17. August 2002 in Dresden: Ein Löschzug fährt vor der Semperoper in Dresden durch die überflutete Innenstadt. © Sean Gallup/Getty Images

Ein Prozent der früheren Überschwemmungsgebiete der Elbe könnten dem Fluss zurückgegeben werden, wenn alle diskutierten Deichrückverlegungen entlang des Flusses tatsächlich umgesetzt werden. Das hat der Flussexperte der Umweltstiftung WWF, Georg Rast, ausgerechnet.

80 Prozent der natürlichen Überschwemmungsflächen der Elbe sind trockengelegt, werden intensiv landwirtschaftlich genutzt oder sind überbaut. Die Elbe war vor den Begradigungen der vergangenen 150 Jahre rund 180 Kilometer länger. Zum Teil sind Industriebrachen, die schon vor der Flut lange verlassen waren und dem Zerfall entgegendämmerten, als neue Überschwemmungsgebiete ausgewiesen worden. Zudem hat es seit dem August-Hochwasser 2002 zwei größere Deichrückverlegungen gegeben. In Lenzen in Brandenburg und in Rosslau in Sachsen-Anhalt sind Deiche weiter vom Fluss entfernt gebaut worden. Beide Vorhaben waren allerdings schon lange vor der Elbeflut geplant. Dazu kommen noch drei kleinere Deichrückverlegungen entlang der Elbe.

Der WWF selbst arbeitet seit 2001 an der Mittleren Elbe daran, Auenwälder zurückzugewinnen. Bis 2018 soll die Deichrückverlegung im Lödderitzer Forst abgeschlossen und das größte zusammenhängende Auenwaldgebiet geschaffen sein. Die Kosten dafür trägt zu 75 Prozent der Bund über das Bundesamt für Naturschutz, dazu kommen 15 Prozent vom Land Sachsen-Anhalt und weitere zehn Prozent vom WWF. In Sachsen und Sachsen-Anhalt planen die Landesregierungen weitere Deichrückverlegungen. Alles in allem könnten damit rund 1.000 Hektar Überschwemmungsfläche gewonnen werden, schätzt Georg Rast. Im Erzgebirge oder für Dresden bringe das aber nichts, stellt er fest.

Der Deichbau hatte Priorität

Die meisten Mittel für den Hochwasserschutz sind nach der Flutkatastrophe in den Bau und die Ertüchtigung von Deichen investiert worden. Rast findet, dass der Wiederaufbau unter dem politischen Druck vor Ort zu schnell stattgefunden hat, um mögliche Alternativen zu durchdenken. Mit der Infrastruktur, den Gleisen der Bahn, den Brücken, den Straßen, seien viele Vorentscheidungen getroffen worden, sagt er. "Es fehlte die Zeit für grundlegende Überlegungen." Vor allem in den Erzgebirgstälern wäre das aber notwendig gewesen, um sich zu überlegen, an welchen Stellen Überflutungsflächen für die Flüsse geschaffen werden könnten.

Klicken Sie auf das Bild, um die Infografik als PDF-Datei herunterzuladen. © Dieter Duneka

Denn dort ist die Elbeflut entstanden. Lediglich ein paar völlig zerstörte Häuser in Weesenstein sind nicht wieder aufgebaut worden. Und die Neubausiedlung Röderau-Süd, erbaut auf einem alten Elbe-Nebenarm, wurde 2003 aufgegeben und abgerissen. Rund 40 Millionen Euro hat das einschließlich der Entschädigungen für die rund 360 Einwohner gekostet. In den engen Erzgebirgstälern gibt es nicht allzu viele Möglichkeiten, der Müglitz, der Weißeritz oder anderen Elbe-Zuflüssen mehr Platz zu schaffen. Deshalb wurden mehrere Rückhaltebecken gebaut. Bei Lauenstein wurde 2006 ein Rückhaltebecken eingeweiht, dessen Bau schon vor der Flut begonnen hatte. Als die Wasserstände wieder sanken, haben die Planer die Kapazität des Rückhaltebeckens deutlich vergrößert. Für 38,7 Millionen Euro wurde die Staumauer schließlich 8,5 Meter höher als zunächst geplant.

Das verhängnisvolle Rückhaltebecken oberhalb von Glashütte, das sich nach dem Dammbruch am 12. August in die Kleinstadt ergoss, ist ebenfalls 2006 in seiner ursprünglichen Größe wieder in Betrieb genommen worden. Rund 2,5 Millionen Euro hat das damals gekostet. 2009 entschied sich die Landesregierung jedoch, auch hier die Kapazität zu erweitern. Die bis dahin 9,5 Meter hohe Staumauer soll nun durch eine 28,28 Meter hohe Staumauer ersetzt werden.