Israel : "Wer Schriftsteller boykottiert, verbrennt am Ende Bücher"

Das Einreiseverbot gegen Günter Grass stößt auch in Israel auf Kritik. Doch viel mehr beschäftigt die Menschen dort, wie mit dem Iran umgegangen werden soll.
Ein Selbstporträt von Günter Grass © Dani Cardona / Reuters

Wer in Israel intellektuell etwas auf sich hält, kennt in der Regel Die Blechtrommel , hat das Buch gelesen oder zumindest den Film gesehen. Auch andere Werke von Günter Grass liegen längst in hebräischer Übersetzung vor. Als ein großer Freund des Landes allerdings galt er nie. Das war auch schon so, als sich das öffentliche Wissen um seine Kriegsvergangenheit noch auf seine Tätigkeit als Flakhelfer beschränkte.

Als Grass 1991 vehement gegen eine militärische Intervention im Irak protestierte, so erinnert sich der Schriftsteller Yoram Kaniuk, habe er seinen deutschen Kollegen gefragt, "warum er und auch andere Linke nicht vor den Toren der deutschen Firmen demonstrierten, mit deren Hilfe der Irak Gaswaffen produzierte", vor denen sich die Israelis so fürchteten. Grass sei daraufhin sehr ausfallend geworden und habe knapp mit dem bekannten "Kein Blut gegen Öl"-Argument aufgewartet.

Kaniuk, der über 80 ist und Grass persönlich kennt, wurde in den israelischen Medien in den vergangenen Tagen oft nach seiner Einschätzung zum Israel-Gedicht des deutschen Dichters gefragt worden. Doch weder die Person, noch dessen Sorgen interessierten ihn. "Ich lebe hier und habe andere Sorgen". Dass Israel jedoch den Iran auslöschen wolle, wie es Grass in seinem Gedicht unterstellte, habe er noch nicht gehört. Dennoch hält Kaniuk es für überzogen, Grass als Antisemiten darzustellen und kritisiert auch, dass Innenminister Eli Ishai ein Einreiseverbot gegen ihn verhängt hat . "Wer Schriftsteller boykottiert, wird am Ende Bücher verbrennen."

"Hysterische Überreaktion"

Ähnlich reagierten auch andere Israelis. Der Chemienobelpreisträger Aaron Ciechanover hält es für falsch, "auf Unsinn mit neuem Unsinn zu antworten". Die Tageszeitung Haaretz nannte die Ankündigung des Innenministeriaums eine "hysterische Überreaktion". Auch die ehemaligen Botschafter in Deutschland, Avi Primor und Shimon Stein , bezeichneten diese so offensichtlich populistische Reaktion von Eli Ishai (der sicherlich nicht Grass' Bücher kennt) als überzogen. Gut möglich, dass der Minister der religiösen Shas-Partei sich innenpolitisches Renommee versprach, als er ein altes Gesetz aus der Schublade holte, das Personen mit NS-Vergangenheit die Einreise nach Israel verweigert. Allen jedoch ist klar, dass Grass vermutlich ohnehin nicht vorhat, Israel zu besuchen.

Doch in Israel ist die Grass-Debatte längst wieder nur ein Thema unter vielen. Dass sich am Montag nun, etwas verspätet, auch der Schriftstellerverband zu Wort gemeldet hat, mag eher den Pessach-Feiertagen geschuldet sein als einer wachsenden Empörung. Der Verband will den Internationalen PEN-Club aufzufordern, "sich öffentlich von Grass' Erklärungen zu distanzieren, und sich gegen jegliche Form von Delegitimierung Israels und des jüdischen Volkes auszusprechen". Ein Nobelpreis verleihe seinen Trägern keine Immunität, sagte Verbandsvorsitzende Herzl Hakak und forderte Grass auf, sich zu entschuldigen. Auf einem Bild, das zur Illustration dieser Meldung in der Haaretz publiziert wurde , wird der Hut eines nicht mehr ganz jungen Demonstranten in Frankfurt gezeigt, auf dem steht: "Grass hat Recht, Danke, Grass".

"Eher pathetisch als antisemitisch"

Das Problem sei nicht Günter Grass, schrieb der Theaterregisseur Yehoshua Sobol in Israel Hajom, "sondern die 50 Prozent Leserschaft" der Süddeutschen Zeitung , die ihm nach einer Internetumfrage derselben Publikation zustimmten. Die Nazis hätten 50 Millionen Menschen erledigt, Israel aber wäre demnach ja im Begriff 80 Millionen Iraner auszulöschen. Ob denn die gesamte christliche Welt ein "psychologisches Bedürfnis" danach verspüre, fragte Sobol, "dass Israel ein noch schlimmeres Verbrechen als die Nazis begeht"?

Für die meisten Israelis ist Grass – wie für viele seiner europäischen Kritiker auch – letztlich ein Produkt seiner Zeit, seiner Generation geblieben. Grass hatte erst 2011 in einem Interview mit dem Autor Tom Segev wiederholt, was da allerdings schon länger bekannt gewesen war: Dass er nämlich Anfang 1945 mit 17 bei der Waffen-SS diente . Segev, in dieser Frage eine wichtige israelische Stimme, hält Grass und sein Gedicht heute eher für "erbärmlich als antisemitisch" , da er sich, in keiner besonderen Kenntnis der Lage (die nur wenige Insider wirklich haben) zu solchen großen Meinungen aufschwinge.

Um was ist mit dem Potenzial eines tatsächlichen Krieges gegen den Iran?, würde Grass an dieser Stelle wohl fragen. Wird darüber überhaupt noch geredet – oder ist das Thema längst verdrängt von den Anschuldigungen gegen ihn und seine Nazi-Vergangenheit, die ja nicht erst seit gestern bekannt ist?

Wie mit dem Iran umgehen?

Tatsächlich ist die große Frage nach der Bedrohungslage und dem richtigen Umgang damit in Israel präsenter denn je. Man kann davon ausgehen, dass darüber auch an vielen Sederabend-Tischen diskutiert wurde, wobei Grass, mit seinem viel sichereren Wohnsitz im fernen Lübeck , da sicherlich nur eine Nebenrolle spielte. In Israel dominiert vielmehr die Angst vor einem Krieg und die Angst, mit der Bombe zu leben.

In gleich mehreren Feiertags-Interviews hatte Premier Netanjahu zuvor seine Wunschvorstellungen im Vorfeld der anstehenden Verhandlungen mit Teheran dargelegt: Um eine echte Kehrtwende im iranischen Atomprogramm einzuleiten, müsse die Anreicherung von Uranium beendet werden und das bereits angereicherte Material außer Landes geschafft werden, erklärte er gegenüber Maariv. Iran könne Uranium für nicht-militärische Zwecke erhalten, müsse aber den Bunker im Qom revidieren. Forderungen wie diese sowie die Reaktionen aus Teheran beschäftigen Israel weit mehr als das Gedicht eines alten Deutschen.

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Kommentare

195 Kommentare Seite 1 von 23 Kommentieren

"... ohne als Person diffamiert zu werden."...

....Sie haben völlig recht. Jeder sollte seine Meinung äußern dürfen. Mit dem diffamieren gibt es aber in diesem Fall eine Schwierigkeit. Wenn man eine Äußerung bespricht, ist wichtig, welch Art Mensch sie machte. Sonst weiß man nicht, wie man sie einordnen kann und letztlich nicht, was sie bedeutet noch welches Gewicht sie hat. Was aber auch immer man über Grass im Zusammenhang mit dem "Gedicht" sagt einer Diffamierung gleichkommt, egal wie vorsichtig man die Tatsachen auch darstellen will.

Lesen Sie sich mal den Wikipedia Artikel durch

http://de.wikipedia.org/w...

"Zweifel an der Echtheit der Protokolle kamen schon sehr früh auf. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg ließ das russische Innenministerium eine Untersuchung anstellen, die zu dem Ergebnis kam, dass sie gefälscht seien."

Es gibt aber auch genug andere Quellen.

Ich werde versuchen in der Zeit weiterhin, mit meinen jüdischen Weltverschwörern, das Finanzjudentum stärken. (Ironie aus)

Weltherrschaft

Genau. Das Problem ist nur, für viele ist es bitterer Ernst. Die glauben das wirklich! Die glauben fest daran das das Judentum die Weltherrschaft an sich reißen möchte, das jeder Jude eine geheime Emailadresse hast, mit derer er sich mit den anderen koordiniert, das ein großer Plan dahinter steht,[...]

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf pauschale Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/ag

@194 Weltherrschaft.

Vorsicht mit solchen Behauptungen, bitte.

Die Politik besteht aus Gruppen von Gleichsinnigen. Wenn man ein Hammer ist, dann sieht man alle Koepfe als Naegel. Das heist aber nicht das jeder Hammer nur zum Nageln geeignet ist.
Verschwoerungstheorien sind immer Quatsch weil die immer in die Presse kommen. Absichtlich, unabsichtlich, aus Neid oder Konkurenz oder Gier oder allen moeglichen Gruenden ist es immer unmoeglich solche grosse Verschwoerungen zu plane, geschweige denn auszufuehren. Allerdings, besteht die Politik daraus das sich Leute mit aehnlichen Auffassungen und Wuenschen zusammen raufen zum Zwecke des Profits/Vorteils/Siegs. So ist das in der USA mit dem Industrial Military Complex. Von Veteranen und der NRA unterschtuezt, sehen viele Waehler in der USA mit dem Hirn eines Hammers, wo jaegliche Probleme im Ausland wie Naegel gesehen werden. Israel kultiviert amerikanische Politiker die sie nutzen koennen, aber das ist nichts aussergewoehnliches, denn das macht jeder Politiker, oder er/sie waere nicht lange im Milieu.

@196 und Weltherrschaft

Es gibt einen Beweis der unzweifelhaft den Versuch der Weltherrschaft wieder steht. Naemlich, die USA koennte jede Militaermacht in der Welt ausradieren, und sich alle Wertschaetze in der Welt unter die Fingernaegel reissen, wenn die USA es wollte. China und Rassland wuerden lediglich den groessten Schrotthof bilden. Jeh laenger die USA wartet, jeh staerker wird China werden. Die Russen.........na ja........

Selbstverständlich sind solche Verschwörungstheorien, speziell in diesem Fall absoluter Quatsch. Durch die redaktionelle Kürzung des Kommentars ist der offensichtlich sarkastische Unterton möglicherweise verloren gegangen. Es ging ursprünglich um die chronisch anti- jüdische Haltung der Nachbarstaaten Israels im Nahen Osten, die einem ab und an mahnisch vorkommen kann. Aus dieser konsequenten Ablehnung heraus entsteht erst die Situation das sich Israel, der einzige demokratische Staat mit einer freiheitlichen Grundordnung in dieser Region, verteidigen muss(!), und nicht etwa jüdische Großmachtsphantasien der Treibstoff dieses Konfliktes sind, wie es hin und wieder dargestellt wird.

"... mit der Bombe zu leben" - na wer hat den die Bombe?

Irgendwie lese ich seit Tagen nur noch Berichte über einen Günter Grass, der ein Gedicht geschrieben hat in welchem er vor einem Atomkrieg warnt.
Warum regen sich eigentlich alle auf und besonders pseudo-investigative Journalisten die plötzlich meinen sie wären Sigmund Freund?
Hier sind die Fakten:
- Der Iran will eine Atombombe bauen (wird zumindest vermutet)
- Israel hat die Atombombe, weigert sich aber seit Jahren diese einer internationalen Kontrolle zu unterstellen
- Fakt ist auch, dass Israel plant den Iran wegen dem Streben zur eigenen Bombe anzugreifen und nur noch die Amerikaner dazwischen stehen.

Jeder der das Gedicht von Grass ganz gelesen hat, der weiß, dass Grass mit diesem Gedicht vor Krieg warnt und Frieden möchte.
Ich persönlich finde die Hatz auf Grass unerträglich.

Der Papst und GG - eine Differenz

Schade, dass wir über Ostern nicht besser auf den Papst achteten, sondern auf Grass - oder dank Grass gut so.
Denn, im Unterschied zur diabolischen Genialität, mit der GG angesichts des eher seltenen Falles des Zusammentreffens von Ostern und Pessach zumindest irgendeine Art von deutsch-israelischer Debatte in die Wege leitete, ist die des Papstes in seiner Karfreitagspredigt sine commentare.

Mit Unschuldsstimmchen gerade an Ostern zu sagen "Wir haben keinen Auftrag von Christus, Frauen zum Ordinat zu zu lassen" schließt eine Anschlusskommunikation aus.

Während Herr Grass sein deutsches Kainsmal vielleicht ein bißchen zu pointiert zur Schau trägt, hat es Herr Ratzinger doch leider umsonst erhalten.

Wer die Bombe hat bestimmt, wer sie noch haben darf

Diesem guten Kommentar zum Artikel ist kaum etwas zuzufügen. Die heutigen Atommächte wollen nach wie vor allein beherrschen, neben ihren Atomwaffen dulden sie keine anderen bzw. wollen kontrollieren. Wer kontrolliert die USA? Wer kontrolliert Israel? Pakistan? Indien? Russland? Meinungsfreiheit heißt eben auch, frei eine Meinung zu äußern, über die zumindest einmal nachgedacht werden sollte, bevor man über einen kritischen Schriftsteller herfällt und ihn versucht mit Argumenten zu erschlagen, die sich in seiner Jugend begründeten. Dann sollte man mal bei den großen Altnazis anfangen, die in diesem Land in höchste Ämter kamen und weitaus älter waren, als sie den Arm hochhoben und im Auswärtigen Amt u. ä. saßen.

Da kann ich nur zustimmen 1

Da kann ich nur zustimmen. Aber ergänzend möchte ich bemerken:
Wenn der Iran je eine Atombombe anstreben würde, dann doch nur um sich vor Angriffen - die er in der Tat zu befürchten hat - aus verschiedenen Gründen (u.a. geostrategische, religiöse, ökonomische und wegen der Öl- und Gasvorkommen). Abgesehen davon ist es durchaus Ernst zu nehmen, wenn das Staatsoberhaupt und der zweite Mann im Staat verkünden, dass sie die Atombombe nicht anstreben und für unmoralisch halten und demzufolge nicht bauen wollen. Warum sollte man dies nicht glauben, wenn man ihnen sonst alles Schlechte glauben möchte?
Andererseits hat Israel schon bis zu 500 Atombomben und, wie man fast täglich lesen kann, hat die derzeitige Regierung keine Hemmungen, diese zumindest in einem Zweitschlag gegen den Iran einzusetzen (wenn er sich wehrt), und im Fall eines eventuell eintretenden Untergangs auch in andere Richtungen, als in Richtung Iran. Eine Paria-Regierung, die sich gegen die Weltöffentlichkeit stellt, jedes Jahr seit zig Jahren von der UN-Vollversammlung verurteilt wird, (mit Ausnahme der USA und meist weniger Inselstaaten im Pazifik, etc.), die das Urteil des höchsten Internationalen Gerichts der Welt gegen die unrechtmäßige Besetzung der Westbank und Gazas und gegen den Bau der Mauer auf besetztem Gebiet nicht anerkennt, und die einen Angriffs-Krieg mit unabsehbaren Folgen plant, verdient keine Unterstützung von uns.

@ Nr. 2

"Hier sind die Fakten:
- Der Iran will eine Atombombe bauen (wird zumindest vermutet)
- Israel hat die Atombombe, weigert sich aber seit Jahren diese einer internationalen Kontrolle zu unterstellen
- Fakt ist auch, dass Israel plant den Iran wegen dem Streben zur eigenen Bombe anzugreifen und nur noch die Amerikaner dazwischen stehen."

Nein, das ist leider so nicht ganz korrekt. Ich gehe das mal Punkt für Punkt durch, wenn Sie erlauben.

- Laut Presseberichten geht die CIA davon aus, dass der Iran eben nicht die Atombombe anstrebt, dass er sein militärisches Atomprogramm in 2003 eingestellt hat. Das wird also nicht einmal mehr vermutet.
http://www.focus.de/polit...

- Ihr zweiter Punkt scheint mir soweit richtig.

- Nein, die Israelis wollen den Iran nicht "wegen dem Streben zur eigenen Bombe" angreifen (s.o.). Sie wollen ihn angreifen, um ihm die Möglichkeit zu nehmen jemals in die Situation zu gelangen, die Bombe anstreben zu können ohne dass die Israelis dann etwas dagegen unternehmen könnten (sprich: bevor die ganzen Anlagen eingebunkert sind und die Mullahs dann evtl. doch mal auf die Idee kommen eine Bombe zu bauen)

Es gibt also gar kein Atomprogramm des Irans, das man gewaltsam beenden könnte. Man möchte ihm schlicht die Option nehmen jemals ein solches Programm ungestört durchführen zu können. Aus meiner Sicht ist das ein nicht zu vernachlässigender qualitativer Unterschied.

Ist ein Angriff deshalb richtig?

Diese Frage haben Sie nicht beantwortet. Wenn Sie beim Sachverhalt meiner Meinung nach richtigerweise "den Qualitattiven Unterscheid" herausgestellt haben.
Unmißverständlich formiliert heißt das in der Konsequez:
Israel möchte den Iran angreifen, weil sie sicher sein will dass Iran niemals die Gelegenheit bekommen soll eventuell eine Bombe bauen zu wollen oder auch nicht. Wer will eigentlich wen vernichten? Israel hat unbestritten Bomben! Iran - das Potenzial! Wenn auch nur Hypotetisch.
Wenn Israel also den Iran angreift ist das der Beginn der Legalisierung des Staatsterrorismus.

@ Nr. 99

"Wer will eigentlich wen vernichten? Israel hat unbestritten Bomben! Iran - das Potenzial! Wenn auch nur Hypotetisch."

Nun, ich habe meinen Kommentar eigentlich bewusst neutral gehalten. Aber ich will dann doch noch meine Meinung zur Diskussion beisteuern.

Zunächst einmal halte ich es für Unfug von "Vernichten" zu Reden, denn dass glaube ich wollen die Israelis nun wirklich nicht mit dem iranischen Volk machen. (Im übrigen interpretiere ich Grass' Gedicht auch nicht so, dass er das unterstellt hätte, sondern dass er lediglich gesagt hat, diese Vernichtung könne eine mögliche - ungewollte - Folge eines eskalierenden Präventivangriff sein)

Die Frage, ob ein solcher Angriff auf den Iran legitim wäre oder nicht, ist schwierig zu beantworten.
Sicherlich birgt eine solche militärische Aktion unkalkulierbare Risiken für die Region evtl. auch für die Welt. Ich sehe da ein hohes Eskalationspotential und befürchte, dass es nicht bei ein paar begrenzten Luftschlägen auf iranische Atomanlagen bleiben wird. Das Ganze könnte sich zu einem äußerst gefährlichen Krieg ausweiten - der dann sicherlich eine große Anzahl ziviler Opfer auf beiden Seiten fordern wird.
Ganz abgesehen davon, dass ein solcher Präventivangriff wohl nicht mit dem Völkerrecht vereinbar sein wird.

Andererseits kann ich auch irgendwo die Angst der Israelis verstehen. Wenn sie jetzt nicht angreifen und einfach abwarten, könnte es irgendwann tatsächlich zu spät sein um noch eine iranische Bombe zu verhindern.

Bombe auf Atomkraftwerk

Israel droht damit eine Bombe auf ein Atomkraftwerk zu werfen.
Darüber und was daraus entstehen kann sollte nachgedacht und diskutiert werden. Und das wir ein U-Boot an eine Nation liefern, die möglicherweise den dritten Weltkrieg auslöst.
Das im Iran ein hochgefährlicher Geistesgestörter an der Macht ist, steht auf einem anderen Blatt, darüber ist es hinfällig zu diskutieren.

Aber was passiert in unseren gleichgerichteten Medien? Nein so ein heißes Eisen fasst keiner an, lieber eine völlig sinnfreie, aber unverfängliche Diskussion über Grass.

Aber das hat Grass in seinen Stellungnahmen, ja schon gesagt.

Zwischenspiel

"Wer Schriftsteller boykottiert, wird am Ende Bücher verbrennen."

Nun schiesst diese Aussage ziemlich grosszügig übers Ziel hinaus, denn auch Schriftsteller, die Politik machen (wollen) stehen nicht über jeglicher Kritik, und von einer Bücherverbrennung ist Israel noch weit entfernt, bzw. kann in Sachen Todesdrohungen gegen Schriftsteller vom Iran noch einiges lernen, wie Khomeinis fatwa gegen Salman Rushdie beweist.

Ob und inwiefern Grass Kritik und die Kritik an seiner Kritik angebracht ist oder nicht, lasse ich dahingestellt, denn letztlich ist die ganze Affäre nichts weiter als ein Sturm im Wasserglas, eine vielleicht vielen Beteiligten nicht so unwillkommene Ablenkung vom eigentlichen Problem des Atomstreits.

Die zwar lästige, aber alles andere als bedrohliche Auseinandersetzung um ein ebenso sperriges wie pathetisches Gedicht erscheint wie ein Atemholen im Vorfeld der nächsten Runde der Auseinandersetzung zwischen den beiden Atomkontrahenten. Ein kleiner überschaubarer Zank, der den Vorteil hat, manchen zu ärgern, aber niemandem wirklich gefährlich werden zu können. Ein Streit, der letztlich auch recht deutlich aufzeigt, dass Literatur zwar im Feuilleton Wellen zu schlagen vermag, im Vergleich zu den Spielen der Politik aber ein recht harmloses Vergnügen darstellt. Zwangsläufig: Literaten schreiben bestenfalls über Macht, haben aber selbst keine.

Nur im Feuilleton?

Wenn man sich die eilfertigen Reaktionen aus der Politik anschaut, so auch die jüngste der SPD (Grass darf keinen Wahlkampf für die Partei machen, ätsch bätsch), scheuchen Worte doch wohl auf.

So lange geredet wird, wird nicht geschossen.

Außerdem, die Unterdrückung des Wortes durch die Politik in vielen Ländern der Welt zeigt doch, dass die Politik das Wort, bzw. dessen Wirkung sehr wohl fürchtet.

Die Reaktion dieser israelischen Intellektuellen ist weise und macht Hoffnung, dass der Widerstand gegen die Regierungspolitik in Israel endlich mehr Gehör findet.
So hat dann auch ein schwaches Gedicht seinen Sinn.

Re: Zwischenspiel

"Wer Schriftsteller boykottiert, wird am Ende Bücher verbrennen."

und von einer Bücherverbrennung ist Israel noch weit entfernt

Wenn Sie das Zitat noch einmal ganz aufmerksam lesen, dann bemerken Sie vielleicht die Wörter "am Ende". - Das Ende der Geschichte um den Staat Israel ist wirklich noch sehr weit entfernt, denn die Probleme existieren schon seit es den Zionismus gibt. Insofern ist Ihre Aussage nun wirklich keine grandiose Erkenntnis.

Grass: Wortlaut - Fälschung - Schlussofolgerung

Behauptet wird - nicht nur hier-, Grass habe gesagt:

- "Dass Israel jedoch den Iran auslöschen wolle, wie es Grass in seinem Gedicht unterstellte"

- "Die Nazis hätten 50 Millionen Menschen erledigt, Israel aber wäre demnach ja im Begriff 80 Millionen Iraner auszulöschen."

Geschrieben hat Grass:

"Es ist das behauptete Recht auf den Erstschlag, der das von einem Maulhelden unterjochte und zum organisierten Jubel gelenkte iranische Volk auslöschen könnte ..."

Die Schlussfolgerungen, die aus solcher Verfälschung gezogen werden, sind dumm-dreist bis schwachsinnig oder gar gewollt bösartig - warum?

-"Dass Israel jedoch den Iran auslöschen wolle, wie es Grass in seinem Gedicht unterstellte, habe er noch nicht gehört.

- "Ob denn die gesamte christliche Welt ein "psychologisches Bedürfnis" danach verspüre, fragte Sobol, "dass Israel ein noch schlimmeres Verbrechen als die Nazis begeht"?