Australiens Außenminister "Wir brauchen Europa auch in Asien"
Für die USA ist Asien die wichtigste Region. Auch Europa sollte mehr auf den Pazifik und weniger auf den Euro schauen, sagt Australiens Außenminister Rudd im Interview.
© Alex Wong/Getty Images

Australiens Außenminiser Kevin Rudd
Frage: Herr Außenminister, ist Asien aus australischer Sicht mittlerweile die wichtigste Region der Welt, wichtiger noch als Europa?
Kevin Rudd: Es geht doch nicht um ein Entweder- Oder, wir brauchen auch Europa. Wenn Sie die Entwicklung verstehen wollen, müssen Sie nur auf die ökonomischen Daten schauen, die überwältigend sind: China, Indien, Indonesien und damit ganz Asien werden das 21. Jahrhundert wirtschaftlich dominieren. Australien ist das einzige westliche Land in unmittelbarer Nachbarschaft dieser Region. Und es gibt im asiatisch-pazifischen Raum sehr viele ungelöste Sicherheitsprobleme. Wir engagieren uns sehr in Asien, haben aber gleichzeitig wichtige Partner in anderen Weltgegenden, an erster Stelle Amerika.
Frage: Präsident Obama hat entschieden, dass sich Amerika mit ganzer Kraft dem pazifisch-asiatischen Raum zuwenden wird. Stellen sich die Europäer genügend auf die Entwicklung Asiens ein?
Rudd: Den Europäern dämmert allmählich, was passiert. Mein Kollege und Freund Guido Westerwelle hat es verstanden, das weiß ich aus vielen Gesprächen. Was den Rest von Europa angeht, so entwickelt sich das Verständnis für die Herausforderung langsam. Ich warne davor, dass Europa sich in der gegenwärtigen Schuldenkrise nun ganz auf sich selbst konzentriert. Wir brauchen ein international engagiertes und handlungsfähiges Europa, auch in Asien.
(54), ist seit 2010 Außenminister Australiens. Zuvor führte der Labor-Mann das Land drei Jahre lang als Premierminister. Aufsehen erregte seine Entschuldigung bei den Aborigines.
Frage: Muss sich Europa in Asien auch in Sicherheitsfragen engagieren?
Rudd: Wir erleben einen völligen Umbau der internationalen Sicherheitsarchitektur. Zum ersten Mal seit 200 Jahren wird ein nicht demokratisches Land zur größten Wirtschaftsmacht der Erde aufsteigen. Das wird Auswirkungen auf die Weltordnung haben. In Europa wird der Aufstieg Chinas ausschließlich als wirtschaftliche Chance und Herausforderung gesehen. In Asien wird der Aufstieg Chinas auch als sicherheitspolitische Chance und Herausforderung gesehen. Die Europäer müssen verstehen: Jede Bedrohung der Sicherheit in Asien hat sofort schwerwiegende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Die Schockwellen dieser Entwicklung werden dann auch Europa treffen.
- Datum 27.01.2012 - 17:37 Uhr
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- Quelle Tagesspiegel
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Wie Recht er hat....
Nur dummerweise verstehen das die wenigsten.
Da schimpft man lieber auf die "EUdSSR" oder die "EUrokraten" oder was noch so einfällt, anstatt das einem endlich klar wird das entweder in 50 Jahren ein einiges Europa da ist oder Europa am Rande des Weltgeschehens ohne wirkliche eingriffsmöglichkeiten von den Grossmächten Asiens und Amerikas manipuliert wird.
Okay, ich gebe zu, die Sowjetunion als "asiatische Großmacht" zu bezeichnen ist ein wenig übertrieben. Dennoch - dass "Europa .. ohne wirkliche Eingriffsmöglichkeiten von den Großmächten Asiens und Amerikas manipuliert wird", ist seit 1945 der Fall.
Guten Morgen!
Die EU war der leider gescheiterte Versuch, daran etwas zu ändern. Nun bleibt halt alles beim Alten.
Okay, ich gebe zu, die Sowjetunion als "asiatische Großmacht" zu bezeichnen ist ein wenig übertrieben. Dennoch - dass "Europa .. ohne wirkliche Eingriffsmöglichkeiten von den Großmächten Asiens und Amerikas manipuliert wird", ist seit 1945 der Fall.
Guten Morgen!
Die EU war der leider gescheiterte Versuch, daran etwas zu ändern. Nun bleibt halt alles beim Alten.
hat Mr. Rudd vollkommen Recht. Dummerweise ist es ausgerechnet Australiens Mutterland Großbritannien (mit dem es sich immerhin noch das Staatsoberhaupt teilt) welches jegliche aussen- und sicherheitspolitische Zusammenarbeit innerhalb Europas permanent hintertreibt.
Er sollte seine Appelle deshalb lieber an London richten, was ihm auch deutlich leichter fallen dürfte.
Okay, ich gebe zu, die Sowjetunion als "asiatische Großmacht" zu bezeichnen ist ein wenig übertrieben. Dennoch - dass "Europa .. ohne wirkliche Eingriffsmöglichkeiten von den Großmächten Asiens und Amerikas manipuliert wird", ist seit 1945 der Fall.
Guten Morgen!
Die EU war der leider gescheiterte Versuch, daran etwas zu ändern. Nun bleibt halt alles beim Alten.
Die EU ist noch nicht gescheitert.
Die EU ist noch nicht gescheitert.
Die EU ist noch nicht gescheitert.
Dieser Mann ist meiner Meinung nach einigermassen paranoid. Die Antwort auf wirtschaftliches Wachstum anderer Staaten kann nach seiner Vorstellung nur Abschottung und Krieg sein. Die Zukunft Asiens und des Pazifikraumes wäre dann ähnlich wie die Aktualität des Nahem Ostens, nämlich eine immerwährende Abfolge von Dämonisierungen, Angriffskriegen und Zerstörung von Seiten der USA. Mit Verlaub, aber dies sind Praktiken, welche unserem westlichen Weltbild, speziell meinem persönlichen, diametral entegen stehen. Soweit ich überblicken kann, sehe ich nicht, dass China diesbezüglich kriegerischer oder undemokratischer handeln würde, eher genau das Gegenteil.
Man kann das Wachstum Chinas auch als Chance begreifen. Europa könnte sich mit der neuen Situation friedlich arrangieren, und müsste sich dazu erst einmal vom Kadavergehorsam den USA gegenüber befreien.
China hätte schon vor ein paar Monaten fast den Krieg mit Vietnam riskiert, die asiatischen Staaten holen sich gerade massiv die Hilfe der USA weil sie nicht alleine China im Pazifik wollen.
China hätte schon vor ein paar Monaten fast den Krieg mit Vietnam riskiert, die asiatischen Staaten holen sich gerade massiv die Hilfe der USA weil sie nicht alleine China im Pazifik wollen.
Deutschland waere zwar potentiell ein idealer Partner fuer den pazifischen Raum, insbesondere in Fragen wie Abruestung und Deeskalation zwischen China und seinen Nachbarn. Allerdings hat Frau Merkel einen Riesenjob daheim zu tun, zwischen Eurokrise, Finanzkrise, Massenarbeitslosigkeit und anderen Problemen.
Frau Merkel ist aber leider weit und breit die einzige deutsche Politikerin, die das Charisma und Autoritaet haette, unsere Interessen im Pazifik glaubhaft zu vertreten, als da sind: Frieden, freier Handel, Wahrung der Menschenrechte und nachhaltige Wirtschaftsbeziehungen. Weder Aussenminister Westerwelle noch Bundespraesident Wulff traue ich zu in Asien als erfolgreicher Botsachafter deutscher Interessen aufzutreten.
Die Entwicklung Chinas in den letzten Jahren wird für Zukunftsprognosen gern mehr oder weniger linear fortgeschrieben. Man sollte vielleicht auch Szenarien durchspielen, nach denen China innenpolitisch explodiert, Bürgerkriege ausbrechen oder die Wirtschaft dort mal massiv einbricht.
Die ganzen chinesischen Erfolgsmeldungen kommen von der Kommunistischen Partei Chinas. Der Westen hat kaum belastbare
Zahlen zur Wirtschaft Chinas, zu faulen Krediten aufgrund eines absurd überhitzten Immobilienbooms usw. Beispielsweise kann China nach abgelaufenen Monaten bzw. Quartalen immer in Rekordgeschwindigkeit statistische Zahlen zur Wirtschaft liefern. Kein westlicher Staat bekommt das auch nur ansatzweise so schnell hin. Die einen sagen, dass China das kann, weil es eine halbe Planwirtschaft ist. Die anderen sagen, das China das kann, weil die Statistiken nur grobe Schätzungen oder die politisch gewünschten Zahlen sind. Ich halte Letzteres für wahrscheinlich.
Völlig zurecht beklagen westliche Politiker, dass der seitens China staatlich festgelegte Wechselkurskorridor der chinesischen Währung absurd ist. Die Währung ist um 30-40 Prozent unterbewertet. Wie geht es mit dem chinesischen Exportboom weiter, wenn chinesische Waren mal 30-40 %teurer am Weltmarkt sind und andere Regionen plötzlich preislich wieder wettbewerbsfähig sind?
Chinas Aufstieg zur führenden Weltmacht ist derzeit wahrscheinlich. Sicher ist er nicht. Ich sehe mindestens 20% Risiko.
@ #8:
China ist der Wachstumsmotor, der heute die Wirtschaft vieler Länder antreibt, allen voran die Pazifikrandlämder USA, Japan, Australien, Kanada, Indonesien, und bis vor kurzem auch Europa. Dennoch sollte Herr Rudd wohl nicht erwarten, dass Europa sich noch aktiver im Pazifik engagiert.
@ #8:
China ist der Wachstumsmotor, der heute die Wirtschaft vieler Länder antreibt, allen voran die Pazifikrandlämder USA, Japan, Australien, Kanada, Indonesien, und bis vor kurzem auch Europa. Dennoch sollte Herr Rudd wohl nicht erwarten, dass Europa sich noch aktiver im Pazifik engagiert.
Ich kann Mr. Rudd verstehen. Als Australier, würde ich mir mit 3Mrd land-, und rohstoffhungrigen Asiaten vor der Haustüre, auch Gedanken machen. Wobei die 1,4Mrd Chinesen den Australiern, der USA und etlichen anderen Pazifikstaaten die meisten Kopfschmerzen bereiten.
Es kann Europa nicht egal sein, was in der Region passiert, aber Mr. Rudd überschätzt europäischen Willen und europäische Möglichkeiten maßlos, wenn er glaubt, das Europa im strategischen Schachspiel in Ostasien eine Rolle spielen könnte.
Wir wären schon froh, könnten wir europäische, und Konflikte der mediterranen Anrainer, ohne Hilfe der USA lösen.
Warum sollte der Pazifik im besonderen Interesse Europas sein? Nordafrika, der ganze Kontinent Afrika, Russland und Vorderasien sind unser "ballpark".
China expandiert im Pazifik, wirtschaftlich und militärisch. Das strategische Spiel der Region geht um Rohstoffe und deren militärische Sicherung. Ich sehe nicht, warum dies Europa besonders beunruhigen muss, wohl aber warum Australier und die USA das anders sehen.
20 Jahre nach Ende des kalten Krieges und dem Entstehen einer neuen Welt, sind die Interessen von Europa und seiner überseeischen Verbündeten im Kampf gegen die "rote Gefahr"
nicht mehr automatisch die gleichen. China ist nicht die frühere UdSSR, und der Pazifik daher keine automatische Frontlinie wie in früheren Zeiten. Und, China ist weit weg.
Die Angst vor gelben der Gefahr, ist in Europa nicht so leicht zu schüren und m.E. übertrieben.
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