Die US-Justiz will bei einem möglichen Verfahren gegen den Geheimdienst-Enthüller Edward Snowden nicht die Todesstrafe fordern. Justizminister Eric Holder sagte seinem russischen Amtskollegen Alexander Konowalow in einem Brief außerdem zu, dass Snowden in den USA nicht gefoltert würde. Den Brief Holders mit Datum vom Dienstag veröffentlichte das Wall Street Journal am Freitag. Die USA wollen mit dieser Zusicherung verhindern, dass Russland einen Asylantrag Snowdens bewilligt.

Snowden hatte ein massives weltweites Ausspähprogramm des US-Geheimdienstes NSA enthüllt und wird von den USA als Verräter gejagt. Der frühere Techniker des NSA war über Hongkong nach Moskau gekommen. Er hält sich seit mehr als einem Monat im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo auf. Der 30 Jahre alte Snowden soll sein Asylgesuch in Russland auch damit begründet haben, dass ihm in den USA Folter und die Todesstrafe drohen.

Die russische Regierung hatte wiederholt gesagt, eine mögliche Todesstrafe für Snowden in den USA verhindere eine Auslieferung.

Russische Regierung bleibt hart

Die Zusicherung des US-Justizministers hat an Russlands Haltung nichts verändert: Snowden werde nicht an die amerikanische Justiz ausgeliefert, sagte der Sprecher von Präsident Wladimir Putin, Dimitri Peskow, am Freitag. Russland habe "noch nie" jemanden an die USA ausgeliefert und werde dies auch zukünftig nicht tun, sagte er. Zwischen den jahrzehntelang bitter verfeindeten Staaten existiert kein Auslieferungsabkommen. 

Der Streit um Snowden werde das russisch-amerikanische Verhältnis nicht nachhaltig beschädigen, sagte Peskow weiter. "Diese Beziehung hat Priorität. Niemand darf sie beeinträchtigen – auch Snowden nicht." Im September wird US-Präsident Barack Obama zu einem Besuch in Moskau erwartet.

Peskow sagte weiter, Präsident Putin beschäftige sich nicht mit dem Fall Snowden. "Es gibt keine Aspekte, die einen Eingriff des Präsidenten erfordern würden", sagte er. Die Geheimdienste beider Länder würden die Lage intensiv besprechen.