Renate Künast„Wowereit wird die Legislaturperiode nicht schaffen“

Als mögliche grüne Spitzenkandidatin muss sich Renate Künast der Urwahl stellen. Im Interview spricht sie über Wahlkampffehler – und ein Ende der Regierung Wowereit. von Sabine Beikler und Hans Monath

Renate Künast

Renate Künast  |  © John MacDougall/AFP/Getty Images

Frage: Frau Künast , müssen Sie kämpfen?

Renate Künast: Schönes Verb! Ich bewerbe mich bei der Urwahl und sage einfach, was ich für nötig halte.

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Frage: Da gibt es allerdings starke Konkurrenz. Macht Ihnen zu schaffen, dass die Basis so unberechenbar ist?

Künast: Unberechenbar trifft es nicht. Es gibt schlicht keine Umfragen unter den 59.300 Grünen-Mitgliedern zu den 15 Kandidaten. Das Ergebnis werden wir am 10. November kennen. Bis dahin machen wir elf Kandidatenforen und stellen uns vor .

Frage: Ist das nicht ermüdend?

Künast: Nein. Zwar kennen wir langsam schon die Redepassagen der anderen. Aber es ist ein gutes Format und jede Veranstaltung ist anders. Wichtig ist, dass die Urwahl insgesamt gut angenommen wird. Das basisdemokratische Angebot mobilisiert sogar Mitglieder, die lange bei keiner Parteiveranstaltung mehr waren. Im kommenden Juni bieten wir noch eine weitere Abstimmung für alle Mitglieder an: über die zehn Schwerpunkte unseres grünen Wahlprogramms. Das zeigt doch: Die Piraten reden nur darüber, wir machen es.

Frage: Womit wollen Sie die Basis überzeugen?

Künast: Ich habe zwei Schwerpunkte. Der eine liegt darin, dass wir als wertegeleitete Partei dem Gedanken folgen: Erhalten, was uns erhält. Wir dürfen unsere Lebensgrundlagen nicht aufbrauchen – das heißt, wir brauchen eine echte Energiewende, mehr Klimaschutz oder etwa eine ökologisch gute Produktion von Lebensmitteln.

Frage: Und der zweite Vorschlag?

Künast: Kinder in den Mittelpunkt stellen. Da geht es um mehr Gerechtigkeit. Wir hängen nicht – wie die Union – den alten Gesellschaftsmodellen der 50er Jahre an, wir rücken die Infrastruktur für Betreuung und Bildung in den Mittelpunkt unserer Politik. Und zur Finanzierung brauchen wir eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes; die starken Schultern sollen mitfinanzieren.

Frage: Die führenden Realpolitiker haben dieses Mal nicht zu Ihrer Wahl als Spitzenkandidatin aufgerufen – schadet Ihnen das?

Künast: Ich fühle mich sehr gut unterstützt , auch von führenden Grünen, und auch von grünen Reformerinnen und Reformern. In der Urabstimmung geht es allerdings darum, die gesamte Grüne Partei im Wahlkampf 2013 zu vertreten, nicht einen Flügel.

Frage: Nach der Berlin-Wahl wurden Sie intern kritisiert und gestanden später Fehler ein. Was haben Sie dazugelernt?

Künast: Eine meiner Lehren aus dieser Zeit ist sehr simpel: Sei einfach so, wie du bist!

Frage: Wo waren Sie das nicht?

Künast: Es gab etwa Plakate, die mir Eigenschaften eines Regierenden Bürgermeisters zuschreiben sollten, die vielleicht traditionell erwartet werden. Das hat nicht funktioniert.

Leserkommentare
    • edgar
    • 07. Oktober 2012 16:06 Uhr

    ... allerdings haben Sie es selbst mit zu verantworten, dass Sie nicht regierende Bürgermeisterin geworden sind.

  1. danach? Diese Stadt ist doch mit den verschiedenen Interessen der Büger nicht unter einen vernünftigen "Hut" zu bringen, egal wer das Zeppter schwingt-bei der aktuellen Kassenlage brauchen wir einen der noch Geld mitbringt damit es weitergeht.

  2. Jetzt machen sie auf basisdemokratisch !?

    Besser als Jutta Ditfurth kann man die Grünen nicht beschreiben.

    http://www.youtube.com/wa...

    2 Leserempfehlungen
  3. [...]

    Alles, was man jetzt über Wowereit´s "Fähigkeiten" als OB weiß, wußte man auch schon vor der letzten Wahl. Und hat´s was genutzt? Ich halte die Berliner hier für absolut lernresistent.

    Bitte verzichten Sie auf pauschalisierende Äußerungen. Danke, die Redaktion/fk.

    4 Leserempfehlungen
    • Taranis
    • 07. Oktober 2012 16:38 Uhr

    Wenn Frau Künast ihre berliner Niederlage nur auf ein paar Plakate schiebt, hat sie in der Tat aus der Wahl nichts gelernt und die Basis der Grünen wäre gut beraten sie nicht als Spitzenkandidation zu wählen.

    Aber wenn der Kommentar 4 auch mal eben sämtliche wahlberechtige Berliner über einen Kamm beleidigen kann, scheint sie ja nicht die einzige zu sein, die sich mit der Wahl in Berlin, den zur Verfühgung stehenden Kandidaten und angesprochenen Themen, nicht wirklich auseinander gesetzt hat.

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    berliner Wasserversorgung nicht abzustrafen, legt eine gewisse Lernunwilligkeit der Wähler nahe!

    MfG KM

    , dass mein Kommentar etwas zu verallgemeinernd war und sich eigentlich nur auf die Berliner beziehen sollte, die beim letzten Mal erneut (wider besseren Wissens) Wowereit ihre Stimme gegeben haben.

  4. berliner Wasserversorgung nicht abzustrafen, legt eine gewisse Lernunwilligkeit der Wähler nahe!

    MfG KM

  5. , dass mein Kommentar etwas zu verallgemeinernd war und sich eigentlich nur auf die Berliner beziehen sollte, die beim letzten Mal erneut (wider besseren Wissens) Wowereit ihre Stimme gegeben haben.

  6. Sie sagt, dass sie die Kinder in den Mittelpunkt stellen wolle und spricht sich für ein "Recht" der Eltern auf eine Beschneidung (=ein Kindesopfer) aus religiösen Gründen aus?

    Die Beschneidung wurde von pharisäischen Rabbinern als Opferritus gedeutet und konnte sich nur deshalb bis heute durchsetzen, weil die pharisäischen Gelehrten nach dem Jüdischen Krieg, entgegen der bisherigen jüdischen Tradition, alle von ihrer Toraauslegung abweichenden Meinungen zu Irrlehren erklärten und mit der Todesstrafe bedrohten.

    Man kann fast von Glück reden, dass nicht das Leben des Kindes (wie bei Abram und Isaak), sondern "nur" um die Vorhautgeopfert werden soll.

    Der große Vorzug des Judentums gegenüber dem Christentum war immer (und ist?), dass es nicht dogmatisch, sondern tolerant war. Die Tora lässt den Rabbinern Spielräume bei der Auslegung, so dass sie an unterschiedliche Lebensumstände angepasst werden kann.

    Ein Gesetzgeber, der das Wohl des Kindes nur dann gefährdet sieht, wenn das Leben des Kindes gefährdet ist (wie bei Blutern), d.h. Gefährdung des Kindeswohls = Tod des Kindes,
    der tritt das Kindeswohl mit Füßen und unterstützt unbelehrbare und uneinsichtige, egoistische Dogmatiker wie den, der in diesem Artikel beschrieben wird:

    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/beschneidung-in-new-york-der-kampf-des-rabbis-11908568.html

    Eine Leserempfehlung
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    nirgends gedeutet, schon gar nicht im Tanach.
    Bei dem verbreiteten Klischee von der Beschneidung als Ersatz für ein Sohnesopfer handelt es sich um ein Projektion, die nirgends, auch nur ansatzweise aus der Schrift hervorgeht und schon gar nichts mit der Ablehnung des Menschenopfers bei Isaak zu tun hat.

    Und die Todesstrafe wurde im Judentum bereits im vierten Jahrhundert geächtet. Das war etwa anderthalb Jahrtausende, bevor man in anderen Gesellschaften so weit war.

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