Er hat gerne die blaue Ledertasche dabei. Dort sind seine halben Sätze drin. 

Wenn es so weit kommen sollte ...

Wenn das Ergebnis tatsächlich feststeht ...

Wenn man das mal voraussetzt ...

Mit klaren Worten kommt man schneller auf den Punkt. Aber nicht immer zum Ziel. Juristen reden deshalb oft mit angehängter Einschränkung. Funktionäre auch. Und Politiker. Er ist das alles. Halbe Sätze hat er immer parat. Vielleicht ist er bald der mächtigste Mensch seiner Welt. Wenn ...

Auf seiner Tasche sind die Olympischen Ringe eingedruckt. Sie sind das Versprechen auf Ruhm durch Sport. Für ihn geht’s um Ruhm durch Sportpolitik. Er ist schon der zweitmächtigste Mensch seiner Welt. Ohne Wenn. Ohne Aber.

Ein normaler Nachmittag im Frühling. Fernbahnhof Frankfurt am Main. Der Zug rollt ein. Thomas Bach greift seine Tasche und den Rollkoffer. Darin sind Hemden verstaut. Auf denen ist ein Logo eingestickt: "ThB". Er fährt zu einem Sportkongress. Über die deutsche Grenze. Hinter ihm fliegt Landschaft vorbei. Sein Rücken lehnt am Zugfenster. Seine Augen folgen drinnen Vorbeigehenden. Seine Hände folgen seinen Worten. Sie zählen auf. "Bundespräsident", der erste Finger schnellt hoch. "Bundeskanzlerin", zwei. Dann die Ministerien: Verteidigung, Außen, Innen, Arbeit. Mit all denen hat Deutschlands Sportchef zu tun. "Was haben wir noch?", fragt Bach ins Abteil. Der nächste Finger antwortet: Landwirtschaftsministerium. Überall hat er Projekte. Seine Finger reichen gerade aus.

Bald könnte er noch mehr zu tun bekommen. Bach will im Herbst Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) werden. Bisher ist er Vize. Und Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Er kandidiert nach langem Zögern. Das hat er am Donnerstag seiner Welt erklärt. Und den anderen. Auf der Pressekonferenz in Frankfurt am Main wirkt er heiter. Kameras filmen sein Lächeln. Mikros nehmen nette Worte auf.

"Als Sportler liebt man Wettkampfsituationen."

"Der Wahlkampf erinnert an gute alte Athletenzeiten."

"Man ist jetzt auf dem Weg in die Vorbereitung, ins Trainingslager, wenn man so will."

Wenn. Man.

Eigentlich ist es ganz einfach. Das IOC in Lausanne ist die wichtigste Sportorganisation der Welt. Er wäre deren wichtigster Mann. Das hat noch kein Deutscher geschafft. Er könnte einfach sagen: Ich.

Herr Bach, können Sie mal diese Halbsätze weglassen?

Er lacht zur Antwort. Es schallt im Zugabteil. Seine randlose Brille wackelt. "Leider nein." Aha, der Mann kann auch kurz. Er ändert seine Taktik, seine Worte. Wenn es passt.

Um Thomas Bach zu erklären, dieses Phänomen eines kleinen quirligen Sportaufsteigers aus Tauberbischofsheim, der zum Olympiasieger im Fechten wurde und nun mit 59 Jahren zum Sieger beim olympischen Machtausfechten werden will, kann man natürlich auch Umwege nehmen – Nebengeschichten, Nebengleise, Nebensätze.