RosneftEin Putin-Buddy wird Chef des weltgrößten Ölgiganten

Igor Setschin war schon Büroleiter von Russlands Präsident Putin. Jetzt hat es das Intrigen-Talent an die Spitze des weltgrößten Ölkonzerns geschafft. von Elke Windisch

Russlands Präsident Wladimir Putin (li.) und Rosneft-Chef Igor Setschin

Russlands Präsident Wladimir Putin (li.) und Rosneft-Chef Igor Setschin  |  © Sergey Ponomarev/AFP/Getty Images

Igor Setschin , Vorstandschef des staatlichen russischen Ölkonzerns Rosneft, hat die Übernahme des Erzrivalen TNK-BP in den höchsten Tönen gelobt: Bis zu fünf Milliarden "Greenbacks", also Dollar, spüle allein der Synergieeffekt in die Kassen, sagte er.

Rosneft kauft nicht nur jene 50 Prozent, die BP an dem russisch-britischen Gemeinschaftsunternehmen hält, sondern auch den Rest, den regimetreue Oligarchen des Alfa-Konzerns kontrollieren.

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Rosneft steigt zum weltweit größten börsennotierten Ölförderer auf und wird damit mächtiger als der ebenfalls staatsnahe Gazprom-Konzern, aus dessen Erlösen sich der russische Haushalt zu einem Viertel finanziert.

Masse bedeutet jedoch nicht zwingend Klasse und ob die neue Größe sich wohltuend auf die Effizienz auswirkt, halten kritische Beobachter für so sicher nicht. Zumal auf der Kommandobrücke des neuen Riesen ein Mann steht, der umstritten ist: Igor Setschin, 52, mit dem Präsident Wladimir Putin seit gemeinsamen KGB-Tagen persönlich befreundet ist. Dieser Freundschaft und seinem Talent für Intrigen verdankt der einstige Portugiesisch-Dolmetscher seinen kometenhaften Aufstieg.

Die graue Eminenz

Als Putin Anfang 2000 in den Kreml eintrat, machte er Setschin zu seinem Büroleiter. Setschin entschied, welche Papiere seinem Chef vorgelegt wurden und wer ihn zu Gesicht bekam.

Wenn Putin vertraut, dann grenzenlos. 2004 wurde Setschin oberster Controller bei Rosneft. Er gilt als graue Eminenz bei der Zerschlagung und Quasi-Verstaatlichung von Jukos, womit Putin sich dafür rächte, dass Michail Chodorkowski die Opposition unterstützt hatte.

Während seines Gastspiels im Kreml untersagte Dmitri Medwedew Spitzenpolitikern, ihr Amt mit Positionen in den Aufsichtsräten von Staatskonzernen zu verquicken. Professionelle Manager seien effizienter, so die offizielle Begründung. In der Gerüchteküche hieß es, Medwedew sei es dabei allein um Setschins Entmachtung gegangen, um Putin eine dritte Kandidatur zu vermasseln.

Sollte das der Plan gewesen sein, war er vergeblich. Als Regierungschef musste Medwedew den Erlass unterschreiben, mit dem Putin Setschin gleich nach der Rückkehr in den Kreml im Mai 2012 erneut zum Rosneft-Chef machte. Jetzt sehen Beobachter in Setschin das größte Hindernis für die geplante Teilprivatisierung von Rosneft. Ein Tschekist, heißt es, bleibe immer, auch außer Dienst, ein Tschekist.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. Hindernis für Teilprivatisierung? Na hoffentlich.

    Rohstoffkonzerne zu privatisieren ist das dümmste was man machen kann. Allmählich holt sich Putin Stück für Stück die unter Jelzin verscherbelten Staatsschätze zurück. Das ist gut für Russland und seine Bürger. So erhält man sich seine Souveränität und verhindert sich seine Energiepolitik von Großkonzernen diktieren zu lassen.

    Ist schon erstaunlich, dass die ZEIT einen verbrecherischen Oligarchen wie Michail Chodorkowski einem Igor Setschin vorzieht, der sich bisher noch nichts hat zu schulden kommen lassen. Was soll das?

  2. .
    Zitat:

    "... Zerschlagung und Quasi-Verstaatlichung von Jukos, womit Putin sich dafür rächte, dass Michail Chodorkowski die Opposition unterstützt hatte ..."

    Aber aber, der Mann ist doch ein lupenreiner Dings, äh, wie war gleich noch mal dieses Wort für die wirtschaftlich organisierte russische Regierungskriminalität ... ach ja: ... ein lupenreiner DEMOKRAT!

  3. [...]

    Und auch klar, dass es ein Putin Kumpan sein wird. Immer noch besser für Russland als ein BP oder Exxon oder Total Vorstand, der sich natürlich viel mehr um das gute Volk kümmert als ein Russe.

    Wer Russland für undemokratisch hält (stimme da übrigens zu), der sollte mal schauen an wievielen DAX Unternehmen der Investor Black Rock massive Anteile hält (und somit Politik betreibt). Nur für den Fall, dass man Russland intransparenz und Vetternwirtschaft vorwirft.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ls

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    • Kurwa
    • 24. Oktober 2012 16:36 Uhr

    Wer Russland für undemokratisch hält, war noch nie in Russland.

    Aber eines muss man trotzdem sagen:
    Ob der Westen oder Osten, sitzen wir alle schließlich auf dem selben Boot.

    • kitoi
    • 24. Oktober 2012 13:20 Uhr
    4. Angst

    "Rosneft steigt zum weltweit größten börsennotierten Ölförderer auf und wird damit mächtiger als der ebenfalls staatsnahe Gazprom-Konzern, aus dessen Erlösen sich der russische Haushalt zu einem Viertel finanziert."

    Dieser eine Satz sagt alles. Die pure Angst vor einer sich entwickelnden Wirtschaftsmacht spricht aus diesem Artikel. Und jetzt erdreistet sich Herr Putin auch noch nicht nach den Spielregeln im Westen zu tanzen. Böse böse.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ein Tschekist mit Talent für Intrigen, der nur Dank seiner Beziehungen zum KGB-Putin jetzt Chef geworden ist.

  4. Ein Tschekist mit Talent für Intrigen, der nur Dank seiner Beziehungen zum KGB-Putin jetzt Chef geworden ist.

    Antwort auf "Angst"
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    • kitoi
    • 24. Oktober 2012 15:42 Uhr

    "der nur Dank seiner Beziehungen zum KGB-Putin jetzt Chef geworden ist"

    Da sind Sie aber gut informiert. Dann wird es ja bald ganz schnell bergab gehen, mit dem Konzern. Ahnung kann der ja keine haben, nur Beziehungen - wie im Osten früher. Ach nee, unter diesem "Tschekisten" ist ja Rosneft erst so groß und mächtig geworden. Da kann der doch gar nicht so schlecht sein - oder?

    Was interssiert uns Deutsche eigentlich Rosneft. Es ist doch ein russischer Konzern. Haben Sie Angst, dass der "Tschekist" die Öfförderung gegen die Wand fährt und Sie hier im Winter frieren müssen oder kein Benzin mehr für Ihr Auto haben?

    Sollte evt. ein Deutscher Rosneft-Chef werden und wir sind jetzt eingeschnappt?

    Warum wird so negativ über Igor Setschin hier berichtet?

    Kann es sein, dass über alles in Russland einfach mal negativ berichtet werden muss, damit wir unsere eigenen Probleme nicht mehr sehen?

  5. 7. [...]

    Entfernt. Bitte untermauern Sie ihre Thesen mit entsprechenden Argumenten. Danke, die Redaktion/jp

    • kitoi
    • 24. Oktober 2012 15:42 Uhr

    "der nur Dank seiner Beziehungen zum KGB-Putin jetzt Chef geworden ist"

    Da sind Sie aber gut informiert. Dann wird es ja bald ganz schnell bergab gehen, mit dem Konzern. Ahnung kann der ja keine haben, nur Beziehungen - wie im Osten früher. Ach nee, unter diesem "Tschekisten" ist ja Rosneft erst so groß und mächtig geworden. Da kann der doch gar nicht so schlecht sein - oder?

    Was interssiert uns Deutsche eigentlich Rosneft. Es ist doch ein russischer Konzern. Haben Sie Angst, dass der "Tschekist" die Öfförderung gegen die Wand fährt und Sie hier im Winter frieren müssen oder kein Benzin mehr für Ihr Auto haben?

    Sollte evt. ein Deutscher Rosneft-Chef werden und wir sind jetzt eingeschnappt?

    Warum wird so negativ über Igor Setschin hier berichtet?

    Kann es sein, dass über alles in Russland einfach mal negativ berichtet werden muss, damit wir unsere eigenen Probleme nicht mehr sehen?

    Antwort auf "Ja, schöner Artikel."

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  • Schlagworte Wladimir Putin | Igor Setschin | Dmitri Medwedew | Kreml | Michail Chodorkowski | Oligarch
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