Thomas BachDer Mann der halben Sätze

Thomas Bach will als erster Deutscher Präsident des IOC werden. Seine Taktik, sich bedeckt zu halten, könnte ihm auf dem Weg ins wichtigste Amt des Weltsports helfen. von Robert Ide

Thomas Bach

Thomas Bach  |  © Alex Grimm/Bongarts/Getty Images

Er hat gerne die blaue Ledertasche dabei. Dort sind seine halben Sätze drin. 

Wenn es so weit kommen sollte ...

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Wenn das Ergebnis tatsächlich feststeht ...

Wenn man das mal voraussetzt ...

Mit klaren Worten kommt man schneller auf den Punkt. Aber nicht immer zum Ziel. Juristen reden deshalb oft mit angehängter Einschränkung. Funktionäre auch. Und Politiker. Er ist das alles. Halbe Sätze hat er immer parat. Vielleicht ist er bald der mächtigste Mensch seiner Welt. Wenn ...

Auf seiner Tasche sind die Olympischen Ringe eingedruckt. Sie sind das Versprechen auf Ruhm durch Sport. Für ihn geht’s um Ruhm durch Sportpolitik. Er ist schon der zweitmächtigste Mensch seiner Welt. Ohne Wenn. Ohne Aber.

Ein normaler Nachmittag im Frühling. Fernbahnhof Frankfurt am Main. Der Zug rollt ein. Thomas Bach greift seine Tasche und den Rollkoffer. Darin sind Hemden verstaut. Auf denen ist ein Logo eingestickt: "ThB". Er fährt zu einem Sportkongress. Über die deutsche Grenze. Hinter ihm fliegt Landschaft vorbei. Sein Rücken lehnt am Zugfenster. Seine Augen folgen drinnen Vorbeigehenden. Seine Hände folgen seinen Worten. Sie zählen auf. "Bundespräsident", der erste Finger schnellt hoch. "Bundeskanzlerin", zwei. Dann die Ministerien: Verteidigung, Außen, Innen, Arbeit. Mit all denen hat Deutschlands Sportchef zu tun. "Was haben wir noch?", fragt Bach ins Abteil. Der nächste Finger antwortet: Landwirtschaftsministerium. Überall hat er Projekte. Seine Finger reichen gerade aus.

Bald könnte er noch mehr zu tun bekommen. Bach will im Herbst Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) werden. Bisher ist er Vize. Und Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Er kandidiert nach langem Zögern. Das hat er am Donnerstag seiner Welt erklärt. Und den anderen. Auf der Pressekonferenz in Frankfurt am Main wirkt er heiter. Kameras filmen sein Lächeln. Mikros nehmen nette Worte auf.

"Als Sportler liebt man Wettkampfsituationen."

"Der Wahlkampf erinnert an gute alte Athletenzeiten."

"Man ist jetzt auf dem Weg in die Vorbereitung, ins Trainingslager, wenn man so will."

Wenn. Man.

Eigentlich ist es ganz einfach. Das IOC in Lausanne ist die wichtigste Sportorganisation der Welt. Er wäre deren wichtigster Mann. Das hat noch kein Deutscher geschafft. Er könnte einfach sagen: Ich.

Herr Bach, können Sie mal diese Halbsätze weglassen?

Er lacht zur Antwort. Es schallt im Zugabteil. Seine randlose Brille wackelt. "Leider nein." Aha, der Mann kann auch kurz. Er ändert seine Taktik, seine Worte. Wenn es passt.

Um Thomas Bach zu erklären, dieses Phänomen eines kleinen quirligen Sportaufsteigers aus Tauberbischofsheim, der zum Olympiasieger im Fechten wurde und nun mit 59 Jahren zum Sieger beim olympischen Machtausfechten werden will, kann man natürlich auch Umwege nehmen – Nebengeschichten, Nebengleise, Nebensätze.

Leserkommentare
    • wolki
    • 10. Mai 2013 12:12 Uhr
    1. [...]

    Entfernt. Doppelposting. Danke, die Redaktion/jk

    • wolki
    • 10. Mai 2013 12:21 Uhr

    für Ihn. Am Schluss gehts gar nicht um Olympia sondern nur um Macht, Einfluss und Geld. Thomas Bach ist sicher ein Mann der sich im Sport verdient gemacht hat. Leider befürchte ich, dass er jetzt, wo er so weit oben gelandet ist, auch nur jemand ist, der nach Macht und Einfluss giert. Beim IOC geht es schon lange nicht mehr um die Sportler und den Sport sondern nur noch um Lobby und alles was damit zusammen hängt - das braucht eigentlich kein Mensch.

    Eine Leserempfehlung
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    Zitat: Thomas Bach ist sicher ein Mann der sich im Sport verdient gemacht hat.

    Wie denn?

  1. 3. [...]

    Entfernt. Bitte achten Sie auf eine sachliche Wortwahl. Danke, die Redaktion/jk

  2. Zitat: Thomas Bach ist sicher ein Mann der sich im Sport verdient gemacht hat.

    Wie denn?

    Antwort auf "Tolle Sache"
  3. Oh Mann, wenn ich schon lese:"Morgens macht er langsam: Kaffee, Zeitung, Blackberry, "vor 9 Uhr rede ich kaum mit jemandem". Danach werden es oft 16 Stunden am Stück, zwischendurch lässt er sich die aktuellen Sportergebnisse durchgeben", was ein Macher. Er isst nicht, trinkt nicht und ist unser Held der Arbeit, dagegen war Stachanov ja geradezu ein Faulpelz.
    Es draengt sich vielmehr die Frage auf, was macht der Mann eigentlich wirklich? Darueber nachdenken, welche Spasssportart demnachst olympisch wird und welche rausfliegt, den ganzen Tag Bestechungsgelder umverteilen, oder mit Intendanten darueber verhandeln, wie man sich einen noch einen groesseren Kuchen an den TV Beitraegen zuschustern kann, um als Gegenleistung die TV-Zuschauer stundenlang mit Loipenrennen zu begluecken, bei denen die Sportler wie Litfasssaeulen auftreten?

    4 Leserempfehlungen
    • claas2
    • 11. Mai 2013 0:39 Uhr

    Ein passendes Porträt über den mächtigsten deutschen Sportfunktionär. Leider schmälern peinliche inhaltliche Fehler die Glaubwürdigkeit des Textes: Das Autokennzeichen von Tauberbischofsheim ist TBB und nicht TTB. Und nicht Dieter sondern Uli Hoeneß ist bei der Politik in Ungnade gefallen. Schade.

  4. glatt, undurchschaubar, prinzipienlos, und ständig Phrasen absondernd...

    Was ich mich immer wieder frage: Muss man so sein, um in diese Positionen zu kommen?

    Vermutlich ja.

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  • Schlagworte Thomas Bach | Helmut Schmidt | Jacques Rogge | Michael Vesper | IHK | IOC
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