MilitärhaushaltUS-Propaganda in eigener Sache

Die USA müssen am Militär sparen. Angeblich ist das Land bald nicht mehr in der Lage, zwei Bodenkriege gleichzeitig zu führen. Das ist Unfug. Ein Kommentar

US-Marinesoldat auf einem Flugzeugträger

US-Marinesoldat auf einem Flugzeugträger

Der Verteidigungsetat der USA soll ein bisschen sinken. "Endlich!", möchte man rufen. Die USA geben mehr fürs Militär aus als die nächsten zwanzig Staaten zusammen. Sie müssen sparen. Ein Drittel des laufenden Budgets wird auf Pump finanziert. Die drei größten Brocken und zugleich größten Kostentreiber sind das Militär, das Rentensystem und die staatliche Krankenversorgung für alle über 65 Jahre.

Die USA könnten auch sparen, gerade beim Militär. Der Irak-Einsatz ist beendet, in Afghanistan folgt der Rückzug allmählich. Sie geben zudem viel Geld für Rüstungsprojekte aus, die militärisch überflüssig sind. Eine Mehrheit der Abgeordneten fordert sie, um Arbeitsplätze in ihren Wahlkreisen zu sichern. Ein Beispiel: Das Pentagon hat den Bau eines Ersatztriebwerks für den Kampfjet F-35 gestrichen. Aber der Kongress schreibt diese Ausgabe immer wieder in den Staatshaushalt hinein. Die USA könnten auch eine ihrer elf Flugzeugträgergruppen stilllegen, ohne dass sich am Kräfteverhältnis am Persischen Golf oder in Asien viel ändern würde.

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Doch 2012 ist ein Wahljahr. So entbrennt eine absurde Debatte. Die Republikaner werfen Barack Obama vor, er sei ein Weichei, der den Feinden nicht mehr entschlossen entgegentrete. Das Pentagon betreibt sein eigenes Propagandaspiel. Einerseits muss es den Sparzwängen ein bisschen folgen. Andererseits lanciert es Horrormeldungen, damit die Kürzungen moderat ausfallen. Angeblich werde Amerika bald nicht mehr in der Lage sein, zwei Bodenkriege gleichzeitig zu führen. 

Ein Drittel streichen

Das ist Unfug. Amerika könnte wohl ein Drittel aus dem Militäretat streichen, ohne seine globale Überlegenheit und Fähigkeit zur Intervention zu verlieren – sofern die Mittel vernünftig eingesetzt werden. Nach dem Angriff von 9/11 waren die Militärausgaben unter George W. Bush um 50 Prozent gestiegen. Das lässt viel Raum für Einsparungen.

Die Zahlen, mit denen die Rüstungslobby und die interessierten Abgeordneten operieren, sind zudem irreführend. Sie werden jeweils auf zehn Jahre hochgerechnet. Wenn es heißt, das Pentagon müsse 400 Milliarden Dollar sparen, sind das tatsächlich nur 40 Milliarden pro Jahr – gemessen an einem Budget, das auf dem Papier rund 700 Milliarden umfasst, tatsächlich aber annähernd 900 Milliarden Dollar, wenn man jene Ausgaben für den Irak, Afghanistan und Libyen addiert, die über Nachtragshaushalte bewilligt wurden.

In Wahrheit will das Pentagon die nächste Sparrunde verhindern. Als der Kongress im August die Schuldenobergrenze erhöhte, verpflichteten sich Demokraten und Republikaner, eine Billion Dollar zu streichen – und vereinbarten automatische Kürzungen beim Militär und den Sozialsystemen, falls sie sich nicht einigen, wo man sonst sparen kann. Dann würden zu den beschlossenen Kürzungen von 40 Milliarden pro Jahr weitere 50 Milliarden pro Jahr kommen, zusammen etwa zehn Prozent der Militärausgaben. Das wäre verkraftbar. Die republikanische Kongressmehrheit aber wird es verhindern.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leserkommentare
  1. Das gibt es nicht.
    Ein Land, welches mit Gewalt gegründet und aufgebaut wurde und fast immer in Kriege verwickelt war, wird auch künftig Geld für Kriege haben.
    Wenn, dann wird eben bei Bildung, Sozialausgaben, Gesundheits- und Rentenvorsorge für die breite Masse der Bevölkerung gespart.
    Solange an Kriegen private Unternehmen verdienen und Kriege aus Steuermitteln bezahlt werden, wird immer Geld für Kriege da sein.
    Dazu werden vorsorglich die richtigen Politiker installiert.

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    "Ein Land, welches mit Gewalt gegründet und aufgebaut wurde..."

    Richtig, die USA waren das erste Land, das die Macht der europaeischen Kolonialmaechte abgeworfen hat. Zu dumm dass die Englaender nicht freiwillig gegangen sind und die primitiven Wilden Gewalt anwenden mussten um sie loszuwerden. Noch duemmer, dass die hochzivilisierten Kolonialmaechte verloren haben, und dass ueber die naechsten 200 Jahre noch andere Wilde auf diegleiche Idee kamen und die schoenen Kolonien jetzt fast alle futsch sind.

    Das haben die Europaeer den Amis nie vergessen.

    "Ein Land, welches mit Gewalt gegründet und aufgebaut wurde..."

    Richtig, die USA waren das erste Land, das die Macht der europaeischen Kolonialmaechte abgeworfen hat. Zu dumm dass die Englaender nicht freiwillig gegangen sind und die primitiven Wilden Gewalt anwenden mussten um sie loszuwerden. Noch duemmer, dass die hochzivilisierten Kolonialmaechte verloren haben, und dass ueber die naechsten 200 Jahre noch andere Wilde auf diegleiche Idee kamen und die schoenen Kolonien jetzt fast alle futsch sind.

    Das haben die Europaeer den Amis nie vergessen.

  2. USA muss weg vom Django-Image. Und wie begehren die Reps auf.
    Lieber M1 und Apaches als Frieden und ein gesundes Volk, in dem jeder sein Dach über dem Kopf hat, krankenversichert ist, eine leidliche Arbeit hat und sozial eingebunden ist. Waffenbau ist nicht wirklich produktiv für die Menschen...

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    ist gelinde gesagt eine starke Untertreibung.
    Rüstung sit eine der wenigen Möglichkeiten das überflüssig angesammelte Kapital legal zu verwerten.
    Allerdings auf Kosten der Bevölkerung, die damit, wie immer wieder gerne gesagt wird, "über ihre Verhältnisse lebt".

    War nicht der Grund für die Ausbreitung des Kapitalismus, dass die damaligen Herrschaftsysteme mit der weitgehend vorhandenen Subsistenzwirtschaft keine "stehenden Heere" unterhalten konnte?

    ist gelinde gesagt eine starke Untertreibung.
    Rüstung sit eine der wenigen Möglichkeiten das überflüssig angesammelte Kapital legal zu verwerten.
    Allerdings auf Kosten der Bevölkerung, die damit, wie immer wieder gerne gesagt wird, "über ihre Verhältnisse lebt".

    War nicht der Grund für die Ausbreitung des Kapitalismus, dass die damaligen Herrschaftsysteme mit der weitgehend vorhandenen Subsistenzwirtschaft keine "stehenden Heere" unterhalten konnte?

  3. In 2011 hat Obama trotz der Finanzkrise seinem Militär und den Weltmachtambitionen weitere 900 Milliarden US$ zum Verbrauch zur Verfügung gestellt.
    Die USA sind außer Rand und Band, das sind 60% aller Militärausgaben in der Welt !!!

    Wenn ein Friedenspräsident soviel Geld - 990 Mrd.$$ pro Jahr - in die Machtsicherung und Expansion ausgeben kann, wie viele $$ werden dann die REPs in den Orkus Militär werfen.
    Die USA sind die größte Gefahr für die Welt !!

    4 Leserempfehlungen
  4. ist gelinde gesagt eine starke Untertreibung.
    Rüstung sit eine der wenigen Möglichkeiten das überflüssig angesammelte Kapital legal zu verwerten.
    Allerdings auf Kosten der Bevölkerung, die damit, wie immer wieder gerne gesagt wird, "über ihre Verhältnisse lebt".

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    Antwort auf "Obama handelt richtig."
  5. wird an seinen Taten gemessen,da sehe ich für Obama schwarz!

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  6. weiterhin alles kurz und klein schießen, was nicht ihrer auffassung von freiheit, demokratie und ölpreisen ist.

    näheres hier:

    http://bettercentury.blog...

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  7. Was viele nicht wissen, die USA findet immer einen Weg - auch im Fall der Niederlage - ihre Kriege zu finazieren:

    "Since 1997 Hanoi has been paying off about $145 million in debts left by the defeated South Vietnamese government for American food and infrastructure aid. Thus, Hanoi is reimbursing the United States for part of the cost of the war waged against it."

    Aber Deutschland hat offiziel wenig Interesse, dass die USA-Kriege aufhören u.a. weil die Kirege sind gut fürs Geschäft:

    In Deutschland ist das zentrale Militärgefängnis für alle GIs, die irgendwo in Europa Widerstand leisten, wie auch das Krankenhaus und das Krematorium für alle GIs, die in den Kriegsgebieten verwundet oder getötet werden. Etwa 80 % des Waffennachschubs in die Kriegsgebiete läuft über Deutschland. Über den Leipziger Flughafen werden die US-Truppen in den Irak und nach Afghanistan verlegt, im letzten Jahr 450.000 GIs. Leipzig ist auch der Sitz der Firma DHL, die exklusiv die Kurierdienstverträge mit der US-Armee für Transporte in Afghanistan und im Irak hat.

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    ...daran verdient GER natürlich hunderte von Milliarden.
    Was für ein seltener Blödsinn.

    ...daran verdient GER natürlich hunderte von Milliarden.
    Was für ein seltener Blödsinn.

    • SuR_LK
    • 07.01.2012 um 11:48 Uhr

    einen Flugzeugträger trocken/still legen, was das an Geld spart. Aber da sie wie die Römer ihr Militär brauchen um ihre Ansprüche zu sichern müssens halt ne Überstunde beim drucken in der FED einlegen.

    Eine Leserempfehlung
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    • ztc77
    • 07.01.2012 um 17:58 Uhr

    Diese Flugzeugträger werden mit Atomreaktoren angetrieben, die kann man genau so wenig "einfach" stilllegen wie man die Reaktoren von Fukushima langsam herunterfahren musste. Und wenn sie vor der Küste von Persien kreuzen und dieses Land schafft es wirklich, einen zu zerstören, dann ist dort die Küstenregion genau so atomar verseucht wie um Fukushima herum, jeder Gegner schadet also sich selber. (Wir ersparen uns den Gedanken, dass das Wort "Persien" durch "Deutschland" ersetzt werden könnte.) Mit elf atomgetriebenen Flugzeugträgern kann Amerika also elf Küstenregionen verseuchen, und das sogar, wenn diese Träger im Feuergefecht "verlieren" sollten, was ist das gegen "zwei Bodenkriege"?

    • ztc77
    • 07.01.2012 um 17:58 Uhr

    Diese Flugzeugträger werden mit Atomreaktoren angetrieben, die kann man genau so wenig "einfach" stilllegen wie man die Reaktoren von Fukushima langsam herunterfahren musste. Und wenn sie vor der Küste von Persien kreuzen und dieses Land schafft es wirklich, einen zu zerstören, dann ist dort die Küstenregion genau so atomar verseucht wie um Fukushima herum, jeder Gegner schadet also sich selber. (Wir ersparen uns den Gedanken, dass das Wort "Persien" durch "Deutschland" ersetzt werden könnte.) Mit elf atomgetriebenen Flugzeugträgern kann Amerika also elf Küstenregionen verseuchen, und das sogar, wenn diese Träger im Feuergefecht "verlieren" sollten, was ist das gegen "zwei Bodenkriege"?

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