Seit seinem Rücktritt als FDP-Generalsekretär Ende 2011 und seinem Wahlerfolg in Nordrhein-Westfalen gilt Christian Lindner als Gegenspieler des derzeitigen FDP-Vorsitzenden Philipp Rösler . In einer ZEIT-Matinee bemühte er sich am Sonntag in Hamburg nach Kräften, diesem Ruf gerecht zu werden. Gleich in mehreren Punkten setzte er sich klar von der Linie Röslers und der Parteispitze ab.

So plädierte Lindner entschieden für einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone. Auch wenn die Aufnahme des Landes in die Währungsgemeinschaft ein Fehler gewesen sei, könne man es nun nicht ohne Gefahren "hinauskomplimentieren". Wirtschaftsminister Rösler hatte dagegen erklärt, ein Austritt Griechenlands habe seinen Schrecken verloren.

Dem widersprach Lindner. "Ein Ausscheiden Griechenlands geht nicht ohne Schaden auch für uns. Wir können nicht wissen, ob es ohne Schrecken funktioniert oder es eine Ansteckungsgefahr gibt wie beim Zusammenbruch von Lehman Brothers ", betonte er.

Unterstützung für Anleihekäufe durch EZB

Der frühere Generalsekretär unterstützte, anders als andere FDP-Politiker, den Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB), unbegrenzt Staatsanleihen von Euro-Krisenstaaten anzukaufen. Das sei eine notwendige "Ausnahmemaßnahme". Denn selbst wenn beispielsweise Griechenland marktwirtschaftliche Reformen umsetze, werde das Vertrauen der Anleger in griechische Anleihen nicht sofort zurückkehren.

Einen "Nord-Euro" ohne die Schuldenstaaten Südeuropas lehnte Lindner ab. "Frankreich könnte dann nicht dabei sein", betonte er. Außerdem würde das nach seiner Ansicht deutsche Waren auf dem Weltmarkt um 40 Prozent verteuern.

Gegen Verbot von Mohammed-Video  

Der FDP-Landeschef sprach sich gegen ein Verbot des umstrittenen Mohammed-Videos aus, wie es Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) gefordert hatte . Der Film sei zwar "abscheulich und geschmacklos" und nur auf Provokation ausgelegt. Aber auch was geschmacklos ist, müsse in Deutschland gezeigt werden dürfen. Eine plurale Gesellschaft dürfe nicht in "vorauseilendem Gehorsam" vor einer kleinen radikalen Minderheit von Muslimen Selbstzensur üben.

Skeptisch äußerte sich Lindner, im Gegensatz zum schleswig-holsteinischen Fraktionschef Wolfgang Kubicki, mit dem er oft auf einer Linie liegt , zu den Aussichten für eine Ampelkoalition nach der Bundestagswahl. "Mit welcher SPD sollte die FDP ins Gespräch kommen wollen?" Es gebe in der SPD nach wie vor Kräfte wie die möglichen Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier und Peer Steinbrück , die an der Reform-Agenda 2010 festhielten. Andere wie Parteichef Sigmar Gabriel eiferten dagegen dem Kurs des französischen Präsidenten François Hollande nach. "Das ist das Gegenteil von dem, was Europa im Moment braucht." Die FDP sei zwar eigenständig und zu Gesprächen mit allen Parteien bereit. Für eine Koalition müsse jedoch ein "Mindestmaß an inhaltlicher Übereinstimmung" geben.

"Zu jung für FDP-Vorsitz"

Zu seinen eigenen Zukunftsplänen sagte Lindner, er werde langfristig in NRW bleiben, wie er es vor der Landtagswahl versprochen habe. Eine Kandidatur für den Bundestag schloss er definitiv aus. "Das strebe ich nicht an." Auf die Frage, ob er im Falle eines Rücktritts von Parteichef Rösler nach einer Niederlage bei der Niedersachsen-Wahl im Januar für den Parteivorsitz kandidieren werde, wies er darauf hin, dass er sich schon nach der Ablösung von dessen Vorgänger Guido Westerwelle für die Nachfolge hätte bewerben können. Das habe er damals abgelehnt. "Solche Ämter kann man mit Anfang 30 nicht ausüben", sagte der 33-Jährige . Die FDP habe auch andere gute Leute: "Ich kann nicht alles machen."