Unzufriedenheit Der deutsche Protest ist alt, klug und männlich
Gegen Windräder, Stuttgart 21, Bankenmacht: Was eint die sogenannten Wutbürger außer Wut? Eine umfangreiche Studie gibt Antworten.
© Bernd Weißbrod/dpa

Auf einer Demo gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 (Archivbild aus Januar 2012)
Wer sind eigentlich diese sogenannten Wutbürger? Seit ein paar Jahren tauchen sie als rhetorische Figur in vielen Debatten, Leitartikeln und Politikerreden auf. Dabei ist der Begriff nicht eindeutig. Schließlich verbergen sich hinter den Bahnhofs-, Flughafen-, Atomkraft-, Euro- und Banken-Gegnern, die in den vergangenen Jahren protestiert haben, unterschiedliche Menschen und Ideale.
Der Protest ist betagt
Eine wissenschaftliche Studie hat dieses Phänomen nun erstmals systematisch untersucht. Erstellt wurde sie vom Göttinger Institut für Demokratieforschung, finanziert hat sie der Mineralölkonzern BP. Die meist jungen Wissenschaftler sind an die verschiedenen Orte der deutschen Protestlandschaft gereist und haben Aktivisten interviewt, Gruppendiskussionen veranstaltet und so Daten von 200 Bürgerprotestlern gesammelt. Der Politikwissenschaftler Franz Walter hat ihre Ergebnisse in einem Fazit gebündelt – und einige Gemeinsamkeiten festgestellt.
Besonders auffällig ist, dass die deutschen Protestgruppen häufig von alten Mitgliedern geprägt sind. Die altersmäßig größte Gruppe unter den Protestierenden gegen Infrastruktur- und Energiewendevorhaben sind die 56- bis 65-Jährigen. Auch die 65- bis 75-Jährigen sind relativ stark vertreten.
"In der Tätergruppe des Protests" befinden sich laut der Studie viele Vorruheständler, Rentner und Pensionäre. Das sei leicht zu erklären, denn schließlich verfügten sie über viel Freizeit. Entsprechend sind unter den Protestierenden auch auffällig viele Hausmänner, Teilzeitangestellte, Freiberufler, Schüler und Beamte. Die 25- bis 35-Jährigen sind am geringsten vertreten, auch junge Eltern und Berufsanfänger protestieren selten.
Deutlich jünger als die Bahnhofs- und Windrad-Gegner sind dagegen die Aktivisten der Occupy-Bewegung und die politischen Netzaktivisten, die sich wiederholt zusammentaten, wenn sie ihre digitalen Freiheitsrechte bedroht sahen. Im Internet, schreiben die Autoren, "scheint sich geradezu eine neuartige Schülergeneration mit originären Protestformen und politischen Anliegen zu formieren. Wir treffen, kurzum, auf viele 14- bis 20-Jährige".
Protest der Bildungsbürger
Der Bürgerprotest ist außerdem ein Protest von Bildungsbürgern. Es waren nur äußerst selten Angehörige der unteren Gesellschaftsschichten, die sich in den vergangenen Jahren zu Kundgebungen und Demos versammelt haben. Stattdessen protestierten vor allem Menschen mit hoher Bildung, hohem Einkommen und einem großen sozialen Kontaktnetz.
- Datum 02.02.2013 - 11:00 Uhr
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- Serie Zukunft der Demokratie
- Quelle ZEIT ONLINE
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Da der Autor das Alter der Engagierten Bürger nur als absolute Information ohne Kontext behandelt, entgeht ihm Entscheidendes: Wer sind denn die heute etwa 65jährigen? Die sind ja nicht gestern erst als etwa 65jährige auf die Welt gekommen.
Antwort: es handelt sich um die Generation, die während der APO um die 20 Jahre alt war (zwischen 10-30), während der Auseinandersetzung in Wyhl um die 25 Jahre alt (zwischen 15-35) und zur Hochzeit der Friedensbewegung um die 35 Jahre alt (zwischen 25-45). Eine tragfähige Ausgangshypothese wäre also, dass die älteren (mehr Richtung 75) während der APO und der Atomkraft-Debatte der 70er Jahre politisiert wurden und die jüngeren (mehr Richtung 55) durch die Friedens- und Umweltbewegung der späten 70er und 80er Jahre.
Dies müsste dann überprüft werden. Ich weiß nicht, ob dies in der besprochenen Studie geschieht. Aber eine reine Analyse nach Alter, ohne zu fragen, welche Erfahrungen Menschen des jeweiligen Alters möglicherweise geprägt haben, und welche lange Geschichte des bürgerschaftlichen Engagements diese Menschen möglicherweise schon hinter sich haben, scheint mir doch reichlich sinnlos und nichtssagend. Im Grunde ist es die Fortsetzung der oberflächlichen Herablassung und Diffamierung, die schon im Begriff "Wutbürger" liegt.
Wieso sollte unser Außenminister auf der Pressekonferenz zu seinem Amtsantritt überhaupt Englisch sprechen (müssen)?
Kann man von Journalisten, die kompetent über Deutschland berichten sollen, denn nicht profunde Deutschkenntnisse erwarten?
Ich bedanke mich bei der ZEIT dafür, daß sie endlich einmal den Begriff "männlich" nicht (!) in den Zusammenhang einer negativen Konnotation gesetzt hat, wie das in der ZEIT leider sonst völlig üblich ist. "Klug und männlich" klingt ja schon richtig gut!
Das wäre immerhin einmal ein Erfolg dieser aufgeblasenen Sexismus-Debatte, wenn "männlich" nicht mehr ausschließlich (wie in den deutschen Medien durchgängig üblich) in einem negativen Zusammenhang verwendet wird!
So schaut's eben aus, wenn Bürger die Arbeit der Medien auf der Straße übernehmen müssen. Seitens Medien wird seit Jahrzehnten fast nur auf Demonstranten eingeprügelt. Lange Zeit waren es "die Chaoten" & der schwarze Block - und nun hat man den "Wutbürger" - das gilt allerdings nur im Inland. Im Ausland, sofern es nicht gerade eng befreundete Staaten sind, sind es demokratieliebende, systemkritische Demonstranten, die brutal unterdrückt werden. In D sind es entweder "gewaltbereite" Chaoten oder "störrische Wutbürger" auf die (angemessen) reagiert wird/wurde.
Das entsprechende Titelfoto beweist doch eindeutig die antiamerikanische Einschlag der "Wutbürger". Wer würde sonst Schuhe als Symbol des Protests benutzen. Und dass sie der Demokratie mehr als skeptisch gegenüber stehen, ist in der Studie selbst zu lesen.
Die restlichen Merkmale lassen sich in zahlreichen Foren nachlesen, die von diesen "Wutbürgern" beherrscht werden.
... für eine tendenziöse Schubladen-Studie eines Mineralölkonzernes.
Wenn Sie sich wenigstens die Mühe machten richtig hinzuschauen wäre Ihnen vielleicht aufgefallen, dass die Bürger mehr demokratische Teilhaben z.B. über Direktentscheidungen fordern... also mehr Demokratie fordern, nicht weniger.
Oder meinen Sie Klappe halten und alles mitmachen wäre Demokratie?
„Das entsprechende Titelfoto beweist doch eindeutig die antiamerikanische Einschlag der "Wutbürger".“
Ich weiß nicht, ob Sie es wussten, hier geht es eher um einen Tiefbahnhof. Allerdings haben wir schon einen funktionierenden Kopfbahnhof. Weiterhin geht es um explodierende Kosten, fehlende Leistungsfähigkeit, Geologie, Brandschutz, Intransparenz, Unfähigkeit der Bahn, politische Lügen, Nepotismus etc. pp. Mit dieser Obsession des „Antiamerikanismus“ sind Sie vermutlich politisch recht einsam.
... für eine tendenziöse Schubladen-Studie eines Mineralölkonzernes.
Wenn Sie sich wenigstens die Mühe machten richtig hinzuschauen wäre Ihnen vielleicht aufgefallen, dass die Bürger mehr demokratische Teilhaben z.B. über Direktentscheidungen fordern... also mehr Demokratie fordern, nicht weniger.
Oder meinen Sie Klappe halten und alles mitmachen wäre Demokratie?
„Das entsprechende Titelfoto beweist doch eindeutig die antiamerikanische Einschlag der "Wutbürger".“
Ich weiß nicht, ob Sie es wussten, hier geht es eher um einen Tiefbahnhof. Allerdings haben wir schon einen funktionierenden Kopfbahnhof. Weiterhin geht es um explodierende Kosten, fehlende Leistungsfähigkeit, Geologie, Brandschutz, Intransparenz, Unfähigkeit der Bahn, politische Lügen, Nepotismus etc. pp. Mit dieser Obsession des „Antiamerikanismus“ sind Sie vermutlich politisch recht einsam.
Und diese alten, weißen Männer sind Wutbürger und demonstrieren, damit alles so bleibt, wie es ist?
Dann könnten sie einfach stillhalten, das wäre einfacher. Denn unter unserer jetzigen Regierung passiert rein gar nichts.
Nein, diese alten Herren und Damen sehen, was alles falsch läuft und bemerken, das sich unsere Medien lieber über Wein nicht unter 5€ bei Steinbrücks aufregen als über mangelhaften Verbraucherschutz, mangelhaftem Schutz vor betrügerischer Geldanlage, keinem Schutz, wenn unsere Versicherungen uns Bürger reinlegen, und und und...
aber das haben Sie wohl gar nicht bemerkt...
dient genauso wie der Begriff Wutbürger dazu, gewisse Gruppen die sich nicht alles gefallen lassen oder Änderungen des Status Quo anstreben, zu diffamieren.
Eine ziemlich simple Art und Weise der Manipulation. Wundert mich, das es auch heute noch Leute gibt, die darauf hereinfallen.
In der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe konnte man sich über fünf Semester zu einem solchen ausbilden lassen.
Peter Sloterdijk kritisierte anläßlich der Diplomverleihung letzten Juli das Versagen des Berufsstandes 'Profi-Politiker' und stellte heraus, daß es die Bürger selbst sind, welche die Gesellschaft noch einigermaßen am Laufen halten. Die Professionalisierung der BürgerInnen müsse also voran getrieben werden.
Die Schlußveranstaltung stand unter dem Motto: "Bürger ist, wer nicht vergißt, was sehr wohl zu ändern ist."
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