PlagiatsverdachtSchavan wird nicht ewig schweigen können

Ministerin Schavan hält sich bei der Aufklärung der Plagiatsvorwürfe zurück. Doch der Unmut wächst: in Wissenschaft, Opposition und in den eigenen Reihen.

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU)

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU)

Wirklich in die Offensive ist Annette Schavan bisher nicht gegangen. Die Bundesbildungs- und, in diesem Fall noch wichtiger, -wissenschaftsministerin steht seit Tagen im Verdacht, bei ihrer 1980 verfassten Doktorarbeit plagiiert zu haben. Plagiatsjäger im Netz recherchierten darüber seit Wochen. Doch gingen die Meinungen darüber auseinander, ob die Fundstellen nun der Rede wert sind oder nicht.

Einer, der sich den Namen "Robert Schmidt" gegeben hat, fand es der Rede wert – und hat die markanten Stellen veröffentlicht. Schavan selbst hat bisher aber nur zwei Verteidigungslinien: einmal der Verweis auf die Anonymität des Anklägers aus dem Netz und zweitens der Verweis auf die Universität, die den Fall nun prüfen soll. Die Ministerin selbst hält sich zurück.

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Und genau das ist jetzt auch einigen aus der eigenen Partei zu wenig. Vor allem der Jungen Union aus ihrem baden-württembergischen Landesverband. Deren Vorsitzender Nikolas Löbel hat sich als erster geäußert. Ihm, aber auch vielen anderen in der CDU, ist noch sehr präsent, dass es Annette Schavan war, die mit ihrer Interviewäußerung Karl-Theodor zu Guttenberg den entscheidenden Stoß aus dem Amt verpasst hatte.

Sie selbst habe die Messlatte damals "wahnsinnig hochgelegt" und könne jetzt nicht darunter "durchtänzeln", sagt Löbel. Für Schavan gelte zwar weiter die Unschuldsvermutung, und sie habe das Recht auf ein faires Verfahren, "bei dem der Ball zwar jetzt bei der Universität liegt, aber sie selbst muss sich aktiv am Aufklärungsprozess beteiligen".

Verhältnis zum Parteinachwuchs ist seit Jahren angespannt

Dass es ausgerechnet die Jungunionisten aus dem eigenen Landesverband sind, die nun den ersten Stein in Richtung Schavan werfen, ist kein Wunder. Das Verhältnis zwischen dem Parteinachwuchs und der Ministerin ist seit Jahren angespannt. Vor allem inhaltlich lag man häufig über Kreuz. Zuletzt hatte der CDU-Nachwuchs die Landespartei aufgefordert, Schavan bei einer erneuten Kandidatur für den CDU-Bundesvorstand nicht zu unterstützen, weil sie mit ihrer Position zur Abschaffung der Hauptschule nicht die Interessen der Südwest-CDU vertreten habe.

"Es ist kein Geheimnis, dass das Verhältnis zwischen dem JU-Landesverband Baden-Württemberg und Schavan nicht das beste ist, was vor allem an inhaltlichen, aber auch an Stilfragen liegt", sagt Löbel. Aber auch im gesamten Landesverband ist Annette Schavan nicht sehr wohl gelitten. Seit Jahren wird ihr vorgehalten, sich nicht ausreichend um die Partei zu kümmern. Sie zeige kaum Präsenz und wolle im Prinzip nur ihr Direktmandat abholen. Offen Kritik übt bisher zwar nur die JU. Aber großen Widerspruch ernten sie dafür vom Rest des Landesverbandes nicht.

Doch nicht nur aus den eigenen Reihen wird die Kritik lauter. Auch in der Wissenschaft verschärft sich der Ton. Der Münchner Rechtswissenschaftler Volker Rieble geht davon aus, dass Schavan ihren Titel abgeben muss. Es hätten "schon Leute für weniger ihren Doktortitel verloren", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der Berliner Jura-Professor Gerhard Dannemann warf Schavan im Focus "gravierendes wissenschaftliches Fehlverhalten" vor. Dannemann gehört zur Internetplattform VroniPlag, die sich ebenfalls mit Schavans Doktorarbeit beschäftigt hat.

Auch SPD und Grüne legen nach. "Anonyme Hinweise hin oder her, Frau Schavan muss das jetzt aufklären", sagte Grünen-Parlamentsgeschäftsführer Volker Beck der Bild am Sonntag. Sein SPD-Kollege Thomas Oppermann forderte Annette Schavan auf, ihr Schweigen zu brechen. Sie selbst müsse das größte Interesse an einer raschen Aufklärung haben.

Erschienen im Tagesspiegel

 
Leserkommentare
    • Nevil
    • 07.05.2012 um 16:34 Uhr

    was sie dazu sagen könnte, wäre, ihren Rücktritt zu erklären - ohne Wenn und Aber.

    7 Leserempfehlungen
  1. Wie peinlich ist das denn Frau Wissenschaftsministerin...nun kommen Sie mal in die Gänge; sonst sind Sie doch auch nicht so mundfaul und geben überall Ihre bissigen Kommentare ab. Jetzt heißt es mal in eigener Sache Farbe bekennen. Sicher, auf "Gutti" rumhacken machte mehr Spaß. Aber jetzt raus aus der Schmollecke und frisch geföhnt in die Ablass-Bütt. Wir warten...

    5 Leserempfehlungen
  2. Das hartnäckige (Ignorieren) Schweigen hat sie sich wohl bei Mutti abgeschaut.

    6 Leserempfehlungen
    • kael
    • 07.05.2012 um 17:47 Uhr

    Da ich von unserer Bundes-Ministerin auch sonst nichts höre, ist mir ihr Schweigen in eigener Sache egal.

    2 Leserempfehlungen
  3. und sich via Verwaltungsgerichtsverfahren im Amt halten, kann Frau Schavan ebenfalls auf ein "ewiges" Verfahren spekulieren. Damit sichert man sich die Bezüge und Amtszeit.

    Die Glaubwürdigkeit von den anständigen Politikern ist denen doch wurst. Antwort gibt der Zuspruch bei den Piraten, obwohl sie kein Programm haben, erscheinen sie dem Wähler glaubwürdiger.

    Eine Leserempfehlung
  4. Hier wird jetzt im Internet Rescherschiert wer wo OHNE hinweiß abgeschrieben wurde. Prima
    Aber dann auch bitte bei allen Professoren mal schauen wer dann noch seinen Titel behalten darf.
    Wird lansam zur Lachnummer diese Hatz.

  5. Ich lach mich schlapp.
    Auf Seite 76 hat sie sogar die Fußnote geguttenborgt.

    2 Leserempfehlungen
  6. 8. [...]

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie das konkrete Artikelthema. Danke. Die Redaktion/ag

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