ZEIT-ONLINE-UmfrageFast jeder Zweite findet digitale Überwachung richtig

Deutsche Internetnutzer wollen nicht auf Facebook und Skype verzichten - auch wenn Daten an den US-Geheimdienst gelangen. Viele finden die digitale Überwachung sogar gut.

Computerbildschirm mit Facebook-Logo im Rahmen einer Lupe

Im Auftrag von ZEIT ONLINE führte YouGov eine repräsentative Umfrage zur Online-Nutzung durch.  |  © Thomas Hodel/Reuters

Auch wenn der US-Geheimdienst mithört: Die deutschen Internetnutzer wollen nicht auf beliebte Dienste wie Facebook, Skype oder Google Mail verzichten. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag von ZEIT ONLINE gab fast die Hälfte der Befragten an, diese Dienste weiterhin für die private, vertrauliche Kommunikation nutzen zu wollen. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Unternehmen wie Skype und Facebook seit Jahren Daten über Telefongespräche und E-Mails an US-Behörden weitergeben. Gesammelt werden die Daten bei der NSA, einem Geheimdienst der USA, der damit vor allem Terroristen auf die Spur kommen will.

Von den neugierigen US-amerikanischen Agenten lassen sich die meisten deutschen Internetnutzer aber offenbar nicht abschrecken, wie die Umfrage zeigt. 49 Prozent der Befragten sagten, dass sie sich trotz der neuesten Enthüllungen nicht von den USA überwacht fühlten und fast genau so viele gaben an, die beliebten Internetdienste weiter nutzen zu wollen. Überraschenderweise finden es viele Deutschen offenbar sogar gut, wenn Regierungen das Internet nach verwertbaren Informationen durchkämmen, um damit Terroranschläge oder Verbrechen zu verhindern. 40 Prozent der Befragten in der YouGov-Umfrage fanden es richtig, dass Staaten die Kommunikation im Internet überwachen, um sich zu schützen. Sogar die Mehrheit der befragten FDP-Wähler war für staatliche Überwachung im Internet. Einzig bei den Wählern der Grünen und der Linkspartei lehnten die meisten den digitalen Lauschangriff ab.

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Misstrauisch sind laut der Umfrage vor allem die jüngeren Internetnutzer. In der Altersgruppe zwischen 18 und 24 Jahren waren nur 28 Prozent der Meinung, dass der Staat Internetdienste auswerten sollte. Trotzdem wollen gerade die Jüngeren nicht auf Skype, Facebook und YouTube verzichten. Gerade einmal 22 Prozent wollen die Dienste ab sofort nicht mehr nutzen. Unter allen Internetnutzern ist es immerhin mehr als jeder Dritte. Vor allem ältere Menschen zwischen 45 und 54 Jahren wollen ihr Verhalten ändern. Hier gaben 41 Prozent an, die überwachten Internetdienste in Zukunft zu meiden.

Die Umfrage zeigt noch etwas: Menschen mit besserer Schulbildung gehen offenbar sorgloser mit ihren Daten um als andere. Unter den Befragten mit Abitur wollen 55 Prozent die Internetdienste, die der NSA auswertet, weiter nutzen. Bei Menschen mit Realabschluss waren es mit 42 Prozent deutlich weniger.

Die Umfrage wurde in Kooperation mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov durchgeführt. Sie basiert auf Onlineinterviews mit Teilnehmern des YouGov-Panels, das weltweit bereits 2,5 Millionen Mitglieder zählt. Für die vorliegende repräsentative Umfrage befragte YouGov vom 10. bis 12. Juni 1.050 Menschen.

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Leserkommentare
  1. 1. Juhuu

    "Wir geben unsere Freiheit auf, um unsere Freiheit zu schützen!"
    Oder wie soll ich das Ergebnis dieser Umfrage werten?

    25 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/jp

    Die Logik dahinter ist wie beim (überflüssigen) Datenschutz ganz einfach: Wenn es eine hinreichende Anzahl Menschen gibt, die es chic finden, ihre persönlichen Geschäfte in aller Öffentlichkeit z. B. auf Facebook zu managen, wird der Rest der Bevölkerung automatisch zu gleicher Öffentlichkeit gezwungen.

    Hier ist ein Beispiel für meisterhaft gelungene Überwachungstechnik:

    http://www.uberwach.de/

    Bekämpft wirkungsvoll den Staatsterror.

  2. "Die Umfrage wurde in Kooperation mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut YouGov durchgeführt. Sie basiert auf Onlineinterviews mit Teilnehmern des YouGov-Panels, das weltweit bereits 2,5 Millionen Mitglieder zählt."

    Wundern Sie sich wirklich, wenn eine Umfrage unter Personen, die freiwillig im Internet an Meinungsumfragen zu mehr oder weniger persönlichen Dingen teilnehmen, ergibt, daß viele dieser Personen ihre Privatsphäre nicht interessiert?!?

    47 Leserempfehlungen
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    daß selbst unter diesen Leuten "noch nicht jeder zweite" das richtig findet.

    Also schließe ich eher daraus, daß wenn diese Umfrage unter "repräsentativen" Bedingungen gemacht worden wäre (die normalen WWW-User halt), es nicht nicht mal jeder zehnte für gut befunden hätte, ausspioniert zu werden ;)

  3. In der Frage und der Art, wie gefragt wird, liegt ja der Pfeffer begraben.

    Vielleicht kann man das nachliefern.

    Beste Grüße
    FSonntag

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    • GDH
    • 12. Juni 2013 17:15 Uhr

    Die genaue Fragestellung wäre tatsächlich interessant.

    Man kann ja z.B. fragen ob jemand dafür ist, dass "Regierungen das Netz überwachen soweit es für die Sicherheit der Bevölkerung notwendig ist". Da dürfte streng genommen niemand mit "nein" antworten, weil man das, wogegen man ist, ja nicht "notwendig" findet (und danach ist dann nicht gefragt).

    Man kann auch fragen, ob Leute es gut finden, dass Regierungen Leute überwachen, die niemals informiert werden (besonders nicht, wenn keine Straftaten aufgedeckt werden) und sich dagegen entsprechend nichtmal rechtlich wehren können.

    Je nach Formulierung dürfte die Zustimmung sehr unterschiedlich aussehen.

    Genauso die Frage nach dem "weiter Nutzen":
    Wer auf youtube Videos veröffentlicht, wird die Frage womöglich mit "ja" beantworten. Das ist dann aber kein Zeichen, dass die Überwachung allgemein nicht stört, sondern nur dafür, dass Leute z.B. unterscheiden, was sie über welchen Dienst schicken (und ggf. verschlüsseln).

    Auch der Zusammenhang mit der Bildung ist garnicht abwegig:
    Hätte die Frage gelautet, ob man diese Dienste "genauso", "weniger" oder "garnicht" nutzen will, hätten Leute, die sich auch weiterhin ein Video angucken würden, wenn ein Freund einen Youtube-Link schickt, halt "weniger" angeben können.
    So werden sie unter "wollen weiter nutzen" gezählt.

  4. mal zur Pflichtlektüre in deutschen Schulen werden.

    Dieses Umfrageergebnis ist mehr als traurig.

    19 Leserempfehlungen
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    • Hagane
    • 12. Juni 2013 16:50 Uhr

    Vielmehr sollte "Brave new world" gelehrt werden, das scheint noch viel eher dem zu entsprechen was heutzutage abgeht...

    Es besteht allerdings noch Hoffnung:

    Ich hatte bereits mehrfach das Vergnügen mit - telefonischen - Meinungsumfragen. Wenn man sich darauf einlässt merkt man schnell, dass man wenig bis gar keinen Spielraum für differenzierte Antworten hat.
    Und wenn die Umfrage gar noch online gestartet wurde ist stark anzunehmen, dass vor allem solche Nutzer darauf eingehen, die sowieso jeden Unsinn ins Netz stellen.

    Ich weigere mich einfach zu glauben, dass die Masse wirklich so blöd ist, oder der Untergange des Abendlandes erfolgt schneller als gedacht .............

  5. Erschreckend.

    Dazu fällt mir spontan dieser Netzklassiker ein:

    "Pizza kaufen im Jahre 2050" .. zum Beispiel hier zu finden
    > http://www.feiern1.de/ske...

    Wissen ist Macht. Für die junge Generation ist "Macht-Mißbrauch" (ausdrücklich auch von staatlicher Seite!) wohl ein zu hypothetisches, ein zu historisches und zu fernes Szenario, um als Bedrohung wahrgenommen zu werden. Wir sind doch die Guten!

    Brandaktuelles Beispiel gefällig?
    Nach Mollath-Tweet: Besuch von der Polizei
    > http://gutjahr.biz/2013/0...

    Das ist nicht im Libanon, nicht in China, nicht im Jemen, nicht in Rußland, und nicht in der Türkei passiert - sondern hier bei uns.

    Aber wie, wenn nicht mit Informatik-Unterricht, der diese Bezeichnung auch verdient, und dem nachdrücklich demonstrierten Gebot der Datensparsamkeit, soll man so einem weitverbreiteten Leichtsinn begenen, wenn es inzwischen schon unter die Reizschwelle fällt, wenn der Staat Demonstranten einkesseln und zusammenwasserwerfern lässt?

    28 Leserempfehlungen
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    • deDude
    • 12. Juni 2013 15:35 Uhr

    .... ist's die junge Generation mal nicht die hier die Staatsgläubigkeit an den Tag legt.

    "In der Altersgruppe zwischen 18 und 24 Jahren waren nur 28 Prozent der Meinung, dass der Staat Internetdienste auswerten sollte."

    Ich habe eher die Erfahrung gemacht das meine Generation wenn es um den Staat geht inzwischen grundsätzlich eher vom Worst-Case (oder wie man seit Ulli Hoeneß's Steueräffäre sagt "Wurst-Case") ausgeht. Die "junge Generation" wurde inzwischen so oft ent- und getäuscht, die glaubt dem Staat gar nichts mehr.

    Nur schade, dass nicht der Ausgespähte, sondern der Späher und sein Auftraggeber dies entscheiden.

    Und da ist der Mauerfall noch keine 25 Jahre her.

    Frohes Erwachen

  6. daß selbst unter diesen Leuten "noch nicht jeder zweite" das richtig findet.

    Also schließe ich eher daraus, daß wenn diese Umfrage unter "repräsentativen" Bedingungen gemacht worden wäre (die normalen WWW-User halt), es nicht nicht mal jeder zehnte für gut befunden hätte, ausspioniert zu werden ;)

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Repräsentativ?"
    • jagu
    • 12. Juni 2013 15:29 Uhr

    .. man kann davon ausgehen, dass sich die Mehrzahl der Befragten nicht darüber im Klaren sind, wie "diese Überwachung" überhaupt aussieht und was sie für den einzelnen bedeuten.

    Zum anderen ist wohl kaum zu erwarten, dass Leute mit hohem Datenschutz-Bewustsein so eine Umfrage überhaupt mitachen.

    Hier kollidiert die Methode mit der Fragestellung der Umfrage.

    "Warum nehmen Sie nicht an einer Befragung teil" ist dann sicher die nächste Umfrage dieses Instituts...

    9 Leserempfehlungen
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    "Zum anderen ist wohl kaum zu erwarten, dass Leute mit hohem Datenschutz-Bewustsein so eine Umfrage überhaupt mitachen."

    Genau das wollte ich auch schreiben. Wer etwas auf Datenschutz gibt, der wird nicht irgendeinem Meinungsforscher einfach so seine Meinung aufdrücken. Daher kann die befragte Menge niemals wirklich Repräsentativ sein.

    Selbst bei den Wahlumfragen ist das problematisch. Da werden dann aus der Erfahrung heraus Faktoren für die Parteien verwendet. Das funktioniert nur dann, wenn überhaupt Erfahrungswerte durch die echten Wahlen überhaupt vorliegen.

    Ich gebe zumindest keinem "Meinungsforscher" Auskunft über meine persönlichen Einstellungen, da ich überhaupt nicht übersehen kann wozu die Daten verwendet werden. Vielleicht sind es ja auch Betrüger, die so versuchen etwas über mein Leben zu erfahren und mich dann später mit plausiblen Erklärungen übers Ohr hauen! Das kann das bei einer Befragung schließlich überhaupt nicht absehen oder überprüfen. Somit werde ich nie und nimmer einem "Meinungsforscher" irgendwas anderes mitteilen, als dass er es nicht noch einmal versuchen soll mich zu belästigen.

  7. Oder anders gesagt wollen 3/4 der Leute die diese Dienste am meisten Nutzen nicht überwacht werden, während mehr als die Hälfte der älteren Generationen die diese Dienste weniger nutzen möglichst viel überwachen wollen. Good news, bads news kinda thing...danke erstmal an die Generation die gerade an der Macht ist für dieses gute Beispiel wie man einen Rechtsstaat aushölt. Wir werden dann in wenigen Jahrzehnten hoffentlich noch in der Lage sein den Karren aus eurem Dreck zu ziehen.

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | Grüne | Die Linke | Abitur | Agent | Facebook
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