Kleinbauern in Paraguay während einer Demonstration (Archivbild) © Norberto Duarte/AFP/Getty Images

Die Landstraße, die die Stadt Concépcion mit Pozo Colorado im pa­ra­gu­a­yischen Teil der Region Chaco verbindet, ist ein gerader Streifen Asphalt. 150 Kilometer lang führt er durch Viehweiden und Quebracho-Wälder. Unweit von Concépcion führt die Straße an einigen Dutzend verwitterten Holzhütten vorbei. Seit 15 Jahren leben dort rund vierhundert Menschen der indigenen Gemeinschaft Sawhoyamaxa. Die Lebensbedingungen dort sind hart, das Land ist unfruchtbar, das Dorf verfügt weder über sanitäre Einrichtungen noch eine Wasserversorgung.

Die Gemeinschaft der Sawhoyamaxa ist nur eine von Hunderten indigenen Gruppen in Paraguay , die seit Jahrzehnten auf eine Landreform warten. Immer wieder hat ihnen die Regierung in Asunción eine solche versprochen, doch die Amtsenthebung des linksliberalen Präsidenten Fernando Lugo hat diese Hoffnung nun endgültig zunichte gemacht.

Die Landverteilung in Paraguay ist schon seit den siebziger Jahren Gegenstand heftiger Debatten. Jüngsten Angaben zufolge besitzen zwei Prozent der Bevölkerung knapp 75 Prozent des Landes. Die Kleinbauern müssen sich dagegen mit weniger als fünf Prozent des Ackerlandes begnügen. Laut einer Studie der Weltbank leben 35 Prozent der Bevölkerung in Paraguay unter der Armutsgrenze. In den ländlichen Gebieten sind es mehr als 50 Prozent.

Als der ehemalige Bischof Fernando Lugo 2008 zum Präsidenten gewählt wurde, war die Hoffnung unter den Sin tierras , den landlosen Bauern, groß. Der volksnahe Staatschef hatte versprochen, der ungerechten Verteilung des Landes ein Ende zu setzen. Doch die Jahre vergingen und nichts geschah. Lugos Allianz mit der liberalen Partei PLRA verhinderte jegliche Initiative gegen die Großgrundbesitzer. Und der Frust der Kleinbauern wuchs.

Gewaltsam beendete Landbesetzungen

Immer wieder versuchten Gruppen von Kleinbauern, unbewirtschaftete Flächen der Großgrundbesitzer zu besiedeln. Lang dauerten diese Besetzungsaktionen nie, zumeist wurden sie gewaltsam beendet . Das war auch das Schicksal der Bauern, die vor einigen Wochen 2.000 Hektar in der Region Curuguaty besetzten. Als die Polizei ihr Lager räumen wollte, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Sieben Polizisten und zehn Bauern starben während der Gefechte. Die konservative Opposition schob die Verantwortung dafür dem Präsidenten zu: Lugo gehe zu zögerlich mit den Landbesetzern um. Eine Woche später musste er abdanken.

Auch das Sawhoyamaxa-Lager wurden mehrmals geräumt, die Holzhütten in Brand gesteckt, die Gemüsefelder verwüstet. Die Gemeinschaft hat eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Mehr als 100 Jahre lang schufteten ihre Mitglieder als Tagelöhner für die Großgrundbesitzer der Chaco-Region. Anfang der neunziger Jahre wurden sie sich zum ersten Mal über ihre Rechte als Ureinwohner bewusst. Die Hoffnung keimte, ins Land ihrer Ahnen zurückziehen zu können.

Doch das Land der Sawhoyamaxa gehörte zu jener Zeit einem deutschen Staatsbürger, Heribert Rödel. Der promovierte Jurist aus Mainz war einer derjenigen, die in den siebziger Jahren Deutschlands gute Beziehungen zur Stroessner-Diktatur in Paraguay nutzten, um dort Ländereien zum Schnäppchenpreis zu kaufen. Bald suchte Rödel weitere Investoren, die seine Expansionspläne unterstützen konnten. Mithilfe einiger konservativer deutscher Politiker und Medien sammelte er wohlhabende Geldgeber um sich, die einen "Zufluchtsort" – so stand es im Werbeschreiben – vor einem möglichen sowjetischen Angriff auf Deutschland suchten. Landbesitz im anti-kommunistischen, deutschlandtreuen Paraguay galt zu der Zeit als eine sichere Investition.

Landkauf im großen Stil

Rödel erwies sich allerdings als nicht allzu treuer Partner. 1982 stand er vor Gericht, weil er angeblich 130 Millionen Mark von 1.200 Investoren abkassiert hatte. Das Geld hätte ins ambitionierte Projekt "Neuland" in Paraguay fließen sollen. Doch nur ein kleiner Teil kam tatsächlich dort an. Rödel wurde schließlich zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Nach seiner Freilassung ging seine Einkaufstour in Paraguay weiter; im Laufe einiger Jahre stockte er seinen Grundbesitz auf 60.000 Hektar auf.

Nach Angaben des Forschungszentrums für Anthropologie der Universität Asunción gehören 14.000 davon zum angestammten Land der Sawhoyamaxa. Die ersten Versuche, dies vor Gericht geltend zu machen, scheiterten aufgrund des 1998 in Kraft getretenen Vertrags zwischen Deutschland und Paraguay "über die Forderung und den gegenseitigen Schutz von Kapitalanlagen". Laut einer Studie der Hilfsorganisationen Fian und Brot für die Welt, diente der Vertrag in mindestens fünf unterschiedlichen Fällen dazu, die Eigentumsrechte der Grundbesitzer gegenüber den Kleinbauern zu verteidigen.