Schuldenkrise Der große Poker um die Rettung Griechenlands
Eigentlich wollten die privaten Gläubiger den Griechen einen Teil der Schulden erlassen. Nun drohen die Verhandlungen zu scheitern. Mit was für Folgen?
© Milos Bicanski/Getty Images

Während die griechische Regierung mit ihren Gläubigern verhandelt, schwenken Demonstranten vor dem Parlament in Athen ihre Fahnen mit der Aufschrift: "I won't pay".
Seit zwei Jahren schon suchen die Regierungen der Euro-Zone nach Auswegen aus der Überschuldung des griechischen Staates. Überbrückungskredite im Volumen von rund 53 Milliarden Euro haben die übrigen Euro-Staaten der Regierung in Athen bereits gewährt, damit sie fällige Schulden ablösen kann. Umfangreiche Ausgabenkürzungen, Steuererhöhungen und der Verkauf von Staatsbesitz sollten zudem die Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben schließen. Doch nun droht dem Land erneut die Zahlungsunfähigkeit. Nicht nur ist die Wirtschaftsleistung infolge der Sparprogramme mit einem Minus von sechs Prozent im vergangenen Jahr viel stärker eingebrochen als erwartet und hat damit auch die Steuereinnahmen drastisch vermindert. Zugleich steht ein zentraler Baustein des vereinbarten Sanierungsprogramms auf der Kippe: Der Schuldenschnitt zu Lasten der privaten Gläubiger.
Woran ist die Einigung über den Schuldenerlass bisher gescheitert?
Auf massives Drängen der Euro-Regierungen hatten die Vertreter des globalen Verbands von Banken, Versicherungen und Fonds, des Institute of International Finance (IIF), beim Krisengipfel im vergangenen November zugesagt, bei ihren Mitgliedern für die Streichung von 50 Prozent ihrer ausstehenden Forderungen gegenüber Griechenland zu werben. Dessen Schuldenberg in Höhe von derzeit rund 352 Milliarden Euro sollte so um etwa 100 Milliarden Euro vermindert werden. Alles weitere sollten das IIF und die griechische Regierung aushandeln.
Aber das ging schief. Dabei waren sich die Unterhändler eigentlich im Grundsatz schon einig. Für das Gläubiger-Komitee hatten IIF-Geschäftsführer Charles Dallara und Jean Lemierre, ein Sonderberater des französischen Bankkonzerns BNP Paribas, mit dem griechischen Finanzminister Evangelos Venizelos vereinbart, dass der Schuldenerlass mittels eines Umtauschs der bis 2020 fälligen griechischen Anleihen in neue Schuldverschreibungen zum halben Nennwert der bisherigen erfolgen soll. Die neuen Anleihen sollen zudem eine Laufzeit von 20 bis 30 Jahren haben. Entscheidend für die zu verbuchenden Verluste ist aber auch die Verzinsung. Würde diese bei den neuen Titeln wie bei den Altschulden nur rund drei Prozent betragen, ergibt sich rechnerisch für die Gläubiger ein weit geringerer Gegenwartswert und damit ein Verlust von bis zu 80 Prozent. Darum forderten Dallara und Lemierre zunächst volle acht Prozent Zins.
Weil die griechische Kassenlage das aber nicht hergab, einigten sich beide Seiten schließlich auf einen Zinssatz von knapp unter fünf Prozent. Für diesen Deal bekam die griechische Regierung aber keine Genehmigung ihrer übrigen staatlichen Kreditgeber. Insbesondere die Bundesregierung habe stattdessen einen Zinssatz von nur zwei bis drei Prozent gefordert, berichtete die Financial Times unter Berufung auf die Bankenseite. Daraufhin brachen die Vertreter der Gläubiger die Verhandlungen am vergangenen Freitag zunächst ab. Kanzlerin Merkel und Präsident Sarkozy hätten beim Gipfel einen "freiwilligen" Schuldenerlass der privaten Gläubiger vereinbart, "aber ihre eigenen Mitarbeiter halten sich nicht daran", beschwerte sich IIF-Verhandler Dallara. Wer erwarte, dass "die privaten Investoren unzumutbare Verluste hinnehmen, hat den Charakter eines freiwilligen Handels nicht verstanden". Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bestätigte indirekt den Konflikt. Es sei "schon klar, dass die Gläubiger gerne höhere Zinsen hätten", sagte er. Aber die "Schuldentragfähigkeit" Griechenlands dürfe eben nicht durch zu hohe Zinsen gefährdet werden.
Welche Konsequenzen hätte das Scheitern des geplanten Verzichts der Gläubiger?
Der Zinsstreit stellt die Regierungen der Euro-Zone vor ein grundsätzliches Dilemma: Geben Sie nach, dann sinkt die Überschuldung nicht genug, um Griechenlands Staatsfinanzen zu stabilisieren. Bleiben Sie hart, dann ist absehbar, dass viele private Gläubiger den Schuldenschnitt verweigern. Fest vereinbart ist aber, dass die nächsten Überbrückungskredite aus dem Stabilisierungsfonds EFSF an Griechenland erst nach einem vollzogenen Schuldenschnitt fließen sollen. Und spätestens am 20. März wird das frische Kreditgeld dringend gebraucht. An diesem Tag muss die Staatskasse in Athen 14,5 Milliarden Euro für ein fällig Anleihe zurückzahlen. Andernfalls droht eine ungeordnete Insolvenz mit katastrophalen Folgen. Auf einen Schlag wären Griechenlands Banken von den Liquiditätskrediten der Europäischen Zentralbank abgeschnitten, weil diese griechische Staatspapiere nicht mehr als Sicherheit akzeptieren könnte. Der folgende Zusammenbruch des griechischen Zahlungssystems würde das Land ins Chaos stürzen. Gleichzeitig würden in allen Schuldenländern die Zinsen steigen, weil eine weitere Staatspleite damit nicht mehr ausgeschlossen wäre.
- Datum 18.01.2012 - 09:52 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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Warum sollen Schuldner verzichten. Es ist doch beschlossene Sache, dass kein Euro-Land im Stich gelassen wird. Wenn schon - gemeinsam gehen wir unter.
...ist es ja verboten, in D zu einem Steuerstreik aufzurufen, da soetwas ja eine schwere Straftat ist. Dies bedeutet aber, dass die Bevölkerung der vermeintlich "reichen" Staaten sich in einem Würgegriff befindet.
...ist es ja verboten, in D zu einem Steuerstreik aufzurufen, da soetwas ja eine schwere Straftat ist. Dies bedeutet aber, dass die Bevölkerung der vermeintlich "reichen" Staaten sich in einem Würgegriff befindet.
... der Schulden erlassen."
Das ist nicht ganz richtig. Sie sollten das gegen die Interessen ihrer Anleger "freiwillig" tun, damit die Versicherungspolicen, die sie gezeichnet hatten, so sagen böse Zungen, ausfallen.
Nun ist es aber sehr fraglich, ob ein Vorstand gegen die Interessen seiner Firma oder die der Anleger für die er anlegt handeln darf. Das wäre kriminelles Verhalten diese "Freiwilligkeit". Ähnlich wie in vielen Fällen der letzten Jahre nehmen es die Politiker nicht so ernst mit dem Sinn des Gesetzes und interpretieren das Wort wie die aktuelle Lage das erfordert.
...dass die EU alles erdenkliche tun wird um den Euro zu retten,auch wenn die ganze Mittelklasse geschröpft wird,ja...das wird in Kauf genommen,aber ob so etwas reicht ist allerdings fraglich.Da hilft nichts wenn Gesetze uminterpretiert oder einfach ausser Kraft gesetzt werden.Der Schlamassel ist da,es kann nur noch darum gehen die Schäden zu begrenzen.
Griechenland ist ein hoffnungsloser Fall,besser wäre es das Land in eine geordnete Insolvenz gehen zu lassen als das Status-quo mit Steuergelder aufrechtzuerhalten.Schlittert Griechenland in eine chaotische Insolvenz (und es sieht danach aus),dann wird die Lehman-Pleite wie der Muppets show im Vergleich aussehen.Nun,die EU-Politiker scheinen von der Idee besessen ALLE Mitglieder der Union durch Subventionierung behalten zu können.Dies wird eines Tages sich rächen wenn die Wähler in Deutschland merken,dass sie unter einem hohen Steuerlast leiden müssen um marode Staaten durchzufüttern.Zu viel Europa wird Europa zerzetzen.
...dass die EU alles erdenkliche tun wird um den Euro zu retten,auch wenn die ganze Mittelklasse geschröpft wird,ja...das wird in Kauf genommen,aber ob so etwas reicht ist allerdings fraglich.Da hilft nichts wenn Gesetze uminterpretiert oder einfach ausser Kraft gesetzt werden.Der Schlamassel ist da,es kann nur noch darum gehen die Schäden zu begrenzen.
Griechenland ist ein hoffnungsloser Fall,besser wäre es das Land in eine geordnete Insolvenz gehen zu lassen als das Status-quo mit Steuergelder aufrechtzuerhalten.Schlittert Griechenland in eine chaotische Insolvenz (und es sieht danach aus),dann wird die Lehman-Pleite wie der Muppets show im Vergleich aussehen.Nun,die EU-Politiker scheinen von der Idee besessen ALLE Mitglieder der Union durch Subventionierung behalten zu können.Dies wird eines Tages sich rächen wenn die Wähler in Deutschland merken,dass sie unter einem hohen Steuerlast leiden müssen um marode Staaten durchzufüttern.Zu viel Europa wird Europa zerzetzen.
Wer erwarte, dass "die privaten Investoren unzumutbare Verluste hinnehmen, hat den Charakter eines freiwilligen Handels nicht verstanden".
Tja, und wer erwarte, dass die privaten Haushalte fehlenees Geld bei den privaten Banken ausgleiche, hat den Charakter eines freiwilligen Handels nicht verstanden. Nur wo ist hier die Freiwilligkeit?
Man kann es sich eigentlich nicht wünschen, aber der einzige Weg um die CDS und andere toxische Derivate zu aktivieren (und damit den Banken die Macht zu nehmen) ist wahrscheinlich einen Default einzuleiten. Für Griechenland, Portugal, Irland und evtl. andere Länder.
Wenn die Banken dann die Reform der Institutionen der Eurozone nicht mehr blockieren können, ist die Lösung der Eurokrise nah.
...ist es ja verboten, in D zu einem Steuerstreik aufzurufen, da soetwas ja eine schwere Straftat ist. Dies bedeutet aber, dass die Bevölkerung der vermeintlich "reichen" Staaten sich in einem Würgegriff befindet.
....offenbar eine Möglichkeit dem Staat zumindest auf einige Zeit die Steuerzahlungen vor zu enthalten. So zumindest berichtete Ein Wirtschaftsprüfer in eine der Talkshows. Da ich aber nicht vom Fach bin, müssten Sie mit Ihrem Prüfer reden.
....offenbar eine Möglichkeit dem Staat zumindest auf einige Zeit die Steuerzahlungen vor zu enthalten. So zumindest berichtete Ein Wirtschaftsprüfer in eine der Talkshows. Da ich aber nicht vom Fach bin, müssten Sie mit Ihrem Prüfer reden.
"Die Stabilität der Währungsunion würde mit Steuergeldern aus den reicheren Ländern erkauft."
so wird es wohl kommen.
das ist auch dringend notwendig damit auch der letzte nebel der gezuendeten kerzen verzieht und man sich endlich emotionslos dem konstrukt euro widmen kann.
dann ist endlich auch dem letzten klar, das ein waehrungsraum mit so unterschiedlich starken volkswirtschaften (so) nicht funktionieren kann.
bleibt vorerst noch zu klaeren wessen steuergelder hier beansprucht werden.
100 schafe lassen sich einfacher scheren als ein loewe...
bleibt vorerst noch zu klaeren wessen steuergelder hier beansprucht werden.
100 schafe lassen sich einfacher scheren als ein loewe...
bleibt vorerst noch zu klaeren wessen steuergelder hier beansprucht werden.
100 schafe lassen sich einfacher scheren als ein loewe...
Bei Griechenland werden Karten gezogen ,gezeigt und
wieder zurück gesteckt und wenn neues Geld in den Pott kommen soll wird eine gute Karte gegen eine schlechte Griechische Karte getauscht ,die dann aber auch schnell an Wert verliert.Usw.usw.
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