Mursi in Berlin Geld für einen fragwürdigen Politiker

Ägypten braucht Geld, und Berlin will es geben. Doch darf man Präsident Mursi unterstützen? Vor dessen Staatsbesuch fordern Kritiker, Merkel müsse Tacheles mit ihm reden.

Sicherheitskräfte vor dem Staatsgerichtshof in Kairo, wo auch ein Plakat von Präsident Mursi hängt

Sicherheitskräfte vor dem Staatsgerichtshof in Kairo, wo auch ein Plakat von Präsident Mursi hängt  |  © Khaled Abdullah/Reuters

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi trifft heute zu einem Besuch in Berlin ein. Dort soll er mit militärischen Ehren empfangen werden und anschließend mit Angela Merkel zusammentreffen. Bei den Gesprächen wird es unter anderem um die angespannte Lage in Ägypten und finanzielle Hilfen der Bundesregierung für die angeschlagene ägyptische Wirtschaft gehen. Doch der Besuch Mursis ist umstritten.

Die Grünen haben Merkel aufgefordert, ihren Gast zum Dialog mit der Opposition zu drängen. "Mursi trägt als frei gewählter Präsident eine Verantwortung für alle Ägypter", sagte die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth. "Er muss sich für die Einbeziehung der Opposition, für gleiche Rechte, Gewaltlosigkeit und eine Verbesserung der sozialen Lage einsetzen." Diese Themen müsse Merkel in den Vordergrund ihrer Gespräche mit Mursi stellen.

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Die außenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Kerstin Müller, forderte Merkel ebenfalls auf, von Mursi einen "echten Dialog" mit der Opposition einzufordern. Der Präsident müsse erklären, ob er weiter den Weg der Demokratie oder letztlich doch eine islamistische Diktatur etablieren wolle.

Auch Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) machte die Achtung der Menschenrechte in Ägypten zur Voraussetzung für deutsche Investitionen in dem Land. Für die deutsche Wirtschaft sei Planungssicherheit entscheidend. "Die ist nur dort wirklich gegeben, wo Sicherheit vor Gewalt und politischer Willkür herrscht", sagte er dem Kölner Stadt-Anzeiger.

In Ägypten waren bei Ausschreitungen gegen die Regierung Mursis in den vergangenen Tagen mehr als 50 Menschen ums Leben gekommen. In der Nacht zum Dienstag gingen trotz einer für drei Städte geltenden nächtlichen Ausgangssperre Tausende Menschen auf die Straße, um gegen die Regierung zu protestieren. In Kairo gab es am Dienstag wieder Ausschreitungen, für die kommenden Tage waren weitere Demonstrationen geplant.

Westerwelle fordert Geduld mit Mursi

Auch in Deutschland haben Menschenrechtsorganisationen bereits Proteste gegen Mursis Besuch angekündigt. Bei der Berliner Polizei sind vier Kundgebungen rund um das Regierungsviertel angemeldet.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) rief dazu auf, Geduld mit den Reformen in Ägypten zu haben. "Niemand konnte erwarten, dass sich in Ägypten nach langer autoritärer Herrschaft in kurzer Zeit alles zum Besten wendet." Zugleich machte er erneut deutlich, dass die Bundesregierung an den finanziellen Hilfen für Ägypten festhalten will. Ägypten brauche nachhaltige Unterstützung aus dem Ausland. "Ohne Investitionen, ohne Touristenströme, aber auch ohne Hilfe bei der Transformation werden sich glaubwürdige wirtschaftliche Perspektiven und soziale Teilhabe für die Menschen in Ägypten nicht einstellen." Gerade in dieser Phase der Unsicherheit sei es wichtig, den Dialog mit Ägypten zu stärken.

Ein Bericht des Spiegel hingegen wirft Mursi vor, sich lediglich als gemäßigter Islamist zu tarnen. Sein Bekenntnis zum Frieden mit Israel sei ein Mittel, um die Hilfszahlungen aus Europa und den USA zu sichern. Dies erklärte ein ehemaliger Vertrauter Mursis gegenüber dem Magazin. Mursi sei ein "zutiefst überzeugter" Islamist, der seine Gesinnung nicht einfach ablegen könne. Sein Plan sei es, die Herrschaft der Muslimbruderschaft auf die gesamte Gesellschaft auszuweiten, egal mit welchen Mitteln.

Leserkommentare
    • AntiW
    • 30. Januar 2013 12:51 Uhr

    "Zugleich machte er erneut deutlich, dass die Bundesregierung an den finanziellen Hilfen für Ägypten festhalten will. Ägypten brauche nachhaltige Unterstützung aus dem Ausland."

    Und Assad müssen wir stürzen... Für mich ein Widerspruch deluxe!

    3 Leserempfehlungen
  1. Jetzt mal von den wenig hilfreichen Standartpauschalisierungen (Welcher Politiker ist nicht fragwürdig) abgesehen:

    Anders Fog Rasmussen + Manuel Baroso
    sind damals G.W. Bush als er in den Irak einmarschierte und dies auch noch mit dummdreisten Lügen rechtfertigte in den Allerwertesten gekrochen.
    Hinzu kam noch dass dieser Krieg absehbar kontraproduktiv war.

    Der eine ist heute NATO-Generalsekrtär, der andere Präsident der EU-Kommission.
    Ach ja und Angelika Merkel hat sich damals noch im Bundestag hingestellt und erzählt wir aber den US-Präsidenten doch unterstützen.
    Die ist heute Bundeskanzlerin.

    Also warum solltem wir Mursi nicht in Berlin empfangen ???

    Eine Leserempfehlung
  2. Ihr Beitrag (36. So ein Nonsens)

    "in der Opposition stecken vor allem die Verlierer der Wahl und das waren vor allem die Eliten des alten Mubaraksystems"

    Sie sind ein Märchen Erzähler aus Alibabas Wunderlampe

    Natürlich hatte doch zunächst eine Opposition das Mubaraksystem kalt gelegt.

    Und diese Opposition wurde sofort von den Mursi Scherken kaputt geschlagen.

    Das war die erste Welle.

    Die zweite Welle agiert jetzt.

    Es wird weitere Wellen geben...

    Ihr Märchen können Sie einem Blauäugigen Deutschen Politiker vorlesen.

    Man weiß doch was man sieht.

    capito ?!

  3. Der Begriff "Demokratie" ist ein schönes Wort, was aber wirklich zählt ist wie ein Staat dieses Wort mit Sinn erfüllt. So gilt ja das antike Griechenland ja als die Wiege der Demokratie, aber dennoch gab es dort auch Sklaven und mit der Gleichheit der Geschlechter war es auch nicht weit her. Natürlich ist dies ein extremes Beispiel, aber es zeigt, dass man den Begriff Demokratie durchaus auch für menschenverachtende Systeme anwenden kann.

    Ein aktuelleres Beispiel ist die DDR, die sich selber ja auch als Demokratie sah. Auch der Iran dürfte sich selber als eine Demokratie verstehen, da es ja dort regelmäßig Wahlen gibt. Sicherlich ließen sich noch weitere Beispiele nennen, aber alle Beispiele laufen auf eine Sache hinaus: Man muss nicht jedes System für richtig und unterstützenswert halten nur weil es sich selber als eine Demokratie versteht. Genauso wichtig sind hierbei die Menschenrechte (damit meine ich nicht die Kairoer Erklärung der Menschenrechte, die diese der Shariah unterstellt), die Gleichheit der Menschen und die Religionsfreiheit.

    Eine Demokratie, die diese Werte befürwortet, lebt und schützt hat Unterstützung verdient. Eine Demokratie, die auf demokratische Art und Weise diese Rechte durch Mehrheitsbeschlüsse abschafft oder Minderheiten verweigert, hat keine Unterstützung verdient.

    Antwort auf "Demokratie"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, nf
  • Schlagworte Angela Merkel | Mohammed Mursi | Guido Westerwelle | FDP | Bundesregierung | Grüne
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