Sie wurde als Sklavin geboren. Heute arbeitet die Frau, die sich Salima nennt, als Verkäuferin in einem kleinen Laden in der mauretanischen Hauptstadt. © privat

Die Dunkelheit senkt sich über Nouakchott, die Hauptstadt Mauretaniens. Autos, Eselkarren und Ziegenherden verstopfen die Straßen. Eine Frau fährt in der Abenddämmerung in ihrem Toyota hupend durch enge Gassen. Sie ist auf dem Weg zu einer Bekannten, der sie seit Jahren hilft. Einer Frau, die sich anfangs kaum selber helfen konnte, weil sie ihr ganzes Leben lang einem anderen gehört hatte: eine Leibeigene, eine ehemalige Sklavin.

Die Aktivistin kümmert sich um sie und andere, um sie an ihr neues Leben in Freiheit zu gewöhnen. Über das Thema wird in dem afrikanischen Land wie in anderen betroffenen Ländern kaum gesprochen, es ist ein Tabu. Und doch gibt es Sklaverei auch im 21. Jahrhundert noch millionenfach.

"Sie können in Mauretanien überall Sklaven finden. In meiner Nachbarschaft, auf dem Land, einfach überall", sagt die Aktivistin. Ihr Name darf nicht genannt werden. "Ich habe schon genug Ärger mit den Behörden. Die Regierung will nicht, dass über Sklaverei gesprochen wird", sagt sie. Im vergangenen Jahr kam ein Gegner der Sklaverei, der öffentlich Bücher verbrannt hatte, in denen die Leibeigenschaft verteidigt wird, in dem Land für mehrere Wochen ins Gefängnis.

Vor einem einstöckigen Haus im Stadtteil Darwain stellt die Helferin ihren Wagen ab. Sie betritt einen einfachen Laden. Die Frau, die sie regelmäßig besucht, sitzt auf dem Boden. Sie arbeitet jetzt als Verkäuferin. Sie möchte Salima genannt werden. Jahre der Sklaverei liegen hinter ihr in einem Dorf am Senegal-Fluss. "Wir sind arm", sagt die Frau. Aber heute sei alles besser als früher. Denn früher besaß sie nichts. Sie selbst gehörte einem Mann. Der Marabout, ein Gelehrter, habe bereits ihre Eltern besessen. 

Als Sklavin geboren

Salima wurde in die Sklaverei hineingeboren. Schon als kleines Kind musste sie für ihren Herren arbeiten. Sie hütete das Vieh, bewachte die Kochtöpfe, half bei der Feldarbeit. Eine Schule durfte sie nicht besuchen, spielen und toben auch nicht. Das sei hart gewesen, aber anderen Sklaven sei es noch schlechter ergangen. "Mein Herr war ein guter Mann", sagt Salima. "Er hat mich nie geschlagen."

Salima hätte gar nicht als Zwangsarbeiterin gehalten werden dürfen. Das hat ihr nur lange Zeit niemand gesagt. 2007 wurde die Sklaverei in Mauretanien offiziell abgeschafft, vorher war sie in verschiedenen Stufen untersagt worden. Doch die Regierung kämpft gegen dieses Menschen-Raubrittertum vor allem auf dem Papier. Bestraft werden Sklavenhalter fast nie.

Vor mehr als einem Jahr gab es einen Prozess gegen eine Sklavenhalterin. Es ging um ein Mädchen, das sie schlecht behandelt hatte. Menschenrechtler hatten den Fall an die Öffentlichkeit gebracht, er sorgte auch international für Schlagzeilen. Wohl auch deshalb ermittelte die Polizei, es kam zum Gerichtsverfahren, die Frau wurde verurteilt.

In den meisten Fällen aber passiert nichts. Denn viele Sklavenhalter kommen aus der Oberschicht, aus einflussreichen Familien. Die Sklaverei findet heute meist im Verborgenen, in Privathaushalten und in der Landwirtschaft in abgelegenen Dörfern statt.