Syrien-Krieg : Ankara scheut die militärische Eskalation

Nach dem Abschuss ihres Militärjets durch Syrien kündigt die Türkei "notwendige Schritte" an. Wie die aussehen sollen, ist allerdings unklar.
Der türkische Präsident Abdullah Gül © Olivia Harris /Reuters

Nachdem die syrische Luftabwehr am Freitagabend über dem östlichen Mittelmeer eine t ürkische Militärmaschine abgeschossen hat, sieht die Türkei sich unangenehmen Fragen ausgesetzt – und ringt um die richtige Antwort. Staatspräsident Abdullah Gül sagte am Samstag, dass dieses Aufklärungsflugzeug tatsächlich, wie von der syrischen Regierung angegeben, den Luftraum des Nachbarn verletzt haben könnte.

Ankara kündigte an, als Reaktion auf den Vorfall würden die "notwendigen Schritte" unternommen. Die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung als Folge aus dem Abschuss wurde von Beobachtern aber als gering eingestuft. Nach den beiden Piloten wurde unterdessen immer noch gesucht – in einem Sektor des Meeres rund zehn Kilometer vor der syrischen Küste.

Die unbewaffnete Maschine vom Typ F4-Phantom war am Freitagmittag vom osttürkischen Malatya aus gestartet. Etwa neunzig Minuten später brach die Verbindung zu dem Jet ab.

Nach syrischen Angaben eröffnete die Luftabwehr in der Nähe der Küstenstadt Latakya das Feuer auf ein Militärflugzeug, dass sich mit hoher Geschwindigkeit und in niedriger Flughöhe dem syrischen Festland näherte. Die Maschine wurde demnach etwa einen Kilometer vor der Küste getroffen und stürzte anschließend etwa zehn Kilometer vom Land entfernt ins Meer.

Türkische Medien zitierten Küstenbewohner der Grenzprovinz Hatay, wenige Kilometer vom Ort des Geschehens entfernt. Sie hatten beobachtet, dass zunächst ein Militärjet aufs Meer hinausgeflogen sei und anschließend drei Explosionen zu hören gewesen seien.

Die türkische Zeitung  Hürriyet zeigte auf ihrer Website ein Video, das nach Angaben der Zeitung von syrischen Strandbesuchern in der Nähe des Abschussortes aufgenommen wurde. In dem Clip sind Schüsse zu hören. Zudem zeigen die Menschen auf ein Objekt am Horizont.

Die türkische Regierung erklärte nach einer Krisensitzung der politischen und militärischen Führung in der Nacht zum Samstag, nach Aufklärung des Zwischenfalls werde die Türkei ihre endgültige Haltung formulieren. Einige Beobachter in der Türkei kommentierten, Ankara werde sich wegen des Angriffs auf den Jet möglicherweise an die Nato wenden.

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Kommentare

63 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Warum sollte sich die Türkei einmischen?

Gerade von Syrien kann man lernen was passiert wenn man sich in einen Bürgerkrieg einmischt - Libanon ist nicht so lang her. Da ist nichts zu gewinnen. Assads Tage sind gezählt, es ist nur eine Frage von Wenn nicht Ob er seine Macht verliert.
Wenn die Türkei ihre Karten richtig spielt, werden sie unter Umständen sogar von den Syriern eingeladen als Friedensschlichter/beobachter ins Land zu kommen und die Radikalen an der Machtergreifung zu hindern.
Und bezahlt würde das ganze von der UN und den Arabern die kein Interesse daran haben einen weiteren Mullahstaat als Nachbarn zu haben.
Damit könnten sowohl der Westen als auch die arabischen Staaten und sogar der Iran und Israel leben.
Alles was die Türkei dazu tun muss ist nichts, was ja nicht so schwer ist.

Errichtung eines Kalifats ist das Ziel

Und bezahlt würde das ganze von der UN und den Arabern die kein Interesse daran haben einen weiteren Mullahstaat als Nachbarn zu haben.

Wenn Sie mit Arabern Saudi-Arabien und Katar meinen dann liegen Sie falsch. Natürlich haben die Scheichs ein Interesse daran wenn sich strengismalische Sunniten an die Macht mogeln.

Warum glauben Sie, unterstützen diese Länder vorallem die islamistischen Gruppen? Warum glauben Sie, gilt SA als einer der größten Unterstützer von islamistischen Terrorgruppen?

Das Ziel ist die Errichtung eines Kalifats. Helfen dabei wollen die eingesickerten Islamisten aus Libyen, Pakistan oder dem Libanon.

Heute wieder ein guter Bericht in der Welt, der von konfesionellen Säuberungen der Rebellen spricht. Wie die Steinzeitmilizen die Leute dazu zwingen gegen Assad zu kämpfen bei Weigerung Morde begehen. Vertreibung von Christen, hinterhältiger Mord, Drohungen und Erpressung.
Und wieder Zeugen, die aussagen das Massaker von Hula sei von Milizen begangen worden, da die ermordeten Familien sich geweigert haben gegen Assad zu kämpfen.

"Sie nennen Osama Bin Laden ihren Scheich"

http://www.welt.de/politi...

Manchmal muss ich meine "Schubladen", ...

..., in die ich bestimmte Medien gelegentlich stecke, überarbeiten. Auf "welt.de" steht Vieles, das ich kritikwürdig finde, aber eben auch, und nicht zum ersten Mal, ein ausgewogener, journalistisch distanzierter Beitrag wie der verlinkte.

Ein wohltuender Kontrast zu vielen einseitigen und oft aufwiegelnden Berichten andernorts.

P.S.: Der "Welt-Autor" war anscheinend persönlich in Syrien, und hat selber recherchiert, anstatt die Meldungen dubioser "Beobachtungsstellen" zu replizieren.

na ja

ging mir auch so. ich hatte die welt sogar mal im abbo. was man eben so alles macht ;-).

aber der zeit sollte langsam aufallen, dass sie eine der einseitigsten zeitungen im politischen mainstream ist. wenn selbst die welt anfängt zu differenzieren, sollte auch der mut in den redaktionsstuben der zeit einzug halten, mal zu informieren und nicht immer erklären zu wollen, wie was zu sehen ist.

@preussexx #53

Ich bin mir nicht sicher, ob diese Antwort den scharfen Blick der Redaktion überleben wird; ich versuche es trotzdem 'mal.

- "Die Welt" berichet in der Tat sehr zurückhalten und ohne Wertung ("... will NATO-Sitzung ...").
- SPON dito, nur im Ton etwas "dynamsicher" (oder was die dafür halten).
- Frankfurter Rundschau = Welt.
- Tagesspiegel = Welt/FR.
- Süddeutsche = Welt/FR/Tagesspiegel.
- TAZ ..., naja, wirklich nicht der Rede wert.

Es ist also eigentlich nur Die Zeit, die so deutlich aus dem Rahmen fällt.

Hier ist wieder DAS Dilemma der Zeit schlechthin: Meinung und Bericht sind nicht auseinanderzuhalten. Im Gegenteil: Häufig werden sie mit Absicht verwurschtelt.

"Ankara scheut die militärische Eskalation"

"Ankara scheut die militärische Eskalation"? "Scheuen" bedeutet ja, etwas aus Angst zu vermeiden oder zu meiden. Ich könnte das als subtilen Vorwurf an die Türken verstehen.

Aus meiner Sicht gibt es gute Gründe, deeskalierend zu wirken und einen Krieg zu vermeiden.

Zurückhaltung in der Eskalation

Die Türkei ist doch schon lange in den Syrischen Bürgerkrieg verwikelt. Sie bildet 20'000 Kämpfer der FSA auf ihren Territorium aus und lässt sie in Syrien einsickern. Die Eskalation ist nicht zuletzt dieser Tatsache zu verdanken. Die "westlichen" Medien haben darüber hinlänglich berichtet. Die Türkei verhält sich momentan in diesr Angelegenheit zurückhaltend, weil sie selbst die Drohung Assads fürchtet, der PKK ähnlich zu unterstützen, wie es die Türkei mit der FSA macht. Thats all.

Ban Ki Moon ermahnt Türkei, sich an UNSC- Beschluss zu halten

Man wird diese Scheu verstehen, wenn man sie im Zusammenhang der in den westlichen Medien verschwiegenen UN- Sicherheitsrats- Diskussionen betrachtet.

Leider wird wieder nicht aktuell von den Friedensbemühungen von Kofi Annan berichtet. Die Resolution gilt immer noch.

In der Diskussion sind die Bildung einer Kontaktgruppe und alternativ eine Konferenz zur Konsensbildung zwischen den Gruppen, die Einfluss ausüben können auf die syrische Regierung einerseits und die Opposition andererseits.

Der UN- Sicherheitsrat hat dieses auf der Montag- Sitzung in dieser Woche betont.

Der Vorsitzende des UNSC forderte z.B.

Teamwork,.." not to opt the war.."

http://webtv.un.org/media...–-security-council-media-stakeout/1697569669001

und General Mood sagte sogar: die Regierung haben Waffenruhe versprochen, die Opposition nicht..

http://www.un.org/apps/ne...

Ich gehe davon aus, dass Ban Ki Moon aus diesem Grund die Türkei ermahnt hat, sich "besonnen" zu verhalten.

Notwendige Schritte

Es sieht danach aus daß das türkische Flugzeug im syrischen Luftraum abgeschossen wurde wie es auch Herr Gül durchblicken läßt.
Der einzig notwendige Schritt wäre hier eine diplomatische Note in Richtung Damaskus in dem die Türken erklären was ihr Aufklärungsflugzeug in Syrien wollte mit einer anschließenden Entschuldigung der Türken.
Alles andere kommt nicht in die Tüte.
Gruß