Interview : "84 Prozent nahmen das Korruptionsangebot an"
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Korrupte Menschen: Ehrgeizig, statusbewusst und karriereorientiert

ZEIT ONLINE: Und werden Chefs häufiger korrupt als ihre Angestellten?

Rabl: 82 Prozent der Wirtschaftskriminellen sind laut einer KPMG-Studie Führungspersonen. Die korrupten Täter sind aber meistens keine klassischen Betrügerpersönlichkeiten.

ZEIT ONLINE: Sondern?

Rabl: Nach allem, was wir bisher wissen, sind sie normalerweise nicht vorbestraft. Sie sind ehrgeizig, statusbewusst und karriereorientiert. Oft sind es gesellschaftliche Aufsteiger, die an vielen Aus- und Fortbildungen teilnehmen. Sie verfügen über eine hohe Fachkompetenz und andere bringen ihnen viel Vertrauen entgegen. Auffällig ist auch, dass korrupte Akteure dazu neigen, Rechtfertigungen für ihr Handeln zu finden.

Es ist gefährlich, wenn Korruption als normal angesehen wird

ZEIT ONLINE: Wie rechtfertigen sich korrupte Menschen denn?

Rabl: In meiner Studie kam heraus, dass sie das Ganze nur selten herunterspielen. Sie sagen nicht: "Ist doch gar nicht so schlimm" oder "Hat doch niemandem geschadet". Sie heben vielmehr ihre positive Absicht hervor, rechtfertigen sich beispielsweise damit, dass sie doch nur den Auftrag für das Unternehmen an Land ziehen wollten. Sehr beliebt ist auch die sogenannte Konto-Metapher.

ZEIT ONLINE: Wie funktioniert die?

Rabl: Die korrupten Akteure denken, dass sie durch ihr großes Engagement für den Job eine Art Guthaben angesammelt haben. Sie glauben, dass dieses Guthaben ihnen jetzt auch korruptes Handeln erlaubt. Solche Rechtfertigungsstrategien sind aber gefährlich.

ZEIT ONLINE: Warum?

Rabl: Wenn dieses Denken in Unternehmen akzeptiert wird, kann das dazu führen, dass Korruption als etwas Normales angesehen wird und sich weiter ausbreitet.

ZEIT ONLINE: Wie können Firmen das verhindern?

Rabl: Sie sollten ein Klima schaffen, in dem Korruption in keinem Fall toleriert wird. So kann das Management beispielsweise einen Ethik-Kodex einführen, der klare Regeln aufstellt. Am besten beinhaltet der auch konkrete Verhaltensanweisungen für Situationen, die einen Mitarbeiter in Versuchung bringen könnten, korrupt zu werden. So ein Kodex sollte lebendig gestaltet werden, indem er nicht nur klar kommuniziert, sondern auch Gegenstand von Anti-Korruptionstrainings wird.
 

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Kommentare

37 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Lobenswert

"Es liegt einfach daran, dass Männer in Managementpositionen überrepräsentiert sind". Lobenswert. Andere Zeitungen lassen so was weg.

Fahrrad gegen Auftrag ist schon klar. Aber auch kleine Geschnke können beeinflussen. In den 1990igern die Flasche Whisky von der Kopierfirma, und man studiert nicht so intensiv andere Angebote.

Moneyküre

Ich fürchte es ist schlicht unmöglich einem Thema "kriminalistisch" sozusagen "gerecht" zu werden, das bei den meisten Menschen im (engeren) Bekanntenkreis unter die Formulierung "eine Hand wäscht die andere" fallen würde, im Berufsleben aber klar den Straftatbestand erfüllen soll. Etwas provokant formuliert: Eine jahrtausendealte soziale Tradition lässt sich ebensowenig in den Köpfen der "Täter" und "Opfer" kriminalisieren wie das Beschneiden von Jungen in den jüdischen und muslimischen Traditionen. Beschneidung ist ein religiöses Ritual, Korruption ein säkulares, ein marktwirtschaftliches.

Fragwürdige Fallgestaltung

"Eine typische Situation war zum Beispiel diese: Der Teilnehmer schlüpft in die Rolle des Vertriebsleiters eines Unternehmens, das Fahrräder herstellt. Ein langjähriger Geschäftspartner ruft an, die beiden plaudern freundschaftlich. Plötzlich schlägt der Anrufer einen Deal vor: Er vergibt einen Auftrag an das Unternehmen, zum Ausgleich soll der Versuchsteilnehmer ihm ein teures Fahrrad schenken."
Die Schenkung des Fahrrades erfüllt nicht automatisch den Tatbestand der "Korruption". Dieser verlangt, dass ein "Angestellter oder Beauftragter eines geschäftlichen Betriebes im geschäftlichen Verkehr einen Vorteil für sich oder einen Dritten als Gegenleistung dafür fordert" (§ 299 StGB).
Das oben genannte Fallbeispiel legt jedoch nahe, dass es sich bei dem langjährigen Geschäftspartner um einen eigenständigen Unternehmer handelt. Er ist somit weder Angestellter noch Beauftragter. Folglich ist ach der Tatbestand des § 299 StGB nicht erfüllt.
Dies zeigt, dass aus dem oben genannten Fallbeispiel in keiner Weise ersichtlich ist, ob es sich um ein Korruptionsangebot handelt.

koruption

verursacht schaden
geschädigt wurde hier erstmal das fahräderproduzierende unternehmen
der langjährige geschäftspartner währe kein solcher würde er nicht sowieso ordern
das verschenkte rad fehlt
ob sie den schaden in erstellungskosten oder verkaufswert rechnen ist da schon nurnoch fußnote
untreue
nennt sich so was
das der vertriebsleiter davon nichts hatte müsste er in der realität erstmal nachweisen und sollte ihm dies gelingen würde seine entlassung halt mit dämlichkeit begründet

Schaden und Nutzen

Man sollte dem "Schaden" dann aber fairerweise auch den Nutzen gegenüberstellen: Ohne das verschenkte Fahrrad wäre der Deal möglicherweise nicht zustande gekommen.

Ich finde das Beispiel reichlich an den Haaren herbeigezogen. Die Autoren scheinen nicht sonderlich viel von der Realität in Unternehmen mitzubekommen. Ich kenne Firmen, bei denen gehen in der Vorweihnachtszeit palettenweise "Geschenke" von Lieferanten ein, z. B. hochwertige Lebensmittel (Champagner, Trüffel, Kaffees) - alles natürlich aus reiner Freude am Schenken. Es ist doch Gang und Gäbe, daß man den Geschäftspartner bei Laune hält, nach dem Motto: Eine Hand wäscht die andere. Und - man verzeihe mir diese liberalistische Anwandlung - ich sehe auch nichts Verwerfliches darin, solange beide, Schenkender und Beschenkter, etwas davon haben. Ich würde sowas als freundschaftliches Verhalten bezeichnen, nicht als Korruption.