Ägypten : Anhänger und Gegner Mursis versammeln sich

Islamisten in Ägypten stemmen sich gegen die Entmachtung Mohammed Mursis. Zehntausende Anhänger der Muslimbruderschaft sind zu Solidaritätskundgebungen zusammengekommen.
Anhänger von Mohammed Mursi beten am Freitag, dem dritten Tag des Ramadan. © Spencer Platt/Getty Images

Die Unterstützer der Muslimbrüder hielten Bilder mit dem Bild Mursis in die Höhe und forderten lautstark dessen Rückkehr ins höchste Staatsamt. Zudem beschimpften sie Armeechef Abdel Fattah al-Sisi als Verräter.

Ihre Gegner von der Tamarud-Jugendbewegung luden zu einer Kundgebung anlässlich des Fastenmonats Ramadan auf dem Tahrir-Platz ein. Neue Zusammenstöße der verfeindeten Gruppen oder mit den Sicherheitskräften wurden nicht ausgeschlossen. In den vergangenen Tagen waren bei Gewaltakten mehr als 90 Menschen getötet worden.

Bei der zentralen Kundgebung der Islamisten in der Hauptstadt Kairo strömte eine große Menschenmenge vor die Rabaa-al-Adawija-Moschee, wo Anhänger Mursis seit zwei Wochen campieren. Die Teilnehmerzahl hielt sich im Vergleich zu den vorangegangenen Tagen in Grenzen. Allerdings wurde erwartet, dass mit Einbruch der Dunkelheit und dem Fastenbrechen im Ramadan noch weitere Protestler hinzukommen würden. Kundgebungen der Islamisten gab es zudem in Alexandria und etlichen anderen Städten.  

"Wir sind bereit, einen Monat, zwei Monate, ein Jahr oder sogar zwei Jahre zu bleiben", sagte der ultrakonservative salafistische Kleriker Safwat Hegasi zu den Demonstranten in Kairo. Einige der Protestler marschierten zum Hauptquartier der Republikanischen Garde weiter, wo am Montag bei Zusammenstößen mit Soldaten mehr als 50 Anhänger Mursis getötet wurden. Die Streitkräfte hatten Islamisten für den Gewaltausbruch verantwortlich gemacht. 

Haftbefehle gegen Muslimbrüder

Die Armee geht hart vor gegen die Führung der Muslimbruderschaft. Gegen eine Reihe von ihnen wurde diese Woche Haftbefehl erlassen, strafrechtliche Ermittlungen wurden eingeleitet.

Einige Führer der Muslimbruderschaft hielten sich derzeit dauerhaft in einem Gesundheitszentrum auf, sagte der Sprecher der Bruderschaft, Ahmed Aref. Sie würden nicht vor der Haft fliehen. In dem Zentrum befinden sich unter anderem der führende Muslimbruder Mohammed al-Beltaki sowie der stellvertretende Chef des politischen Arms der Gruppe, Essam al-Erian. Wo sich jedoch der geistliche Führer Mohammed Badia aufhalte, wisse er nicht, sagte Aref. 

Westerwelle fordert Freilassung Mursis

Mursi selbst wird nach seiner Entmachtung am 3. Juli an einem unbekannten Ort festgehalten. Neben dem ehemaligen Staatschef sind noch fünf andere führende Mitglieder seiner Muslimbruderschaft in Haft. Erst am Donnerstag hatte die ägyptische Staatsanwaltschaft angekündigt, Vorwürfen nachzugehen, wonach Mursi and 30 weitere Muslimbrüder während der Revolution im Jahr 2011 mithilfe der militanten palästinensischen Hamas aus der Haft geflohen sind. 

Bundesaußenminister Guido Westerwelle forderte die Freilassung Mursis. Jede Form der politischen Verfolgung sei für die Zukunft Ägyptens außerordentlich schädlich, sagte Westerwelles Sprecher in Berlin. "Wir fordern deshalb auch ein Ende der aufenthaltsbeschränkenden Maßnahmen für Herrn Mursi."

USA gegen willkürliche Verhaftungen

Die amerikanische Regierung appellierte an die ägyptische Armee, die "willkürlichen Verhaftungen" von Muslimbrüdern zu stoppen. Sie seien nicht vereinbar mit einer nationalen Versöhnung, die sich Interimsregierung und Militärführung nach eigenen Worten zum Ziel gesetzt hätten, erklärte die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki. "Wenn die politischen Verhaftungen so weitergehen, ist es schwer vorstellbar, wie Ägypten aus seiner Krise wieder herauskommen will."

Die westlichen Regierungen treibt vor allem die Sorge um, eine willkürliche Siegerjustiz könnte Teile des islamistischen Spektrums in den Untergrund abdrängen und radikalisieren. Schon jetzt kommt es auf dem Sinai fast täglich zu Attentaten von Extremisten auf Polizisten und Soldaten, die aber bisher noch nicht auf das Kernland Ägyptens übergegriffen haben.

Am Donnerstag wurde die Leiche eines koptischen Christen gefunden, dem seine Kidnapper den Kopf abgeschnitten hatten. Unbekannte eröffneten das Feuer auf den Wagen des obersten Armee-Kommandeurs auf der Halbinsel, General Ahmed Wasfy. Ein fünfjähriges Mädchen, das in den Schusswechsel geriet, starb.

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Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Zweifelhafte Mehrheits-Ermittlung

Zunächst einmal ist es,bei Zugrundelegung des demokratischen Mehrheitsprinzips,nicht entscheidend wer zu einem beliebig ausgewählten Zeitpunkt die Stimmen-Mehrheit besitzt.Nur weil bspw. Angela Merkel bei einem Polit-Barometer weniger Prozente einholt als z.B. Peer Steinbrück, heisst das nicht zwangsläufig dass Angela Merkel deswegen als Kanzlerin abgesetzt wird (oder wie in diesem Fall sogar ins Gefängnis landet, siehe Mursi). Relevant sind die Stimmen-Anteile zum ZEITPUNKT der WAHLEN, und nicht die Auswertung von Umfragen vor oder nach den Wahlen. Wäre es nicht so, könnte jeden Tag ein neuer Präsident bzw eine neuer Kanzler(in) die Staatsherrschaft für sich proklamieren. Chaos würde herrschen. Wenn Obama heute nicht die selbe Beliebheit hat wie Mitt Romney, macht das Mitt Romney noch lange nicht zum neuen Präsidenten der USA. Im Übrigen liegt es in der Natur der Dinge, dass Politiker im ersten Jahr nach Ihren Wahlsiegen an Popularität einbüßen. Darüberhinaus ist es in Ägypten so gewesen, dass Mursi insbesondere durch proaktives Eingreifen von Mubarak-Gefolgschaften, welche auch in der Zeit nach der 30-jährigen Diktatur noch Einfluss auf große Wirtschaftszweige inne haben, immensen Volks-Zorn auf sich zog. Dabei sollte jedem Beobachter spätestens jetzt, wo doch plötzlich keine Benzin- und Strom-Versorgungsengpässe mehr präsent sind, klar sein, dass diese Knappheit an Energie-Reserven keineswegs in kausalem Zusammenhang mit Mursis Politik in Verbindung gebracht werden kann.

@verstandundherz

„wie schon lange bekannt und von Insidern immer wieder betont, handelt es sich bei dem ägyp. Volk um mindestens 50% Islamisten, wenn nicht mehr, man darf gespannt sein ,auf die nächsten Wahlen, ich bin sicher, sie wählen wieder einen "Mursi".“
Schrieb wallsummer. Auf diese Prognose habe ich geantwortet!

Sie haben recht, dass bei Wahlen nur die gültigen Stimmen zählen. Doch im September zählen in Deutschland die Stimmen von 2013 und nicht die Stimmen von 2009.

Eine Prognose für September 2013 erstellt man auch auf Basis von Umfragen mit der „Sonntagsfrage“. So etwas gibt es für Ägypten nicht. Deshalb habe ich Wahlen, Umfragen und die Unterschriftensammlung zu Rate gezogen, um selbst eine Prognose abzugeben.

Im Gegensatz zum Vorposter stelle ich in Ägypten einen Meinungswandel weg von den Islamisten fest. Das muss niemandem gefallen. Es kennt auch keiner den Wahlausgang bei der nächsten Wahl, weshalb es kein richtig oder falsch gibt!

Zweifelhaft ist nicht die Ermittlung, sondern allenfalls die Übereinstimmung mit dem künftigen Wahlergebnis!