Als ich in den 1980er Jahren aus Hawaii auswanderte, gab mir mein Vater einen guten Rat: "Trag immer einen gültigen Pass bei dir. Sobald es nur das geringste Zeichen gibt, dass wieder alles zusammenbricht, steig in den nächsten Flieger nach Hause."

Natürlich habe ich ihn nicht ernst genommen. Zusammenbruch? Gar Krieg? Er hatte ja keine Ahnung vom modernen Europa. Im Zweiten Weltkrieg aber hatte er etwas gelernt, was ich damals noch nicht verstanden hatte: Europa ist von seiner Natur her ein höchst instabiles Gebilde, ein Zerfall ist jederzeit möglich.

Chaos und Krieg sind für eine nahe Zukunft nicht in Sicht. Aber Europa bewegt sich in eine gefährliche Richtung:

In Italien sucht das Volk sein Heil in Clowns. In Griechenland und Spanien gehen die Reformen nicht voran, weil man nicht einsieht, dass etwas Grundlegendes geändert werden muss. Großbritannien und andere Länder halten fest an einer Sparpolitik, die offenbar nicht funktioniert. In Frankreich und in der Schweiz greift man zu bizarren, populistischen finanzpolitischen Maßnahmen, die an den Problemen vorbeizielen. In Rumänien und in Ungarn wird der Regierung immer wieder vorgeworfen, die Demokratie untergraben zu wollen. Und in Bulgarien hat gleich die gesamte Regierung ihren Rücktritt angekündigt.

Hatte mein Vater also Recht? Ist Europa – immerhin die Wiege der westlichen Welt – nicht in der Lage, seine Probleme selbst zu lösen?

Populismus und Nationalismus führen tatsächlich dazu, dass einige europäische Länder sich immer mehr von der Europäischen Union entfernen und eigene Wege gehen. Doch nur eine geschlossen handelnde EU wäre in der Lage, wirtschaftliche und politische Krisen zu überwinden. Dutzende Einzelstaaten mit populistischen Ciceronen schaffen das jedenfalls nicht. Das hat man im Europa der 1920er und 1930er Jahre gesehen.

Deutschland ist in der Pflicht

Der einzige europäische Staat, der heute stabil und halbwegs vernünftig bleibt, ist Deutschland. Es könnte also am ehesten etwas gegen das Abrutschen Europas in die Irrationalität tun. Doch was? In die Politik anderer Länder kann Deutschland schließlich nicht eingreifen.

Dachte ich auch. Dann sah ich Argo.

Ein toller Film. Nicht vollkommen realistisch, aber berührend. Er basiert bekanntermaßen auf einer wahren Begebenheit: Eine Gruppe Amerikaner kann aus dem revolutionären Iran der Siebziger fliehen, weil sie sich als kanadisches Filmteam ausgibt, das ausgerechnet einen Science-Fiction-Streifen drehen wollte. Das war so abwegig, dass es den iranischen Revoluzzern glaubwürdig erschien.