Syrien-KriegAnkara scheut die militärische Eskalation

Nach dem Abschuss ihres Militärjets durch Syrien kündigt die Türkei "notwendige Schritte" an. Wie die aussehen sollen, ist allerdings unklar. von Thomas Seibert

Der türkische Präsident Abdullah Gül

Der türkische Präsident Abdullah Gül  |  © Olivia Harris /Reuters

Nachdem die syrische Luftabwehr am Freitagabend über dem östlichen Mittelmeer eine t ürkische Militärmaschine abgeschossen hat, sieht die Türkei sich unangenehmen Fragen ausgesetzt – und ringt um die richtige Antwort. Staatspräsident Abdullah Gül sagte am Samstag, dass dieses Aufklärungsflugzeug tatsächlich, wie von der syrischen Regierung angegeben, den Luftraum des Nachbarn verletzt haben könnte.

Ankara kündigte an, als Reaktion auf den Vorfall würden die "notwendigen Schritte" unternommen. Die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung als Folge aus dem Abschuss wurde von Beobachtern aber als gering eingestuft. Nach den beiden Piloten wurde unterdessen immer noch gesucht – in einem Sektor des Meeres rund zehn Kilometer vor der syrischen Küste.

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Die unbewaffnete Maschine vom Typ F4-Phantom war am Freitagmittag vom osttürkischen Malatya aus gestartet. Etwa neunzig Minuten später brach die Verbindung zu dem Jet ab.

Nach syrischen Angaben eröffnete die Luftabwehr in der Nähe der Küstenstadt Latakya das Feuer auf ein Militärflugzeug, dass sich mit hoher Geschwindigkeit und in niedriger Flughöhe dem syrischen Festland näherte. Die Maschine wurde demnach etwa einen Kilometer vor der Küste getroffen und stürzte anschließend etwa zehn Kilometer vom Land entfernt ins Meer.

Türkische Medien zitierten Küstenbewohner der Grenzprovinz Hatay, wenige Kilometer vom Ort des Geschehens entfernt. Sie hatten beobachtet, dass zunächst ein Militärjet aufs Meer hinausgeflogen sei und anschließend drei Explosionen zu hören gewesen seien.

Die türkische Zeitung  Hürriyet zeigte auf ihrer Website ein Video, das nach Angaben der Zeitung von syrischen Strandbesuchern in der Nähe des Abschussortes aufgenommen wurde. In dem Clip sind Schüsse zu hören. Zudem zeigen die Menschen auf ein Objekt am Horizont.

Die türkische Regierung erklärte nach einer Krisensitzung der politischen und militärischen Führung in der Nacht zum Samstag, nach Aufklärung des Zwischenfalls werde die Türkei ihre endgültige Haltung formulieren. Einige Beobachter in der Türkei kommentierten, Ankara werde sich wegen des Angriffs auf den Jet möglicherweise an die Nato wenden.

Leserkommentare
    • APGKFT
    • 24. Juni 2012 9:04 Uhr

    Das ist auch gut so!

  1. Gerade von Syrien kann man lernen was passiert wenn man sich in einen Bürgerkrieg einmischt - Libanon ist nicht so lang her. Da ist nichts zu gewinnen. Assads Tage sind gezählt, es ist nur eine Frage von Wenn nicht Ob er seine Macht verliert.
    Wenn die Türkei ihre Karten richtig spielt, werden sie unter Umständen sogar von den Syriern eingeladen als Friedensschlichter/beobachter ins Land zu kommen und die Radikalen an der Machtergreifung zu hindern.
    Und bezahlt würde das ganze von der UN und den Arabern die kein Interesse daran haben einen weiteren Mullahstaat als Nachbarn zu haben.
    Damit könnten sowohl der Westen als auch die arabischen Staaten und sogar der Iran und Israel leben.
    Alles was die Türkei dazu tun muss ist nichts, was ja nicht so schwer ist.

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    Und bezahlt würde das ganze von der UN und den Arabern die kein Interesse daran haben einen weiteren Mullahstaat als Nachbarn zu haben.

    Wenn Sie mit Arabern Saudi-Arabien und Katar meinen dann liegen Sie falsch. Natürlich haben die Scheichs ein Interesse daran wenn sich strengismalische Sunniten an die Macht mogeln.

    Warum glauben Sie, unterstützen diese Länder vorallem die islamistischen Gruppen? Warum glauben Sie, gilt SA als einer der größten Unterstützer von islamistischen Terrorgruppen?

    Das Ziel ist die Errichtung eines Kalifats. Helfen dabei wollen die eingesickerten Islamisten aus Libyen, Pakistan oder dem Libanon.

    Heute wieder ein guter Bericht in der Welt, der von konfesionellen Säuberungen der Rebellen spricht. Wie die Steinzeitmilizen die Leute dazu zwingen gegen Assad zu kämpfen bei Weigerung Morde begehen. Vertreibung von Christen, hinterhältiger Mord, Drohungen und Erpressung.
    Und wieder Zeugen, die aussagen das Massaker von Hula sei von Milizen begangen worden, da die ermordeten Familien sich geweigert haben gegen Assad zu kämpfen.

    "Sie nennen Osama Bin Laden ihren Scheich"

    http://www.welt.de/politi...

  2. "Ankara scheut die militärische Eskalation"? "Scheuen" bedeutet ja, etwas aus Angst zu vermeiden oder zu meiden. Ich könnte das als subtilen Vorwurf an die Türken verstehen.

    Aus meiner Sicht gibt es gute Gründe, deeskalierend zu wirken und einen Krieg zu vermeiden.

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    Den Eindruck kann man hier schon gewinnen.
    Mag sein, daß bei einigen Rüstungsprofitgeiern die Hoffnung auf kurzfristige Produktions- und Profitsteigerung entstanden ist. Deren Enttäuschung ist verständlich.
    Noch verständlicher ist jedoch eine besonnene Politik, die evtl. zur Vermeidung eines weiteren Krieges beitragen kann.

    Die Türkei ist doch schon lange in den Syrischen Bürgerkrieg verwikelt. Sie bildet 20'000 Kämpfer der FSA auf ihren Territorium aus und lässt sie in Syrien einsickern. Die Eskalation ist nicht zuletzt dieser Tatsache zu verdanken. Die "westlichen" Medien haben darüber hinlänglich berichtet. Die Türkei verhält sich momentan in diesr Angelegenheit zurückhaltend, weil sie selbst die Drohung Assads fürchtet, der PKK ähnlich zu unterstützen, wie es die Türkei mit der FSA macht. Thats all.

    • Impli
    • 24. Juni 2012 13:13 Uhr

    Entfernt, da polemisch. Danke, die Redaktion/se

  3. Es sieht danach aus daß das türkische Flugzeug im syrischen Luftraum abgeschossen wurde wie es auch Herr Gül durchblicken läßt.
    Der einzig notwendige Schritt wäre hier eine diplomatische Note in Richtung Damaskus in dem die Türken erklären was ihr Aufklärungsflugzeug in Syrien wollte mit einer anschließenden Entschuldigung der Türken.
    Alles andere kommt nicht in die Tüte.
    Gruß

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    Das hat sich aktuell herausgestellt.

    Die Türkei muss sich also gar nichts entschuldigen.

    • doch40
    • 24. Juni 2012 9:37 Uhr

    Thomas Seibert scheint einen Krieg geradezu herbeizusehnen, wenn man die Überschrift liest. Ekelerregend!

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    ... in ein paar Worte reininterpretieren kann. Das sagt wohl mehr aus über den Leser als über den Schreiber dieser Worte und dann darf selbstverständlich die moralische Keule nicht fehlen.

    Auf Wunsch gelöscht. Danke, die Redaktion/mo.

    Das sehe ich genauso wie Sie.

  4. Wenn man dazu bei Russia Today noch liest:
    „Rettungskräfte haben bereits einen Schleudersitz und Fallschirm im Meer gefunden, aber es gab keine Anzeichen für das Flugzeug selbst, berichteten türkische Staatsfernsehen.“

    http://www.rt.com/news/tu...

    und ungewohnterweise im Spiegel Folgendes sichtet:
    „..was mit den beiden Besatzungsmitgliedern passiert ist, ist allerdings immer noch unklar...“
    ..“Die F-4, die jetzt abgeschossen wurde, gehört zu den ältesten Modellen der türkischen Luftwaffe. Sie war als Aufklärer mit Kameras ausgerüstet. Vielleicht sollte sie testen, wie gut die syrische Flugabwehr ist.“..
    ..Die Angst vieler Türken ist, dass ihre Regierung sich im Auftrag der USA in einen Krieg mit Syrien verwickeln lässt, aus dem sie so leicht nicht mehr herauskommt."

    http://www.spiegel.de/pol...

    ..ergeben sich völlig neue Betrachtungsweisen.

    Und so schliesst sich auch der Bogen. Was im „Auftrag der USA“ bedeuten kann, wissen Kenner der Israel-Lobby sehr gut.
    Damit wären zwei Dinge, dringend zu ermitteln. Befanden sich in der Maschine tatsächlich Piloten? Und – Wie oder noch besser wurde die Maschine überhaupt vom syrischen Militär abgeschossen oder eventuell extern zur Verwendung des Ereignisses, für weitere Zwecke, „fernentsorgt“?

    Der Auftrag, "Feindaufklärung" mit modernsen Mitteln , wäre dann ja erfüllt gewesen.

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    Auf Wunsch gelöscht. Danke, die Redaktion/mo.

  5. ...ein nicht identifiziertes Flugobjekt verletzt Luftraum des Landes und wurde durch Flak-Artillerie abgeschossen. Es wurde 1 km vor der Küste des Landes getroffen, so berichtete die syrische Nachrichtenagentur SANA.

    Soweit so so gut. Damit wäre Syrien, voll im Recht.
    Aber warum will die Türkei incl. der NATO, GCC Verbündete usw., das nicht sogleich trotzdem als neuerliche Kriegspropaganda benutzen? Die prompten und naßforschen Syrien-Artikel, wenn es wieder mal ein Massaker oder Ähnliches gab, kennen wir ja alle.

    Ich hab mich mal kundig gemacht.

    Mit Syriens Flak-Artillerie, kann man eigentlich nur diese, etwas historisch anmutende o.ä., aber immer noch im Einsatz befindliche, Waffengattung meinen:

    „ZSU-23-4...ist ein in der Sowjetunion entwickelter Flakpanzer zur Bekämpfung niedrig fliegender Kampfflugzeuge und Hubschrauber sowie leicht gepanzerter Bodenziele.:
    http://de.wikipedia.org/w...
    es geht hier sehr interessant weiter:
    „Im Libanonkrieg wurde die ZSU-23-4 ... von der syrischen Armee, ..eingesetzt.
    Die Flak- und FlaRak-Systeme....konnten von der israelischen Luftwaffe bereits vor dem Beginn der Auseinandersetzungen aufgeklärt werden. Weiterhin hatte die israelische Luftwaffe ein taktisches Einsatzkonzept entwickelt, das den Einsatz von UNBEMANNTEN AUFKLÄRUNGSMITTEN, elektronischen Störmaßnahmen, ZIELKÖDERN...kombinierte.“

  6. Wenn man dazu bei Russia Today noch liest:
    „Rettungskräfte haben bereits einen Schleudersitz und Fallschirm im Meer gefunden, aber es gab keine Anzeichen für das Flugzeug selbst, berichteten türkische Staatsfernsehen.“

    http://www.rt.com/news/tu...

    und ungewohnterweise im Spiegel Folgendes sichtet:
    „..was mit den beiden Besatzungsmitgliedern passiert ist, ist allerdings immer noch unklar...“
    ..“Die F-4, die jetzt abgeschossen wurde, gehört zu den ältesten Modellen der türkischen Luftwaffe. Sie war als Aufklärer mit Kameras ausgerüstet. Vielleicht sollte sie testen, wie gut die syrische Flugabwehr ist.“..
    ..Die Angst vieler Türken ist, dass ihre Regierung sich im Auftrag der USA in einen Krieg mit Syrien verwickeln lässt, aus dem sie so leicht nicht mehr herauskommt."

    http://www.spiegel.de/pol...

    ..ergeben sich völlig neue Betrachtungsweisen.

    Und so schliesst sich auch der Bogen. Was im „Auftrag der USA“ bedeuten kann, wissen Kenner der Israel-Lobby sehr gut.
    Damit wären zwei Dinge, dringend zu ermitteln. Befanden sich in der Maschine tatsächlich Piloten? Und – Wie oder noch besser wurde die Maschine überhaupt vom syrischen Militär abgeschossen oder eventuell extern zur Verwendung des Ereignisses, für weitere Zwecke, „fernentsorgt“?

    Der Auftrag, "Feindaufklärung" mit modernsen Mitteln , wäre dann ja erfüllt gewesen.

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  • Schlagworte Abdullah Gül | Syrien | Türkei | Militärflugzeug | Ankara
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