Münchner Konferenz Europa sucht eine neue Sicherheitspolitik

In Zukunft wird Europa immer häufiger ohne die Hilfe der USA auskommen müssen. Diese Erkenntnis wird auch die Münchner Sicherheitskonferenz prägen.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und Außenminister Guido Westerwelle in Berlin

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton und Außenminister Guido Westerwelle in Berlin

Voller Selbstbewusstsein geht Deutschland in die 49. Sicherheitskonferenz. Die Elite der Außen- und Sicherheitspolitik kommt übers Wochenende nach München, alle wichtigen Nationen sind vertreten, abermals mehr als im Vorjahr. Die Amerikaner könnten auf der ganzen Welt keinen verlässlicheren Partner als die EU finden, hat der Bundesverteidigungsminister gerade noch einmal betont.

Auch "Mr. Reset", US-Vizepräsident Joe Biden, ist zum Auftakt der neuen Amtszeit der Obama-Regierung dabei – weil Deutschland ganz oben auf der Bedeutungsskala steht, sagt Konferenzchef Ischinger.

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Das mag stimmen, allerdings dürfte vielen Deutschen gar nicht so lieb sein, was das wohl auch bedeutet: Ihr müsst mehr machen. Die Liste der Kriegsgebiete und Krisenszenarien, über die die Herrschaften im Bayerischen Hof diskutieren, ist lang: noch immer Syrien, weiter Afghanistan und Iran, nun Mali und auch Gefahren auf anderer Ebene, Stichwort Cyber Security...

Vor vier Jahren hat Biden in München die Marschroute der Regierung skizziert, am Samstag steht die euro-atlantische Sicherheit wieder im Fokus. Seit 2009 hat sich die Lage verändert, auch in den USA. Nicht zuletzt wegen der Finanzkrise wollen und können die Amerikaner nicht mehr so viel Geld für die Armee ausgeben, die so oft Feuerwehr war. Zur Energieversorgung soll die Schiefergasförderung von Nahost-Öl unabhängig machen. In Asien will Washington stärker präsent sein, auch, um China nicht zu mächtig werden zu lassen. Die Interessen liegen auch geografisch also anders.

Für Europa heißt das: Rechnet nicht mit Amerika. Kümmert euch allein um eure Nachbarschaft. In Mali wird gerade sehr klar: Das ist die Sache Europas. Die USA haben durch den amerikanischen Nato-Vize schon ausrichten lassen, dass es genau das ist, was man erwartet: Führung durch die EU, Durchführung durch die EU, auch wenn Paris vorgeprescht ist.

Es wartet also Arbeit auf die EU, auch auf Deutschland, nach außen und nach innen. Denn die so verlässlichen Europäer müssen sich neben der Euro-Krise daranmachen zu klären, welche sicherheitspolitischen Ziele sie verfolgen wollen und wie. Dass in München mit Lady Ashton wieder belächelt eine Frau ohne wirkliche Befugnisse für Europa spricht, ist dabei noch das geringste Problem.

Leser-Kommentare
  1. Ist wahrscheinlich der "Dialog"-Typ "Gorleben" gemeint; wo eine schwerbewaffnete Gruppe eine leicht- bzw. unbewaffnete Gruppe mittels schlagender Argumente überzeugt.

    Antwort auf "Und das Motto erst ..."
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    Es sind vermutlich die sublimen Friedensdialoge in denen westliche Regierungen anderen Regierungen, wie undemokratisch letztere auch immer sein mögen, den Vorteil einer "freiwilligen wirtschaftlichen Kooperation" damit plausibel machen, dass die jeweiligen "demokratischen Verhältnisse" ja eigentlich suboptimal sind und ggf. Aufstände opositioneller Gruppen zu erwarten wären. Da wären dann doch "gute Freunde" wichtig, die das System stabilisierten. Im Falle nicht erwiderter Liebe könne man sich aber auch andere Freunde im Land suchen, "humanitär" würde sich diese Freundschaft dann auch innenpolitisch ohnehin besser verkaufen lassen. Ihre Wahl Mr. President.

    Und München wird letztlich nichts anderes als so eine Art Messe sein, bei der man sich und seine "Bereitschaft" präsentiert und schon mal das ein oder andere Beinchen hebt um zu markieren.

    Es sind vermutlich die sublimen Friedensdialoge in denen westliche Regierungen anderen Regierungen, wie undemokratisch letztere auch immer sein mögen, den Vorteil einer "freiwilligen wirtschaftlichen Kooperation" damit plausibel machen, dass die jeweiligen "demokratischen Verhältnisse" ja eigentlich suboptimal sind und ggf. Aufstände opositioneller Gruppen zu erwarten wären. Da wären dann doch "gute Freunde" wichtig, die das System stabilisierten. Im Falle nicht erwiderter Liebe könne man sich aber auch andere Freunde im Land suchen, "humanitär" würde sich diese Freundschaft dann auch innenpolitisch ohnehin besser verkaufen lassen. Ihre Wahl Mr. President.

    Und München wird letztlich nichts anderes als so eine Art Messe sein, bei der man sich und seine "Bereitschaft" präsentiert und schon mal das ein oder andere Beinchen hebt um zu markieren.

  2. und feuern nach Jordanien hinein, meldet:

    http://www.channel4.com/n...

    "They shoot at us a lot,” said the major. "That's why we had to build the berms."

    "Do you fire back?"

    "No. This is not our job," he said. "Our duty is to rescue refugees. They also shoot the refugees.

    Aber Jordanien steht ja wohl nicht auf der langen Liste.

  3. Es sind vermutlich die sublimen Friedensdialoge in denen westliche Regierungen anderen Regierungen, wie undemokratisch letztere auch immer sein mögen, den Vorteil einer "freiwilligen wirtschaftlichen Kooperation" damit plausibel machen, dass die jeweiligen "demokratischen Verhältnisse" ja eigentlich suboptimal sind und ggf. Aufstände opositioneller Gruppen zu erwarten wären. Da wären dann doch "gute Freunde" wichtig, die das System stabilisierten. Im Falle nicht erwiderter Liebe könne man sich aber auch andere Freunde im Land suchen, "humanitär" würde sich diese Freundschaft dann auch innenpolitisch ohnehin besser verkaufen lassen. Ihre Wahl Mr. President.

    Und München wird letztlich nichts anderes als so eine Art Messe sein, bei der man sich und seine "Bereitschaft" präsentiert und schon mal das ein oder andere Beinchen hebt um zu markieren.

    Antwort auf ""Frieden durch Dialog""
  4. Biden richtet nur die Bestellung an Merkel aus. Die US Navy verlegte ja bereits eine ganze Kriegsflotte vom Atlantik zum Pazifik. Diese Aktion allein hätte doch eigentlich längst als Hinweis ausreichen sollen, wo Amerikas Interessen heute liegen.

    • NiktaM
    • 02.02.2013 um 7:32 Uhr

    Ich erinnere mich an die Zeit bei der NATO und SHAPE als wir regelmäßig Journalisten aus südlichen „Bananenrepubliken“ der Ex-Sowjetunion aufgenommen haben, die den damaligen Generalsekretär mit gleichen, besorgten Fragen bombardiert hatten: wird NATO in Afghanistan eingreifen, um Taliban zu bekämpfen? Und die Antwort war immer gleich gelernt, dass es nicht die Zone der NATO-Verantwortung ist! Nun danach folgten wohl gesteuerten (man vermutet aus Kreml) Explosionen der Mehrwohnhäuser in Moskau, und Russland hatte Vorwand Tschetschenien einzugreifen, und die Lage in Russland zur Normalität zu bringen! Danach folgten auch ganz gelegen und auch wohl gesteuert die Explosionen der Zwillingstürme in New-York (man vermutet CIA hat sich selber umgetrickst) und die USA hatten Vorwand in Afghanistan und Irak „Demokratie“ aufzubauen! Irak scheint nicht mehr zur Normalität zu kommen! Und Afghanistan kehrte nach 10 Jahren zurück zu seiner Normalität und blieb abgesehen von Gelder und Menschenleben ungelernt, und der Westen wohl auch! Aber nach dem bekannten Schema, sollten eigentlich signifikanten Explosion in EU stattfinden, um Friedensstimmung der Mehrheit in Europa zu kippen! Glauben Sie mir, die wären nicht von Al-Qaida, Taliban, „Stein-Islamisten“ und weiteren Dschihadisten gesteuert…

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