Antwort: Diese Regierung war mit dem Thema Haushaltskonsolidierung sehr erfolgreich. Hätten wir nicht Lasten der Bundesländer übernommen und Zahlungen an die europäischen Hilfsfonds geleistet, hätten wir schon 2013 einen Überschuss von rund 400 Millionen Euro im Bundeshaushalt gehabt. Trotzdem werden wir den strukturellen Haushaltsausgleich vor der Zeit bekommen. Aber Leistungsgerechtigkeit gehört auch zu den Themen, die die Menschen und die unzähligen Unternehmen betrifft. Deshalb wird die FDP auch dieses Thema im Bundestagswahlkampf ansprechen. Und was Guido Westerwelle betrifft, ich bin nach wie vor der Auffassung, dass die FDP unter seinem Vorsitz die erfolgreichste Zeit der Partei überhaupt erleben durfte.

Frage: Das wird nicht jeder in der Parteiführung gern hören.

Antwort: Es kann niemand bestreiten, dass wir sehr erfolgreiche Wahlkämpfe bestanden haben. Wir haben unter der Führung von Guido Westerwelle über lange Zeit hinweg die FDP inhaltlich verbreitern und neue Wählerschichten erschließen können. Unter Westerwelles Führung sind wir die erste gesamtdeutsche Partei geworden und haben Verantwortung auf kommunaler Ebene und in Landesparlamenten in bis dato ungekanntem Maß erreicht. Und schließlich 2009 ein Ergebnis von 14,6 Prozent bei einer Bundestagswahl errungen. Das hat es für die FDP vorher noch nie gegeben, und das ist auch ein Erfolg von Guido Westerwelle. Das muss man ihm zugestehen.

Frage: Warum musste Westerwelle dann im Frühjahr 2011 ausgetauscht werden?

Antwort: Ich bin nach wie vor der festen Überzeugung, dass die Art und Weise, wie der Wechsel im Amt des FDP-Vorsitzenden eingeleitet wurde, kein Beispiel für guten Generationenwechsel war. Jetzt macht Guido Westerwelle einen hervorragenden Job als Außenminister.

Frage: Werden Sie beim Dreikönigstreffen Ihrer Partei am 6. Januar in Stuttgart auch von der aktiven Parteiführung einen hervorragenden Job einfordern?

Antwort: Ich gehöre dieser Parteiführung an. Was ich deutlich machen werde, ist die Teamfähigkeit, an der es der FDP-Führung zuweilen mangelt, die wir aber brauchen, um im nächsten Jahr in den Wahlkämpfen bestehen zu können. Die FDP kann nur erfolgreich sein, wenn jeder an seinem Platz gute Arbeit macht.

Frage: Warum kommt die FDP unter Führung von Philipp Rösler nicht aus dem Umfragekeller heraus?

Antwort: Ich bin dazu nicht der richtige Ansprechpartner.

Frage: Sie sind Mitglied im engsten Führungsteam der FDP.

Antwort:  Aber ich bin nur ein Teil der Mannschaft. Wenn ich zurückblicke auf die Jahre nach 2009, dann glaube ich, dass wir die Kraft des liberalen Führungsteams, die es bis dahin gegeben hatte, nicht ausreichend gut über den Prozess der Regierungsbildung retten konnten. Jeder war zu sehr mit sich beschäftigt und hat zu wenig diszipliniert an der gemeinsamen Sache gearbeitet. Wir haben die Kampagnenfähigkeit verloren. Ich bin aber sicher, dass es uns gelingen wird, wieder Tritt zu fassen, wenn die heiße Wahlkampfphase beginnt.

Frage: Soll Philipp Rösler Anfang Mai beim Bundesparteitag als FDP-Chef kandidieren?

Antwort: Ich wünsche mir, dass die Partei in die Wahlauseinandersetzung mit dem stärkstmöglichen Führungsteam geht. Keiner gewinnt eine Wahl allein, und keiner verliert sie allein. Mit einer Ausnahme hat die FDP bei ihrem Parteitag noch nie einen Spitzenkandidaten gekürt. Der Vorsitzende ist immer der Primus inter Pares. Und das sollten wir so beibehalten.

Frage: Erwarten Sie denn mehrere Kandidaten?

Antwort: Ich bin kein Prophet. Sollte es mehrere Kandidaten geben, dann wäre das jedenfalls ein Zeichen von innerparteilicher Demokratie. Darin ist die FDP übrigens vorbildlich, denken Sie an den Mitgliederentscheid zum Euro.

Erschienen im Tagesspiegel