Sieben Mal hat Lance Armstrong zwischen 1999 und 2005 die Tour de France gewonnen – so oft wie kein anderer Sportler vor ihm. Dopingvorwürfe begleiteten jedoch fast die gesamte Karriere des Ausnahmesportlers, schon 2004 wurde ein entsprechendes Buch „L.A. Confidential – die Geheimnisse des Lance Armstrong“ veröffentlicht.

Doch nun sieht der sonst so siegesgewisse Texaner, der auf dem Rad jeden Gegner schon durch seine Präsenz einschüchterte und bei seinen Siegen nie den entscheidenden Antritt am Steilhang scheute, offensichtlich keine Chance mehr, das Rennen um seine Ehre zu gewinnen. So interpretiert zumindest John Fahey, Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, die Entscheidung des Amerikaners, den Kampf in eigener Sache aufzugeben.

Armstrong selbst behauptet in einem Brief an die Öffentlichkeit, er habe es satt, sich weiter den Anschuldigungen zu stellen. „Der Tribut, den das von meiner Familie gefordert hat und von meiner Arbeit für die Stiftung, führt mich zu diesem Schritt“, schreibt der 40-Jährige. Seine Anwälte verweisen auf die Kosten, die weitere Instanzenwege – erst in den USA, später zum Welt-Sportgerichtshof Cas in Lausanne und dann vielleicht noch zum Schweizer Bundesgericht – mit sich brächten. Bei einem von der „New York Daily Post“ auf mehr als 100 Millionen Dollar geschätzten Vermögen Armstrongs sollten solche Aufwendungen jedoch zu bestreiten sein.

Viel schwerwiegender ist wohl, dass Armstrong seine früheren Helfer verloren hat. Floyd Landis, der inzwischen selbst wegen Dopings verurteilt worden ist, soll ebenso wie Tyler Hamilton und andere frühere Teamkollegen gegen Armstrong ausgesagt haben; entsprechende Informationen aus Ermittlerkreisen dementierten sie jedenfalls nicht. Armstrong behauptet – ähnlich wie der deutsche Toursieger Jan Ullrich – nie betrogen zu haben. „Ich weiß, wer sieben Mal die Tour gewonnen hat“, schreibt Armstrong. „Es gab keine Abkürzungen, es gab keine speziellen Behandlungen. Dieselben Strecken, dieselben Regeln.“

Aus diesem verschwurbelten Nicht-Eingeständnis ist der Wunsch herauszulesen, sich einem Kreuzverhör der Ankläger zu entziehen. Denn da könnte seine Behauptung, niemals gedopt zu haben, der Lächerlichkeit anheimfallen. Schließlich wurden Armstrong schon 2005 in sechs eingefrorenen Proben aus dem Jahr 1999 die Einnahme des Blutdopingmittels Epo nachgewiesen – seitdem tobte der Streit um Verjährungen und Zuständigkeiten, den die Ermittler nun wohl gewonnen haben.