ErdgasförderungOettinger will Fracking europaweit regeln

EU-Kommissar Oettinger will Schluss machen mit dem Wirrwarr in puncto Fracking. Ihm zufolge wird die EU bis Jahresende Vorgaben zur umstrittenen Gasförderung erarbeiten.

Techniker bei der Erdgasförderung im englischen Preston

Techniker bei der Erdgasförderung im englischen Preston  |  © Matthew Lloyd/Getty Images

EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat Vorschläge aus Brüssel zur umstrittenen Förderung von Erdgas aus schwer zugänglichen Gesteinsschichten angekündigt. Auf EU-Ebene "wird man sich das Thema Fracking und Umweltschutz in diesem Jahr genauer anschauen", sagte er der Tageszeitung Die Welt.

Zugleich ermahnte der CDU-Politiker Deutschland, auch "die Potenziale" der Technik zu beachten. Damit diese getestet werden können, will Oettinger nun eine Rechtsgrundlage "für Demonstrationsprojekte und für die praktische Erprobung" schaffen. Dadurch werde man dann auch mehr Klarheit über die Kosten dieser Art der Erdgasförderung erlangen.

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Fracking ist hierzulande stark umstritten. Während Förderer der Technik eine neue Energiequelle vermuten, sehen Umweltschützer wegen des Einsatzes von Chemikalien das Grundwasser in Gefahr. Oettinger bezeichnete es deshalb als "absolut richtig", Gebiete mit Trink- und Grundwasservorkommen zu schützen. Als Beispiel nannte er den Bodensee.

Unterstützung erhält der EU-Kommissar aus den Bundesländern. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier sprach sich für einen großzügigen Umgang mit der Technik aus. "Es wäre falsch, Fracking in Deutschland komplett zu verbieten", sagte der CDU-Politiker ebenfalls der Welt. Auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sagte, er sei dafür, "dass wir diese Technologie nach allen Seiten hin ernsthaft ausleuchten".

In der schwarz-gelben Koalition hatte es zuletzt Streit über eine gesetzliche Regelung für die Gasförderung gegeben. Mitte Mai wurde ein Gesetzentwurf wegen des Widerstands in der Union wieder von der Kabinettstagesordnung genommen. Damit wird eine Entscheidung vor der Bundestagswahl im Herbst immer unwahrscheinlicher.

In Europa stößt die Technik nicht nur in Deutschland auf Widerstand. So ist Fracking zum Beispiel in Frankreich, wo es ebenfalls große Vorkommen an Schiefergas geben soll, verboten.

In den USA wird die Technologie dagegen bereits stark eingesetzt und führte dort zu einem neuen Gasboom. Die US-Regierung will bei Gas und Öl unabhängiger werden – das Fracking ist ein wichtiger Baustein. Nach Einschätzung vieler Experten sind die Vereinigten Staaten wegen der neuen Möglichkeiten auf dem Weg, der größte Gas- und Ölförderer der Welt zu werden.


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Leserkommentare
  1. Erst sollte man die Folgen des Frackings in den USA abwarten und genau analysieren, bevor man diese umstrittene Technik einsetzt. Keine Angst, das Ergas läuft inzwischen nicht weg. Aber man läuft so nicht Gefahr das Grundwasser in Europa irreparabel zu schädigen.
    Übrigens: In Polen regt sich bereits breiter Widerstand gegen das Fracking - warum wohl?

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    ...vor einigen Wochen eine von "arte" gesendete Dokumentation zeigte, sind in den USA bereits verheerende Auswirkungen dieser Erschließungsart von Schiefergas zu besichtigen. Es war sehr interessant, welche Folgen dort für Menschen, Flora, Fauna und Landschaft festgestellt worden sind. Die USA meinen offenbar, in einem Land mit so großer Fläche komme es auf einen Schaden mehr oder weniger nicht an.
    Was mich von Anfang an gestört/verstört hat, ist, dass Deutschland einen EU-Kommissar Oettinger für das Amt "Umweltpolitik" benannt hat, der in seinem vorherigen politischen Leben weder durch besondere Aktivitäten noch kenntnisreiche Aussagen zu irgend einem Umweltthema aufgefallen ist. Da sind seine jetzigen Sprüche vohersehbar gewesen.
    Ich wette zudem, dass die Hern Bouffier und Seehofer sich jetzt zwar noch positiv dazu äußern, sich, wenn es brenzlig wird, wieder gneau so verhalten wie bei der Frage nach dem Atommüll: überall soll es das geben, aber nicht bei uns!
    Ich wette, dass

    • Newo
    • 20. Mai 2013 13:07 Uhr

    sind doch dank Fracking Gasexporteur geworden. Das bringt gute Einnahmen, die Folgeschäden interessieren die Politik nicht. Da werdens alle im Nachhinein auch besser gewusst haben...

    ....Frankreich - seit langer Zeit schon!

  2. Hier ein Link den sich jeder zu diesem Thema durchlesen sollte!!!!

    Die nächste Blase!!
    Fracking löst das Energieproblem nicht!!!

    http://www.monde-diplomat...

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    • deedl
    • 20. Mai 2013 11:32 Uhr

    Neben den Gründen des Umwelt und Trinkwasserschutzes gibt es auch keine wirtschaftlichen Argumente zu fracken. Wie ich hier

    http://deedls.blog.de/201...

    darlege, ist es utopisch zu glauben, bei uns würden sich die niedrigen Erdgaspreis aus den USA wiederholen.

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  3. Warum ich für ein gemeinsames Europa und gegen die EU Bürokratie bin, kann man sehr gut an dieser Meldung ableiten:
    a) Oettinger als Politiker ist mir furchtbar unsympathisch - er wurde nirgends in der BRD gewählt, seine CDU wurde in B-W sogar abgewählt und trotzdem sitzt er in Europa und trägt große Verantwortung.

    b) Die EU ist ein von Lobbyisten verseuchtes bürokratisches Monster, welches insbesondere der Selbstbereicherung dient. Hierfür verwendet es meist bestimmte Sprachformeln um das eigentliche anliegen zu verpacken:
    weil in den einzelnen Mitliedsstaten keine Mehrheit für eine Frackingerlaubnis zu finden ist, wird es über die EU "geregelt" - wobei "regeln" hier eindeutig mit "genehmigen" gleichzusetzen ist, denn regeln würde sich auf bereits "ungeregelte" Projekte beziehen, also etwaigem bestehendem Wildwuchs. Ich möchte erst einmal "geregelt" wissen wer für etwaige Schäden mit welchen Summen haftet.....

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  4. Oettinger in der Endlosschleife - ohne einen Plan, wie die Energieversorgung in Europa nachhaltig und gerecht gestaltet werden soll. Mit Fracking befinden sich die Großprojekte-Politiker und Ausbeutungs-Industriellen auf dem Holzweg. Nach der Atomenergie wird schon wieder eine Hochrisikotechnologie als Heilsbringer wie eine Sau durchs Dorf getrieben. Dabei sehen wir hier lediglich die verzweifelten Überlebenskämpfe des fossilen Energiezeitalters.

    Wir brauchen eine Energeiwende, keine Fracking-Wende.

    Der Widerstand gegen die Zerstörung von Natur, Umwelt und Wasservorkommen organisiert sich aber auch auf europäischer Ebene. Eine europäische Bürgerinitiative ist in Vorbereitung.

    https://www.openpetition....

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    • malox
    • 20. Mai 2013 15:14 Uhr

    Ich befürchte, eine Bürgerinitiative zu unterzeichnen reicht nicht, um solchen Wahnsinn zu stoppen.
    Ich habe vermehrt das Gefühl, dass ich als Einzelperson oder auch ich als Unterzeichner von Online-Petitionen im EU-Rahmen *kein bißchen* Entscheidungskraft habe.
    Ich habe in letzter Zeit einige "Gegen-x-Petitionen" unterzeichnet, aber die EU (sollten das nicht die Bürger sein?) erscheint weit, weit weg.
    Letztes Beispiel:
    "Neuregelung der Saatgutverordnung" (das war leider nicht groß in den Medien, ist aber auch ein regulatorischer Lobbyismus-Irrsinn... Monsanto und Co. lassen grüßen...)

    Ich befürchte, vieles an "Wahnsinn" bekommt man gar nicht mit.
    Schade um die europäische Idee, grundsätzlich stehe ich nämlich absolut dahinter.

    Gerade Unterschrieben.

  5. 6. Lobby

    ZDF Zoom Dokumentation zum Thema:

    http://www.youtube.com/wa...

    Es geht um viel viel Geld.
    Da werden sich am Ende wohl die Lobbyisten durchsetzen. Nachdem es in den einzelnen Ländern viel Widerstand gibt, versucht man's nun über Europa. Wie praktisch, dass der Bürder da kaum mehr Einfluß hat...

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    Nachdem man es auf nationaler Ebene nicht hinbekommen hat nimmt man halt den europäischen Weg.
    Dann kann man ja hinterher sagen "Tut uns leid, aber das ist eben eine EU Richtlinie, daran müssen wir uns halten." und leider fürchte ich wird es diesmal kein BVfG geben, dass das wieder einkassiert.

    Also werden fröhlich Chemikalien in den Boden gepumpt, die wirtschaftlichen Interessen haben ja schließlich Vorrang vor allem. Wenn man dann – natürlich aus wirtschaftlichen Interessen – die Wasserwirtschaft komplett privatisiert hat (und die Firmen werden sich bestimmt sehr dafür einsetzen die Wasseraufbereitung ordentlich durchzuführen, schließlich sind wirtschaftliche Interessen ja nicht so wichtig, richtig?) werden wir – bzw. unsere Kinder/Enkel – wohl zusehen können wie wir mit dem Schlamassel zurecht kommen.

  6. ...vor einigen Wochen eine von "arte" gesendete Dokumentation zeigte, sind in den USA bereits verheerende Auswirkungen dieser Erschließungsart von Schiefergas zu besichtigen. Es war sehr interessant, welche Folgen dort für Menschen, Flora, Fauna und Landschaft festgestellt worden sind. Die USA meinen offenbar, in einem Land mit so großer Fläche komme es auf einen Schaden mehr oder weniger nicht an.
    Was mich von Anfang an gestört/verstört hat, ist, dass Deutschland einen EU-Kommissar Oettinger für das Amt "Umweltpolitik" benannt hat, der in seinem vorherigen politischen Leben weder durch besondere Aktivitäten noch kenntnisreiche Aussagen zu irgend einem Umweltthema aufgefallen ist. Da sind seine jetzigen Sprüche vohersehbar gewesen.
    Ich wette zudem, dass die Hern Bouffier und Seehofer sich jetzt zwar noch positiv dazu äußern, sich, wenn es brenzlig wird, wieder gneau so verhalten wie bei der Frage nach dem Atommüll: überall soll es das geben, aber nicht bei uns!
    Ich wette, dass

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    Oettinger ist Kommissar für Energie, nicht Umwelt.

    • CTB
    • 20. Mai 2013 11:49 Uhr

    Die Geologie Europas ist so unterschiedlich, dass sich alleine deshalb eine "einheitliche Regelung" verbietet. Ötti. muss einen Katalog zu Nutzen und Risiken erstellen lassen, dieser Katalog kann einige Zeit EU-weit debattiert und bedarfsweise geändert werden. Anschliessend muss jede Region, die dies "Schiefergas" fördern will, diesen Katalog mit betroffenen Nachbarregionen verhandeln. Wenn alle zustimmen, kann gefördert werden.

    Es wäre schön, wenn die EU-Bürger endlich den Brüsseler Allmachtsträumen ein Ende bereiten könnten. Erst, wenn Brüssel demokratisch legitimiert ist, darf es irgendwelche Vorschriften machen. Wer jemals die deutsche Nationalhymne gesungen hat, und den Text versteht, wird das Wort EU, Brüssel oder Europa nicht gefunden haben. Mir reicht mein nicht enden wollender Geldtransfer nach Berlin oder Bremen, da muss sich in die Reihe der Bettler nicht auch noch Zypern oder Malta anstellen wollen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, afp, dpa, dk
  • Schlagworte Günther Oettinger | Europäische Union | Fracking | Erdgas | US-Regierung | Frankreich
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