NSAGoogle fordert mehr Transparenz bei Überwachung

Chefjurist David Drummond lobt die deutschen Regelungen und verteidigt sein Unternehmen im NSA-Skandal. Frankreich verteidigt unterdessen seine Abhörpraktiken.

David Drummond, der Chefjurist von Google, im April in Washington

David Drummond, der Chefjurist von Google, im April in Washington  |  © Andrew Harrer/Bloomberg/Getty Images

Google fordert die USA und andere Staaten zu mehr Transparenz bei der Internetüberwachung auf. Die Firma verweist dabei auf entsprechende Regelungen in der Bundesrepublik. "In Deutschland bietet beispielsweise die Bundesnetzagentur wesentlich mehr Transparenz als die entsprechenden Einrichtungen in den meisten anderen Ländern", schreibt der Chefjurist von Google, David Drummond, in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Er verweist auf den Jahresbericht der Bundesnetzagentur von 2011, nach dem die Regulierer 34 Millionen Anfragen deutscher Behörden an Unternehmen weitergegeben haben.

Die Anschuldigungen zu geheimen Überwachungen bei Google seien "kafkaesken Ausmaßes". Google erlaube Regierungen kein direktes Absaugen der Nutzerdaten von Firmenrechnern, schrieb er erneut. "Es gibt keine 'Hintertür', 'Seitentür' oder 'versteckte Tür'. Wir haben uns weder Prism noch irgendeinem anderen staatlichen Überwachungsprogramm angeschlossen." Nach Darstellung des Exgeheimdienstlers Edward Snowden erlaubt Prism dem US-Geheimdienst NSA weitreichenden Zugriff auf Nutzerdaten vieler großer Internetunternehmen.

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Wie genau dieser Datenaustausch stattfindet, ist umstritten. Die Internetfirmen, darunter Google, wehren sich seit Bekanntwerden von Prism nachdrücklich gegen den Eindruck, die NSA könne nach Belieben Nutzerinformationen abgreifen. "Unsere Rechtsabteilung prüft jedes Ersuchen" nach Nutzerdaten, schreibt Drummond.

Google, Microsoft, Yahoo und Facebook versuchen gleichzeitig, Druck auf die US-Regierung auszuüben. Sie wollen weitere Informationen über bisher geheime Anfragen veröffentlichen dürfen. Es sei unklar, "warum sowohl die Art als auch der Umfang von Überwachungsmaßnahmen durch verschiedene Staaten so unbedingt geheimgehalten werden", schreibt Drummond. 

Frankreich weist Kritik zurück

Unterdessen wies die französische Regierung Kritik an ihren Geheimdienstprogrammen zur Überwachung der elektronischen Kommunikation zurück. Alle Tätigkeiten würden durch ein entsprechendes Gesetz aus dem Jahre 1991 geregelt, sagte ein Sprecher am Freitag. Dieses sehe vor, dass Premierminister Jean-Marc Ayrault allen Überwachungsmaßnahmen zustimmen müsse. Eine Kontrolle der Entscheidungen erfolge durch die unabhängige Kommission CNCIS. Ihr gehören auch Abgeordnete aus dem Parlament an.

Die Tageszeitung Le Monde hatte zuvor berichtet, in Frankreich gebe es ein riesiges illegales Big-Brother-Programm. Demnach speichert der Auslandsnachrichtendienst DGSE systematisch Verbindungsdaten zu Telefongesprächen, SMS und E-Mails, die über französische Leitungen gehen. Selbst Informationen zu Twitter- und Facebook-Nachrichten würden jahrelang illegal aufbewahrt und bei Bedarf auch von anderen Diensten und dem Zoll ausgewertet.

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Leserkommentare
  1. Google & Facebook tun das, was bei Prism illegal ist. Diese privaten Firmen werden genauso wenig überwacht wie die NSA.
    Transparenz bei Google & Co ... da fehlt nur noch, dass die den deutschen Datenschutz begrüßen.

    6 Leserempfehlungen
    • hairy
    • 05. Juli 2013 21:00 Uhr

    Man befürchtet Nutzerabwanderungen. Das ist alles. In Sachen Transparenz und Nutzerrechte hat Google ja auch ohne NSA genug Defizite. Zuletzt:

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Hamburgs-Datenschutzbeauftragter-...

    Kann jedem nur empfehlen, einen Adblocker zu gebrauchen (der auf guten Netzseiten freilich deaktivierbar ist ) - und andre Suchmaschinen zu gebrauchen. ZB. ixquick,

    2 Leserempfehlungen
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    Oder:

    startpage.com

    ...aus dem selben Haus (NL).
    Dort ist Datenschutz nicht erst seit gestern ein Thema.

    Mangels Alternativen erhalten Sie dort zwar auch Google-Ergebnisse, Google erhält jedoch nicht ihre Daten.

  2. Was wäre denn, wenn Mr. Snowden kein Whistleblower sondern ein ganz normaler Verbrecher gewesen wäre und einige GB brisante Informationen an das organisierte Verbrechen verkauft hätte? Wer sagt denn, dass die Daten der NSA nicht eher "augumented reality" sind als das Ergebnis einer neutralen Überwachung der Netze?

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    Brauchen wir tatsächlich noch weitere Informationen?

    Ich glaube nicht, eindeutiger als die antidemokratischen Reaktionen unserer Politiker kann es nicht mehr werden.

    Und, ist es zudem nicht auffällig dass es seitens der USA noch nicht mal zu einer der üblichen* Diffamierungskampagnen gegen Sownden gereicht hat?

    * ("gute amerikanische Gründe" gab es immer, von Agent Orange bis Iraks Chemiewaffen)

  3. Google hat die Öffentlichkeit angelogen und paktiert mit den US-Geheimdiensten in einem noch wesentlich höherem Umfang als bisher zugegeben. Das geht bis in die updates der Betriebssysteme, um auf allen vorhandene Smartphones ein Spionageprogrammen zu installieren, der es dem US-Geheimdienst möglich macht, unter allen Sicherheitssystemen unter durch zutauchen und direkt das System zu übernehmen.

    Glaubt dem kein Wort.

    3 Leserempfehlungen
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    und Beweise rausholen. Google hat überhaupt keinen Grund freiwillig Nutzerdaten weiterzugeben, die sind schliesslich das größte Kapital des Unternehmens. Insofern glaube ich, dass sie nur rausrücken, wozu sie nach richterlicher Anordnung gezwungen werden. Was natürlich nicht heißt, dass die NSA nicht auf anderen, illegalen Wegen Daten abgreift.
    Über geheime Spionagetools in einem von zigtausend Entwicklern genutzten Open Scource-OS braucht man egtl nicht zu diskutieren...

    Google betreibt seit langem Cyber-Imperialismus auf massivste Weise.

    Google gibt uns eine tolle Suchmaschine, tolle kostenlose Tools, ein flottes Betriebssystem, billige Hardware - im Gegenzug will Google unsere Seele.

    Dieser Deal funktioniert bestens, insbesondere in Deutschland nimmt man gerne alles was günstig & gratis - ohne zu fragen wie es zustandekommt.

    Aber nicht nur User sind betroffen, sondern auch IT-Unternehmen die gegen Googles kostenlose Tools keine Chance haben (Google Analytics u.w.), eigene Dienste erfolgreich am Markt zu platzieren.

  4. und Beweise rausholen. Google hat überhaupt keinen Grund freiwillig Nutzerdaten weiterzugeben, die sind schliesslich das größte Kapital des Unternehmens. Insofern glaube ich, dass sie nur rausrücken, wozu sie nach richterlicher Anordnung gezwungen werden. Was natürlich nicht heißt, dass die NSA nicht auf anderen, illegalen Wegen Daten abgreift.
    Über geheime Spionagetools in einem von zigtausend Entwicklern genutzten Open Scource-OS braucht man egtl nicht zu diskutieren...

    Eine Leserempfehlung
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    • dth
    • 06. Juli 2013 0:08 Uhr

    Warum sollte ausgerechnet ein Opensource-OS so gefährdet sein?
    Glauben Sie, die verantwortlichen Entwickler wären doof genug, solche Änderungen anzunehmen? Oder keiner der zahlreichen Firmen, die diesen Code verwenden und anpassen, würde das merken?
    Oder sind die alle von der NSA gekauft? Aber warum sollte es einfacher sein, die Mitarbeiter zahlreicher großer Softwarefirmen zu kaufen als die eines einzelnen Unternehmens bei einem Closedsource-Produkt?

    Android = open source? Na ja, ein bisschen. Das Android SDK ist proprietär, die meisten Google Apps und Dienste auch. Android ähnelt eher einer Werbeplattform, als einem Betriebssystem. Da sind viele User misstrauisch.

    Google hat die Öffentlichkeit schon häufiger getäuscht. Glaubt denen noch irgendwer irgendwas?

    ... deshalb werden diese nicht weitergegeben sondern weiterverkauft. Gängige Geschaäftspraxis in den USA für Google, Facebook & Co ist diese Informationen an sogenannte Data Broker wie Acxiom, RapLeaf weiterzuverkaufen.

    "According to the Acxiom's website, it partners with companies including Yahoo, Google and Microsoft to help its clients better target consumers. And Datalogix partnered with Facebook earlier this year to track effectiveness of ads on the social site. "
    http://www.cnbc.com/id/100325068

    Die Data Broker verkaufen diese, teils sehr persönlichen, Informationen an Arbeitgeber, Krankenversicherungen, Banken, Internetseitenbetreiber usw.

    http://money.cnn.com/2010/10/21/technology/rapleaf/index.htm

    https://www.propublica.org/article/everything-we-know-about-what-data-br...

    http://www.zeit.de/2013/28/acxiom

    • dth
    • 06. Juli 2013 0:08 Uhr

    Warum sollte ausgerechnet ein Opensource-OS so gefährdet sein?
    Glauben Sie, die verantwortlichen Entwickler wären doof genug, solche Änderungen anzunehmen? Oder keiner der zahlreichen Firmen, die diesen Code verwenden und anpassen, würde das merken?
    Oder sind die alle von der NSA gekauft? Aber warum sollte es einfacher sein, die Mitarbeiter zahlreicher großer Softwarefirmen zu kaufen als die eines einzelnen Unternehmens bei einem Closedsource-Produkt?

    Eine Leserempfehlung
  5. Android = open source? Na ja, ein bisschen. Das Android SDK ist proprietär, die meisten Google Apps und Dienste auch. Android ähnelt eher einer Werbeplattform, als einem Betriebssystem. Da sind viele User misstrauisch.

    Google hat die Öffentlichkeit schon häufiger getäuscht. Glaubt denen noch irgendwer irgendwas?

    • vyras
    • 06. Juli 2013 3:04 Uhr

    ... und ihrem heiligen Versprechen, NIE die Profile ihrer Dienste zu verknüpfen, habe ich nicht über den Weg getraut. Aber definitiv zu wissen, was läuft, das ist noch mal eine andere Hausnummer. Meiner Ansicht nach wäre es dringend an der Zeit, die marktbeherrschende Stellung, die Google in etlichen Bereichen immer weiter ausbaut, von Staats wegen zu begrenzen und das Unternehmen aufzuteilen.

    Google hat keinerlei Interesse, den Wünschen von mächtigen US-Behörden, die großen Ärger bereiten können, gegenüber "sperrig" zu sein, nur um die Daten von irgendwelchen Kunden zu schützen! Das muss mir doch die Logik schon sagen. Sehr wohl hat das Unternehmen ein Interesse daran, das anders darzustellen, da der Glauben in die Vertrauenswürdigkeit des Unternehmens entscheidend ist.

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    Googles evil-Sprüche erschienen mir immer irgendwie sektenartig, nach dem Motto; mach es so wie es Google will und frag nicht ob es gut oder schlecht ist.

    Mit Ihrem übrigen Beitrag liegen Sie ebenfalls richtig.

    Googles Expansion und Macht kriegen Sie regulativ nicht mehr gezügelt - dafür ist es bereits zu spät.
    Einziges Gegenmittel sind alternative Dienste - die gibt es jedoch in D und EU nicht und sind auch nicht in Sicht.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, hs
  • Schlagworte Google | Microsoft | Edward Snowden | Prism | Bundesnetzagentur | Facebook
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