Nach dem ParteitagDie Probleme der Piraten

Nicht Rechtsextreme und Chaos sind die größten Sorgen der Partei. Sondern dass sie nicht weiß, was sie mit ihrer neuen Stärke anfangen will. Von M. Schlieben, Neumünster

Der neue Bundesvorstand der Piratenpartei in Neumünster beim Bundesparteitag

Der neue Bundesvorstand der Piratenpartei in Neumünster beim Bundesparteitag

Die Piraten haben vielleicht ein Nazi-Problem. Aber es ist überschaubar – und die Partei geht gut damit um. Ja, es gab rassistische Äußerungen von einzelnen Mitgliedern, die eine demokratische und tolerante Partei nicht tolerieren kann. Und, das kann man ruhig festhalten, die Piraten haben sie auch nicht toleriert. Ihre Führungspolitiker haben die Wirrköpfe in ihren Reihen schnell und scharf kritisiert. Und auf ihrem Parteitag in Neumünster hat die Partei an diesem Wochenende eine entsprechende Resolution verabschiedet. Sie wurde einstimmig und mit stehenden Ovationen angenommen.

Der zweite zentrale Vorwurf, der gegen die Piraten oft erhoben wird, ist der der mangelnden Professionalität. Chaotisch und infantil seien diese neuen Pseudo-Politiker, schimpfen Konkurrenz und Medien gern. Und tatsächlich war das Chaos auch in Neumünster ein fester Bestandteil. Wie schon auf früheren Parteitagen mussten mehrere Wahlgänge wegen irgendwelcher Formfehler wiederholt werden. Mal hatten die Wahlhelfer den formalen Startschuss nicht abgewartet, mal kippte irgendwo eine Wahlurne um. Das nervt natürlich und kostet Zeit.

Aber dennoch – viele Berichterstatter, die zum ersten Mal kamen, waren verblüfft – traten die Piraten in Neumünster ungemein diszipliniert auf. Schnell und zielstrebig wurde das Programm durchgezogen. Diskutiert wurde parallel online, was offline nicht weiter störte. Mitglieder, die am Saalmikrofon noch einmal etwas grundsätzlich diskutieren wollten, wurden oft rüde in die Schranken gewiesen. Der Schwarm, auch das zeigte Neumünster, kann ganz schön streng sein.

Piraten setzen auf Kontinuität und Solidität

Die Ergebnisse der Abstimmungen zeugten ebenfalls von einer gewissen Bereitschaft zur Realpolitik. Die Trennung von Amt und Mandat, die einige Fundis anstreben, wurde abgelehnt. Auch wurde der Vorstand aufgestockt, was viele Realos gefordert hatten. Allerdings fiel die Forderung durch, einen Beirat zu schaffen, der den Vorstand entlastet. Ebenso der ähnlich motivierte Vorstoß, die Amtsdauer der Parteiführung um ein Jahr zu verlängern. All zu mächtig soll der Vorstand auch künftig nicht werden.

In ihren Personalentscheidungen setzten die Piraten ebenfalls auf Kontinuität und Solidität. Sie straften zwar den bisherigen Parteichef Sebastian Nerz ab und wählten statt ihm den bisherigen Partei-Vize, Bernd Schlömer. Aber auch Schlömer hat ein ähnlich zurückhaltendes Amtsverständnis wie Nerz. Er wird die Piraten dennoch künftig souveräner vertreten als sein 28-jähriger Vorgänger, der oft überfordert wirkte.

Die Probleme, die den Parteien zu schaffen machen und die eine gewisse Sprengkraft bergen, sind andere. Zunächst zu den atmosphärischen Dissonanzen: In Neumünster ging es keineswegs so lustig und heiter zu, wie es die Fotos von Playmobilschiffen und Augenklappen suggerieren. Untereinander ist der Ton der Piraten wenig höflich, sondern oft gereizt und ruppig.

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Es gibt zahlreiche Konfliktlinien. Zwei stechen besonders hervor. Zum einen ist da die immer größer werdende Kluft zwischen der Basis und den Führungspolitikern. Häufig kam es in Neumünster vor, dass sich die Piraten im Plenum über die Piraten auf dem Podium aufregten. Schon länger werfen sie den Parteifreunden, die nun in den Talkshows und Landtagen sitzen, Abgehobenheit, Ignoranz und einen Verrat der Partei-Ideale vor. "Nehmt die Anliegen der Basis ernst", wurde mehrfach am Saalmikro gemahnt.

Zum anderen ist da der Konflikt zwischen Alt- und Neu-Mitgliedern. Tausende neue Sympathisanten sind in den vergangenen Monaten hinzugeströmt. "Fünf-Minuten Piraten" nennen die Alteingesessenen sie. Kaum versteckt halten sie ihnen Opportunismus und Karrieriegeilheit vor. Die Neuen ärgern sich dagegen über Borniertheit und Dogmatismus. Auch verstehen die Neuen, die gemessen an Lebensjahren meist sogar älter sind als die Alt-Mitglieder, den Slang der 30-jährigen Nerds nicht immer.

Angespannt war auch das Verhältnis der Piraten zu den Medien. Die kritische Berichterstattung der vergangenen Wochen hat sie dünnhäutig gemacht. Mehrfach wurden Journalisten angefeindet und bepöbelt. Manchen, die gegen die sogenannten Spielregeln verstießen, drohte man sogar mit dem "Rausschmiss".

Eine dieser traditionellen Piraten-Spielregeln besagt beispielsweise, dass während Wahlen alle Kameras ausgeschaltet sein müssen, wegen des Wahlgeheimnisses. So musste auch das TV-Team von Phoenix, das sich in der hintersten Ecke der Halle aufgebaut hatte, die Live-Berichterstattung unterbrechen. Appelle einzelner Mitglieder, dass einer "transparenten, basisdemokratischen Partei" ein solches temporäres Verbannen der interessierten Öffentlichkeit, schlecht anstehe, waren vergeblich. Auch Hinweise, dass jeder, der einen Bank-Pin eingeben kann, einen Wahlzettel ankreuzen könne, ohne gefilmt zu werden, halfen nichts. Die Kameras auf Piratenparteitagen müssen auch künftig alle paar Minuten ausgeschaltet werden.

Konflikt zwischen Basis und Führung

Auch das ungeklärte Verhältnis zwischen Basis und Führung zeigt, dass die Prinzipien der Piraten derzeit auf dem Prüfstand stehen. Alle Piraten, die in Neumünster gewählt werden wollten, baten äußerst demütig, fast unterwürfig um Stimmen. Nerz, der öffentlich stets betont hat, seine eigene Meinung keinesfalls äußern zu wollen, tat das bis zur Selbstverleugnung. Leidenschaftlich oder originell war fast keine der Bewerbungsreden. Politische Statements gab es äußerst selten. Der Kontrast zwischen dem postulierten Bekenntnis zur Meinungsfreiheit und die Furcht vor dem strengen Kontrollwunsch der Basis trat in Neumünster ziemlich offen zutage.

Wie die Basisdemokratie künftig bei den Piraten organisiert werden soll, bleibt weiter ungeklärt. Das bislang praktizierte Parteitagsmodell wird inzwischen mehrheitlich kritisiert. Vom Prinzip her dürfen zwar alle Mitglieder kommen, reden und mitstimmen. Aber tatsächlich hängt die Teilhabe von profanen Umständen wie der Ortswahl des Parteitags und von Zeit und Geld der einzelnen Mitglieder ab. So hatte der Norddeutsche Schlömer diesmal einen Standortvorteil, weil der Parteitag in Schleswig-Holstein stattfand. Der letzte war noch im süddeutschen Heidenheim. Davon hatte Nerz, der Tübinger, profitiert. Die SPD spottet bereits, dass ihr Urwahl-Modell mit vorherigen Regionalkonferenzen demokratischer sei.

Einen ähnlichen Kern haben die von den Piraten oftmals hitzig geführten Debatten über technische Hilfsmittel wie Liquid Feedback. Dabei geht es nicht nur um Computer-Tools, sondern auch um demokratietheoretische Fragen, die im digitalen Zeitalter an Relevanz gewinnen: Wie weit kann und darf die Partizipation des einzelnen gehen? Und: Welche Rolle spielen dann künftig überhaupt noch Abgeordnete und der Parlamentarismus als solcher?

Schlömer kennt all die Probleme. Im Gespräch mit ZEIT ONLINE verhehlt er nicht, dass die Piraten Reformbedarf hätten. Wohin soll es gehen? Wo liegen seine persönlichen Präferenzen? Schlömer hält sich bedeckt. Erst mal die Basis fragen.

 
Leserkommentare
    • cornus
    • 29.04.2012 um 19:25 Uhr

    ist dieser Prozess der Rollenfindung in der Gesellschaft und der Partei allemal.

    Kompliment für den informativen Bericht - mehr davon.

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    Auf jeden Fall einer seiner besseren. Was man bei der Piratenbeurteilung nicht vergessen sollte: Die meisten der ursprünglichen Politikziele sind eher auf einer Internationalen Ebene angelegt -- daher wirken sie in den Länder evtl. planlos oder geben eher persönliche Statements zu aktuellen Fragen ab. Interessanter -- zumindest für mich -- sind die globalen Fragen der Informationstechnik, da wo sie Kunst, Kultur und Gesellschaft betreffen. Und da haben die Piraten einen Vorteil gegenüber den anderen Parteien. Ob sie je dahin kommen?

    Auf jeden Fall einer seiner besseren. Was man bei der Piratenbeurteilung nicht vergessen sollte: Die meisten der ursprünglichen Politikziele sind eher auf einer Internationalen Ebene angelegt -- daher wirken sie in den Länder evtl. planlos oder geben eher persönliche Statements zu aktuellen Fragen ab. Interessanter -- zumindest für mich -- sind die globalen Fragen der Informationstechnik, da wo sie Kunst, Kultur und Gesellschaft betreffen. Und da haben die Piraten einen Vorteil gegenüber den anderen Parteien. Ob sie je dahin kommen?

  1. ein Problem der Piraten ist, weil die doch ziemlich entspannt mit ihrer Situation umgehen. Das Interview des neuen Voristzenden auf SPON zeigt das recht gut. Hingegen sind die Medien vollkommen irritiert, weil sie die Piraten einfach nicht packen können. Auch das kann man aus diesem Interview herauslesen.
    Ich weiß aber auch nicht, warum die Medien so hektisch und hypernervös reagieren müssen?

    Hier der Link zum Interview: http://www.spiegel.de/pol...

    32 Leserempfehlungen
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    Natürlich reagieren die Medien aus anderen Grünen über, als eigentlich nötig wären, aber dass derzeit eine Partei aufsteigt, die keine Lösungen bietet, sondern sich lediglich gut als Event macht, hilft Deutschland nun wirklich nicht weiter.

    Schon der Parteitag der Piraten, bei dem ja auch alle von der Abstimmung ausgeschlossen waren, die sich dort nicht lokal mit versammelten, zeigt doch, dass das ganze Projekt Liquid Democracy eine Mogelpackung ist. Und auch ansonsten muss man Mitglied der Piratenpartei werden, um da mitbestimmen zu dürfen, auf gut Glück, denn angesichts der zig politischen Strömungen, die sich dort zu finden suchen, ist die endgültige Position der Piraten mit einem riesigen Fragezeichen versehen.

    So oder so doch dasselbe wie bei allen anderen Parteien, nur kann man sich da vor dem Eintritt denken, wohin der Hase läuft, man wählt die Partei eben danach aus, für was man sich einsetzen will.

    Zu den Piraten? In der Hoffnung, dass man den Kampf um die schließlich geltende Meinung gewinnt, die sich dort erst bilden muss? Sofern das überhaupt klappt, schließlich soll sich alles ständig wandeln und ändern und anpassen, was jedoch grundsätzlich immer aus allen möglichen Gründen in alle möglichen Richtungen geschehen kann.

    • xajija
    • 29.04.2012 um 20:21 Uhr

    Die Medien reagieren so, weil die Piraten plötzlich in alle Parlamente einziehen, sehr neu sind, und genug Angriffsfläche bieten. Warum sie also in Ruhe lassen? Andere Parteien schont man auch nicht. Ausserdem finde ich es nicht schlimm, wenn so Nazidebatten innerhalb der Partei stattfinden, mein Gott da muss man nicht gleich vermuten die Medien wollen die Partei runterschreiben. Was soll die FDP denn seit 2,5 Jahren sagen? :D

    Natürlich reagieren die Medien aus anderen Grünen über, als eigentlich nötig wären, aber dass derzeit eine Partei aufsteigt, die keine Lösungen bietet, sondern sich lediglich gut als Event macht, hilft Deutschland nun wirklich nicht weiter.

    Schon der Parteitag der Piraten, bei dem ja auch alle von der Abstimmung ausgeschlossen waren, die sich dort nicht lokal mit versammelten, zeigt doch, dass das ganze Projekt Liquid Democracy eine Mogelpackung ist. Und auch ansonsten muss man Mitglied der Piratenpartei werden, um da mitbestimmen zu dürfen, auf gut Glück, denn angesichts der zig politischen Strömungen, die sich dort zu finden suchen, ist die endgültige Position der Piraten mit einem riesigen Fragezeichen versehen.

    So oder so doch dasselbe wie bei allen anderen Parteien, nur kann man sich da vor dem Eintritt denken, wohin der Hase läuft, man wählt die Partei eben danach aus, für was man sich einsetzen will.

    Zu den Piraten? In der Hoffnung, dass man den Kampf um die schließlich geltende Meinung gewinnt, die sich dort erst bilden muss? Sofern das überhaupt klappt, schließlich soll sich alles ständig wandeln und ändern und anpassen, was jedoch grundsätzlich immer aus allen möglichen Gründen in alle möglichen Richtungen geschehen kann.

    • xajija
    • 29.04.2012 um 20:21 Uhr

    Die Medien reagieren so, weil die Piraten plötzlich in alle Parlamente einziehen, sehr neu sind, und genug Angriffsfläche bieten. Warum sie also in Ruhe lassen? Andere Parteien schont man auch nicht. Ausserdem finde ich es nicht schlimm, wenn so Nazidebatten innerhalb der Partei stattfinden, mein Gott da muss man nicht gleich vermuten die Medien wollen die Partei runterschreiben. Was soll die FDP denn seit 2,5 Jahren sagen? :D

  2. wie bei einem Bericht über "etablierte" Parteien -

    Eine Leserempfehlung
  3. Schlimm das es schon soviele Protestwähler gibt.

    7 Leserempfehlungen
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    Wurden die Grünen damals auch nur von Protestwählern gewählt? Und hatten die Grünen damals schon ein komplettes Programm und waren regierungsfähig? Warum jetzt dieses "Theater" mit den Piraten?

    Kaum verändert sich etwas ist es "Protest" oder "Wut". Dass sich etwas ändert ist längst überfällig. Einfacher ist es natürlich alles "beim alten" zu lassen, nicht wählen zu gehen oder das zu wählen was man immer schon gewählt hat.

    Entschuldigung, aber auch wenn es so wäre, dann lieber als regierende Planwirtschaftspartei ohne Witz!

    Wurden die Grünen damals auch nur von Protestwählern gewählt? Und hatten die Grünen damals schon ein komplettes Programm und waren regierungsfähig? Warum jetzt dieses "Theater" mit den Piraten?

    Kaum verändert sich etwas ist es "Protest" oder "Wut". Dass sich etwas ändert ist längst überfällig. Einfacher ist es natürlich alles "beim alten" zu lassen, nicht wählen zu gehen oder das zu wählen was man immer schon gewählt hat.

    Entschuldigung, aber auch wenn es so wäre, dann lieber als regierende Planwirtschaftspartei ohne Witz!

  4. Die Roten Karten, gegen die Nazis, in Neumünster beim Bundesparteitag war ein starkes Signal. Hier ist erst mal von meiner Seite Vertrauen vorhanden.

    Und Bernd Schlömer ist eine gute Wahl. Alleine schon, wegen seines Berufes. Dort sieht man die "Menschliche" Realität.

    Es braucht viel Realität und Herzblut in der Legislative.

    11 Leserempfehlungen
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    • joG
    • 29.04.2012 um 20:10 Uhr

    ... Für den Augenblick kann ich ihn noch nicht einschätzen. Dass die deutsche Politik noch einen Beamten brauchte in diesem Fall um eine Partei zu leiten, kann man allerdings nicht sagen. Persönlich sind mir zu viele Beamte oder denen nahe stehenden Werdegänge in den Parlamenten, da das der Politik eine zu einheitliche Weltsicht verleiht. An dieser Fehlentwicklung der Republik haben wir schon zu viel Schaden genommen und können nicht mehr auf diese Karte setzen.

    Das ist so, als würde eine Partei sich feiern oder gefeiert werden, weil Sie sagt: Keine Macht der Korruption!

    Wobei sich bereits da ja schonmal FDP und CDU/CSU rausnehmen, die haben nichts gegen Korruption, wie man nun schon zum vierten Mal im Bundestag erfahren durfte.

    • joG
    • 29.04.2012 um 20:10 Uhr

    ... Für den Augenblick kann ich ihn noch nicht einschätzen. Dass die deutsche Politik noch einen Beamten brauchte in diesem Fall um eine Partei zu leiten, kann man allerdings nicht sagen. Persönlich sind mir zu viele Beamte oder denen nahe stehenden Werdegänge in den Parlamenten, da das der Politik eine zu einheitliche Weltsicht verleiht. An dieser Fehlentwicklung der Republik haben wir schon zu viel Schaden genommen und können nicht mehr auf diese Karte setzen.

    Das ist so, als würde eine Partei sich feiern oder gefeiert werden, weil Sie sagt: Keine Macht der Korruption!

    Wobei sich bereits da ja schonmal FDP und CDU/CSU rausnehmen, die haben nichts gegen Korruption, wie man nun schon zum vierten Mal im Bundestag erfahren durfte.

    • joG
    • 29.04.2012 um 19:44 Uhr

    ....muss. Ich finde das liest sich als würden Die Piraten es packen können. Man weiß es in diesem Stadium noch nicht, aber es hört sich erfolgsversprechend an.

    6 Leserempfehlungen
  5. Ja, wie soll man als Partei fertig werden mit dem Zulauf an Mitgliedern und Meinungen? Ein Problem, welches die anderen Parteien so nicht mehr kennen. Ihnen laufen die Mitglieder davon. Zulauf von Jüngeren erfahren sie nur in seltensten Fällen. Deren Ortsvereine gleichen mehr dem Treff eines "Seniorenclubs", dass die nächste Kaffeefahrt plant.

    Das sich die Piraten in einem Findungsprozess befinden, kann ihnen nicht angelastet werden. Auch einen gewissen, politischen Umgang müssen sie erst lernen. Altklug kommen sie jedenfalls nicht daher. Eher überzeugend von ihrer Unwissenheit. Das das Credo für viele Piraten erst einmal lernen heißt, sollte man ihnen auch zum Vorteil gereichen. Lernen mit der Basisdemokratie umzugehen und nicht wie die etablierten Parteien ein Volk hinter verschlossenen Türen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, durch Lobbyisten regieren.

    Sie gewinnen viel an Beständigkeit, wenn sie sich diesem Motto treu bleiben. Wenn sie wirklich zu ihrer Basisdemokratie und zu ihrer "Liquid Democracy" stehen. Das es hier und da noch etwas im Getriebe ruckelt ist verständlich. Sie erheben jedenfalls nicht den Anspruch der Perfektion, wie es derzeit die etablierten Parteien im Wahlkampf von SH und NRW tun. Wo es wieder einmal nur darum geht, dass der eine es besser weiß und besser kann, als der andere. Wo sich politische Gegner in Lösungsvorschlägen übertrumpfen, ohne wirklich eine echte Lösung im Sinne des Volkes vorweisen zu können.

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  6. Sind die Piraten zu normal, wird ihnen Langeweile vorgeworfen. Sind sie zu lässig, will sie keiner Ernst nehmen.

    Setzen sie auf Besonderheiten, wirft man ihnen Anfängertum vor. Setzen sie auf Kontinuität fängt man an ihnen den Reiz abzusprechen.

    Dann wird der Vorwurf erhoben das die Partei mit rechtem Gedankengut zu lasch umgeht. Im nächsten Atemzug ist die radikale Entfernung solcher Mitglieder wieder "typisch politisch".

    ICh denke, man sollte keinen Bericht der Piraten mehr ernst nehmen. Zurzeit sind die auf einer ungeheuren Erfolgswelle. Jeder Anfängerfehler wird genüsslich ausgeschlachtet, jedes Abweichen vom bekannten Kurs schon vor Bekanntgabe zerrissen. Mit Blick auf die Landtagswahlen sind die Piraten somit Dauerthema.

    Würde mich nicht wundern wenn nächste Woche schon die BILD versucht irgendwelche Sexskandale zu erfinden... äh investigativ zu recherchieren.

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