CL-FinaleHat der deutsche Fußball seinen Schrecken verloren?

Acht traumatisierte Spieler und keine Angst mehr vor den Deutschen: Was die Final-Niederlage der Bayern für die Ambitionen der Nationalelf auf den EM-Titel bedeutet. von Stefan Hermanns und Michael Rosentritt

Philipp Lahm (l.) und Bastian Schweinsteiger

Philipp Lahm (l.) und Bastian Schweinsteiger  |  © Laurence Griffiths/Getty Images

Der gemeinsame Fernsehabend ging sehr abrupt zu Ende. Nach den beiden verschossenen Elfmetern der Bayern im Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea kehrte im Teamhotel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Tourrettes große Stille ein. Die Niederlage der Münchner könnte auch für die Nationalmannschaft und ihre Ambitionen auf den EM-Titel Konsequenzen haben. Immerhin stehen acht Spieler der Bayern im vorläufigen EM-Kader von Bundestrainer Joachim Löw .

Welche Folgen hat die Niederlage für das Selbstbewusstsein des Nationalteams?

Wenn es nach Joachim Löw geht, hat es das Champions-League-Finale nicht gegeben. Am Morgen danach steht der Bundestrainer auf dem Trainingsplatz und fragt, detailversessen wie er ist, den Bremer Torhüter Tim Wiese nach dessen Körpergewicht. "91", antwortet Wiese. Damit wäre geklärt, wie rasch der Übergang zum Alltag hier vollzogen werden soll. Auch Bierhoff , eine Art Außenminister der deutschen Delegation, will keine negativen Nachwirkungen erkennen. Die Niederlage nage keineswegs am Selbstbewusstsein der Gruppe. Die Bayern hätten Großartiges geleistet in dieser Saison, sie seien in allen Wettbewerben bis zum Ende im Rennen gewesen. Aber klar, natürlich wären die Bayern im umgekehrten Fall mit sehr viel mehr positiver Energie zur Nationalmannschaft gestoßen. "Nach der großen Anspannung tritt jetzt einen gewisse Leere ein", sagt Bierhoff, "da weiß man als Spieler erst einmal nicht, wie man gleich wieder neue Kräfte aufbringen kann." Man müsse den Bayern nun ein paar Tage Luft und Zeit genehmigen. "Ich bin überzeugt, dass wir sie hier richtig auffangen werden. Immerhin können sie ja noch einen wichtigen Titel gewinnen."

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Wie geht es für die Bayern weiter?

Vielleicht hatte Joachim Löw schon eine Ahnung. Vor einer Woche, am Anfang der Vorbereitung, hat er sich erstaunlich offen über mögliche Folgen einer Bayern-Niederlage geäußert. Das wäre "ein Tiefschlag für unsere Spieler", hatte Löw gesagt und mit dem Gedanken gespielt, den Münchnern zwei, drei Tage mehr frei zu geben. Sicher ist, dass die Bayern am Dienstag mit ihrem Klub noch das Freundschaftsspiel gegen Holland bestreiten. Über diesen Termin war man bei der deutschen Nationalmannschaft nie begeistert. "Einen Sinn habe ich in diesem Spiel noch nie gesehen", sagt Bierhoff. "Der sportliche Stellenwert ist gleich null." Nach bisheriger Planung sollen die Münchner Freitag in Südfrankreich eintreffen. Tags darauf fliegt die Nationalmannschaft zum Testspiel gegen die Schweiz nach Basel. "Ich gehe nicht davon aus, dass allzu viele Bayern mitreisen werden", sagte Bierhoff. Die Details sollen in den nächsten Tagen geklärt werden, in Rücksprache mit den Bayern-Spielern. "Es ist doch klar, dass man da heute Morgen nicht anruft", hatte Bierhoff am Sonntag gesagt.

Wie sollen die Bayern-Spieler wieder aufgerichtet werden?

Die Luftveränderung wird einiges bewirken. Und natürlich das Binnenklima im Nationalteam. Spätestens bei der EM werden die Bayern in der Lage sein, Höchstleistungen aufzubringen. Glaubt Bierhoff. "Wir müssen Bastian Schweinsteiger zeigen, dass es kein Drama ist, einen wichtigen Elfmeter zu verschießen." Das sei schon anderen passiert, Lionel Messi etwa. Die Last, für die Niederlage verantwortlich zu sein, werde man Schweinsteiger nicht auferlegen, sagt Bierhoff. "Da sehe ich gar kein Problem, eher schon, was ein Spieler wie er von sich selbst erwartet." Aber es gebe auch keinen Zaubertrank, und man solle nicht denken, dass sich das von heute auf morgen erledigt habe. Jeder Spieler brauche seine Zeit und seine Ansprache. Im Bedarfsfall steht in Hans-Dieter Hermann ein Psychologe zur Verfügung, der die Nationalmannschaft seit Jahren begleitet und das Vertrauen der Spieler genießt.

Leserkommentare
  1. hat schonmal was gewonnen, Schweinsteiger noch nicht. Ob Schweinsteiger jemals wieder in ein CL-Finale kommt, steht doch in den Sternen. Für die EM ist Deutschland sowieso nicht Favorit.

  2. Keine Sorge. Löw wird es richten, denn mit seiner revolutionären Spielformation, der Hereinnahme des 12. Mannes von NIVEA FOR MEN, kann nichts mehr schiefgehen. . Löw: „Seine Kraft kann Spiele entscheiden.“

    • Kacang
    • 21. Mai 2012 10:48 Uhr

    Chelsea.........ole ole ole!

  3. 4. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf das Posten von Werbeinhalten. Danke, die Redaktion/jz

  4. Wir sind MIT-Favorit. Der Unterschied wird die Gier nach dem
    Titel machen. Nach dem Debakel von München wird sich zeigen
    ob Lahm Schweinsteiger und Co Profi genug sind genau diese Gier stärker nutzen können als die Angst der Enttäuschung.

    Die Anderen kochen auch nur mit Wasser.
    Lieber mit einem Ole´untergehen als mit OJE ins Turnier zu starten.

  5. im Sinne der Nationalmannschaft und das Spiel zweier weitgehend international zusammengekaufter Vereinsmannschaften sind zwei Paar Stiefel. Warum dies den "Schrecken des deutschen Fußballs" (Wenn der denn in jetzter Zeit existierte) mindern sollte, erschließt sich mir nicht.

    Ein kurzes Nein auf die Frage der Überschrift.

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    ...halbe Stamm aus Spielern des FCB besteht?

    Weil – wie im Artikel beschrieben – sämtliche Finalspiele verloren gingen in den letzten Jahren?

    Sogar die U17 verliert das Finale. Und das auch noch gegen Holland – im Elfmeterschießen!

  6. In Anbetracht der Ereignisse im Jahre 2002 sollten sämtliche Spieler des FCB zu Hause bleiben. Sonst wirds doch wieder nur ein zweiter Platz...

    Ist eigentlich schonmal jemandem aufgefallen, dass man mit Lahm als Kapitän keinen Blumentopf gewinnt? Flache Hierarchien olé!

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    es doch wirklich nicht. Er hat hervorragend gespielt und seinen Elfer gemacht. Das Problem waren die schlechte Chancenauswertung und ein hervorragender Petr Czech. Und vielleicht auch noch ein Hollaender, der uebermotiviert war und dem das Pech am linken Fuss klebte. Sooo schlecht war Chelsea nun auch wieder nicht.

  7. ...halbe Stamm aus Spielern des FCB besteht?

    Weil – wie im Artikel beschrieben – sämtliche Finalspiele verloren gingen in den letzten Jahren?

    Sogar die U17 verliert das Finale. Und das auch noch gegen Holland – im Elfmeterschießen!

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