Mitt RomneyRomney frisiert seine Steuererklärung

Mitt Romney zahlt freiwillig zu viel Steuern. Ob ihm das nützt, ist fraglich, kommentiert Christoph von Marschall. von 

Mitt Romney, der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, spricht in Beverly Hills, Kalifornien.

Mitt Romney, der Präsidentschaftskandidat der Republikaner, spricht in Beverly Hills, Kalifornien.  |  © MANDEL NGAN/AFP/GettyImages

Zum Wochenende hat der Republikaner Mitt Romney monatelangem Druck nachgegeben und seine Steuererklärung für 2011 veröffentlicht . Die erstaunlichste Erkenntnis: Er möchte eine halbe Million Dollar mehr Steuern zahlen als er müsste. Das umgekehrte Muster ist bekannt: Manche Menschen manipulieren ihre Erklärungen, um Steuern zu sparen. Warum aber verzichtet Romney darauf, die ganzen 4,02 Millionen Dollar, die er für gemeinnützige Zwecke gespendet hat, steuermindernd geltend zu machen?

Romneys Hauptproblem gegenüber US-Wählern ist weder sein Reichtum noch seine niedrige Steuerrate, sondern seine Glaubwürdigkeit. Er hat versichert, dass er in jedem der vergangenen zehn Jahre mindestens 13 Prozent Steuern zahle. Würde er alle legalen Abschreibungsmöglichkeiten nutzen, käme er 2011 jedoch nur auf einen Steuersatz von 10,5 Prozent. Also hat er seine Steuerberater angewiesen, die Zahlen zu seinen Ungunsten zu frisieren und Abschreibungen auszulassen. Auf dem Papier hat er 13,69 Millionen Dollar verdient und 1,9 Millionen Dollar Steuern gezahlt. Als effektiver Steuersatz wird 14,1 Prozent angegeben; das sieht noch besser aus als eine 13 vorne. Die Wähler durchschauen den Trick.

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In Deutschland würde wohl schon dieses Zahlenverhältnis als Skandal gelten: ein Multimillionär, der nur 14 Prozent Steuern zahlt. Nicht in den USA . Dort misstraut man dem Staat und hält ihn für unfähig, vernünftig mit Geld umzugehen. Das Argument, Romney habe rund 40 Prozent seines Einkommens an die Gesellschaft zurückgegeben – vier Millionen Dollar Spenden plus 1,9 Millionen Dollar Steuern – und damit seine moralische Pflicht erfüllt, klingt für die Mehrheit eingängig.

Doch was bei der Analyse der 379 Seiten dicken Steuererklärung zusätzlich an den Tag kommt, irritiert viele Wähler – und steht zum Teil in Konflikt mit Romneys politischen Positionen. Er wettert gegen China und dessen für US-Interessen schädliche Wirtschaftsmethoden, investiert aber hohe Summen bei chinesischen Banken und Ölkonzernen. Er stellt sich im Wahlkampf als Patriot vor, unterhielt aber jahrelang ausländische Konten und beteiligte sich an Fonds, die auf ausländische Währungen gegen den Dollar setzen.

Der Manager Romney hat sich wie ein guter Geschäftsmann verhalten. Das kommt nun dem Präsidentschaftskandidaten Romney in die Quere. Und deshalb will der nun freiwillig zu viel Steuern abführen? Genüsslich zitieren US-Medien ein Romney-Interview vom Juli: Wenn er nur einen Dollar mehr Steuern zahle, als er müsse, "dann wäre ich, glaube ich, nicht geeignet, Präsident zu werden".

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Leserkommentare
  1. Soviel Dilettantismus und Halbherzigkeit bei einer US Wahl hab ich noch nicht gesehen. Wie ist Romney eigentlich zu seinen 250 Mio Dollar gekommen? Wenn er so Geschäfte macht, wie er Wahlkampf führt, hat er wohl viel Glück gehabt beim Börsenspiel. Mit dem Präsidentschaftskandidaten haben sich wohl die Republikaner im Milliardenspiel des Wahlkampfes verzockt. Als Wähler wäre ich beleidigt bei so einer dummdreisten Ansprache eines Kandidaten.

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    Der Herr hat sein Geld in der Wirtschaft gemacht.

    Er Hat Firmen die gut liefen aufgekauft dann 20%-50% der Belegschaft entlassen und die Firma in der Zeit des dadurch ausgelösten Fimrenwertanstiegs wieder Verkauft.

    Duch den Unterschied zwischen Einkaufs und Verkaufspreis ist er reich geworden.

    Allerdings ist das Problem auch dabei das er ebend die Firmen nicht aufgebaut hat oder auf Wachstum oder gar nur Werterhalt gemanagest hat. So hat er eher nur Erfahrungen darin wie man kurtzeitige Gewinne machen kann, aber nicht wie man Werteerhalten kann.

    So zeigt sich auch immer mehr in der Kampanie das es ihn um den Kurtzeitigen Zuspruch einzeler Gruppen geht und um kurtzzeitige Auswirkungen auf das Wahlverhalten, er aber nicht daran denkt wie diese Entscheidungen in der zukunft sich auswirken werden.

    So schaufelt er sich immer mehr Fettnäpfchen um ja momentahn gut auszusehen und momentan das zu sagen was die Mehrheit hören will.

  2. Ob ihm das nützt, ist fraglich, kommentiert Christoph von Marschall im Tagesspiegel."

    Warum macht sich Christoph Marschall darüber gedanken? Die meisten Deutschen (99%) werden nicht wählen können.

    Niemand wird Christoph Marschall Kommentar im Tagesspiegel und Die Zeit in den USA wahrnehmen.

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    • 15thMD
    • 23. September 2012 18:25 Uhr

    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/kvk

    • KNF
    • 23. September 2012 18:27 Uhr

    Es soll auch Deutsche geben, die weiter als bis zu ihrer eigenen Landesgrenze denken können und über den Atlantik.
    Daher ist ein (vernünftiger) Artikel auf deutsch ab und zu auch mal ganz nett.

    • Obscuro
    • 23. September 2012 17:49 Uhr

    "Dort misstraut man dem Staat und hält ihn für unfähig, vernünftig mit Geld umzugehen."

    Ist das bei uns anders? Es reicht doch schon ein Blick nach Berlin oder den Nürburgring.
    Und das Stuttgart 21 den gleichen weg gehen wird wie der Flughafen Berlin dürfte auch kein Geheimnis sein.

    Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen das es in Deutschland auch nur einen Millionär gibt der wie ein Normaler Bürger um die 50% Steuern zahlt.

    Wenn ich so an meinen ex Chef denke wären wohl auch 14,1% für ihn noch eine Zumutung.

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    • umzu
    • 23. September 2012 20:14 Uhr

    Sie sicher ebenso wenig wie ich. Sie geben vielleicht 50% Ihres Bruttolohns ab, aber davon gehen mehr als 20% für Krankenversicherung, Rentenversicherung, Pflegeversicherung und Arbeitslosenversicherung drauf. Wer ist denn für Sie ein normaler Bürger? 50% aller Bürger zahlen keine Einkommensteuer oder unter 10%. Sie müssen schon deutlich mehr als 100000Euro verdienen, damit sie auf ungefähr 30% ESt kommen, damit gehören Sie aber schon zu den oberen 10%.

    Freilich können Sie noch dxie Verbrauchssteuern draufrechnen, aber landläufig sind die nicht Teil der Betrachtung.

    • 15thMD
    • 23. September 2012 18:25 Uhr
    4. [...]

    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/kvk

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    das ist ein Kommentar. Ein feiner aber doch ein gravierender Unterschied.

    Natürlich sollte WahlBERICHTERSTATTUNG geben aber diese ganzen Meinungen die reingestreut werden sind überflüssiger Ballast.

    Wenn in den Niederladen oder in Polen(für Deutsche eigentlich auch wichtig) gewählt wird dann kommt ein oder zwei Artikel kurz vorm Wochenende und das war es.

    • Coiote
    • 23. September 2012 19:29 Uhr

    "Wen interessieren Dinge, die in der Welt passieren? [...] Der mächtigeste Mann auf diesem Planeten wird gewählt. Na und? Warum machen wir uns darüber Gedanken?"

    Mich beispielsweise interessiert das. Und Sie können sich doch die Artikel zu Themen, die Sie nicht interessieren, ganz einfach aussparen.

    • 15thMD
    • 24. September 2012 20:11 Uhr

    Entfernt. Bitte richten Sie Fragen bezüglich der Moderation an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/lv

    • KNF
    • 23. September 2012 18:27 Uhr

    Es soll auch Deutsche geben, die weiter als bis zu ihrer eigenen Landesgrenze denken können und über den Atlantik.
    Daher ist ein (vernünftiger) Artikel auf deutsch ab und zu auch mal ganz nett.

  3. Nach amerikanischem Recht könnte sich Romney nach der Wahl seinen Verzicht nachträglich erstatten lassen.

  4. Das trifft zumindest auf die USA zu. Wenn wenige Parteien wählbar sind und die Hürde zum Senat ungemein schwer ist, dann kann man kaum von einer funktionierenden Demokratie wie wir sie aus Deutschland kennen die Rede sein. Jemand wie Romney der lediglich als Händler zu Reichtum gekommen ist, ohne dabei eine Wertschöpfung geleistet zu haben und mit Tricksereien sich vor den Steuerabgaben drückt, ist. so meine ich, der wahre Schmarotzer der Gesellschaft.

  5. das ist ein Kommentar. Ein feiner aber doch ein gravierender Unterschied.

    Natürlich sollte WahlBERICHTERSTATTUNG geben aber diese ganzen Meinungen die reingestreut werden sind überflüssiger Ballast.

    Wenn in den Niederladen oder in Polen(für Deutsche eigentlich auch wichtig) gewählt wird dann kommt ein oder zwei Artikel kurz vorm Wochenende und das war es.

    Antwort auf "[...]"
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    • 15thMD
    • 23. September 2012 21:56 Uhr

    Eigentlich lese ich die ZEIT wegen den Kommentaren und eigenen Berichten. Wahlberichterstattung gibt es von dpa etc., dafür brauche ich keine Zeitung. Ich finde gerade solche Kommentare wichtig für die eigene Meinungsbildung.

    Ihrem letzten Absatz stimme ich völlig zu.

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  • Schlagworte Mitt Romney | Abschreibung | Dollar | Einkommen | Fonds | Präsidentschaftskandidat
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