Israel-PalästinaHinter den Unterhändlern lauert der Widerstand

Zum ersten Mal seit Jahren verhandeln Israelis und Palästinenser diese Woche wieder über den Frieden. Josef Joffe fragt sich, ob es dieses Mal mehr Fortschritte geben wird. von 

Josef Joffe, 69, ist einer der Herausgeber der ZEIT. Von 2001 bis 2004 war er ihr Chefredakteur.

Josef Joffe, 69, ist einer der Herausgeber der ZEIT. Von 2001 bis 2004 war er ihr Chefredakteur.  |  © Vera Tammen

US-Außenminister John Kerry hat in monatelanger Kleinarbeit ein Wunder vollbracht. Zum ersten Mal seit 2010 wollen Israelis und Palästinenser in dieser Woche wieder miteinander reden – in Washington. Das tun sie mit langen Pausen und wenig Fortschritt seit zwanzig Jahren – seit jenem historischen Handshake Rabin–Arafat im Rosengarten des Weißen Hauses.

Wird's dieses Mal mehr sein?

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Die guten Nachrichten sind deklaratorischer Natur. Am Sonntag verkündete Benjamin Netanjahu: Die Gespräche seien im "nationalen Interesse", es gelte, "einen binationalen Staat zwischen Jordan und Mittelmeer zu verhindern", sprich: das Ende des jüdischen Staates Israel.

Sein Gegenspieler, Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, sagte Anfang Juli: "Sie sind unsere Nachbarn, und wir erkennen sie als solche an. Wir müssen in Sicherheit und Stabilität zusammenleben."

Eine zweite gute Nachricht ist taktischer Art. Es reden nicht die beiden Prinzipale wie in den drei quälenden Wochen von 2010, sondern ihre Hintersassen: Zipi Livni, die Justizministerin, und Saeb Erekat, palästinensischer Chefunterhändler seit zwanzig Jahren – eine längere Dienstzeit als die Hans-Dietrich Genschers im Außenamt.   

Der Vorteil? Das Licht der Öffentlichkeit ist weniger grell; es steht nicht gleich das Prestige der Chefs auf dem Spiel. Eine Ebene drunter lässt es sich entspannter parlieren. Aus Amerika käme der Veteran-Diplomat und Nahost-Kenner Martin Indyk als "Sonderbeauftragter" hinzu, zurzeit die Nummer zwei in einem Washingtoner Thinktank.

Die Hindernisse bleiben jedoch. Kein Wunder, dass die Emissäre erst einmal Gespräche über Gespräche führen wollen. Abbas will zum Beispiel einen Siedlungsstopp und die Freilassung verurteilter Gefangener; die Israelis haben 350 versprochen. Aber solche Entlassungen gab es schon früher. 2010 bekam Abbas einen Baustopp von zehn Monaten; die Gespräche brach er trotzdem nach drei Wochen ab. Heute ist Abbas, 78, der seit 2009 Wahlen verschiebt, daheim nicht stärker geworden.

Hinter den Unterhändlern lauert der Widerstand. Hamas, Islamischer Dschihad, selbst die Jungtürken in Abbas' Fatah verweigern Gespräche, wenn Israel nicht vorweg Schlüsselkonzessionen mache: einen totalen, nicht bloß befristeten Siedlungsstopp, dazu die Heiligsprechung der Grenzen von 1967. Doch die Israelis wollen seit 2000 einen Gebietstausch. Dagegen schweigen Netanjahus Quälgeister beredt. Sie glauben offenbar nicht, dass in Washington je gewichtige Zugeständnisse auf den Tisch kommen werden.  

Vorsorglich droht Naftali Bennet, Herr über zwölf Sitze in der Knesset und national-religiöser Siedlungsaktivist, schon mal mit dem Koalitionsbruch, falls sich sein Regierungschef auf "keine Grenzkorrektur" einlasse. Auch beide Prinzipale haben jetzt schon eine neue Hürde aufgestellt: Ihre Völker müssten ein Abkommen per Referendum absegnen. Möglich, aber nicht wahrscheinlich.

Wie nach dem Geplänkel über Bedingungen die grundsätzlichen Konflikte angepackt werden sollen, bleibt jedermanns Geheimnis. Als da sind: Grenzen, Jerusalem, Rückkehrrecht, Bewaffnung des Palästinenserstaates, israelische Sicherheitspräsenz im Westjordanland.

Anders ausgedrückt: Jede Seite müsste auf ihre Träume verzichten, einen faulen Kompromiss eingehen. Deshalb ein geflügeltes Wort zum Schluss, das dieser Autor vor zwei Jahren bei einer Strategietagung in Israel gehört hat: Die Palästinenser wollen ein Abkommen, aber nicht verhandeln; die Israelis wollen verhandeln, aber keinen finalen Deal. 

John Kerry, der Wunderheiler, wird sich noch wundern.

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Leserkommentare
  1. ...ich zu behaupten, daß nichts bei den Verhandlungen herauskommen wird.

    Warum auch?

    Israel ist in einer "Position der Stärke" (mit den USA & üblichen Verdächtigen im Rücken) und hat gar kein Interessse an echten Verhandlungen, bzw. diplomatischen Lösungen.

    Palästina hingegen spricht nicht mit "einer Stimme" - und so wird sich dieses "Schauspiel" noch ewig hinziehen....

    P.S. Echte Verhandlungen wird es erst geben, wenn die USA Israel "fallen lassen" und man in Tel Aviv gezwungen ist diplomatische Kompromisse einzugehen. Das wird aber nicht passieren.

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    Traurig, aber leider völlig richtig. Die Asymmetrie der Kräfteverhältnisse ist einfach zu gross.

    Aber: Binnen weniger Jahrzehnten wird sich das ändern. Mit dem Ende des Öl-Zeitalters wird Amerikas Interesse am Nahen Osten langsam aber sicher verschwinden, und damit auch Amerikas Interesse am "Freund" Israel.

    Ich hoffe wirklich, dass Israel rechtzeitig versteht, dass es nur noch wenig Zeit hat, Frieden mit seinen Nachbarn zu schliessen, speziell Frieden mit den Palästinensern. Denn wenn Amerika erst einmal aufhört, sich als grosser beschützender Bruder Israels zu verhalten, dann helfen Israel auch die teuersten Waffensysteme der Welt und die besten Geheimdienste nichts mehr. Denn das wird ein vergleichsweise schneller, ruckartiger Vorgang sein, die Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern hingegen dürfte viele Jahre dauern.

    ich halte die olle mär von der alleinigen entscheidenden verantwortung der israelis für eine gewollte propagandaente + denke dass der schlüssel zu "fortschritten" in diesem ewigen konflikt mindestens ebenso bei den palästinensischen "organisationen" liegt, deren hauptsächliche existenzgrundlage doch der hass + der krieg gegen israel ist. die unverrückbare, immer wieder geäusserte absicht israel auszulöschen, die einseitige, hasserfüllte indoktrinierung der (gerade jungen) palästinenser ist der eine teil der eine lösung unmöglich macht.
    auch innerhalb des palästinensischen lagers geht es um macht + gute geschäfte, ich bin immer wieder erstaunt, in welchen kanälen abermillionen jährlicher hilfen seit 1948 aus der ganzen welt in total korrupten nationalen + religiösen organisationen verschwinden bzw waffen gekauft werden während die bevölkerung in inzwischen zu städten gewordenen flüchtlingslagern lebt.
    die "führung" (lach) der palästinensischen organisationen hat sich in der opferrolle gut eingerichtet, geld fliesst, wenn nicht, provoziert man eine israelische reaktion, die kommen muss + weiter gehts zur nächsten runde im gewollt ewigem kreislauf....ich nenne das auch "das eigene volk als geisel nehmen....
    hauptsache, die eigenen leute bleiben bei der stange.....

    • krabak
    • 25. Juli 2013 7:59 Uhr

    Man möchte auf die Idee kommen, man habe es mit so etwas wie einem irregulären Raumzeitkontinuum zu tun, in welchem sich zur gleichen Zeit Materie und Antimaterie befinden und das danach strebt sich selbst dadurch aufzulösen, in dem sich Materie und Antimaterie in einer Fusion wechselseitig auflösen und im Nichts verschwinden.

    Dagegen spricht natürlich der Energieerhaltungssatz, denn sowohl Israelis als auch Palästinenser repräsentieren Energie in einer humanoiden Struktur fernab des Gleichgewichts und so wird aller Voraussicht nach, selbst nach einer unvorstellbaren Gewaltorgie, in der die bestehenden Widersprüche wechselseitig beseitigt werden, ein Rest vorhanden sein, der die Abwesenheit von allem übrigen durch die Polarität unserer Welt erklärt.

    Angesichts der real-existierenden Waffensituation und der Massenverhältnisse, ist eine Prognose darüger, welche Seite "übrigbleibt" aber wohl nicht möglich.

    Eine Leserempfehlung
  2. ...die vom Antisemitismus durchtränkten Kommentare liest, weiss man, warum die Verhandlungen mit den Arabern schon gescheitert sind.

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    Das ging heute aber schnell - gleich der 3. Kommentar "zückt die Keule" ;-)

    • eras
    • 25. Juli 2013 9:22 Uhr

    "Wenn man die vom Antisemitismus durchtränkten Kommentare liest, weiss man, warum die Verhandlungen mit den Arabern schon gescheitert sind."

    Wo haben Sie denn in den Kommentaren Antisemitismus ausgemacht? Würde mich jetzt wirklich mal interessieren. Das Israel in einer Position der Stärke ist und die Rückendeckung der USA genießt, ist eine realistische Betrachtungsweise. Das dies den Willen zum Kompromiß nicht verstärkt, ist auch kein Geheimnis.

    Der zweite Kommentar ist etwas nebulös, aber antisemitisch ist er ganz offensichtlich auch nicht.

    Das reflexhafte und grundlose Vorbringen solcher Anschuldigungen ist schädlich für Israel und für die Juden in der Welt. Weil sich der wahre Antisemit dann hinter der Masse der zu Unrecht beschuldigten verstecken kann.

    Also: Was soll das?

    ..bezogen auf Ihr Forenbeitrag !
    Sie sollten dabei klar trennen zwischen dem Antisemetismus gegnüber den"Juden" und der Ablehnung der Vorgehensweise der Israelis bis zum heutigen Tag!
    Dei unheilvolle Politik der Israelis kann somit im Nachbetrachten sehr wohl als Auslöser von Antisemetismus erscheinen.
    Möchten Sie aus Ihrer Heimat vertrieben werden ,damit ein Fremder sich an Ihrem Besitz niederlässt und mit sogenanntem "Siedlungs-Recht" ergreift?

    @ Piripari....
    Ist der lapidare Vorwurf von " Antisemitismus" alles, was Sie in dieser Debatte einzubringen haben?
    Israel wird sich allen Fragen und Kritiken stellen müssen, denen auch andere Nationen unterzogen werden, die den Anspruch auf Rechtstaatlichkeit erheben.
    Jeden Kritiker mit dem Vorwurf " Antisemit" beleidigen zu wollten, ist sehr dürftige Polemik....

  3. Das ging heute aber schnell - gleich der 3. Kommentar "zückt die Keule" ;-)

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    Antwort auf "Wenn man ..."
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    Die lauernde ZEIT-Community kann es doch kaum erwarten, endlich wieder gegen das ach so böse Israel rhetorisch zu Felde zu ziehen...

  4. Wie wäre es einmal mit Handeln.

    Israel eignet sich mit Waffengewalt widerrechtlich das Eigentum anderer an. Bei jedem anderen Staat der so etwas macht, hätte der Rest der Welt schon längst interveniert und Druck ausgeübt.

    @ 3 Piripari. Das hat rein gar nichts mit Antisemitismus zu tun.
    Recht muss für "alle" gelten!!

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    Eben!

  5. 6. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke, die Redaktion/jk

    4 Leserempfehlungen
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    die erste offen ausgesprochene Vernichtungs-Phantasie gegen Israel. Gleich im 6. Kommentar. Willkommen im Club.

  6. Die lauernde ZEIT-Community kann es doch kaum erwarten, endlich wieder gegen das ach so böse Israel rhetorisch zu Felde zu ziehen...

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Antisemitismus"
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    eigentlich mit dem bösen Russland, dem bösen China, etc. ? Nein, hier zieht niemand gegen Israel zu Felde. Israel muss sich aber für seine Handlungen und Nicht-Handlungen ebenso verantworten wie jeder andere Staat auch. Wenn in Russland Homosexuelle vermöbelt werden oder in den USA ein Mörder freigesprochen wird, dann geht es hier genauso rund. Ebenso muss sich Israel dafür verantworten, wenn es ein Land im Bürgerkrieg angreift oder Siedlungen auf fremden Gebiet fördert.
    Das Israel-Thema ist nur noch ermüdend und es bringt nicht wirklich was darüber zu diskutieren. Und für das Image Israels in der Welt ist allein Israel verantwortlich.
    Der dritte Kommentar ist, bezogen auf den ersten und zweiten Kommentar, einfach lächerlich. Vielleicht sollte man unterscheiden zwischen Antisemitsimus und Antizionismus?

    Israel ist in den Augen vieler Menschen nun einmal "böse" - und das zurecht.

    Wer fordert ständig Recht und Gesetz ein, und hält sich nicht selbst daran?
    (außer den USA natürlich)

  7. die erste offen ausgesprochene Vernichtungs-Phantasie gegen Israel. Gleich im 6. Kommentar. Willkommen im Club.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "[...]"
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    .
    ...aber immerhin sind Sie so selbstkritisch sich ein treffendes Pseudonym zuzulegen.

    Selbstverständlich gibt es Menschenrechte, und die gelten gleichermassen für Israelis wie für Palästinenser wie alle andern Menschen.

    Aber ein Staat hat kein Existenzrecht. Weder hatte die "Sowjetunion" ein Existenzrecht, noch hatte die "DDR" ein Existenzrecht, und genausowenig hat "Israel" ein Existenzrecht. Die Geschichte zeigt, dass sich Staatsgebilde verändern und auflösen können.

    Da eine 2-Staatenlösung so gut wie ausgeschlossen ist, halte ich es durchaus für wahrscheinlich (auch wenn es 100 Jahre dauern mag), daß Israel 1 Staat wird, in dem die Araber die Mehrheit und die Juden die Minderheit bilden. Ob dieser Staat dann noch Israel heisst, oder Palästina, ist völlig egal.

    Wenn Israel eine 2-Staatenlösung gewollt hätte, hätte es das haben können. Jetzt ist es wahrscheinlich zu spät dafür, und eine 1-Staatenlösung erscheint - mir jedenfalls - immer wahrscheinlicher.

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  • Serie Fünf vor 8:00
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Benjamin Netanjahu | Theo Sommer | Fatah | Jizchak Rabin | Israel | USA
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