In diesen Tagen dreht sich die politische Diskussion in Amerika immer mehr um den Bürgerkrieg in Syrien.

Es gibt ein amerikanisches Phänomen, das ich seit meiner Jugend immer wieder beobachtet habe: Zuerst erscheinen Presseberichte über Greueltaten in irgendeinem Konflikt in irgendeinem fernen Land. Dann wollen die ersten wissen: Warum tut niemand etwas? Und das ist keine scheinheilige Frage. Wir leiden mit und wissen: Amerika ist in der Lage, etwas zu tun – also ist es nur logisch, dass es etwas tun muss.

Als nächstes nimmt die Regierung dazu Stellung. Der Präsident gibt bekannt, dass man sich Sorgen macht. Zum Beispiel, weil möglicherweise Giftgas eingesetzt wurde. Hoppla! Langsam wird’s ernst. Hastig erheben sich die Stimmen der Vernunft: Denkt daran, wie es das letzte Mal ausging, als wir eingegriffen haben. Wir können nicht überall Probleme lösen.

Erfahrungsgemäß kommen diese "Leute, seid vernünftig"-Appelle unmittelbar vor der konkreten Entscheidung, einzugreifen oder nicht einzugreifen. In der Syrien-Krise haben die USA diese Phase jetzt erreicht. Mit anderen Worten: Amerika fängt wieder an, über Krieg zu diskutieren.

Und nun frage ich mich: Warum ist das nicht auch in Deutschland so?

Deutschland ist die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt, die führende Nation der EU – die wiederum die zweitmächtigste Wirtschaftsmacht der Welt ist – und ist nebenbei auch der drittgrößte Waffenlieferant der Welt. Ein Land also, das einflussreich genug ist, auf der internationalen Bühne etwas zu bewegen – zwar nicht mit militärischen Mitteln, aber auf jeden Fall mit wirtschaftlichen und diplomatischen.

Doch während Amerika als mächtigstes Land der Welt regelmäßig ein Verantwortungsgefühl beschleicht für das, was in der Welt passiert, fühlt sich Deutschland zu nichts verpflichtet. Wie gesagt, nicht aus Unvermögen und auch nicht, weil es unmoralisch wäre, leidenden Menschen zu helfen. Der Grund ist ein anderer. Ich nenne ihn die "Ich-bin-nur-Zuschauer-Mentalität".