US-Außenminister John Kerry hat in monatelanger Kleinarbeit ein Wunder vollbracht. Zum ersten Mal seit 2010 wollen Israelis und Palästinenser in dieser Woche wieder miteinander reden – in Washington. Das tun sie mit langen Pausen und wenig Fortschritt seit zwanzig Jahren – seit jenem historischen Handshake Rabin–Arafat im Rosengarten des Weißen Hauses.

Wird's dieses Mal mehr sein?

Die guten Nachrichten sind deklaratorischer Natur. Am Sonntag verkündete Benjamin Netanjahu: Die Gespräche seien im "nationalen Interesse", es gelte, "einen binationalen Staat zwischen Jordan und Mittelmeer zu verhindern", sprich: das Ende des jüdischen Staates Israel.

Sein Gegenspieler, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, sagte Anfang Juli: "Sie sind unsere Nachbarn, und wir erkennen sie als solche an. Wir müssen in Sicherheit und Stabilität zusammenleben."

Eine zweite gute Nachricht ist taktischer Art. Es reden nicht die beiden Prinzipale wie in den drei quälenden Wochen von 2010, sondern ihre Hintersassen: Zipi Livni, die Justizministerin, und Saeb Erekat, palästinensischer Chefunterhändler seit zwanzig Jahren – eine längere Dienstzeit als die Hans-Dietrich Genschers im Außenamt.   

Der Vorteil? Das Licht der Öffentlichkeit ist weniger grell; es steht nicht gleich das Prestige der Chefs auf dem Spiel. Eine Ebene drunter lässt es sich entspannter parlieren. Aus Amerika käme der Veteran-Diplomat und Nahost-Kenner Martin Indyk als "Sonderbeauftragter" hinzu, zurzeit die Nummer zwei in einem Washingtoner Thinktank.

Die Hindernisse bleiben jedoch. Kein Wunder, dass die Emissäre erst einmal Gespräche über Gespräche führen wollen. Abbas will zum Beispiel einen Siedlungsstopp und die Freilassung verurteilter Gefangener; die Israelis haben 350 versprochen. Aber solche Entlassungen gab es schon früher. 2010 bekam Abbas einen Baustopp von zehn Monaten; die Gespräche brach er trotzdem nach drei Wochen ab. Heute ist Abbas, 78, der seit 2009 Wahlen verschiebt, daheim nicht stärker geworden.

Hinter den Unterhändlern lauert der Widerstand. Hamas, Islamischer Dschihad, selbst die Jungtürken in Abbas' Fatah verweigern Gespräche, wenn Israel nicht vorweg Schlüsselkonzessionen mache: einen totalen, nicht bloß befristeten Siedlungsstopp, dazu die Heiligsprechung der Grenzen von 1967. Doch die Israelis wollen seit 2000 einen Gebietstausch. Dagegen schweigen Netanjahus Quälgeister beredt. Sie glauben offenbar nicht, dass in Washington je gewichtige Zugeständnisse auf den Tisch kommen werden.  

Vorsorglich droht Naftali Bennet, Herr über zwölf Sitze in der Knesset und national-religiöser Siedlungsaktivist, schon mal mit dem Koalitionsbruch, falls sich sein Regierungschef auf "keine Grenzkorrektur" einlasse. Auch beide Prinzipale haben jetzt schon eine neue Hürde aufgestellt: Ihre Völker müssten ein Abkommen per Referendum absegnen. Möglich, aber nicht wahrscheinlich.

Wie nach dem Geplänkel über Bedingungen die grundsätzlichen Konflikte angepackt werden sollen, bleibt jedermanns Geheimnis. Als da sind: Grenzen, Jerusalem, Rückkehrrecht, Bewaffnung des Palästinenserstaates, israelische Sicherheitspräsenz im Westjordanland.

Anders ausgedrückt: Jede Seite müsste auf ihre Träume verzichten, einen faulen Kompromiss eingehen. Deshalb ein geflügeltes Wort zum Schluss, das dieser Autor vor zwei Jahren bei einer Strategietagung in Israel gehört hat: Die Palästinenser wollen ein Abkommen, aber nicht verhandeln; die Israelis wollen verhandeln, aber keinen finalen Deal. 

John Kerry, der Wunderheiler, wird sich noch wundern.