NS-VerfilmungenGenug der niedlichen Nazi-Monster

Rommel, Speer, Goebbels oder Hitler – ob Doku oder Fiktion: Die Massenmörder aus der NS-Zeit kommen in vielen Verfilmungen zu sympathisch rüber, kommentiert Chr. Peitz. von Christiane Peitz

Erwin Rommel (links) und Adolf Hitler

Erwin Rommel (links) und Adolf Hitler  |  © Hulton Archive/Getty Images

Ist es nicht langsam genug? Mächtige Männer in Uniform, die sich über Karten beugen, mit der Last von Krieg und Millionen Toten auf den Schultern, muss man die immer wieder zur Primetime im Fernsehen sehen? Große Lagebesprechung, das macht Quote, verspricht es doch die Teilhabe am innersten Zirkel der Macht. Männer-Filme, Helden-Filme, Chef-Filme sind das – Gruselfaktor eingeschlossen.

Ob das Ereignis nun Rommel heißt , wie am Donnerstag in der ARD, oder Der Untergang , Das Goebbels-Experiment oder Speer und Er , egal ob Doku, Faction oder Fiktion: Ist der aufklärerisch-heilige Ernst, mit dem seit Jahren an den Nazimythen gekratzt wird, nicht immer auch Kasperletheater, Historienstadl mit den Massenmördern als ewigen Helden? Diese bad guys sind nach wie vor sexy, zumal sie von grundsympathischen Schauspielern dargestellt werden, von Sebastian Koch und Hanns Zischler, Moritz Bleibtreu und Herbert Knaup – und nun Ulrich Tukur als Wüstenfuchs .

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Hitler sells, das kollektive Unbehagen angesichts des zigsten, mit Reichsadler und Eisernem Kreuz ausstaffierten Spiegel -Coverboys wächst nicht gerade. Die Liebe zu Militaria ist auch im 21. Jahrhundert ungebrochen , sie hat sich nur den Deckmantel der Aufklärung umgehängt.

Unermüdliche Arbeit am Mythos

Natürlich hegen Filmemacher und TV-Redakteure die besten Absichten, wollen Geschichtsbilder befragen, zerrissene Figuren zeigen, das Monster als Mensch. Der Deutschen Trauma, der Nationalsozialismus, erfordert unermüdliche Arbeit am Mythos. Dabei errichtet man ihn immer wieder ehrfürchtig neu, indem man ihn zu entzaubern vorgibt. Bisher hat das nur Quentin Tarantino in seinen Inglourious Basterds geschafft. Der traute sich, Hitler und seine widerliche Bande im Kino abzufackeln, fertig.

Das letzte Mal, dass ein TV-Film das Bewusstsein der Nation nachhaltig verändert hat, war 1979. Mehr als 20 Millionen Deutsche sahen die vierteilige US-Produktion Holocaust . Gerade die triviale Art, mit der von einer jüdischen und einer Nazi-Familie erzählt wurde, brachte die Schweigemauer zu Fall. Zum ersten Mal wurde nicht nur in öffentlichen Vergangenheitsbewältigungsritualen, sondern in den Wohnzimmern über Schuld und Mitschuld gesprochen. Worum sich viele 68er bemüht hatten, da fand es statt.

Seitdem ist unsere Mediengesellschaft in einer Wiederholungsschleife gefangen. Akribisch wird auf wahrheitsgetreue Details bis zum letzten Spinatsuppenteller geachtet, als garantiere das Wahrhaftigkeit. Die großen TV-Events gelten entweder dem Leid der Deutschen im Krieg ( Die Flucht , Dresden ) oder den komplizierten Charakteren von Hitlers Befehlsempfängern, den Nazi-Tätern als Hitler-Opfer.

Anblick des banalen Nazis

Rommel bewahrt seine Ehre, geht tapfer in den Tod: auch das eine Entlastungsstrategie, noch ein Schuldenschnitt für die Deutschen. Wie war das noch mit Benignis Das Leben ist schön ? Die Versuche, den Raum der Fantasie für die Opfer zu öffnen, überlässt man anderen. Zum Filmstoff taugt höchstens der großbürgerlich-adelige Widerstand à la Stauffenberg . Bedeutend müssen sie schon sein, die Männer, die von der Fahne gehen.

Dem Rommel -Film ist das Hannah-Arendt-Zitat vorangestellt, dass man auch für seinen Gehorsam verantwortlich sei. Arendts heftig umstrittene Erkenntnis im Eichmann-Prozess: Der SS-Mann, der maßgeblich für die Deportation der Juden verantwortlich war, ist kein Monstrum, keine zerrissene Figur, sondern ein Niemand, ein braver Beamter. Es kommt darauf an, sich diesem Schrecken zu stellen, dem Anblick des banalen Nazis.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. Das war doch gestern Abend ein Rommel-Operetten-Film und immer der Ledermantel dabei... Geldverschwendung.

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    Ohne historischen Kontext mag der Film wie ein Operettenfilm wirken, allerdings ist das derzeitig immer als erstes gebrachte Argument "Geldverschwendung" genau so lächerlich wie das Argument Verlust von Arbeitsplätzen, wäre der Film nicht gedreht worden.

    Rommel war der Offizier im Nazi Regime, mit dem sich das einfache Volk noch am ehesten Identifizieren konnte, hart aber fair, ein "menschlicher" Soldat der nur seiner Überzeugung dient, fern ab und von den grausamen Wirken der SS, auch an der Heimatfront. Ein erster Medienstar, dessen Image noch bis heute nachwirkt. Dass Rommel mit diesem Film nun auch in den letzten Ecken der noch lebenden Zeugen und derer, die von diesen Zeugen über Rommel erfahren haben entzaubert wurde, ist bemerkenswert. Er wurde glaubhaft entzaubert und das ist für den Mythos Rommel viel wichtiger als ein auf Effekte bedachter, auf schnell konsumiertes und kurzes, fahles Gefühl im Magen getrimmter Hollywoodstreifen.

    Und entzaubert wurde Rommel in diesem Film: kein Widerstand - und letztlich ein Deserteur, der nicht zu seiner innersten Überzeugung steht sondern noch im Tod seiner idealen Vorstellung von sich selber hinterher rennt.

    In linken und linksliberalen Medien war der Film ja vorab als eine Art "Rommel-Entlarvungs-Film" gepriesen worden, der er aber tatsächlich nicht war.^^ Hatte mich schon auf einen ganz üblen Tendenzfilm gefasst gemacht.

    Aber eigentlich für Geschichtskundige inhaltlich nichts Neues. Und die Darstellung abgesehen von einigen naiven Dialogen, die sich nur ein Deutscher des Jahres 2011/12 ausgedacht haben kann, kam Rommel doch noch ziemlich sympathisch rüber.

    Naiv etwa, wenn die Film-"Comtesse" ihn fragt, ob er denn gewollt hätte, dass die Invasion scheitert. Obwohl selbst heute im Ausland keiner so verdreht denken würde, einem damaligen deutschen Soldaten vorzuwerfen, dass er die Niederlage seines Landes nicht gewollt hat. Das kann nur einem heutigen Deutschen einfallen, der glauben gemacht wurde, dies sei ein Krieg der Ideologien mit freier Seitenwahl gewesen.

    Oder wenn Rommel den britischen Kommando-Soldaten fragt, wieso sich denn Deutsche und Briten nicht einigen können und dieser die Behandlung der Juden nennt. Obwohl das damals für die Kriegsgegner praktisch kaum eine Rolle gespielt hat. Vgl. Erster Weltkrieg.

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentar. Danke, die Redaktion/ls

  3. Genau diese Frage stelle ich als Abiturient den Medien, den Vertretern der jüdigschen, muslimischen und was-weiß-ich-noch-alles-Verbänden! Wie lange wollt ihr uns Jungen noch den Nazi-Stempel aufdrücken und dieses Thema immer wieder aufbauschen? Gibt es nicht genug Besorgniserregendes, was aktuell abgeht? Werden wir Jungen vielleicht auch irgendwann gefragt werden: "Warum habt ihr damals nichts gemacht?" und werden wir dann auch als Lügner hingestellt werden, wenn wir behaupten, wir hätten von all dem nichts gewusst?

    Ich gebe zu, dass mir die momentane Entwicklung unserer Politik Angst um meiner Zukunft macht.
    Wie wird es für uns aussehen, wenn die ganzen alten Männer und Frauen, die behaupten, unsere Zukunft gestalten zu wollen, unter der Erde liegen?

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    • Suryo
    • 02. November 2012 11:14 Uhr

    Tja, wenn man so wie Sie sich weigert, aus der Geshichte zu lernen, dann wird man diese Weigerung eben wohl oder übel immer wieder um die Ohren gehauen bekommen.

    Ja, es ist leider eine traurige Wahrheit: die meisten unserer Ur- und Großeltern haben NSDAP gewählt und keinen Widerstand geleistet, und ja, die meisten haben sehr wohl erahnt, oder hätten wissen können, was mit den jüdischen Nachbarn passierte, nachdem sie plötzlich morgens abgeholt worden waren. Meiner Ansicht nach ist es eher dieses ständige Quengeln, dieses Jammern über die böse, böse Welt (oder "die Verbände") die "uns" mit der Vergangenheit angeblich knechten will, das rückwärtsgewandt ist. Ist letzten Endes sehr bequem: bei allem, was politisch und gesellschaftlich schiefläuft, kann man es darauf schieben, daß "die" "uns Deutschen" einfach nicht erlauben wollen, "ganz normal zu sein".
    Reife Menschen, die sich der Verbrechervergangenheit stellen, haben in der Regel keinen derartigen Minderwerigkeitskomplex in bezug auf Deutschland, wie Sie. Aber Sie sind ja als Zwölftklässler noch jung und lernen vielleicht noch.

    • Bashu
    • 02. November 2012 11:41 Uhr

    Ich halte die Aufklärung - auch wenn's mir auch manchmal zum Hals heraushängt - für sehr wichtig. Es gibt latenten Rassismus in dieser Gesellschaft (und in anderen). Eine reflektierte(!) Auseinandersetzung, keine Pauschalschuldzuweisung, kann helfen diesen einzudämmen.

    Aber was mich wirklich ungemein nervt ist die meist einseitige Fixierung auf das Leiden der Juden.

    Ein Denkmal für die Sinti und Roma, die seit Jahrhunderten in D. lebten und von denen eine halbe Million ermordet wurde, gibt es auch. Seit wann? Seit VORLETZTER WOCHE! Das ist eine Frechheit, dass Israel teure Atom-U-Boote geschenkt bekommt und anderen Opfern wird nicht einmal symbolisch gedacht.

    Die meisten Toten im 2. WK gab es übrigens unter den Russen. Desweiteren wurden ermordet: politische Dissidenten, Pfarrer, geistig oder körperlich Behinderte, Homosexuelle, Kranke, Alte, usw.

    Ich hoffe, dass es nie aufhören wird, dass die Menschenheit des Holocausts gedenkt. Und ich hoffe auch, dass die Menschheit uns Deutschen stets den Spiegel vorhalten wird - in einem hochzivilisierten Land war die grausamste Barbarei möglich, zu der Menschen fähig waren. Mit Masochismus hat das nichts zu tun. Im Gegenteil: Nur was aus der Geschichte angenommen ist - in dem Falle die Schuld der Großeltern und Urgroßeltern, die mehrheitlich Hitler GEWÄHLT haben, ihm willig gefolgt sind, obwohl sie nur hätten "Mein Kampf" lesen müssen, um zu wissen, was da kommt -, das kann als Wiederholung vermieden werden.
    Lernen Sie Geschichte!

    Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass heutzutage junge Abiturienten Ihren Geschichtsunterricht lieber derart gestaltet hätten, dass bezüglich deutscher Geschichte in der Zeit von 1933-1945 ein großes schwarzes Loch klafft, aber diese Zeit sollte jedem Deutschen ein Begriff sein. Und dies bitte nicht nur als Zeit in der all die wunderbaren Autobahnen gebaut wurden auf denen wir heute fahren.

    Anstelle der Frage "Ist es nicht langsam genug?" empfehle ich, sich die andere Fragen zu stellen, wie z.B.

    "Was habe ich heute gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit unternommen?"

    "Wann habe ich mich das letzte Mal für unsere demokratische Gesellschaft aktiv eingesetzt?"

    "Was kann ich tun, um die Prinzipien von Freiheit und Gleichheit auch heute noch hochzuhalten?"

    "Was ist mein bisheriger Beitrag zu Verständigung der Völker?"

    Ich kritisiere an der deutschen Bildung leider auch die zu starke Fixierung auf das Dritte Reich. Kenntnisse diesbezüglich sind wichtig, aber viel wichtiger wäre es, sich damit zu beschäftigen, wie Rechtsextremismus, rechte Gewalt, Rassismus oder Ausländerfeindlichkeit sich heutzutage äußern, welche Organisationen es heute gibt, die diese menschenverachtenden Prinzipien propagieren und wie diese Propaganda heute aussieht.

    Junge Deutsche von ehemaligen Nationalsozialisten erzogen werden, werden solche Filme nötig sein.

    Solange Israel in den deutschen Medien dämonisiert wird, solange werden solche Filme nötig sein.

    Niemals vergessen.

    Nein, Ihr Alter schützt Sie vor dummen Anwürfen. Allerdings hatte keine Generation vor Ihnen die Chance sich derart umfassend zu informieren. Weltweit haben sich Historiker mit der Barbarei eines zuvor geachteten Kulturvolkes befasst.

    Alles zu lesen werden Sie bis zu Ihrem Lebensende nicht schaffen.
    Die Endlosschleifen des Guido Knopp geben Ihnen Anstoß weiter in die Materie einzutauchen.
    Meine Generation, unmittelbar nach Kriegsende geboren, ohne uns zu fragen ob wir es wollten, wurde da schon härteren Fragen ausgesetzt.
    In Gesprächen mit Leuten aus allen möglichen Ländern, so denn die Sprache keine unüberwindliche Hürde war, wurde mir versichert dass man sehr wohl unterscheiden kann zwischen Nazis und deren "vorbelasteten" Nachkommen.
    Im Gegenteil, sprach man die Probleme (z.B. Ethnien) der Herkunftsländer der Diskutanten an, wurde der Gesprächsfluss oft doch sehr zäh.

    Ich fühle mich manchmal selbst extrem genervt von der Art,
    wie in Medien und Politik die Verantwortung der heute lebenden Deutschen für die Verbrechen der Vergangenheit (nicht nur für die Zukunft) und eine daraus resultierende, ewig weiterzuvererbende Bringschuld beschworen wird. Absolut haarsträubend finde ich, wie wir Deutschen manchmal uns nicht nur an den Nationalsozialismus "erinnern", sondern unsere gesamte nationale Identität auf Scham und Zerknirschung aufbauen.
    [...]

    Es ist bei dem ganzen Themenkomplex der historischen Verantwortung so viel Verlogenheit im Spiel. Helmut "Ich habe von nichts gewusst" Schmidt und Günter GraSS erinnern z.B. liebend gern junge Menschen an die historische Last, die sie ihnen gerne aufbürden möchten. Außenpolitisch führt die Idee der historischen Verantwortung zu einer Unterstützung Israels, die zwar nicht schlimmer ist als das was wir sonst so machen aber die über 40-jährige Besetzung der Palästinensergebiete zumindest wohlwollend toleriert.

    Die Herausforderung besteht nun darin, diesen ganzen Müll zu ignorieren, jede Art von aufgezwungener 68er-Scham, Betroffenheit, historischer Last und geerbter moralischer Hypothek abzulehnen, egal wer versucht, dir so etwas aufzudrücken, aber gleichzeitig zu merken, dass du bestimmte Lehren aus der Nazi-Ära ziehen WILLST.

    Gekürzt. Verzichten Sie auf polemische Äußerungen. Die Redaktion/mak

    • kael
    • 03. November 2012 13:47 Uhr

    " Wie lange wollt ihr uns Jungen noch den Nazi-Stempel aufdrücken und dieses Thema immer wieder aufbauschen?" (Zitat Ende)

    Wer drückt Ihnen oder anderen denn einen "Nazi-Stempel" auf?
    Ich wundere mich auch sehr darüber, dass Sie neben dieser absurden Behauptung das "Aufbauschen" des NS-Themas in den Medien kritisieren. Denn eigentlich erwarte ich von einem "jungen Abiturienten", dass er fähig ist, das aktuelle Zeitgeschehen (Hilfestellung: "NSU", NPD, Pro-"Bewegung") geschichtlich einzuordnen und Schlüsse zu ziehen. Für den, der das trotzdem nicht kann, können NS-Filme oder Dokumentationen durchaus hilfreich sein, Parallelen aus jüngerer Vergangenheit und Gegenwart auszumachen und "Alarm" zu schreien. Es kann für junge Leute wie Sie offenbar gar nicht genug "aufgebauscht" werden.

    • Olivar
    • 03. November 2012 13:53 Uhr

    Es geht nicht darum, den Jungen einen Stempel aufzudrücken. Das hast Du nicht verstanden. Es geht darum, die unglaubliche Geschichte zu verstehen (was wohl nie gelingen wird), vor allem das Nichts-Tun der deutschen Mehrheit. Wenn junge Deutsche sich als Nazis beschimpfen lassen, würde ich mir das an ihrer Stelle nicht gefallen lassen.

    • xpeten
    • 03. November 2012 17:46 Uhr

    solche Ansichten wie Sie vertreten, wird klar, dass es noch lange nicht "genug" ist.

    *nicht überprüfbar, insofern Fake nicht ausgeschlossen.

    Wolfssohn, glauben Sie wirklich, die Menschen im Ausland sind so verbrämt und fragen, "Warum habt ihr damals nichts gemacht?"

    Wie viele Menschen kennen Sie im Ausland, die Sie das schon gefragt haben? Ich frage da aus erstaunter Neugier, ich lebe im Ausland und bin in vielen Ländern gewesen, und noch nie, WIRKLICH nie wurde mir irgendetwas derartiges an den Kopf geworfen.

    Die meisten Menschen unterhalten sich gern über die Geschichte und stellen Fragen aus Interesse. Ich glaube, Ihre Auffassung ist Ursprung einer Realitätsverdrehung, oder Sie hatten Pech und sind im Leben immer den falschen Leuten begegnet.

    Darüber hinaus: Wenn ich als Deutscher je auf irgendetwas Deutsches "stolz" sein könnte (was generell schwer ist, denn Stolz geht ja eigentlich aus eigenem aktiven Handeln hervor), dann auf den analytischen Umgang mit unserer eigenen Vergangenheit. Was übrigens auch von vielen Ausländern meist gelobt und bewundert wird — denn in vielen anderen Ländern haben es die Leute bis heute nicht geschafft, offen über ihre Geschichte zu sprechen.

    • Floak
    • 02. November 2012 10:37 Uhr

    Alle Nazis zu Monstern zu stilisieren ist auch nicht besser, als ihre sympathischen Seiten zu beleuchten. Ein Monster ist etwas mystisches, etwas übergroßes, dass uns allen Angst einjagt und vor allem Macht über den normalen Menschen hat, die es gegen ihren Willen ausübt.

    Wenn wir uns darauf einigen, dass Nazideutschland zum einen von ein paar Wahnsinnigen, sowie von jeder Menge machtgeilen, egozentrischen Mitläufern regiert wurde, wird klar von was wir hier eigentlich reden. Keine mythischen Sagengestallten, sondern von ein paar willensschwachen, leicht beeinflussbaren Idioten, wie es auch heute noch mehr als genug gibt.

    Der einzige Grund warum man sie zu Monstern emporhebt ist doch, damit man sich möglichst klar von ihnen Abkanzeln kann. Diese arrogante "sowas kann mir nicht passieren"-Mentalität ist dann auch genau das, dass den Blick für so etwas trübt. Nur wenn uns allen klar ist, dass derlei Beeinflussung immer und überall, im Großen wie im Kleinen stattfinden kann, kann man wirksam dagegen eintreten.

  4. Sie schreiben " Der traute sich, Hitler und seine widerliche Bande im Kino abzufackeln, fertig." (bezogen auf Q. Tarantino)
    Aber so einfach war es nun mal nicht.
    Die Tatsache, dass hinter diesen "Monstern" eben Menschen mit Familien und Freunden steckten, macht es ja so unerträglich.
    Dass der durchschnittliche Biedermann mit all seinen durchschnittlichen Schwächen, die er wie jeder andere hat, zu solch unbeschreiblichen Taten fähig ist.
    Heute übrigens noch genauso wie damals - überall auf der Welt.
    Mir geht diese Schwemme an Filmen dieser Art inzwischen auch gehörig auf den Senkel....
    Aber soll man jetzt aus unterdurchschnittlichen Menschen überdurchschnittliche Monster machen ?
    Ganz abgesehen davon - man muss es ja nicht anschauen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Man muss es ja nicht anschauen.Danke.

  5. Ihr mögt ja in der Sache Recht haben - aber dann eben doch selbst für diesen Artikel Addi bei der Lagebesprechung auf die Titelseite holen?

    Na?

  6. Keine Spiegel-Ausgabe ohne NS / Hitler / 2. WK etc.

    Nazis sells!

    Aber, bei aller berechtigter Kritik an den Darstellungen (und den Versuchen von deutschen kritikresistenten Film-"Stars") von Nazi-Größen (um den "normalen" Soldaten der Wehrmacht oder gar von Einsatzgruppen geht es ja nie, dabei waren dies ja die Ausführer - "Familienväter, Hitlers Ausführer" könnte ein toller neuer Titel sein), es waren ja oft eben ganz "normale" Menschen, mit Bildung, mit Familienhintergrund etc. Täter müssen eben in solchen Diktaturen keine Monster sein.

    Wenn es die Filmindustrie mit Ihrem Anspruch an Bildung und Vermittlung erst meint, dann fehlt eigentlich nun das Porträt von den "kleinen" Nazis, denen die mit dem MG an der Grube die jüdischen Kinder niedermähten, denen, die auf dem Einmarsch und dem Rückzug den Menschen in Osten alles an Nahrung wegnahmen und sich als Herrenmenschen empfanden und bedienten... usw.

    Die Nazizeit ist nicht nur die Zeit der Nazisgrößen und Generäle, es ist auch oftmals der Exzess der Soldaten...

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