Sie begeisterten mich. Ich trat ein. Vor sechzehn Monaten habe ich mich für die Piratenpartei entschieden. Vor wenigen Tagen habe ich meinen Austritt erklärt. Trotzdem war die Zeit bei den Piraten für mich wertvoll. Ich bin nun mehr an Politik interessiert als je zuvor.

In der Schule habe ich meine Mitschüler ausgelacht, wenn sie im Ethik-Unterricht betonten, wie wichtig es sei, wählen zu gehen. Ich konterte mit der Frage: "Bei welcher Wahl in den letzten 200 Jahren hat eine einzige Stimme den Wahlausgang entschieden?" Ich sah keinen Grund, mich an einer Wahl zu beteiligen, wenn meine Stimme keinen spürbaren Unterschied macht.

Unser Land kam mir stabil vor. Alles lief seinen gewohnten Weg. Ich sah wenig Gründe, mich irgendwo einzumischen. Mir war zwar klar, dass in der Politik auch wichtige Entscheidungen getroffen werden. Deshalb flackerte manchmal der Wunsch in mir auf, mitzumachen. Erste Erfahrungen an der Basis von Parteien schreckten mich aber ab. Auf einer Veranstaltung der Grünen und bei einer Schnuppermitgliedschaft der SPD traf ich auf karrierehungrige Jungpolitiker, die mit 17 schon tickten wie 40-Jährige. Ich dachte: Wenn du es hier zu etwas bringen willst, musst du jede Woche diese langweiligen Sitzungen und das ewige Genöle ertragen. Ich hatte auch keine Lust, an einem Stand auf dem Gehweg Wahlkampf zu machen und Rosen zu verteilen.

Dann lernte ich die Piraten kennen. Dass die Partei kein umfangreiches Programm hatte, faszinierte mich. Keine Bosse und kein Mief aus 150 Jahren Parteigeschichte: Hier sah ich die Chance, Vorschläge einbringen zu können, die etwas bewegen. Niemand erzählte mir, wie die Partei das in der Regel macht. Bei den Piraten wurde ich gefragt, was ich denke. Die Möglichkeiten schienen immens. Es gab keine Schublade, in die die Piraten passten.

Das war damals. In den vergangenen Monaten ist der Erfolg vielen in der Partei zu Kopf gestiegen. Die Piraten sind jetzt so, wie sie nicht werden wollten. Sie sind da angekommen, wo die anderen Parteien schon lange sind. Mitglieder attackieren sich gegenseitig in Boulevardzeitungen, Journalisten werden interne SMS zugespielt. Das sind keine Ausnahmen, sondern Symptome. Noch schlimmer finde ich, dass immer mehr junge Karrieristen sich dort tummeln, denen es nicht mehr um Veränderung geht. Die Partei-Debatten drehen sich um Posten und Flügel, um Ämter und Namen.

Trotzdem war meine Zeit dort wertvoll. Ich habe gelernt, dass es eine Form des Mitmachens geben kann, die glücklich macht und wertvoll ist. Jetzt vermisse ich eine junge Partei, in der Engagement lohnt, die nicht von Erfolgsdenken dominiert wird. Ich bin bereit.