Überall in Europa wird über den Euro und die künftige Krisenpolitik abgestimmt – nur in Deutschland nicht. An diesem Donnerstag werden die Iren in einem Referendum entscheiden , ob sie den Fiskalpakt annehmen oder nicht. Am 17. Juni wählt Griechenland . Es wird eine Abstimmung über den Verbleib des Landes in der Währungsunion sein, denn beides – weniger hart sparen als bisher und den Euro behalten – wird kaum funktionieren. Gewinnen die Linksradikalen um Alexis Tsipras die Wahl, dann gehen entweder die Griechen raus aus dem Euro. Oder sie werden gegangen.

Für die restlichen Mitglieder der Währungsunion bedeutet das: Sie müssen von jetzt an alles tun, um Panik und ein Übergreifen auf Spanien , Portugal oder Italien zu verhindern. Es bedeutet höhere Brandmauern, neue Rettungsmilliarden und weitere Anleihekäufe durch die EZB. Alles Maßnahmen also, die gerade in Deutschland von vielen inzwischen sehr skeptisch gesehen werden.

Doch ohne die Bereitschaft der Deutschen, den Laden zusammenzuhalten, hat die gesamte Währungsunion keine Zukunft. Und deswegen geht es auch hierzulande darum, möglichst bald das Volk zu befragen. Deutschland braucht eine Volksabstimmung über den Euro.

In Frankreich hat die Präsidentenwahl bereits für klare Verhältnisse gesorgt. Die Franzosen entschieden sich gegen Sarkozy und für Hollande : Für eine Politik des Sparens und Wachsens; für scharfe Haushaltsregeln, aber für solche, die die Währungsunion zusammenhalten und nicht auseinanderdividieren.

Hollande ist beileibe nicht der ausgabenfreudige Sozialstaatsromantiker, als den ihn die Strippenzieher des Kanzleramts im französischen Wahlkampf dargestellt hatten. Übrigens traf Hollande im Wahlkampf auch deutsche Vorstandschefs. Niemand hatte Angst vor ihm. Angst hat nur Angela Merkel . Und zwar um ihre Macht .

Wofür steht die Kanzlerin wirklich?

Eine Volksabstimmung wäre der Merkel-Moment, der in den vergangenen zwei Jahren, seit dem ersten Rettungspaket für Griechenland , so schmerzhaft gefehlt hat. In so einer Abstimmung müsste die Kanzlerin für Europa werben; sie müsste ihre Idee der künftigen Währungsunion zur Wahl stellen. Die Deutschen würden endlich erfahren, welches Europa eigentlich Angela Merkel will.

Denn Merkels "Scheitert der Euro, dann scheitert Europa", ist nur eine Leerformel, bloß eine Variation ihres Lieblingsworts "alternativlos", mit dem sie den Deutschen die ersten Bankenrettungspakete verkaufte. Denn wofür steht die Kanzlerin wirklich?

Von vielen weiß man das: Andreas Vosskuhle , der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, kann sich langfristig einen europäischen Bundesstaat vorstellen. Wolfgang Schäuble , der Finanzminister, wäre schon heute bereit, nationale Souveränität nach Europa zu übertragen. Aber Merkel? Die Kanzlerin reagiert, statt zu agieren. Auch diese intellektuelle Führungslosigkeit im größten Land – und größten Geberland – der Währungsunion verstärkt bei den Bürgern den Eindruck von Krise.