Volle Kanne Peer Steinbrück geht zum Beispiel so: "Wo ist die Kamera? Geht’s um Fußball oder um Bücher?", pampt der designierte Kanzlerkandidat den Interviewer an, mit dem er Ende Oktober am Rande eines außenpolitischen Kongresses in Berlin verabredet ist. Natürlich geht es dann nicht um seinen Verein Borussia Dortmund oder um historische Lektüre, sondern um Europa , um die Schuldenkrise, um China und Nahost. Als der Gast mit der randlosen Brille seine Antworten abgeschossen hat und aufsteht, ist das Hemd des jungen Journalisten durchgeschwitzt.

Drei Wochen später steht fest, dass seine Methode "Vorwärts mit Karacho" nicht immer funktioniert. Und dass es nicht um Fußball und Bücher gehen wird, wo immer in den kommenden Wochen eine Kamera auf ihn wartet, nicht nur um Euro-Rettung und Finanzmarkt-Regulierung, sondern vor allem um Nebeneinkünfte und üppige Honorare . Um die soziale Empfindsamkeit von SPD-Wählern und um abgestürzte Umfragewerte. Und seltener um die politischen Kernversprechen der SPD .

Der Angreifer Steinbrück ist plötzlich in der Defensive - und das ist eine Position, in der er sich sich ganz und gar nicht wohl fühlt. Der Besserwisser, der Schnelldenker, der stolz Eigensinnige soll sich nun der Moral der Medien unterwerfen und büßen, obwohl er die meisten Vorwürfe und Attacken für höchst ungerecht und scheinheilig hält, wie er ab und an durchblicken lässt.

Schwarz-Gelb gefällt's

"Persönliche Dünnhäutigkeit" hat Volker Kauder ihm kürzlich im Bundestag vorgehalten, als der Herausforderer die Europapolitik der Kanzlerin attackierte. Der Unions-Fraktionschef fügte hinzu: "Sie sind sehr gut im Austeilen, aber Sie müssen auch im Einstecken gut werden, Herr Kollege!"

Wer es mit Steinbrück gut meint, könnte auf die Idee kommen, dass der 65-Jährige nun das Einstecken üben und daraus für den Wahlkampf lernen kann, der ja noch elf lange Monate dauern wird. Und endlich hat er ja auch sein Beraterteam, das ihm widersprechen soll. Wer realistisch ist, nennt es einen grandiosen Fehlstart der Steinbrück’schen Aufholjagd gegen Angela Merkel . In der SPD beschreiben viele bis in die Spitze die andauernde Debatte unverblümt mit den Worten "große Scheiße".

Sehr zufrieden mit den Nachrichten über den Herausforderer dagegen sind die schwarz-gelben Koalitionäre. "Seit sieben Wochen ist er Kandidat, und seit sieben Wochen kämpft er gegen sich selbst", sagt ein Regierungsmann frohlockend. Und fügt schadenfroh hinzu: "Er hat das Zeug dazu, über die eigenen Beine zu stolpern."