so etwas vermutet.

Frage: Brauner Terrorismus ist aber in Deutschland keine unbekannte Größe. Nach der Wiedervereinigung haben zwei Terrorgruppen in Brandenburg versucht, mit Brandanschlägen Migranten zu vertreiben. Und in München wollte die Gruppe um Martin Wiese mit einer Rohrbombe die Baustelle des Jüdischen Kulturzentrums angreifen.

Fromm: Solche Taten entsprachen ja auch dem Bild von rechtsextremistischem Terror – Anschläge mit Brandsätzen oder Sprengstoff. Aber dass einzelne Personen durch Kopfschüsse gezielt hingerichtet werden, war außerhalb auch unserer Vorstellungswelt. Anders war es nach dem Anschlag mit der Nagelbombe im Jahr 2004 vor einem türkischen Friseursalon in Köln: Das BfV hatte danach geprüft, ob sich die Täter an einem Papier der rechtsextremistischen englischen Terrorgruppe Combat 18 orientiert haben könnten. In einer Publikation mit der Bezeichnung "Stormer" war in diesem Zusammenhang 2001 eine Anleitung zum Bau einer Nagelbombe veröffentlicht worden. Darauf haben wir hingewiesen. Doch die Ermittlungen ergaben nichts in dieser Richtung. Auch einige Neonazis aus der Region waren intensiv überprüft worden, aber auch das verlief ergebnislos.

Frage: Aber ein rassistisches Tatmotiv war doch nicht nur in Köln naheliegend.

Fromm: Ich bin nicht sicher, dass das angesichts der damals über die Mordserie bekannten Umstände wirklich naheliegend war, zumal es an Tatbekennungen fehlte. Die Terrorzelle hatte zwar Videos produziert, diese aber – nach dem heutigen Stand der Ermittlungen – bis zuletzt für sich behalten.

Leser-Kommentare
  1. die die terroristischen Mörder vom Verfassungsschutz erhielten,
    möchte ich endlich wissen, in welchem Gesamtumfang diese rechtsterroristischen Morde mit Steuergeldern finanziert wurden.

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    Soziale Einrichtungen in vielen Stadtteilen wie in Remscheid Honsberg wird auch durch Steuergelder finanziert. Durch prächtige Interkulturelle Zentren bekommen die Sozialarbeiter schönere und sichere Arbeitsplätze, weil sie mit Migrantenlobies und Moscheen schön kooperieren, wo jede Horde durch ein gutes Spiel auf seine Vorteile kommt. Erziehung und Bildung oder qualifizierte Sozialarbeit für einzelne Menschen haben ihre Plätze dubiösen Kooperationen von Organisation zu Organisation, das ja ständig in Zeitungen und Werbeinternetseiten hoch gelobt wird, überlassen, während eigene Mitarbeiter therapiereif gemobt und beschimpft werden. Ich denke, ich sollte die deutsche Realität früh genug verstehen und anstatt eines Studiums um beschimpft und therapiereif gemobt zu werden, eine ewige soziale Kariere als Stammkunde in dubiösen sozialen Einrichtungen einrichten. Man lernt immer wieder, auch wenn die Realität bitter ist.

    Soziale Einrichtungen in vielen Stadtteilen wie in Remscheid Honsberg wird auch durch Steuergelder finanziert. Durch prächtige Interkulturelle Zentren bekommen die Sozialarbeiter schönere und sichere Arbeitsplätze, weil sie mit Migrantenlobies und Moscheen schön kooperieren, wo jede Horde durch ein gutes Spiel auf seine Vorteile kommt. Erziehung und Bildung oder qualifizierte Sozialarbeit für einzelne Menschen haben ihre Plätze dubiösen Kooperationen von Organisation zu Organisation, das ja ständig in Zeitungen und Werbeinternetseiten hoch gelobt wird, überlassen, während eigene Mitarbeiter therapiereif gemobt und beschimpft werden. Ich denke, ich sollte die deutsche Realität früh genug verstehen und anstatt eines Studiums um beschimpft und therapiereif gemobt zu werden, eine ewige soziale Kariere als Stammkunde in dubiösen sozialen Einrichtungen einrichten. Man lernt immer wieder, auch wenn die Realität bitter ist.

  2. Hier sollen nur Verfassungsschutz und NPD diffamiert und ausgeschaltet werden.

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    Ja der Verfassungsschutz ist ein existenziell wichtiges Organ- F Ü R die NPD. Niemand wird das ernsthaft bestreiten.

    Ja der Verfassungsschutz ist ein existenziell wichtiges Organ- F Ü R die NPD. Niemand wird das ernsthaft bestreiten.

  3. Entfernt. Bitte beziehen Sie sich auf das Artikelthema und bitte verzichten Sie auf unangemessene Vergleiche, die als beleidigend verstanden werden. Danke, die Redaktion/jz

  4. "Auch bei der Suche nach dem abgetauchten Trio gab es zahlreiche Hinweise von V-Leuten. Diesen sind die Verfassungsschutzbehörden nachgegangen, leider ohne Erfolg".

    Man warnte, wie ja nun belegt ist, die Terroristen vor den Zugriffen der Polizei.
    Dieses Interview ist wohl ein beängstingendes Beispiel wie wenig einsichtig der Verfassungsschutz ist. Eine Behörde, die das Problem nicht beseitigen kann, weil sie selbst Teil des rechten Problems ist.

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  5. Ja der Verfassungsschutz ist ein existenziell wichtiges Organ- F Ü R die NPD. Niemand wird das ernsthaft bestreiten.

  6. Herr Fromm redet über „perfekte Instrumente“. Wer aber als oberster Verfassungsschützer mitten im größten Verfassungsschutzskandal der Republik steckt, der sollte von Perfektion erst mal schweigen und sich vielmehr intensiv um dessen Aufklärung kümmern. Hier drei Fragen von mir:

    (1) Eine staatliche Sicherheitsbehörde erfüllt nicht ihre Aufgabe, die Verfassung zu schützen. Vielmehr macht sie sich mehr oder weniger kumpelhaft gemein mit denjenigen, die diese Verfassung und die in ihr verankerten Werte aus der Welt schaffen wollen. Wie kann eine solche Verkehrung passieren?

    (2) Zugleich behindert diese staatliche Sicherheitsbehörde andere staatliche Sicherheitsbehörden daran, den rechten Verfassungsfeinden, mit denen sie sich gemein macht, das Handwerk zu legen. Ist das schon die „Polykratie“, die Franz Neumann mal analysiert hat und bei der sich staatliche Machtapparate „verselbständigen“?

    (3) Und zudem macht diese staatliche Sicherheitsbehörde von dem ihr qua Gesetzt übertragenen Recht exzessiv und manipulativ gebrauch, das demokratische Engagement vieler Menschen gegen den braunen Mob zu bewerten, zu diffamieren und staatlicher Überwachung und Repression zuzuführen. Wie kann demokratisches Engagement vor den Machenschaften eines solchen Verfassungsschutzes geschützt werden und den durch diesen drangsalierten Demokraten Wiedergutmachung geschehen?

    An der Beantwortung insbesondere auch der dritten Frage habe ich ein sehr persönliches Interesse, Herr Fromm!

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  7. .
    ... doch ganz eindeutig gezeigt:

    Der Staat subventioniert gerade die Entscheider in den Führungskadern der rechtsradikalen Szene massiv durch das stets üppig abgreifbare V-Leute-Backschisch.

    Inzwischen lässt sich ja nicht mal mehr leugnen, dass sogar Geld zur Anschaffung falscher Ausweispapiere und Identitäten aus staatlichen Stellen stammte, wobei sich der Staat dann auch noch um die Sore bescheissen hat lassen wie ein gutgläubiger Ministrant.

    Selbstverständlich besteht im Bereich der Rechtsterroristen und ihrer Sympathisanten bis weit hinein ins bürgerliche Lager ernsthafter Handlungsbedarf, was nicht zuletzt Entgleisungen wie die von Sarrazin ("... ständig neue Kopftuchmädchen ..." )oder auch Seehofer ("... bis zur letzten Patrone gegen Zuwanderung in Deutschland ...")eindrucksvoll beweisen.

    Allerdings ist Ursachenbekämpfung gegen die brennenden Probleme des beginnenden 21sten Jahrhunderts viel eher vonnöten als eine Neuauflage dieser abgaeschmackten Verbotsfarce.

    Die volle Verantwortung liegt hier aber nun mal eben den Regierungen, die diese Probleme mit einer Reihe falscher Massnahmen, von Hartzsklaverei bis Mindestlohnblockade, von Lehrermangel bis Drittmittelzwang an Unis, bewusst über Jahre durch völlig ignorante Verteilungspolitik erst erzeugt und dann mit jedem weiteren Schritt Richtung Ökonomisierung des täglichen Lebens absichtlich ohne Not immer weiter vergrössert haben.

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  8. 8. Satire

    Oft wird ja das Auflösen des Verfassungsschutzes gefordert. Aber ist dies überhaupt möglich? Die NPD konnte wegen der V-Leuten in ihren Reihen 2001 nicht verboten werden.
    Das gleiche ist doch auch im Verfassungsschutz der Fall, dort sind sicher auch viele Beamte V-Leute der NPD, sodass ein Auflösen nicht mehr möglich ist.

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