Während das Regime in Damaskus seine Bürger weiter mit schwerer Artillerie unter Feuer nimmt und sich gleichzeitig mit seinem Verfassungsreferendum brüstet , bietet die syrische Opposition zunehmend ein Bild von Zerrissenheit und Zerfall. Am Wochenende spalteten sich mehrere prominente Mitglieder des Syrischen Nationalrates (SNC) ab und verkündeten die Gründung einer Syrisch-Patriotischen Gruppe – ein weiterer Indikator für die wachsenden Zerwürfnisse im Dachverband der Regimegegner.

Dem SNC sei es nicht gelungen, den Rebellen in Syrien zum Erfolg zu verhelfen, hieß es offiziell zur Begründung. "Für uns ist das Wichtigste, dass wir endlich aus der Lähmung herausfinden", erläuterte einer der Abtrünnigen. Diese Gruppe setzte sich zum Ziel, Machthaber Assad zu Fall zu bringen und dafür auch die von Deserteuren gebildete "Freie Syrische Armee" einzusetzen.

Zusammengewürfelt aus Exilsyrern und Aktivisten vor Ort, aus Nationalisten und Marxisten, Religiösen und Säkularen sowie Befürwortern und Gegnern einer Bewaffnung fehlt der Opposition auch zehn Monate nach Beginn des Volksaufstands eine kohärente Strategie für den Kampf gegen das Assad-Regime, ein klares Szenario für einen künftigen Machttransfer sowie ein Plan für den Neuanfang. Und so wachsen auch im Ausland Skepsis und Sorgen. Die Konferenz der "Freunde Syriens" in Tunis erkannte den SNC zwar als "eine legitime Vertretung der Syrer, die friedlichen demokratischen Wandel anstreben", an, nicht jedoch als "einzige legitime Vertretung des syrischen Volkes".

Syriens Opposition fehlt ein Gesicht

Auch dem Vorschlag Saudi-Arabiens und Katars, die syrische Opposition zu bewaffnen, wollten die westlichen Staaten nicht folgen. "Wir haben doch keine Ahnung, wen wir da eigentlich bewaffnen", erklärte US-Außenministerin Hillary Clinton . Schließlich mischen sich unter die Kämpfer in Syrien mittlerweile auch Al-Kaida-Extremisten sowie sunnitische Dschihadisten aus dem Irak , die in Scharen nach Syrien einsickern.

Anders als in Syrien galt seinerzeit der Nationale Übergangsrat in Libyen von Anfang an als die unbestrittene Vertretung der Aufständischen gegen Gaddafi und damit quasi als Exilregierung. Die syrische Opposition dagegen kann immer noch kein allseits respektiertes Gesicht an ihrer Spitze vorweisen, vergleichbar dem libyschen Übergangspräsidenten Mustafa Abdul Dschalil . Burhan Ghalioun, der Vorsitzende des zehnköpfigen Exekutivkomitees des Syrischen Nationalrates, vermag diese Rolle nicht zu bekleiden.