Mali-KriegWie Berlin Bündnissolidarität mit Frankreich praktiziert

Frankreich kämpft in Mali und Deutschland lobt das französische Engagement. Dem Nachbarland wirklich zu helfen, da zögert die Regierung Merkel. von 

Eine Transall der Bundeswehr

Eine Transall der Bundeswehr  |  © Mario Vedder

Seit zwei Wochen läuft der französische Militäreinsatz in Mali. Am Montag nahmen Truppen Malis und Frankreichs gemeinsam die von Islamisten besetzte Timbuktu ein. Einwohner Timbuktus begrüßten die französischen Truppen und riefen "Vive la France" und "Merci François Hollande". Die Bundesregierung lobt in jedem Statement über Mali den französischen Einsatz. Doch auf Fragen, wie Deutschland den Bündnispartner in Paris bei der schwierigen Mission in Afrika unterstützen will, weicht die Regierung meist aus. Nur stückweise werden von der Bundesregierung kleine Gesten der Hilfe für Frankreich und Mali bekannt gegeben.

"Das ist ein laufender Abstimmungs-, Prüf- und vor allem Gesprächsprozess sowohl mit den Franzosen als auch mit den Afrikanern", heißt es beim Auswärtigen Amt. Man sei dabei, sich intensiv Gedanken zu machen, wie der Militäreinsatz unterstützt werden könne.

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Als die französische Mission begann, versprach Außenminister Guido Westerwelle seinem französischen Kollegen deutsche Hilfe. Seitdem sind zwei Transall-Transportmaschinen der Bundeswehr im Einsatz, um Material und Truppen nach Mali zu bringen. Deutschland habe bereits Soldaten der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas in das Konfliktland gebracht, sagt ein Sprecher des Verteidigungsministeriums, und Sanitätsmaterial aus Frankreich in die Region. Nun soll eine dritte Transportmaschine den Franzosen helfen.

Freudige Hilfe klingt anders

Mit den von Frankreich erbetenen Flugzeugen zur Luftbetankung gibt es hingegen Probleme. Die Vereinigten Staaten hätten Tankflugzeuge im dreistelligen Bereich, Frankreich verfüge zudem selbst über solche Maschinen und die Bundeswehr habe lediglich vier dieser fliegenden Tankstellen, zählt ein Sprecher des Verteidigungsministeriums während der Regierungspressekonferenz am Montag in Berlin auf. Freudige Hilfe klingt anders. Zudem gebe es ein Probleme, das bisher den Einsatz der deutschen Tankflugzeuge verhindere. Es fehle an einem zertifizierten Luftbetankungsverfahren zwischen Deutschland und Frankreich: "Wir arbeiten daran und suchen nach einer Lösung."

Die Vereinigten Staaten sollen bereits ihre Tankflugzeuge angeboten haben. Zudem haben die USA angekündigt, eine neue Basis für ihre Drohnen in Westafrika aufzubauen, auch um die Situation in Mali im Blick zu behalten.

Einen Einsatz von Kampftruppen schließt die Bundesregierung weiterhin kategorisch aus. Deutsche Soldaten könnten dennoch bald am Boden in Westafrika zum Einsatz kommen. Die Bundeswehr erwägt, Techniker in den Senegal zu schicken, wo sie bei der Wartung der Transportmaschinen helfen sollen. Eine Mission der Europäischen Union erkundet momentan Mali und prüft, ob dort Truppen trainiert werden können. Ob auch deutsche Soldaten zur Ausbildung der malischen und anderer afrikanischen Truppen in die Region geschickt werden, bleibt bisher offen.  "Es gibt entsprechende Überlegungen dazu", heißt es beim Verteidigungsministerium. "Diese sind aber noch nicht in Gänze abgeschlossen, aber wir haben immer deutlich gemacht, dass wir dieses Segment gerne unterstützen werden."

Leserkommentare
  1. so Laurent Louis, der Vorsitzende der von ihm gegründeten Bewegung für Freiheit und Demokratie, “Mouvement pour la liberté et la démocratie”:

    http://www.youtube.com/wa...

    Hier wird von Neokolonialismus gesprochen.

    4 Leserempfehlungen
    • vonDü
    • 29. Januar 2013 14:45 Uhr

    und die Haltung der Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland zu Kriegseinsätzen und deren Unterstützung ist mehr als klar.

    Bis Oktober, werden die Franzosen also mindestens damit leben müssen, dass außer warmen Worten von Berlin nur wenig Unterstützung kommt.

    4 Leserempfehlungen
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    Und die deutsche Regierung handelt im Auftrag und im Interesse des deutschen Volkes. Oder etwa doch nicht?
    Wenn nun also die Mehrheit dagegen ist, wie kann dann die Bundesregierung dafür sein?

    Welcher Bürger hat denn schon den richtigen Informationsstand? Wohl kaum jemand, denn ihm stehen nur die Informationen aus der Presse zur Verfügung. Die unterliegen jedoch im Regelfall einer anderen Meinung oder einem bestimmten Interesse. Wir müssen uns angewöhnen, nicht zu allem eine Meinung zu entwickeln und vor allen Dingen, den Anspruch auf Wahrheit und Richtigkeit stellen. All zu leicht wird man zum Werkzeug irgend welcher Interessen.

  2. Und die deutsche Regierung handelt im Auftrag und im Interesse des deutschen Volkes. Oder etwa doch nicht?
    Wenn nun also die Mehrheit dagegen ist, wie kann dann die Bundesregierung dafür sein?

    13 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Es stehen Wahlen an"
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    Wer heute glaubt, dass es unsere "Volksvertreter" interessiert, was das Volk meint, der lebt im Märchenland.

    und richtige wenn auch unbeliebte Entscheidungen zu treffen hat, was sie in diesem Fall leider nicht macht.

    Die Regierung ist nicht verpflichtet sich dem aktuellen Stimmungsbuld in der Bevölkerung bei Ihren Entscheidungen unterzuordnen. Wenn dies so wäre, und die Mehrheit fordert doppelte Renten, Löhne usw. dann sollte sich die Bundesregierung davon ja auch nicht leiten lassen.

    So einfach wie sie sich die Welt vorstellen, ist sie leider nicht.

    Auch die deutsche Meinung zu Auslandseinsätzen, insbesondere Mali ist nicht klar:
    http://www.mz-web.de/serv...

  3. Die heutigen Politiker sind durchs Reden in ihre Positionen gekommen, direkt von der Schulbank, wie soll da jemand mit Taten überzeugen können? das ist doch völlig atypisch für einen Politiker, wo soll er das auch gelernt haben?

    Sieht man auch schön an all den Projekten, wo Politiker mitmischten.

    Die Zeiten, wo ein Schmidt die Leitung bei der Flutkatastrophe 1962 übernahm, sind vorbei, Heute brauchen Politiker nich mal mehr eine Katastrophe, um eine selbige zu produzieren.

    6 Leserempfehlungen
  4. 5. [...]

    Bitte verzichten Sie auf diffamierende und aggressive Äußerungen. Danke, die Redaktion/fk.

    3 Leserempfehlungen
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    vom militärischen Standpunkt teile ich Ihre Position zu 100% !

    Diese Propaganda von Beliebigkeitspazifisten ist schon eine Zumutung, nicht nur für die Kameraden im aktiven Dienst.

    Mich erstaunt allerdings die fortgesetzte Unverfrorenheit mit der in deutsche Medien die "paasenden Lagebilder" herbeigeschrieben werden.

    Glücklicherweise zeigen die meisten Kommentare dass das nicht funktioniert!

    Beste Grüße CM

    • zimra1
    • 29. Januar 2013 14:58 Uhr

    den treffenden Begriff "Operettenarmee" gehört.
    Diese Armee ist Maßgeschneidert für unseren Operetten Außenminister.

    5 Leserempfehlungen
  5. mit der sozialistischen Regierung unter Monsieur Hollande zusammenarbeiten? Aber jetzt doch nicht, aber wie lang wird die Absage halten?

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    seit Hollande nicht mehr vor die Tür gehen kann aufgrund seiner Premiumpolitik, haben selbst die Genosse der Bosse verstanden, dass der Mann nicht hip ist.
    Die billige PR mit Obama geht dem Volk aber auch schon auf den Senkel. Nicht zuletzt geistert der Slogan durchs Netz: "Obama=Überbewertet".

  6. Frankreich hat ein ureigenes Interesse Nordafrika zu stabilisieren. In Frankreich gibt es eine große malische Gemeinde. Außerdem hat Frankreich Rohstoffinteressen.
    Deutschland hat diese Interessen nicht.

    Natürlich könnte Außenminister Westerwelle das laut herausbrüllen und damit Frankreich brüskieren. Solange er es nicht macht, kann mancher Zeitgenosse diesen Einsatz nicht von Afghanistan abgrenzen und ja es wirkt dann eben etwas unlogisch. Daraus die Forderung einer militärischen Unterstützung abzuleiten, ist aber leichtfertig.

    8 Leserempfehlungen
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    Frankreich hat wenig Interesse in der Entwicklung Osteuropas, hat kein damaliger Kanzler als Berater eines Gazkonzern in Russland, darf sich dann an dieser region
    wenig interessieren.
    Und so wollen wir Europa aufbauen... nur national Egoismus

    Mali exportiert 6,8% seiner Waren nach Deutschland! Wenn möglich exportieren wir auch Waren nach Mali. Die BRD ist Entwicklungshelfer seit Jahrzehnten. Es leben Deutsche in Mali. Die politischen Stiftungen und NGOs sind ebenfalls in Mali beratend tätig.

    Auch die Sahara-Geiseln wurden vor einigen Jahren über die guten Kontakte zu Mali freigelassen.

    Natürlich ist Mali wirtschaftlich für Deutschland unbedeutend.

    Wer aber kein Interesse an der Migration aus Afrika hat, der sollte ein Interesse an stabilen afrikanischen Staaten haben. Und nur wer dort aktiv mithilft, kann seinen Einfluss zum „good governance“ geltend machen.

    Zu Mosambik, ehemals portugiesisch, gibt es gute Beziehungen aus Zeiten der DDR. Dort wird ein Rechnungshofwesen nach deutschem Vorbild und mit deutscher Unterstützung aufgebaut. Korrupte Politiker wandern jetzt ins Gefängnis, was die Korruption erschwert. Der Rechnungshof trägt jetzt schon wesentlich zur Finanzierung seines Aufbaus bei, damit sie jederzeit an jeder Stelle des Landes Prüfungen vornehmen können.

    Erzählen Sie also nicht, dass Deutschland keine Interessen in Afrika hat! Sie erkennen diese nur nicht!

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