Muslime sollen zu Deutschland gehören, der Islam aber nicht? Diese Unterscheidung entspricht nicht der Realität, findet Leser Reinhard Salomon.
Gauck hat die Aussage seines Vorgängers, der Islam gehöre zu Deutschland, nicht übernommen. Stattdessen stellt er fest: "Ich hätte einfach gesagt, die Muslime, die hier leben, gehören zu Deutschland." Das heißt, jeder Mensch mit islamischer Glaubenszughörigkeit und deutscher Staatsbürgerschaft gehört zu Deutschland.
Der Islam aber gehört nicht dazu?
Die zweitgrößte Weltreligion ist sehr wohl in Deutschland angekommen: Die wichtigsten Merkmale des Islam wie beispielsweise die fünf Säulen sind längst auch Nicht-Muslimen bekannt. Moscheen mit Minaretten sind ein weiteres Indiz für die Existenz des Islam hierzulande, ebenso wie der geplante islamische Religionsunterricht an staatlichen Schulen und natürlich die Muslime selbst.
Die Beweislast, dass der Islam zu Deutschland gehört, ist also erdrückend. Dass sich Gauck von der Tatsachenbehauptung Wulffs distanziert, irritiert. Das ist in etwa so, als würde sich jemand bei strömendem Regen von der Aussage distanzieren, es regne.
Wulff stellte sich mit seiner Aussage mutig der Wirklichkeit. Indem er den Islam ohne Wenn und Aber zu Deutschland rechnete, zeigte er kosmopolitische Beherztheit. Das hat ihm zwar den Ärger vieler CDU- und CSU-Mitglieder, aber den Respekt der Muslime eingebracht.
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Gaucks Rückzieher wirkt daneben eher kleinlich und provinziell. Er bringt keinen Erkenntnisgewinn und fördert auch nicht die Integration. Oder steigert es etwa die Motivation, sich in ein Land zu integrieren, zu dem ich zwar als Person gehören darf, aber nicht mit meiner Religion? Die menschliche Existenz ist nicht auf diese Weise trennbar: Person hier, Religion dort.
Wenn die Zugehörigkeit des Islam zu Deutschland in Frage gestellt wird, wohin gehört diese Weltreligion dann? Wohl kaum in die Hinterhöfe oder gar in eine Parallelwelt, die von der Scharia bestimmt wird. Außerdem möchte ich bezweifeln, dass sich eine solche Ausgrenzung mit der "Gleichheit vor dem Gesetz" (Grundgesetz, Artikel 3) verträgt.
Ohne Zweifel hat Gauck keine diskriminierenden Absichten. Im Gegenteil, er tritt bewusst gegen Diskriminierung ein. Trotzdem finde ich, er hätte andere Worte wählen sollen.






einer Religionsgemeinschaft anzugehören?
Sehr viele Christen in Deutschland sind nur noch pro forma Christen. So wurde vor kurzem bekannt gemacht, dass die Zahl der katholischen Kirchgänger in den letzten 20 Jahren um die Hälfte abgenommen hat.
Über Kirchenaustritte wurde ja auch schon viel geschrieben.
Frankreich bekennt sich offensiv dazu, ein laizistischer Staat zu sein. Vielleicht sollte Deutschland einfach nachziehen.
Dann könnte jeder seiner Religion nachgehen (oder eben auch nicht), aber eine Debatte, was dazu gehört, müsste so nicht mehr geführt werden.
Gehört es überhaupt "zu Deutschland" einer Religionsgemeinschaft anzugehören?
Die Religionsfreiheit gehört zu Deutschland und damit auch die Freiheit sich zu entscheiden ob und falls ja welcher Religionsgemeinschaft man angehören möchte.
Sehr viele Christen in Deutschland sind nur noch pro forma Christen.
Ja. Trotzdem gibt es immer noch viele Millionen Christen in Deutschland, selbst wenn man die abzieht, die nie in die Kirche gehen und das Christentum hatte ein enorm prägenden Einfluss auf unsere Kultur, denke Sie allein an Martin Luthers Wirkung auf die Entstehung des Hochdeutsch.
Dann könnte jeder seiner Religion nachgehen (oder eben auch nicht), aber eine Debatte, was dazu gehört, müsste so nicht mehr geführt werden.
Nein, denn zur abstrakten Idee Deutschland kann weiterhin jeder alles mögliche dazuzählen oder auch nicht. Ob der Islam nun zu Deutschland dazugehört oder auch nicht hat ja auch keinerlei rechtliche Wirkung. Der Laizismus hingegen grenzt religiöse gesellschaftliche Akteure massiv aus und die Franzosen sind am Nachdenken, ob man ihn nicht doch etwas zurückdrehen müsste.
Gehört es überhaupt "zu Deutschland" einer Religionsgemeinschaft anzugehören?
Die Religionsfreiheit gehört zu Deutschland und damit auch die Freiheit sich zu entscheiden ob und falls ja welcher Religionsgemeinschaft man angehören möchte.
Sehr viele Christen in Deutschland sind nur noch pro forma Christen.
Ja. Trotzdem gibt es immer noch viele Millionen Christen in Deutschland, selbst wenn man die abzieht, die nie in die Kirche gehen und das Christentum hatte ein enorm prägenden Einfluss auf unsere Kultur, denke Sie allein an Martin Luthers Wirkung auf die Entstehung des Hochdeutsch.
Dann könnte jeder seiner Religion nachgehen (oder eben auch nicht), aber eine Debatte, was dazu gehört, müsste so nicht mehr geführt werden.
Nein, denn zur abstrakten Idee Deutschland kann weiterhin jeder alles mögliche dazuzählen oder auch nicht. Ob der Islam nun zu Deutschland dazugehört oder auch nicht hat ja auch keinerlei rechtliche Wirkung. Der Laizismus hingegen grenzt religiöse gesellschaftliche Akteure massiv aus und die Franzosen sind am Nachdenken, ob man ihn nicht doch etwas zurückdrehen müsste.
Entfernt. Bitte tragen Sie konstruktiv zur Diskussion bei. Danke, die Redaktion/mk
eigentlich müssen Sie sich nur klar entscheiden, ob Sie einen säkularen Staat mit ebensolcher Rechtsordnung befürworten, oder einen ""Einflussstaat", wie derzeit existent. In dem jede Frömmlergruppierung irgendwelche absurden Partikularintereesen durchsetzen will, und z.T. auch kann.
Es gibt auch keine "Beweislast" oder einen Verstoß gegen Artikel 3, wenn ein (leider nich ganz so säkularer) Präsident irgendwelch Befindlichkeiten und Einschätzungen äußert!
Selbst diese Einlassungen waren nur Schall und Rauch, da der Herr BP dazu keine (klugerweise?) Begriffsbestimmungen mitgeliefert hat.
Religion ist Privatsache und daher ist es schon vom Gleichheitsgrunsatz her irrelevant, ob 1 oder 10 Mio. beliebige Anhänger eines Kultes herumlaufen; solange diese die Rechtsordnung nicht in Frage stellen.
Somit führen Sie im Artikel einen Trivialnachweis; was wollten Sie eigentlich sagen?
MfG KM
Wussten Sie, dass ich in Deutschland über meine Religionszugehörigkeit und die meiner Ehefrau Auskunft erteilen muss? Wenn ich, als aussereuropäischer Staatsangehöriger mit EU Aufenthaltsbewilligung (Ehemann einer EU Bürgerinn), bei Ihnen in Deutschland einen einmonatigen Deutschkurs im Goethe-Institut absolvieren möchte muss ich mich -trotz dem sog. Schengenabkommen, d. h. der Berechtigung mich bei Ihnen ohne weiteres drei Monate aufzuhalten- im Rathaus anmelden und die enstprechende Formulare ausfüllen die, u. a., Information zu meiner Religionszugehörigkeit und der meiner Ehefrau verlangen. Ist da meine Relionszugehörigkeit Privatsache? Ich gestehe Ihnen, dass mich dies entsetzt hat, in Spanien ist es nach Verfassung verboten über jemandens Religionszugehörigkeit nachzufragen.
Wussten Sie, dass ich in Deutschland über meine Religionszugehörigkeit und die meiner Ehefrau Auskunft erteilen muss? Wenn ich, als aussereuropäischer Staatsangehöriger mit EU Aufenthaltsbewilligung (Ehemann einer EU Bürgerinn), bei Ihnen in Deutschland einen einmonatigen Deutschkurs im Goethe-Institut absolvieren möchte muss ich mich -trotz dem sog. Schengenabkommen, d. h. der Berechtigung mich bei Ihnen ohne weiteres drei Monate aufzuhalten- im Rathaus anmelden und die enstprechende Formulare ausfüllen die, u. a., Information zu meiner Religionszugehörigkeit und der meiner Ehefrau verlangen. Ist da meine Relionszugehörigkeit Privatsache? Ich gestehe Ihnen, dass mich dies entsetzt hat, in Spanien ist es nach Verfassung verboten über jemandens Religionszugehörigkeit nachzufragen.
Die Frage ist doch was man darunter versteht, das etwas zu Deutschland dazugehört. Hier scheint es mir doch eher um eine abstrakte Idee von Deutschland zu gehen, als um eine konkrete Feststellung von Tatsachen. Das etwas in Deutschland existiert reicht da nicht aus, um als Zugehörig zur Idee Deutschland gezählt zu werden. Denn sonst hätte der Bundespräsident auch bspw. sagen können: "Korruption gehört zu Deutschland", denn ohne Frage existiert Korruption auch in Deutschland. Zur abstrakten Idee Deutschland gehört sie eher nicht. Einen prägenden Einfluss auf die Idee Deutschland kann man Christentum und Aufklärung zurechnen, dem Islam eher nicht, wohl aber die islamischen Mitbürgern. Und die Idee der Religionsfreiheit gehört natürlich zu Deutschland, deshalb ist auch selbstverständlich das auch ihre Religionsausübung zu Deutschland dazugehört.
..., denn ohne Frage existiert Korruption auch in Deutschland. Zur abstrakten Idee Deutschland gehört sie eher nicht.
Warum gehoert "Korruption" nicht zur "abstrakten Idee Deutschland"? Wer (ausser mir) kann und darf das festlegen? Wer kann von mir verlangen, dass seine Festlegungen fuer mich irgendeine Bedeutung haben sollen? Oder gar Wirkmaechtigkeit?
Welche Aussagekraft sollten Saetze ueber diese abstrakte Idee fuer mich haben, wenn irgendjemand diese abstrakte Idee gerade so darstellen kann, wie sie ihm gefaellt?
Ich jedenfalls werde mich einem Bundespraesidenten mit meiner (kleineren) Wortmacht entgegenstellen, der lautstark redend Menschen und Ideen aus Deutschland heraushalten moechte, die keinem etwas getan haben.
wenn ich fragen darf was ist den die deutsche idee..?
das erinnert mich an die unsägliche debatte über die leitkultur vor einigen jahren. außerdem ist eine nation kein fixes gebilde sondern entwickelt sich immer weiter und manchmal leider auch zurück. der satz nichts ist so konstant wie die veränderung trifft auch hier zu. selbst wenn man eine definition der "deutschen idee" hätte oder aus der geschichte ableiten wollte könnte diese schon in ein paar jahren nicht mehr zutreffen, weil dann die gegenwart auch wieder geschichte wäre.
ich persönlich denke deutsch ist, der einen deutschen pass hat und sich zu unserem grundgesetz bekennt. hautfarbe und religion spielen dabei keine rolle.
ist keine einbahnstraße
es geht vielmehr um definitionsmacht und identifikation
wenn ein begriff zu einem als zugehörig definiert wird treten automatisch beide in wechselwirkung miteinander
das beispiel koruption -deutschland ist sehr schön gewählt
würde ich hier eine zugehörigkeit definieren hiesse das ja nicht nur in die idee dtl die koruption einzupflegen, sondern umgekehrt der koruption den stempel "deutsch" aufzudrücken, wie es viele mit dem millitarismus, egal wo er auftritt tun
oder,
um uns dem thema wieder anzunähern
dem christentum
das durchaus deutsch geworden ist;
die rkk ist heute protestantischer als es luthers kirche zu seinen lebzeiten war.
das funktionierte über die vereinnahmung(erst millitärisch, dann totalitär) deutschlands durch das christentum welche sich umdrehte
das, ursprünglich morgenländische, römisch vereinnahmte christentum musste sich der definitionsmacht der zugehörigen deutschen beugen
was bedeuted das für dtl/islam?
einerseits
das eine gleichzeitige identifikation mit beidem konflicktfrei möglich ist
andererseits
das von dtl aus ein definitionsanspruch gestellt wird
der schon fast einer kriegserklährng an saudiarabien gleichkommt
die diesen ja für sich alleine in anspruch nehmen
etwas
wovor unser neuer präsi wohl zurückschreckt
da war der davor mutiger
und der zuspruch durch die muslime hier im land kann durchaus als eine zustimmung zur angestrebten umwälzung und eine sehnsucht nach veränderung betrachtet werden
..., denn ohne Frage existiert Korruption auch in Deutschland. Zur abstrakten Idee Deutschland gehört sie eher nicht.
Warum gehoert "Korruption" nicht zur "abstrakten Idee Deutschland"? Wer (ausser mir) kann und darf das festlegen? Wer kann von mir verlangen, dass seine Festlegungen fuer mich irgendeine Bedeutung haben sollen? Oder gar Wirkmaechtigkeit?
Welche Aussagekraft sollten Saetze ueber diese abstrakte Idee fuer mich haben, wenn irgendjemand diese abstrakte Idee gerade so darstellen kann, wie sie ihm gefaellt?
Ich jedenfalls werde mich einem Bundespraesidenten mit meiner (kleineren) Wortmacht entgegenstellen, der lautstark redend Menschen und Ideen aus Deutschland heraushalten moechte, die keinem etwas getan haben.
wenn ich fragen darf was ist den die deutsche idee..?
das erinnert mich an die unsägliche debatte über die leitkultur vor einigen jahren. außerdem ist eine nation kein fixes gebilde sondern entwickelt sich immer weiter und manchmal leider auch zurück. der satz nichts ist so konstant wie die veränderung trifft auch hier zu. selbst wenn man eine definition der "deutschen idee" hätte oder aus der geschichte ableiten wollte könnte diese schon in ein paar jahren nicht mehr zutreffen, weil dann die gegenwart auch wieder geschichte wäre.
ich persönlich denke deutsch ist, der einen deutschen pass hat und sich zu unserem grundgesetz bekennt. hautfarbe und religion spielen dabei keine rolle.
ist keine einbahnstraße
es geht vielmehr um definitionsmacht und identifikation
wenn ein begriff zu einem als zugehörig definiert wird treten automatisch beide in wechselwirkung miteinander
das beispiel koruption -deutschland ist sehr schön gewählt
würde ich hier eine zugehörigkeit definieren hiesse das ja nicht nur in die idee dtl die koruption einzupflegen, sondern umgekehrt der koruption den stempel "deutsch" aufzudrücken, wie es viele mit dem millitarismus, egal wo er auftritt tun
oder,
um uns dem thema wieder anzunähern
dem christentum
das durchaus deutsch geworden ist;
die rkk ist heute protestantischer als es luthers kirche zu seinen lebzeiten war.
das funktionierte über die vereinnahmung(erst millitärisch, dann totalitär) deutschlands durch das christentum welche sich umdrehte
das, ursprünglich morgenländische, römisch vereinnahmte christentum musste sich der definitionsmacht der zugehörigen deutschen beugen
was bedeuted das für dtl/islam?
einerseits
das eine gleichzeitige identifikation mit beidem konflicktfrei möglich ist
andererseits
das von dtl aus ein definitionsanspruch gestellt wird
der schon fast einer kriegserklährng an saudiarabien gleichkommt
die diesen ja für sich alleine in anspruch nehmen
etwas
wovor unser neuer präsi wohl zurückschreckt
da war der davor mutiger
und der zuspruch durch die muslime hier im land kann durchaus als eine zustimmung zur angestrebten umwälzung und eine sehnsucht nach veränderung betrachtet werden
Ohne Zweifel hat Gauck keine diskriminierenden Absichten. Im Gegenteil, er tritt bewusst gegen Diskriminierung ein. Trotzdem finde ich, er hätte andere Worte wählen sollen.
[...] Gekürzt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke. Die Redaktion/kvk
Da er als Sprachkoenner profiliert wird, verwundert es daher, wenn gemeint wird, dies sei keiner Absicht entsprungen.
Da er zu den wesentlichen Merkmalen einer zu Europa und Deutschland gehoerenden Religion zu zaehlen duerfen vermeint, dass diese Religion "eine Reformation erlebt" haben sollte, stellt sich sein Blickwinkel offensichtlich als noch viel geringer dar: auch den Katholizismus zaehlt er also nicht zu Europa.
Wie absurd geht es noch? Hier hat sich einer vergriffen in den Worten, Meinungen und Absichten. Es ist jemand, der fuer das Amt, das er bekleidet, nicht geeignet scheint.
"Der" Islam kann schon deshalb kaum zu etwas gehoeren,weil es "den" Islam so nicht gibt. Dafuer ist die islamische Religion intern doch viel zu unterteilt und zu zerplittert. Als Religion, damit auch als Wertegemeinschaft, muesste diese insgesamt mit der Wertegemeinschaft Deutschland kompatibel sein. Das duerfte so aber wohlnicht vorliegen, wenn die verschiedenen Islam Rechts- und Glaubensschulen untereinander schon nicht kompatibel sind. Das aber die hier lebenden Muslime zu Deutschland gehoeren ist richtig fuer jene Muslime, die sich auch zugehoerig fuehlen, dass Sie islamsich Glaeubige sind, muss dann eben im jeweilgen Einzelfall nicht die Rolle spielen, so lange sie eben bereit sind, im Wertekonflikfall das hier geltende Recht(!) fuer sich als gueltig zu akzeptieren und die Freiheit der anderen auf Wert(!)unterschied. Als Muslime glauben Sie zwar an die Existenz einer (mit Benedict Anderson als imagined community bezeichenbare) islamischen Gemeinschaft, diese ist aber eben nicht nolens volens als 'der' Islam identifizierbar oder integrierbar. In anderen Worten: Dazugehoeren koennen nur Individuen, keine eingebildeten Gemeinschaften.
Gelten diese auch für das Christentum?
Gelten diese auch für das Christentum?
Wie Sie selbst schreiben:
Ohne Zweifel hat Gauck keine diskriminierenden Absichten. Im Gegenteil, er tritt bewusst gegen Diskriminierung ein. Trotzdem finde ich, er hätte andere Worte wählen sollen.
Okay, warum schreiben Sie ihm dann nicht?
Die Aussage: "Der Islam gehört zu Deutschland" ist keine Tatsachenbehauptung, ebensowenig wie "Die Würde des Menschen ist unantastbar" eine Tatsachenbehauptung ist.
Wäre es eine Tatsachenbehauptung, dann müsste man auch derartige Aussagen wie "Der Neo-Nazismus gehört zu Deutschland" unwidersprochen akzeptieren. Ich bitte nicht missverstanden zu werden. Ich will den Islam nicht mit dem Neo-Nazismus gleichsetzen. Obiges Beispiel dient lediglich dazu zu verdeutlichen, dass es sich bei diesem Satz um eine ideologische Aussage und nicht um eine Tatsachenbehauptung handelt.
Und laut Grundgesetz gehört eben Meinungsfreiheit und damit verbunden Religions- und Weltanschauungsfreiheit zu Deutschland und nicht eine, nicht zwei, nicht drei Religionen oder Weltanschauungen, die ein Bundespräsident bestimmt.
Muslime gehören zweifelsfrei zu Deutschland. Der Islam, das Christentum, ... aber lediglich ebenso wie Religionskritik. Weiter ist Apostasie in Deutschland ein Grundrecht.
Ich zitiere Hannes Stein:
"Ich antworte mit einer einfachen Unterscheidung, die wir von Karl Popper gelernt haben: Ideen sollen im öffentlichen Raum gegeneinander antreten, auch Religionen in all ihren Spielarten. Ideen brauchen keinen Schutz; Kritik an ihnen, auch erbarmungslose und irrtümliche, ist erlaubt. Mit Menschen ist es etwas anderes. Menschen müssen geschützt werden."
Und in diesem Sinne gehören Menschen - und Muslime sind Menschen - zu Deutschland. Sie müssen geschützt werden. Ihre Ideen aber nicht.
Stein und Popper in Ehren, aber sie sprechen als Akademiker. Der reale gesellschaftliche Diskurs findet normalerweise unter anderen Vorzeichen als in der Akademie statt.
Nicht selten ist es ja so, dass Menschen systematisch und auch absichtsvoll verletzt werden, wenn man ihre Religion kritisiert. Die klare Trennung (Menschen -> schuetzen ; ihre Ideen -> erbarmungslos und irrtuemlich kritisieren), die Stein zugrundeliegt, kann ich daher in der Realitaet nicht wiederfinden.
Blasphemie steht in Deutschland soweit ich weiss noch immer unter Strafe. Nur sind die Faelle, die als strafwuerdige Blasphemie gelten gegenueber frueher drastisch verringert. Die Entwicklung brauchte noch nicht einmal im Grundgesetz widergespiegelt zu werden.
Und: wenn Sie Apostasie als Grundrecht bezeichnen, luegen Sie sich bereits in die Tasche. Diese Formulierung besteht so naemlich nicht.
Ausserdem sollten Sie noch mal kurz ueber Drittwirkungen bei Grundrechten nachdenken.
Der Staat verpflichtet sich zwar, niemanden aus Glaubensgruenden zu benchteiligen, dies betrifft zunaechst aber nur direktes staatliches Handeln.
Es ist z.B. darin nicht automatisch enthalten, dass private Arbeitgeber und vermierter nicht aufgrund von Reliogionszugehoerigkeiten ueber Einstellung / Nichteinstellung bzw. ueber Vergabe / Nichtvergabe eines Mietvertrages entscheiden duerfen.
Uebrigens wuerde ich auch die Ideen Aufklaerung und Grundrechte als schuetzenswert erachten.
Es geht hier nicht darum, ob nur Menschen oder auch deren Ideen zu schützen sind.
Es geht um die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört unabhängig davon, ob der Islam schützenswert wäre.
Was ist denn Deutschland?
Doch vorrangig wir, die Menschen die hier leben. Das lässt sich nicht auf den öffentlichen, zum großen Teil säkularen Raum reduzieren. Dazu ghört auch die Privatsphäre, inklusive Religion.
Menchen, die sich über einen (religiösen) Identitätsbegriff, in dem Fall Muslime, definieren, können nicht als voll zugehörig akzeptiert werden, ohne auch deren Religion als zugehörig zu akzeptieren.
Es sei denn, wir wollen sie als identitätslose Masse assimilieren, statt integrieren.
"Wäre es eine Tatsachenbehauptung, dann müsste man auch derartige Aussagen wie "Der Neo-Nazismus gehört zu Deutschland" unwidersprochen akzeptieren."
Leider gehört der Neo-Nazismus zu Deutschland. Hiervor die Augen zu verschließen ist fahrlässig.
Dass etwas zu Deutschland gehört, sei es eine politische Ideologie oder Religion bedeutet nicht, dass nicht kritisiert und dagegen argumentiert werden darf.
Integration bedeutet die ständige Auseinandersetzung mit Ideen, bzw. Ideologien und Religionen ohne den Menschen herabzusetzen.
MfG
AoM
Vielen Dank für Ihren ausgewogenen Beitrag.
Wie Sie richtig schreiben, handelt es sich hier um eine ideologische Debatte und nicht Tatsachenbehauptungen. Ihrem Beispiel folgend "Der Neonazismus gehöre dann auch zu Deutschland", sollte man sich aber nun fragen, warum denn solche Aussagen von Bundespräsidenten mit anschliessenden eskalierenden Debatten nicht stattfinden...
Das ständige Kreisen und Streiten um die Frage, ob der Islam nun zu Deutschland gehöre oder nicht, entspringt doch viel mehr der Frage in wie weit man "Fremde", Pluralismus und Gleichberechtigung akzeptiert. Soll heißen, das ideologische an dieser Debatte geht größtenteils weniger um den Islam an sich, sondern viel mehr um hiesige alte chauvinistische Ideen und teilweise offene Fremdenfeindlichkeit.
Grundsätzlich lehne ich alle Religionen ab. Da aber Menschen mit Herkunft aus dem orientalischen Raum hierzulande seit jeher mit großen Ressentiements begegnet wird, stelle ich mich bei dieser Debatte auf Seite derer, die den Islam befürworten bzw verteidigen.
Genauso würde ich das Judentum oder sonstige "fremde" Religionen verteidigen, würden diese als zugehörig oder nicht diskutiert werden.
Denn -wie gesagt- das sind n.m.E. alles Scheindebatten, die letzten Endes Menschen und Kulturen in Klassen unterteilen sowie Hierarchien regeln sollen. Und dies lehne ich noch mehr ab als jehrtausende alte Religionen, über die sich numal ein großer Teil der Menschheit definiert.
Das hatte Schäuble 2006 auf der 1. Islamkonferenz bereits betont, und es hatte keine Fliege sich gegen gewehrt.
Wir erinnern uns auch an den Kontext, in dem der Satz von Wulff gefallen ist:
-am Tag der Deutschen Einheit, wo es ja naheliegend ist, dass ein Bundespräsident die richtigen Worte eben der EINHEIT unter den Deutschen findet,
-nachdem er der Zugehörigkeit des Christentums & des Judentums zu Deutschland bereits festegstellt hatte,
-mitten in einer unsäglichen, rassistischen und durch manche Medien bewusst oder unbewusst beförderten Scheindebatte über das Un-Buch des Sarrazin und seinen Helfershelfern,
-mit der Qualifikation "inzwischen", was ja gerade darauf hinweisen sollte, dass diese Zugehörigkeit geschichtlich nicht selbstverständlich ist, sich dennoch durch die großartige Mühe sowohl der 1., 2. und 3. Einwanderergeneration einerseits und die deutsche einheimische Bevölkerung andererseits, und zwar auf vollkommen friedlichem Wege errungen hat.
Dass dieser Satz nun so ein Kasperle-Theater ausgelöst ist unüberraschenderweise unseren Freunden beim Springer-Verlag zu bedanken, die sich ja umgehend über den Kollegen Wulff beschwerten und diese Meinung auch "unabhängig" und "überparteilich" verbreiteten.
Lassen wir mal einen anderen berühmten Deutschen zu Rede kommen:
"Närrisch, dass jeder in seinem Falle
seine besondre Meynung preißt!
Wenn Islam gottergeben heißt,
Im Islam leben und sterben wir alle."
Johann Wolfgang von Goethe.
Das Christentum gehört zum Orient. Dort ist es entstanden, inmitten der damals römischen, örtlich jüdischen, später muslimischen Welt, deren Nachfolger das Osmanische Reich und heute u.a. die Türkei ist. Dies ist aber kein Aufruf zum Kreuzrittertum. Aber jeder in Deutschland lebende Muslim, der hier die Glaubensfreiheit, die das GG garantiert, genießt, sollte sich fragen, ob sein Herkunftsstaat oder -land auch so großherzig ist.
Und was natürlich gar nicht geht, dass muslimische Gemeinschaften hier die staatliche Justiz unterlaufen und stattdessen heimlich Scharia-Richtern gehorchen.
Ideologien, also auch Religionen sollten im Sinne der Geistesfreiheit erlaubt sein. Das ist schön. Aber in Bezug auf den Islam ist das ausnahmsweise eben nicht möglich und wird auch nicht erlaubt. Hier sehe ich den ersten Schritt zur geistigen Unfreiheit bei uns.
Stein und Popper in Ehren, aber sie sprechen als Akademiker. Der reale gesellschaftliche Diskurs findet normalerweise unter anderen Vorzeichen als in der Akademie statt.
Nicht selten ist es ja so, dass Menschen systematisch und auch absichtsvoll verletzt werden, wenn man ihre Religion kritisiert. Die klare Trennung (Menschen -> schuetzen ; ihre Ideen -> erbarmungslos und irrtuemlich kritisieren), die Stein zugrundeliegt, kann ich daher in der Realitaet nicht wiederfinden.
Blasphemie steht in Deutschland soweit ich weiss noch immer unter Strafe. Nur sind die Faelle, die als strafwuerdige Blasphemie gelten gegenueber frueher drastisch verringert. Die Entwicklung brauchte noch nicht einmal im Grundgesetz widergespiegelt zu werden.
Und: wenn Sie Apostasie als Grundrecht bezeichnen, luegen Sie sich bereits in die Tasche. Diese Formulierung besteht so naemlich nicht.
Ausserdem sollten Sie noch mal kurz ueber Drittwirkungen bei Grundrechten nachdenken.
Der Staat verpflichtet sich zwar, niemanden aus Glaubensgruenden zu benchteiligen, dies betrifft zunaechst aber nur direktes staatliches Handeln.
Es ist z.B. darin nicht automatisch enthalten, dass private Arbeitgeber und vermierter nicht aufgrund von Reliogionszugehoerigkeiten ueber Einstellung / Nichteinstellung bzw. ueber Vergabe / Nichtvergabe eines Mietvertrages entscheiden duerfen.
Uebrigens wuerde ich auch die Ideen Aufklaerung und Grundrechte als schuetzenswert erachten.
Es geht hier nicht darum, ob nur Menschen oder auch deren Ideen zu schützen sind.
Es geht um die Frage, ob der Islam zu Deutschland gehört unabhängig davon, ob der Islam schützenswert wäre.
Was ist denn Deutschland?
Doch vorrangig wir, die Menschen die hier leben. Das lässt sich nicht auf den öffentlichen, zum großen Teil säkularen Raum reduzieren. Dazu ghört auch die Privatsphäre, inklusive Religion.
Menchen, die sich über einen (religiösen) Identitätsbegriff, in dem Fall Muslime, definieren, können nicht als voll zugehörig akzeptiert werden, ohne auch deren Religion als zugehörig zu akzeptieren.
Es sei denn, wir wollen sie als identitätslose Masse assimilieren, statt integrieren.
"Wäre es eine Tatsachenbehauptung, dann müsste man auch derartige Aussagen wie "Der Neo-Nazismus gehört zu Deutschland" unwidersprochen akzeptieren."
Leider gehört der Neo-Nazismus zu Deutschland. Hiervor die Augen zu verschließen ist fahrlässig.
Dass etwas zu Deutschland gehört, sei es eine politische Ideologie oder Religion bedeutet nicht, dass nicht kritisiert und dagegen argumentiert werden darf.
Integration bedeutet die ständige Auseinandersetzung mit Ideen, bzw. Ideologien und Religionen ohne den Menschen herabzusetzen.
MfG
AoM
Vielen Dank für Ihren ausgewogenen Beitrag.
Wie Sie richtig schreiben, handelt es sich hier um eine ideologische Debatte und nicht Tatsachenbehauptungen. Ihrem Beispiel folgend "Der Neonazismus gehöre dann auch zu Deutschland", sollte man sich aber nun fragen, warum denn solche Aussagen von Bundespräsidenten mit anschliessenden eskalierenden Debatten nicht stattfinden...
Das ständige Kreisen und Streiten um die Frage, ob der Islam nun zu Deutschland gehöre oder nicht, entspringt doch viel mehr der Frage in wie weit man "Fremde", Pluralismus und Gleichberechtigung akzeptiert. Soll heißen, das ideologische an dieser Debatte geht größtenteils weniger um den Islam an sich, sondern viel mehr um hiesige alte chauvinistische Ideen und teilweise offene Fremdenfeindlichkeit.
Grundsätzlich lehne ich alle Religionen ab. Da aber Menschen mit Herkunft aus dem orientalischen Raum hierzulande seit jeher mit großen Ressentiements begegnet wird, stelle ich mich bei dieser Debatte auf Seite derer, die den Islam befürworten bzw verteidigen.
Genauso würde ich das Judentum oder sonstige "fremde" Religionen verteidigen, würden diese als zugehörig oder nicht diskutiert werden.
Denn -wie gesagt- das sind n.m.E. alles Scheindebatten, die letzten Endes Menschen und Kulturen in Klassen unterteilen sowie Hierarchien regeln sollen. Und dies lehne ich noch mehr ab als jehrtausende alte Religionen, über die sich numal ein großer Teil der Menschheit definiert.
Das hatte Schäuble 2006 auf der 1. Islamkonferenz bereits betont, und es hatte keine Fliege sich gegen gewehrt.
Wir erinnern uns auch an den Kontext, in dem der Satz von Wulff gefallen ist:
-am Tag der Deutschen Einheit, wo es ja naheliegend ist, dass ein Bundespräsident die richtigen Worte eben der EINHEIT unter den Deutschen findet,
-nachdem er der Zugehörigkeit des Christentums & des Judentums zu Deutschland bereits festegstellt hatte,
-mitten in einer unsäglichen, rassistischen und durch manche Medien bewusst oder unbewusst beförderten Scheindebatte über das Un-Buch des Sarrazin und seinen Helfershelfern,
-mit der Qualifikation "inzwischen", was ja gerade darauf hinweisen sollte, dass diese Zugehörigkeit geschichtlich nicht selbstverständlich ist, sich dennoch durch die großartige Mühe sowohl der 1., 2. und 3. Einwanderergeneration einerseits und die deutsche einheimische Bevölkerung andererseits, und zwar auf vollkommen friedlichem Wege errungen hat.
Dass dieser Satz nun so ein Kasperle-Theater ausgelöst ist unüberraschenderweise unseren Freunden beim Springer-Verlag zu bedanken, die sich ja umgehend über den Kollegen Wulff beschwerten und diese Meinung auch "unabhängig" und "überparteilich" verbreiteten.
Lassen wir mal einen anderen berühmten Deutschen zu Rede kommen:
"Närrisch, dass jeder in seinem Falle
seine besondre Meynung preißt!
Wenn Islam gottergeben heißt,
Im Islam leben und sterben wir alle."
Johann Wolfgang von Goethe.
Das Christentum gehört zum Orient. Dort ist es entstanden, inmitten der damals römischen, örtlich jüdischen, später muslimischen Welt, deren Nachfolger das Osmanische Reich und heute u.a. die Türkei ist. Dies ist aber kein Aufruf zum Kreuzrittertum. Aber jeder in Deutschland lebende Muslim, der hier die Glaubensfreiheit, die das GG garantiert, genießt, sollte sich fragen, ob sein Herkunftsstaat oder -land auch so großherzig ist.
Und was natürlich gar nicht geht, dass muslimische Gemeinschaften hier die staatliche Justiz unterlaufen und stattdessen heimlich Scharia-Richtern gehorchen.
Ideologien, also auch Religionen sollten im Sinne der Geistesfreiheit erlaubt sein. Das ist schön. Aber in Bezug auf den Islam ist das ausnahmsweise eben nicht möglich und wird auch nicht erlaubt. Hier sehe ich den ersten Schritt zur geistigen Unfreiheit bei uns.