Lynas entschuldigte sich sogar dafür, dass er bis dahin mitgeholfen hatte, diese "wichtige technologische Option zu dämonisieren" und viele unwahre Mythen über Genfood zu verbreiten. Zum Beispiel den Mythos des sagenumwobenen Terminator-Gens: Dieses ist ein in Genfood eingebauter DNS-Schalter, der die Pflanze "sterilisiert", damit sie sich nicht fortpflanzen kann. Das bedeutet vor allem: Farmer müssen jedes Jahr neu von Monsanto kaufen. Doch das Terminator-Gen wird nirgends auf der Welt eingesetzt. "It never happened", sagte Lynas.

Ob die Neo-Greens am Ende recht behalten oder nicht, kann ich nicht sagen. Spannend finde ich etwas anderes.

Auf der einen Seite gibt es diejenigen, die munter auf neue Methoden setzen, die nicht völlig ausgereift oder durchgetestet sind. Solche aufregenden, dubiosen Technologien werden in der Regel natürlich nicht von altruistischen Umweltschützern ausprobiert, sondern von raffgierigen Großkapitalisten wie Monsanto. Auch Russ George hat es für Geld getan: Ein kanadischer Indianerstamm hatte ihm 2,5 Millionen Dollar für das Experiment bezahlt, unter anderem in der Hoffnung, dadurch den heimischen Lachsbestand zu vergrößern.

Technologiefeindlichkeit aus Prinzip

Traditionelle Umweltschützer dagegen verbreiten im Wesentlichen eine negative Botschaft: "Wir müssen weniger Müll und weniger Abgase produzieren und moderne Errungenschaften der Wissenschaft wie Atomkraft und Genmanipulation grundsätzlich skeptisch betrachten." Die Sorge überwiegt den Entdeckergeist. "Im Herzen basiert die Bio-Bewegung auf dem Grundsatz der Ablehnung", sagt Lynas. "Sie akzeptiert viele moderne Technologien schon aus Prinzip nicht, ähnlich wie die Amischen in Pennsylvania."

Na gut, Windräder und Co. sind auch technische Errungenschaften. Der Unterschied ist: Sie sind weniger riskant als Genmanipulation, Eisenpartikel und Atomkraft. Ein Unfall in einer Solaranlage ist nicht so verheerend wie die Störung eines Atomreaktors. Gibt es überhaupt Unfälle in der Solarenergieerzeugung?

Je länger ich in Deutschland lebe, desto mehr identifiziere ich Technologie-Furcht mit Europa und den vorwärtsdrängenden, "nur-Technologie-wird-uns-retten"-Glauben mit den USA. Trotz der vielen Ausnahmen: Die Franzosen beispielsweise lieben Atomkraft.

Der Mars ist die Rettung

Die meisten Amerikaner glauben aber tatsächlich, dass technologischer Fortschritt, gepaart mit kapitalistischen Interessen, das Problem schon lösen wird und nehmen dafür ein gewisses Risiko in Kauf. Die sicherheitsliebenden Deutschen sind eher ängstlich. Und müssen so damit leben, dass der traditionelle Umweltschutz leider auch keine realistische Lösung parat hat.

Kann es also sein, dass die gesamte Umweltdiskussion überhaupt nichts mit rationalen Überlegungen zu tun hat, sondern mit zwei verschiedenen, angeborenen Denkweisen?

Aber keine Sorge: Selbst, wenn unsere schlimmsten Befürchtungen über die Umwelt in Erfüllung gehen und unser Planet tatsächlich stirbt, hat der Techno-Kapitalismus auch dafür eine Lösung: den Mars. Neulich hat der südafrikanische PayPal-Milliardär Elon Musk bekannt gegeben, er wolle in den nächsten 15 Jahren anfangen, eine Kolonie für rund 80.000 Menschen auf dem Mars zu bauen. Sollten also eines Tages die Kapitalisten die Erde doch unbewohnbar machen, werden sie auch gleich die Lösung präsentieren können: Auf zum nächsten Planeten!