"Vermisst"-Kampagne : Postkarten gegen Islamisierung empören Kölner Muslime

Ausgerechnet an einem Ort, wo der NSU eine Bombe zündete, sind Postkarten verteilt worden, die vor der Radikalisierung von Muslimen warnen. Ein Affront, sagen Kritiker.

Die Vermisst -Kampagne der Bundesregierung hatte schon für viel Empörung gesorgt, jetzt gibt es erneut Aufregung um die Aktion: Am Schauplatz eines Bombenanschlags der Neonazi-Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) in Köln sind Gratispostkarten verteilt worden, auf denen das Bundesinnenministerium vor einer Radikalisierung von Muslimen warnt. Die Karten der Kampagne seien kartonweise in der Keupstraße in Köln-Mülheim unter die Leute gebracht worden, sagte ein Sprecher der Stadt und bestätigte damit einen Bericht des Kölner Stadt-Anzeigers . Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters ( SPD ) kritisierte die Aktion als "in hohem Maße unsensibel". 



In der überwiegend von Türken bewohnten Keupstraße war im Jahr 2004 eine Nagelbombe explodiert und hatte 22 Menschen verletzt. Die Polizei glaubte jahrelang an eine Abrechnung unter türkischen Kriminellen. Doch dann stellte sich im vergangenen Jahr heraus, dass der NSU den Anschlag verübt hatte. 



Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums sagte, in den vergangenen Tagen seien 200.000 solcher Karten in zehn deutschen Städten verteilt worden, darunter in Köln. Zu einzelnen Straßenzügen könne sie nichts sagen. Die Karten sollten in Verteilständern in Cafés und Kneipen kostenlos angeboten werden. Sie weisen auf eine Beratungsstelle beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hin, an die man sich wenden kann, wenn man bemerkt, dass sich jemand zum radikalen Islamisten wandelt.

Türkisch-Islamische Union spricht von einem Affront

Die Türkisch-Islamische Union (DITIB), der größte islamische Dachverband in Deutschland, nannte die Aktion einen Affront. Die DITIB bat Kanzlerin Angela Merkel ( CDU ) in einem offenen Brief, "sich persönlich mit den Auswüchsen der Vermisst -Aktion des Bundesinnenministeriums zu befassen". Muslimische Verbände hätten in den vergangenen Wochen wiederholt kritisiert, dass durch die Vermisst-Kampagne Muslime unter Generalverdacht gestellt würden. Eine Aktion mit Großplakaten war in der vergangenen Woche vorläufig gestoppt worden. Die Plakate und Postkarten zeigen Bilder junger Menschen, darunter eine Frau mit Kopftuch, die als "vermisst" bezeichnet werden, weil sie laut einem Begleittext in Gefahr sind, "an religiöse Fanatiker und Terrorgruppen" verloren zu gehen.



Der Grünen-Fraktionsgeschäftsführer im Bundestag, Volker Beck , bezeichnete die Verteilung der Karten in Köln als "beispiellose Geschmacklosigkeit" und forderte eine Entschuldigung von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich ( CSU ). Der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses im Bundestag, Sebastian Edathy (SPD), sagte dem Kölner Stadt-Anzeiger , die "missglückte Kampagne" auch in die Keupstraße zu tragen, sei "hochgradig unsensibel".

Kritik an Innenminister Friedrich

Grünen-Chef Cem Özdemir wertete die Verteilaktion in der Kölner Keupstraße als Beleg, dass Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) "nichts verstanden" habe. Friedrich führe "die Öffentlichkeit an der Nase herum, wenn er ankündigt, die Plakataktion zu verschieben, aber zugleich eifrig Postkarten mit den Motiven verteilen lässt", sagte Özdemir dem Kölner Stadt-Anzeiger. "Dass er das dann auch noch in der Kölner Keupstraße tut, setzt der ganzen Sache die Krone auf."

Das Bundesinnenministerium hatte vergangenen Woche angekündigt , den Start der Plakataktion zu verschieben. Als Grund nannte das Ministerium "eine aktuelle Gefährdungsbewertung des Bundeskriminalamtes". Innenminister Friedrich will die Kampagne aber fortgesetzt. Ihr Ziel sei es, im Interesse eines friedlichen Miteinanders, der islamistischen Radikalisierung von Jugendlichen und jungen Menschen entgegenzutreten, hieß es in einer Erklärung.
 

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Kommentare

45 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

@timecensors

Es gibt einige Zeitgenossen, die nahezu systematisch alle möglichen Polizeimeldungen darauf hin abklopfen, ob der Täter einen Migranten-Hintergrund hat. Alle anderen "rein deutschen" Täter interessieren sie nicht die Bohne.

Andere Mitmenschen oder Redaktionen, denen nicht in jedem Fall diese Unterscheidung so wichtig ist, werden flugs als Informations-Unterdrücker tituliert.

Vor allem aber haben diese Blockwarte überhaupt kein echtes Interesse am Schicksal der Opfer.

Unterm Strich ist das alles ein doch wirklich erbärmliches Verhalten, finden Sie nicht auch?

Wer Grüne oder SPD wählt, wählt islamische Ultrakonservative mit

Nur zur Information mit wem SPD und Grüne kooperieren:

Rot-Grün setzt in NRW wie im Bund auf den Koordinierungsrat der Muslime (KRM) als Muslimvertreter.
...
Aber keiner der im KRM versammelten Verbände ist eine anerkannte Religionsgemeinschaft. Und alle sind auf ihre Weise problematisch. Die Ditib ist ein Ableger des türkischen Staates und soll dessen Interessen durchsetzen. Die Ditib-Imame müssen sogar einen Eid ablegen, dass sie dem türkischen Nationalismus ewig treu sind.

Und in zwei der anderen Verbände sind vom Verfassungsschutz beobachtete antisemitische Islamisten wie die Milli Görüs oder türkische Rechtsradikale einflussreich. Laut Rot-Grün sollen sie offenbar entscheiden, welcher Islam in deutschen Schulen künftig gelehrt wird.

...
Warum verkauft Rot-Grün die Zusammenarbeit mit Islamisten und Ultranationalisten auch noch lautstark als Erfolg? Hier werden Radikale salonfähig gemacht und rechtsstaatliche Standards gebeugt."

Quelle: http://www.welt.de/politi...

Aber das reicht noch nicht. Sie wollen oben beschriebene Islamverbände zu Religionsgemeinschaft samt aller Privilegien machen:

http://www.citizentimes.e...

Wo ist der Aufschrei in den Medien?

Wieso haben die Islamverbände so spät reagiert?

Laut folgender Pressemeldung auf rp-online:
http://www.rp-online.de/p...
wurden bereits im Mai 2012 sechs islamische Verbände zu einer Präsentation der Plakate eingeladen. Nur der Zentralrat der Muslime und der Verband der Islamischen Kulturzentren sind erschienen. Den anderen Verbänden wurden das Protokoll der Präsentation zugeschickt. Es soll keine Änderungswünsche gegeben haben.

Die aktuell vorgebrachten Kritikpunkte und Vorwürfe an das Innenministerium erscheinen mir vor diesem Hintergrund wenig glaubwürdig.

Cem Özdemir

"Grünen-Chef Cem Özdemir wertete die Verteilaktion in der Kölner Keupstraße als Beleg, dass Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) "nichts verstanden" habe."

Hat Herr Friedrich jetzt persönlich in der Keupstraße die Karten verteilt oder waren das Mitarbeiter der Stadt Köln?

Herr Özdemir ist doch wirklich nicht mehr Links, der ist schon so Konservativ wie sein Kollege Beck das man gar nicht mehr weiss wer in der CDU ist und wer noch bei den Grünen.

Beck und Oezdemir konservativ?

Auf Ihre Def. von "konservativ" bin ich sehr gespannt...

Abgesehen davon ist Friedrich fuer seine Leute politisch verantwortlich. Wenn die offensichtlich Mist bauen muss er Konsequenzen daraus ziehen (also Entschuldigung, Versetzung unfaehiger Mitarbeiter usw.).

Friedrichs Verhalten ist mit Blick auf die Verdaechtigungen der Anschlagsopfer des "NSU" mE viel mehr dazu geeignet, Muslime vor den Kopf zu stossen, als dieser drittklassige Schundfilm made in USA. Aber das nur am Rande.

Konservativ im Sinne von...

Einseitig und Alt-Links (wenn Linke zuweit sich zuweit drehen kommen sie Rechts raus).

Selbst Jutta Ditfurth hat schon gefragt "Warum Özdemir nicht bereits zur CDU übergetreten ist!?"

Alleine das er in die EU versetzt wurde um politische Wunden zu lecken kann das "Links" sein?

Beck fordert einseitig Privilegien für Homosexuelle vor allem im Sinne von Geld! In der Beschneidungsdebatte hat er sich für Pro gestellt in einer Weise die erschreckend war. Sein Selbsthass auf Deutschland und das deutsch sein ist wirklich so Latte-Macchiato Links und Alt das man es als Konservativ vermarkten kann! Zwar hassen sie Deutschland aber auf das Geld der Bürger und dem Staat wollen sie wiederum nicht verzichten.

wie bitte..

"vom deutschen Staat gleich zweimal verletzt" wurden ist eigentlich ne üble Unterstellung mal schauen wie die ZO Mitarbeiter hier entscheiden.

Zu der Zeit war der Innenminister Otto Schily (SPD) damit unterstellen sie diesem Herrn auch daran beteiligt zu sein.

Erstmal wird hier nicht differenziert das eine ist eine Aktion gegen "Islamisten" und das andere waren Attentate einer Gruppe die die meisten Verbrechen in der Zeit von Rot-Grün begangen hat.

Sollen hier Gebiete ausgespart werden? Erinnert an Herrn Kolats der den Genozid an den Armeniern nicht in Unterricht behandelt haben möchte.

Das die Grünen nie einen Innenminister gestellt haben ist wohl auch ein Grund warum diese hier den Mund soweit aufmachen.

Sie haben bisher keinen Innenminister gestellt (nicht mal in Baden-Württemberg) aber sie wissen wie man alles besser macht.

Der deutsche Staat

in Person von Kriminalbeamten und Staatsanwaltschaft sowie Ministerialbeamten hat die Bewohner der Koelner Keupstraße erst verletzt, indem er aus Opfern mutmassliche Taeter gemacht hat (nicht mal an andere Moeglichkeiten DENKEND) und jetzt stoesst er sie mit dieser ueberfluessigen Ablenkungskampagne vor den Kopf.
Ich meine also die seelische Verletzung, die koerperliche ist ja noch Gegenstand von Ermittlungen.

Korrekt

Und warum wird das nicht genauso ausführlich wie alles andere von den führenden Presseorganen publiziert?

Natürlich ist es für die dort betroffenen Menschen schmerzlich, aber letztendlich macht es keinen Sinn die Postkarten nur auf der Kö bspw. zu verteilen.

Wenn man WOLLTE, könnte man auch als Verband durchaus differenzieren: Die Aktion richtet sich an junge, zumeist männliche Muslime, die Gefahr laufen, sich dem Extremismus/Terrorismus zuzuwenden (oder das schon getan haben). Dort ist dann auch das Umfeld in der Verantwortung. Genau wie bei linken oder rechten Extremisten. Oder sind wir Deutschen mit den Aktionen gegenrechts auch pauschal gemeint? Oder empfinden wir das so?

einige sind schon etwas angefressen

Oder sind wir Deutschen mit den Aktionen gegen rechts auch pauschal gemeint? Oder empfinden wir das so?
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Alle Deutschen nicht, aber die Ossis (das sage ich liebevoll) sind in solchen Diskussionen gerne etwas angefressen ;-) (zumal die Hochburg in Dortmund liegt).

Hier waren auch einige angefressen:

http://www.whoateallthepi...
http://www.focus.de/sport...

Grundsätzlich ist mir vollkommen unverständlich, dass man so eine Aktion planen kann, ohne einen entsprechenden Ansprechpartner wie z.B. den Zentralrat der Muslime mit einzubinden!

Man benötigt in Deutschland leider ein nicht-deutsches Feindbild

Meine Schlussfolgerungen aus den Geschehnissen der letzten Jahre.

Ich gehe regelmäßig eigentlich soweit, etwas plakativ zu behaupten, dass Muslime in Deutschland die "neuen Juden" seien. Statt der "Deutsche wehrt euch, kauft nicht bei Juden"-Schilder gibt es durchgestrichene Moscheen.

Bereits rein zahlentechnisch, d.h. gemessen an der Anzahl gewaltbereiter Neonazis bzw. gewaltbereiter Muslime, stellt das erstarkende Neonazitum die weitaus größere Bedrohung dar, die in der Gesamtbevölkerung zudem über wesentlich mehr Nährboden verfügt als radikale Islamisten bei einem Anteil von 1,5 Millionen Muslimen in einem Land mit 82 Millionen Einwohnern.

Keine der drohenden Gefahren soll vernachlässigt werden, aber es wundert mich schon, warum man nicht gleichzeitig Postkarten mit den Alltagsgesichtern weißer Deutscher verteilt und ganz allgemein vor Radikalisierung warnt.

Aber Politik wird i.d.R. nun einmal von der Mehrheit gemacht und das sind in Deutschland eben weiße Deutsche; und weiße Deutsche fühlen sich in der Regel(!) von Nazis nicht bedroht; verständlich. Dafür kann ein Großteil dieser Bevölkerungsgruppe wegen 4000 Salafisten, von denen auch nicht alle gewaltbereit sind, nachts nicht mehr ruhig schlafen.

Vorher war man vor lauter Fokus auf die Linken auf dem rechten Auge blind, nun vor lauter Fokus auf Muslime.

In D kommen die Rechten leider immer davon.

Also fleißig weiter gegen die Millionen Islamisten kämpfen und bei den nächsten rechten Morden ganz betroffen tun.

Das sehe ich anders: Teil 1

"In D kommen die Rechten leider immer davon."

Nirgendwo wird soviel gedeckelt,wenn es sich bei Gewaltstraftätern um Zuwanderer und/oder Asylbewerber, speziell aus dem arabischen, türkischen oder osteuropäischen Raum handelt.

Erst wenn es aufgrund der Suche nach Zeugen unabdingbar ist wird auf die Herkunft oder den Akzent verwiesen. Oft gibt es zu solchen Berichten keine Foren.

Handelt es sich um deutsche Täter, und insbesondere wenn das Opfer ein Einwanderer ist, wird oft reflexartige ein rechter Hintergrund in den Raum gestellt und auch gern betont, daß der Täter Deutscher ist. Inklusive einer exorbitanten Empörungswelle, die ja berechtigt ist, wenn sich der Vorwurf bestätigt. Aber das ist es meist nicht, siehe z.B. Fall Drygalla.Hier lag noch nicht einmal eine Straftat vor.