Australiens Außenminister "Wir brauchen Europa auch in Asien"
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"Wir halten Europa und sein Herz für entscheidend für die Zukunft der Welt"

Frage: Was soll Europa zur Sicherheit in der Region beitragen – etwa Soldaten in Nordaustralien stationieren, wie dies die USA tun?

Rudd: Moment! Wir sind seit 1941 Alliierte der Amerikaner. Das ist länger, als die Volksrepublik China existiert. Die Bedeutung des Abkommens mit den USA wird völlig übertrieben. Bisher waren jedes Jahr 1.500 US-Marines drei Monate lang zum Training in Nordaustralien, in Zukunft werden jedes Jahr 2.500 US-Marines kommen und bis zu einem halben Jahr lang bleiben. Nun zu Europa. China teilt unsere demokratischen Werte nicht, deshalb wird sein Aufstieg die neue Weltordnung ändern. Die Europäer gehen davon aus, dass die Welt im Grunde so bleibt, wie sie ist, und die westlichen Werte unveränderlich sind. Meine Botschaft an die Europäer lautet: Das wird nicht notwendigerweise so kommen. Stellt euch darauf ein, dass es auch anders sein kann.

Frage: Was konkret soll Europa tun?

Rudd: Europa muss mit einer Stimme sprechen, es muss nicht nur Europa und Nordafrika in den Blick nehmen, sondern die Welt als Ganzes, darunter auch Asien. Wenn wir die außenpolitischen Versprechen der Europäer hören und gleichzeitig in Europa die Verteidigungsausgaben gekürzt werden, beschleicht uns eine gewisse Skepsis. Die Frage ist doch, ob die europäische Außen- und Sicherheitspolitik wirklich ernst gemeint ist, wenn ihr im Ernstfall die Mittel zum Handeln fehlen.

Frage: Wie kann Europa darüber hinaus zur Sicherheit im asiatisch-pazifischen Raum beitragen?

Rudd: Es ist sinnvoll, im pazifisch-asiatischen Raum Strukturen gemeinsamer Sicherheit aufzubauen. Unsere europäischen Freunde könnten dabei helfen, sie haben nach dem Krieg Institutionen aufgebaut, die weit über bilaterale Beziehungen hinausgehen. Wir sind gerade erst dabei. Ein Beispiel: Zum ersten Mal in der Geschichte Asiens haben wir Ende 2011 mit dem Ostasiatischen Gipfel eine regionale Organisation ins Leben gerufen, die alle Partner umfasst, für alle Sicherheits- und Wirtschaftsfragen offen ist und sich jährlich zu Gipfeln treffen wird.

Frage: Was ist das Interesse Australiens an Deutschland?

Rudd: Wir bauen unsere Beziehungen zur Europäischen Union, zu Frankreich und zu Deutschland aus. Deutschland ist auch ein wichtiger wirtschaftlicher Partner für uns. Australien ist eine Mittelmacht mit globalen Interessen. Wir halten Europa und sein Herz für entscheidend für die Zukunft der Welt. Deshalb haben wir auch die Entwicklung der Schuldenkrise sehr genau verfolgt. Was in Europa passiert, hat unmittelbare Auswirkungen auf uns.

Frage: Sie kennen Angela Merkel von vielen internationalen Treffen aus ihrer Zeit als Premierminister. Wann erwarten Sie die Kanzlerin zum Besuch in Australien?

Rudd: Sie ist uns immer willkommen, gerne auch im laufenden Jahr.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. 1. .....

    Wie Recht er hat....

    Nur dummerweise verstehen das die wenigsten.

    Da schimpft man lieber auf die "EUdSSR" oder die "EUrokraten" oder was noch so einfällt, anstatt das einem endlich klar wird das entweder in 50 Jahren ein einiges Europa da ist oder Europa am Rande des Weltgeschehens ohne wirkliche eingriffsmöglichkeiten von den Grossmächten Asiens und Amerikas manipuliert wird.

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    • spacko
    • 27.01.2012 um 18:23 Uhr

    Okay, ich gebe zu, die Sowjetunion als "asiatische Großmacht" zu bezeichnen ist ein wenig übertrieben. Dennoch - dass "Europa .. ohne wirkliche Eingriffsmöglichkeiten von den Großmächten Asiens und Amerikas manipuliert wird", ist seit 1945 der Fall.

    Guten Morgen!

    Die EU war der leider gescheiterte Versuch, daran etwas zu ändern. Nun bleibt halt alles beim Alten.

    • spacko
    • 27.01.2012 um 18:23 Uhr

    Okay, ich gebe zu, die Sowjetunion als "asiatische Großmacht" zu bezeichnen ist ein wenig übertrieben. Dennoch - dass "Europa .. ohne wirkliche Eingriffsmöglichkeiten von den Großmächten Asiens und Amerikas manipuliert wird", ist seit 1945 der Fall.

    Guten Morgen!

    Die EU war der leider gescheiterte Versuch, daran etwas zu ändern. Nun bleibt halt alles beim Alten.

    • LJA
    • 27.01.2012 um 18:17 Uhr

    hat Mr. Rudd vollkommen Recht. Dummerweise ist es ausgerechnet Australiens Mutterland Großbritannien (mit dem es sich immerhin noch das Staatsoberhaupt teilt) welches jegliche aussen- und sicherheitspolitische Zusammenarbeit innerhalb Europas permanent hintertreibt.
    Er sollte seine Appelle deshalb lieber an London richten, was ihm auch deutlich leichter fallen dürfte.

    • spacko
    • 27.01.2012 um 18:23 Uhr

    Okay, ich gebe zu, die Sowjetunion als "asiatische Großmacht" zu bezeichnen ist ein wenig übertrieben. Dennoch - dass "Europa .. ohne wirkliche Eingriffsmöglichkeiten von den Großmächten Asiens und Amerikas manipuliert wird", ist seit 1945 der Fall.

    Guten Morgen!

    Die EU war der leider gescheiterte Versuch, daran etwas zu ändern. Nun bleibt halt alles beim Alten.

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    Antwort auf "....."
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    Die EU ist noch nicht gescheitert.

    Die EU ist noch nicht gescheitert.

  2. Die EU ist noch nicht gescheitert.

    Antwort auf "What else is new?"
  3. Dieser Mann ist meiner Meinung nach einigermassen paranoid. Die Antwort auf wirtschaftliches Wachstum anderer Staaten kann nach seiner Vorstellung nur Abschottung und Krieg sein. Die Zukunft Asiens und des Pazifikraumes wäre dann ähnlich wie die Aktualität des Nahem Ostens, nämlich eine immerwährende Abfolge von Dämonisierungen, Angriffskriegen und Zerstörung von Seiten der USA. Mit Verlaub, aber dies sind Praktiken, welche unserem westlichen Weltbild, speziell meinem persönlichen, diametral entegen stehen. Soweit ich überblicken kann, sehe ich nicht, dass China diesbezüglich kriegerischer oder undemokratischer handeln würde, eher genau das Gegenteil.
    Man kann das Wachstum Chinas auch als Chance begreifen. Europa könnte sich mit der neuen Situation friedlich arrangieren, und müsste sich dazu erst einmal vom Kadavergehorsam den USA gegenüber befreien.

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    China hätte schon vor ein paar Monaten fast den Krieg mit Vietnam riskiert, die asiatischen Staaten holen sich gerade massiv die Hilfe der USA weil sie nicht alleine China im Pazifik wollen.

    China hätte schon vor ein paar Monaten fast den Krieg mit Vietnam riskiert, die asiatischen Staaten holen sich gerade massiv die Hilfe der USA weil sie nicht alleine China im Pazifik wollen.

  4. Deutschland waere zwar potentiell ein idealer Partner fuer den pazifischen Raum, insbesondere in Fragen wie Abruestung und Deeskalation zwischen China und seinen Nachbarn. Allerdings hat Frau Merkel einen Riesenjob daheim zu tun, zwischen Eurokrise, Finanzkrise, Massenarbeitslosigkeit und anderen Problemen.

    Frau Merkel ist aber leider weit und breit die einzige deutsche Politikerin, die das Charisma und Autoritaet haette, unsere Interessen im Pazifik glaubhaft zu vertreten, als da sind: Frieden, freier Handel, Wahrung der Menschenrechte und nachhaltige Wirtschaftsbeziehungen. Weder Aussenminister Westerwelle noch Bundespraesident Wulff traue ich zu in Asien als erfolgreicher Botsachafter deutscher Interessen aufzutreten.

    • Guido3
    • 27.01.2012 um 21:54 Uhr

    Die Entwicklung Chinas in den letzten Jahren wird für Zukunftsprognosen gern mehr oder weniger linear fortgeschrieben. Man sollte vielleicht auch Szenarien durchspielen, nach denen China innenpolitisch explodiert, Bürgerkriege ausbrechen oder die Wirtschaft dort mal massiv einbricht.

    Die ganzen chinesischen Erfolgsmeldungen kommen von der Kommunistischen Partei Chinas. Der Westen hat kaum belastbare
    Zahlen zur Wirtschaft Chinas, zu faulen Krediten aufgrund eines absurd überhitzten Immobilienbooms usw. Beispielsweise kann China nach abgelaufenen Monaten bzw. Quartalen immer in Rekordgeschwindigkeit statistische Zahlen zur Wirtschaft liefern. Kein westlicher Staat bekommt das auch nur ansatzweise so schnell hin. Die einen sagen, dass China das kann, weil es eine halbe Planwirtschaft ist. Die anderen sagen, das China das kann, weil die Statistiken nur grobe Schätzungen oder die politisch gewünschten Zahlen sind. Ich halte Letzteres für wahrscheinlich.

    Völlig zurecht beklagen westliche Politiker, dass der seitens China staatlich festgelegte Wechselkurskorridor der chinesischen Währung absurd ist. Die Währung ist um 30-40 Prozent unterbewertet. Wie geht es mit dem chinesischen Exportboom weiter, wenn chinesische Waren mal 30-40 %teurer am Weltmarkt sind und andere Regionen plötzlich preislich wieder wettbewerbsfähig sind?

    Chinas Aufstieg zur führenden Weltmacht ist derzeit wahrscheinlich. Sicher ist er nicht. Ich sehe mindestens 20% Risiko.

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    @ #8:
    China ist der Wachstumsmotor, der heute die Wirtschaft vieler Länder antreibt, allen voran die Pazifikrandlämder USA, Japan, Australien, Kanada, Indonesien, und bis vor kurzem auch Europa. Dennoch sollte Herr Rudd wohl nicht erwarten, dass Europa sich noch aktiver im Pazifik engagiert.

    @ #8:
    China ist der Wachstumsmotor, der heute die Wirtschaft vieler Länder antreibt, allen voran die Pazifikrandlämder USA, Japan, Australien, Kanada, Indonesien, und bis vor kurzem auch Europa. Dennoch sollte Herr Rudd wohl nicht erwarten, dass Europa sich noch aktiver im Pazifik engagiert.

    • vonDü
    • 27.01.2012 um 22:14 Uhr

    Ich kann Mr. Rudd verstehen. Als Australier, würde ich mir mit 3Mrd land-, und rohstoffhungrigen Asiaten vor der Haustüre, auch Gedanken machen. Wobei die 1,4Mrd Chinesen den Australiern, der USA und etlichen anderen Pazifikstaaten die meisten Kopfschmerzen bereiten.

    Es kann Europa nicht egal sein, was in der Region passiert, aber Mr. Rudd überschätzt europäischen Willen und europäische Möglichkeiten maßlos, wenn er glaubt, das Europa im strategischen Schachspiel in Ostasien eine Rolle spielen könnte.

    Wir wären schon froh, könnten wir europäische, und Konflikte der mediterranen Anrainer, ohne Hilfe der USA lösen.
    Warum sollte der Pazifik im besonderen Interesse Europas sein? Nordafrika, der ganze Kontinent Afrika, Russland und Vorderasien sind unser "ballpark".

    China expandiert im Pazifik, wirtschaftlich und militärisch. Das strategische Spiel der Region geht um Rohstoffe und deren militärische Sicherung. Ich sehe nicht, warum dies Europa besonders beunruhigen muss, wohl aber warum Australier und die USA das anders sehen.

    20 Jahre nach Ende des kalten Krieges und dem Entstehen einer neuen Welt, sind die Interessen von Europa und seiner überseeischen Verbündeten im Kampf gegen die "rote Gefahr"
    nicht mehr automatisch die gleichen. China ist nicht die frühere UdSSR, und der Pazifik daher keine automatische Frontlinie wie in früheren Zeiten. Und, China ist weit weg.
    Die Angst vor gelben der Gefahr, ist in Europa nicht so leicht zu schüren und m.E. übertrieben.

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