CL-FinaleHat der deutsche Fußball seinen Schrecken verloren?

Acht traumatisierte Spieler und keine Angst mehr vor den Deutschen: Was die Final-Niederlage der Bayern für die Ambitionen der Nationalelf auf den EM-Titel bedeutet.

Philipp Lahm (l.) und Bastian Schweinsteiger

Philipp Lahm (l.) und Bastian Schweinsteiger

Der gemeinsame Fernsehabend ging sehr abrupt zu Ende. Nach den beiden verschossenen Elfmetern der Bayern im Champions-League-Finale gegen den FC Chelsea kehrte im Teamhotel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Tourrettes große Stille ein. Die Niederlage der Münchner könnte auch für die Nationalmannschaft und ihre Ambitionen auf den EM-Titel Konsequenzen haben. Immerhin stehen acht Spieler der Bayern im vorläufigen EM-Kader von Bundestrainer Joachim Löw.

Welche Folgen hat die Niederlage für das Selbstbewusstsein des Nationalteams?

Wenn es nach Joachim Löw geht, hat es das Champions-League-Finale nicht gegeben. Am Morgen danach steht der Bundestrainer auf dem Trainingsplatz und fragt, detailversessen wie er ist, den Bremer Torhüter Tim Wiese nach dessen Körpergewicht. "91", antwortet Wiese. Damit wäre geklärt, wie rasch der Übergang zum Alltag hier vollzogen werden soll. Auch Bierhoff, eine Art Außenminister der deutschen Delegation, will keine negativen Nachwirkungen erkennen. Die Niederlage nage keineswegs am Selbstbewusstsein der Gruppe. Die Bayern hätten Großartiges geleistet in dieser Saison, sie seien in allen Wettbewerben bis zum Ende im Rennen gewesen. Aber klar, natürlich wären die Bayern im umgekehrten Fall mit sehr viel mehr positiver Energie zur Nationalmannschaft gestoßen. "Nach der großen Anspannung tritt jetzt einen gewisse Leere ein", sagt Bierhoff, "da weiß man als Spieler erst einmal nicht, wie man gleich wieder neue Kräfte aufbringen kann." Man müsse den Bayern nun ein paar Tage Luft und Zeit genehmigen. "Ich bin überzeugt, dass wir sie hier richtig auffangen werden. Immerhin können sie ja noch einen wichtigen Titel gewinnen."

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Wie geht es für die Bayern weiter?

Vielleicht hatte Joachim Löw schon eine Ahnung. Vor einer Woche, am Anfang der Vorbereitung, hat er sich erstaunlich offen über mögliche Folgen einer Bayern-Niederlage geäußert. Das wäre "ein Tiefschlag für unsere Spieler", hatte Löw gesagt und mit dem Gedanken gespielt, den Münchnern zwei, drei Tage mehr frei zu geben. Sicher ist, dass die Bayern am Dienstag mit ihrem Klub noch das Freundschaftsspiel gegen Holland bestreiten. Über diesen Termin war man bei der deutschen Nationalmannschaft nie begeistert. "Einen Sinn habe ich in diesem Spiel noch nie gesehen", sagt Bierhoff. "Der sportliche Stellenwert ist gleich null." Nach bisheriger Planung sollen die Münchner Freitag in Südfrankreich eintreffen. Tags darauf fliegt die Nationalmannschaft zum Testspiel gegen die Schweiz nach Basel. "Ich gehe nicht davon aus, dass allzu viele Bayern mitreisen werden", sagte Bierhoff. Die Details sollen in den nächsten Tagen geklärt werden, in Rücksprache mit den Bayern-Spielern. "Es ist doch klar, dass man da heute Morgen nicht anruft", hatte Bierhoff am Sonntag gesagt.

Wie sollen die Bayern-Spieler wieder aufgerichtet werden?

Die Luftveränderung wird einiges bewirken. Und natürlich das Binnenklima im Nationalteam. Spätestens bei der EM werden die Bayern in der Lage sein, Höchstleistungen aufzubringen. Glaubt Bierhoff. "Wir müssen Bastian Schweinsteiger zeigen, dass es kein Drama ist, einen wichtigen Elfmeter zu verschießen." Das sei schon anderen passiert, Lionel Messi etwa. Die Last, für die Niederlage verantwortlich zu sein, werde man Schweinsteiger nicht auferlegen, sagt Bierhoff. "Da sehe ich gar kein Problem, eher schon, was ein Spieler wie er von sich selbst erwartet." Aber es gebe auch keinen Zaubertrank, und man solle nicht denken, dass sich das von heute auf morgen erledigt habe. Jeder Spieler brauche seine Zeit und seine Ansprache. Im Bedarfsfall steht in Hans-Dieter Hermann ein Psychologe zur Verfügung, der die Nationalmannschaft seit Jahren begleitet und das Vertrauen der Spieler genießt.

Leserkommentare
  1. mit etwas mehr Demut..könnte es zur Vizeeuropameisterschaft reichen. Am Besten wäre es natürlich , wenn "wir" im Finale die Insulaner 4 zu 0 "schlagen".

    Darüberhinaus finde ich das "jammern" völlig überflüssig.
    Ein 2. Platz in Europa ist doch auch was wert, oder?

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    Wer will das denn?

    Was interessiert sind Titel – mehr nicht.

    Wer will das denn?

    Was interessiert sind Titel – mehr nicht.

  2. Wer will das denn?

    Was interessiert sind Titel – mehr nicht.

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  3. 43. [...]

    [...]

    Wie man von "Wir sind im Champions League Finale" zu "Wir haben das Champions League Finale gewonnen" im Hirn kommen kann, ohne das überhaupt gespielt wurde, bleibt mir, ehrlich, ein Rätsel. Und weshalb – wenn man denn dann doch unerwartet(?) verliert – man sich vor allem Häme, Spott und Versager-Geschrei anhören muss, ist mir auch nicht ganz klar.

    Und dann immer dieses Getue von wegen man sei jetzt für die EM qualifiziert und der Rest müsse dann schon automatisch gelingen. Schließlich hätte man ja den unbedingten Willen zu gewinnen und der deutsche Wille ist dem Willen aller anderen überlegen, oder was? Ist ja nicht so als spielten bei solchen Wettbewerben nicht auch andere mit. Aber klar: Alle anderen haben nicht den deutschen Fan im Rücken, wenn sie spielen. Wobei der deutsche Fan eine ähnliche Taktik wie im 1. Weltkrieg zu haben scheint. Ihr stürmt vorwärts und wir stellen euch eine MG in den Rücken. Solltet ihr aufhören zu stürmen, mähen wir euch eben von hinten nieder. Gewinnen oder Sterben. Solltet ihr aber doch verlieren, dann bitte keine Enttäuschung. Dann Kopf hoch, Augen gradeaus, Brust raus und an die Millionen auf dem Konto erinnert (hä, wo kommen die jetzt plötzlich her?) und zackig dem Bundespräsidenten die Hand geschüttelt.

    Und glaubt echt jemand die Nationalelf von 1990 hätte auch nur den Hauch einer Chance gegen die aktuelle spanische Mannschaft?

    Teil entfernt. Bitte äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/lv

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  4. Den FC Chelsea als eine technisch minderbemittelte Mannschaft zu bezeichnen, finde ich bei aller Kritik an deren Spielweise doch ungeheuerlich. Genau diese Arroganz und Selbstverliebtheit in den deutschen Fußball und speziell in den noch so tollen FC Bayern, führt dazu, dass ich mich über den CL-Titel von Chelsea nur freuen kann. Im Fußball gewinnt nicht die Mannschaft mit mehr Ballbesitz. Wer es schafft aus 2 Ecken 1 Tor zu machen (statt aus 17 Ecken null Tore) ist aus meiner Sicht effizient und auch das gehört in eine Statistik. Die Jungs vom FCB haben sicherlich einiges aus diesem Finale gelernt - das kann eigentlich nur gut für die Nationalelf sein.

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  5. Ja, unbedingt.

    Den größten Schrecken verbreitete der deutsche Fußball doch, als Sir Erich und Tante Käthe an der Seitenlinie standen, das Mittelfeld von Ramelow, Jeremies & Co. umgepflügt wurde, Didi Hamann seine BAT IIa-Beamtenpässe spielte und Loddar Matthäus des öfteren beim philosophischen Quartett mit Wontorra, Dahlmann und Heribert F. vorbeischaute.

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  6. Immerhin sind auch die beiden selbsternannten besten Mannschaften der Welt gegen Bayern respektive Chelsea ausgeschieden.

    Und andersherum gefragt: Müssen jetzt alle Angst vor den Engländern haben und sind diese jetzt plötzlich die großen EM-Favoriten.

    Oder war das eben doch nur ein Spiel, bei dem die klar bessere Mannschaft letztlich an den eigenen Nerven gescheitert ist, wie es immer mal wieder in der Fussballgeschichte vorgekommen sein soll (sehr oft mit Deutschland als Nutznießer)?

    Für die EM heisst das jedenfalls: Gar nichts!

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    Aha, also von Barcelona hab ich da noch nix gehört. Die geben sogar zu wenn sie mal schlechter spielen.
    Aber "Arroganz" unterschieben ist bei Sachen gegen die man kaum Argumente hat bei einigen sehr populär.

    Aha, also von Barcelona hab ich da noch nix gehört. Die geben sogar zu wenn sie mal schlechter spielen.
    Aber "Arroganz" unterschieben ist bei Sachen gegen die man kaum Argumente hat bei einigen sehr populär.

  7. Liebe Bayern Spieler!
    Schaut nach vorne! Denkt an Oliver Kahn! "Weiter, weiter, immer weiter!"
    Ihr könnt ja noch zusammen mit euren Kollegen einen Ttitel gewinnen, und der ganze Schmerz ist halbwegs vergessen.
    Also, nach vorne schauen!

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  8. vor allem in finalen Spielen, wo es um sooo viel geht. Siehe Chelsea. Mit dem Sieg von Chelsea hat niemand gerechnet, man war mal wieder endlos arrogant & hat die Spielweise von Chelsea nichts als degradiert.
    Aber Chelsea war diejenige Mannschaft im CL Finale, die ihre sehr wenigen Chancen verwertet hat! Und nur darum geht es, wenn man einen Sieg davon tragen möchte: Chancenverwertung und keinesfalls herablassende Unterschätzung des Gegners.

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