Dirk Niebel"Im Zweifel ist nur die FDP für Freiheit statt Sozialismus"

Entwicklungsminister Niebel will im Wahlkampf Steuersenkungen fordern. Vor dem Dreikönigstreffen wünscht er sich eine Kampfabstimmung um den Parteivorsitz Röslers im Mai.

Frage: Herr Niebel, als Entwicklungsminister reisen Sie nach Afrika und Asien. Spielt es da eine Rolle, dass Sie FDP-Politiker sind?

Antwort: Absolut. Wir haben uns vorgenommen, die Art und Weise der Entwicklungszusammenarbeit zu verändern. Wir wollen den Regierungen unserer Partnerländer helfen, Strukturen zu verändern, die Zivilgesellschaft und die Wirtschaft einbeziehen und mehr auf Bildung achten. Wer gut ausgebildet ist, kann sich ein selbstbestimmtes Leben aufbauen. Das ist eine urliberale Haltung. Und dort, wo Diktaturen herrschen, muss man die Zivilgesellschaft stärken, damit sie selbst Einfluss auf ihre Regierung ausüben kann. Und die Wirtschaft mit ihrer Kompetenz und ihren Mitteln trägt dazu bei, Armut zu bekämpfen. Denn ohne wirtschaftliches Wachstum kann man die Armut nicht verringern.

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Frage: Sagen Sie den armen Leuten in Afrika, dass sie sich selbstständig machen sollen, um sich selbst aus der Armut zu befreien?

Antwort: Nehmen Sie Simbabwe, wo es keine offiziellen Kontakte zwischen Regierungen gibt, seit die suspendiert sind. Hier machen wir eine regierungsferne, aber an den Menschen orientierte Entwicklungszusammenarbeit. Insbesondere dort, wo Reformkräfte auf kommunaler Ebene gut verankert sind. Diese Kräfte wollen wir stärken, damit sie selbst auf demokratische Strukturen im Land hinarbeiten können.

Frage: Das haben auch Ihre Amtsvorgänger getan, die nicht in der FDP waren.

Antwort: Das stimmt. Aber wir haben die Schwerpunkte dorthin verschoben und auch die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft aus dem Bereich des Verschämten herausgeholt. Das macht den Unterschied. Nur, wo Unternehmen investieren, kann Wachstum entstehen und Armut bekämpft werden. Wir wollen nicht allein beim Überleben helfen, wir wollen Strukturen verändern. Das ist liberale Entwicklungspolitik.

Frage: Was heißt es, im zu Ende gehenden Jahr 2012 und im anfangenden Jahr 2013 in Deutschland, ein Liberaler zu sein?

Antwort: Wir setzen auf die Kraft des Einzelnen, sich in Freiheit ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen. Der Staat muss unterstützen, wo Unterstützung nötig ist. Aber er darf niemanden durch Vorschriften gängeln. Im Zweifelsfall ist eben nur die FDP für Freiheit statt Sozialismus.

Frage: Warum sind zwei Drittel der Deutschen mit der schwarz-gelben Regierung unzufrieden?

Antwort: Manchmal gibt es solche Umfragen. Aber im Großen und Ganzen wissen die Deutschen, dass wir im Vergleich sehr gut durch die Wirtschaftskrise gekommen sind. Und das hat auch etwas mit der besten Regierung seit der Wiedervereinigung zu tun.

Frage: Immer zufrieden mit Schwarz-Gelb, Herr Niebel?

Antwort: Ganz zufrieden ist man nie. Ich bedauere, dass wir nicht schneller vorangekommen sind. Mit ihrer Mehrheit im Bundesrat haben die vermeintlichen Arbeitnehmerparteien SPD und Grüne nun tatsächlich verhindert, dass Arbeitnehmer ihre Lohnzuwächse selbst behalten dürfen. Stattdessen müssen sie nun von jedem zusätzlichen Euro 51 Cent beim Finanzamt abgeben. Ich halte das für schändlich. Wer gut arbeitet, soll doch belohnt werden. Deshalb wollten wir die kalte Progression zum Jahresende abmildern, und das haben Rote und Grüne verhindert.

Frage: Das muss für einen FDP-Politiker besonders bitter sein. Erst wurde nichts aus der großen Steuersenkung, jetzt fällt auch noch die kleine weg.

Antwort: Es geht um Leistungsgerechtigkeit. Dazu gehört ein faires Steuersystem, das den Leuten nicht immer mehr von ihrem Erarbeiteten wegnimmt. Oder nehmen Sie das Erbschaftssteuersystem. Es weiß doch jeder, dass alles, was ein Mensch am Ende seines Lebens seinen Nachkommen überlässt, vorher dutzendfach besteuert wurde. Deshalb sollte diese Steuer, die nur den Bundesländern zugutekommt, auch dort verantwortet werden. Ich bin sicher, in meiner Heimat Baden-Württemberg gäbe es dann keine Erbschaftssteuer mehr. Das wäre vernünftig. Denn alles, was schon mal versteuert wurde, muss nicht noch mal versteuert werden. Ich bin sicher, dass ein einfaches und gerechtes Steuersystem bei der nächsten Bundestagswahl wieder ein Thema werden wird.

Frage: So, wie unter Guido Westerwelle 2009?

Leserkommentare
  1. weiter mit den ausgedienten FDP typischen Steuersenkungsfantasien zu langweilen, die dann letztlich doch, wenn überhaupt, nur eine bestimmte Klientel erreichen.

    19 Leserempfehlungen
  2. hat einen sehr ausgeprägten Realitätsverlust.

    12 Leserempfehlungen
  3. 11. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke. Die Redaktion/kvk

    Eine Leserempfehlung
  4. 12. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/kvk

  5. Diese Partei ist sicher die gefährlichste in Deutschland. Es wäre soooo schön, wenn sie im nächsten Bundestag nicht vertreten sein wird.

    11 Leserempfehlungen
    • eins2
    • 30.12.2012 um 10:15 Uhr

    Dafür, dass sich das freiheitliche Raubtierkapitalistensystem möglicherweise selbst zerlegt, wie der Kommunismus, braucht es nicht mehr Freihbeit. Mit zur rechten Zeit eingezogenen klaren Strängen in der Finanz- und Wirtschaftspolitik und nicht mit dem u.a. von der FDP geforderten Liberalismus wären wir wahrscheinlich nicht so nahe an der Zahlungsunfähigkeit. Freiheit im Übermass hat sich als fatal erwiesen. Und, es ist eine perfide Verkehrung der Entwicklung, wenn sich die gelbe Partei nun hinstellt und die Freiheit ohne ihre Gefahr darstellt, die sie selbst heraufbeschwor.

    8 Leserempfehlungen
  6. Das mit Orwell und dem Liberalismus und einem demokratischen Rechtssataat kann man auch genau umgekehrt sehen.
    Der (Neo)Liberalismus hat mittels Neusprech und konsequent durchegezognere marktradikaler Neudenke ein perfektes antidemokratisches System Orwellschen Ausmasses geschaffen.
    :-)

    16 Leserempfehlungen
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    Liberalismus steht für Freiheit des Individuums. Geschützt durch das Recht. Auch vor dem Staat (und der Kirche).

    Deren Übergriffigkeit kommt noch immer in einem moralischen Mäntelchen daher: "für Bildung, die Armen, Frauen, Integration". Es bleibt Übergriffigkeit.

    Was Sie mit Neo-Liberal-Marktradikal-Orwell bezeichnen ist nur eine Fratze, um einen Feind zu haben und Übergriffigkeit zu rechtfertigen.

    Übrigens kann man in einem liberalen Staat auch genossenschaftlich leben und arbeiten. Nur anderen aufzwingen darf man das nicht.

    Liberalismus steht für Freiheit des Individuums. Geschützt durch das Recht. Auch vor dem Staat (und der Kirche).

    Deren Übergriffigkeit kommt noch immer in einem moralischen Mäntelchen daher: "für Bildung, die Armen, Frauen, Integration". Es bleibt Übergriffigkeit.

    Was Sie mit Neo-Liberal-Marktradikal-Orwell bezeichnen ist nur eine Fratze, um einen Feind zu haben und Übergriffigkeit zu rechtfertigen.

    Übrigens kann man in einem liberalen Staat auch genossenschaftlich leben und arbeiten. Nur anderen aufzwingen darf man das nicht.

    • JaneO.
    • 30.12.2012 um 10:20 Uhr

    http://nachrichten.t-onli...

    An diesen Zahlen wird sich sicherlich auch in diesem Wahljahr nicht groß etwas ändern, vermute ich.

    Gibt es nicht viel wichtige Themen in diesem Land?
    Ich frage mich ernsthaft wieso die FDP und vor allem ihre peinlichen (empfinde ich jedenfalls so - jedenfalls nach Genscher) Vertreter so viel Platz in den Medien eingeräumt wird.

    JaneO.

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