Es könnte ein zentrales Wahlkampfthema werden. Eines, das viele betrifft. Gut elf Millionen Ehepaare lassen sich beim Finanzamt zusammen veranlagen – nutzen also die Möglichkeit des Ehegattensplittings. Macht insgesamt 22,5 Millionen Männer und Frauen. Wenn das Bundesverfassungsgericht bald das Splitting auch für eingetragene Lebenspartnerschaften zulässt, wächst die Zahl noch. Der Splittingeffekt summiert sich jährlich auf etwa 20 Milliarden Euro. Relevant ist er vor allem für Mittel- und Besserverdiener.

Die Oppositionsparteien wollen nun an das Ehegattensplitting ran. Die Begründung lautet ähnlich: Nicht Paare sollen gefördert werden, sondern Familien mit Kindern. Man will einen Teil der Summe, die durch den Umbau des Splittings frei würde, in die Kinderförderung stecken. SPD-Chef Sigmar Gabriel und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück haben eine Reform fest angekündigt. Auch Grüne und Linke lehnen das Ehegattensplitting in seiner jetzigen Form ab. Die drei Parteien stört vor allem, dass der Splittingvorteil bei Gutverdienern höher ausfällt.

Wer profitiert beim Ehegatten-Splitting?

In der Tat ist die Summe, die ein Alleinverdienerpaar mit einem Haushaltseinkommen von 110.000 Euro zurückerhält, doppelt so hoch wie die eines Paares, bei dem einer der Partner 45.000 Euro verdient und der andere nichts. Die auf Wunsch der SPD von der großen Koalition eingeführte "Reichensteuer" – der höhere Spitzensteuersatz von 45 Prozent ab gut 250.000 Euro Einkommen – hat zudem dazu geführt, dass wirklich Reiche einen noch höheren Anspruch haben. Er beträgt, wegen der Steuerprogression, gut 15.000 Euro bei Einkommen von 500.000 Euro und höher.

Setzt das Ehegatten-Splittung falsche Anreize?

Neben dem Argument, es sei antiquiert, weil es die überholte Alleinverdienerehe belohne, bringen die Parteien links der Mitte auch diese Begründung, die auch viele Ökonomen teilen: Das Ehegattensplitting führe dazu, dass ein Partner – in der Regel die Frau – auf einen Job verzichte. Kai Konrad, Direktor am Max-Planck-Institut für Steuerrecht und Öffentliche Finanzen in München, hält das Splitting für eine unglückliche Konstruktion. "Es setzt einen falschen Anreiz, denn es trägt dazu bei, einen der Partner in die Nicht- oder Teilzeitbeschäftigung zu treiben", sagt er. Das spiele etwa eine Rolle nach der Elternzeitphase. "Der Splittingvorteil kann den Ausschlag dafür geben, dass ein Partner nicht wieder in eine berufliche Karriere einsteigt."

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin ficht seit Jahren gegen das bestehende Splittingmodell. Es sei ein "großes Hemmnis der Erwerbsbeteiligung von verheirateten Frauen am Arbeitsmarkt", urteilen die DIW-Ökonomen. Konrad gibt zu bedenken, dass aufgrund der Alterung der Gesellschaft und wachsender Renten- und Pensionslasten in den nächsten 20, 30 Jahren eine möglichst hohe Nutzung des Arbeitskräftepotenzials dringlich sei. Der Schluss: Das Splitting muss weichen.

Allerdings steht dem entgegen, dass der Splittingvorteil zumindest bei Mittelverdienern viel zu gering ist, als dass er einen Partner wirklich dauerhaft vom Arbeiten abhalten könnte. Er liegt bei einem Alleinverdienerhaushalt mit 50.000 Euro Einkommen bei gut 4.500 Euro. Allenfalls in Verbindung mit einem Minijob kann das Splitting vorteilhafter sein als eine sozialversicherungspflichtige Stelle – und das auch nur, wenn man nicht an die Rente denkt. Die Bertelsmann-Stiftung hat unlängst errechnen lassen, dass eine völlige Abschaffung des Ehegattensplittings zu 77.000 Vollzeitstellen führen kann – bei knapp 30 Millionen Vollzeitbeschäftigten also ein Effekt von 0,26 Prozent.

Wie steht Schwarz-Gelb zum Splitting?

CDU, CSU und FDP verteidigen es. Sie berufen sich auf das Grundgesetz und das Verfassungsgericht. Das hat das Splitting immer bestätigt. Kanzlerin Angela Merkel sagt, sie wolle die steuerliche Privilegierung der Ehe beim Splitting-Tarif erhalten, "weil unser Grundgesetz die Ehe in unmittelbarem Zusammenhang mit der Familie sieht und beide unter den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung stellt".