Zschäpe-Anwältin : Antifaschismus, falsch verstanden

Die Zschäpe-Anwältin Sturm verlässt Berlin, weil sie angefeindet wurde. Die Angriffe auf sie zeugen von einem verengten Blick auf den Rechtsstaat, kommentiert F. Jansen.

Links zu sein oder zumindest linksliberal, ist in Berlin weithin selbstverständlich. Also tritt auch der Antifaschismus massiver auf als im Rest der Republik. Und das ist nicht immer gut so.  Die Anwältin Anja Sturm, die im NSU-Prozess Beate Zschäpe verteidigt, bekam es zu spüren: Sturm ist in ihrer Kanzlei und bei den linken Mitgliedern der Vereinigung Berliner Strafverteidiger unter Druck geraten – nun kehrt sie Sozietät und Stadt den Rücken.

Dass Sturm mit Neonazis sympathisiere, behauptet zwar niemand. Es wäre auch grotesk. Die vermeintliche Sünde der Anja Sturm ist die Übernahme des Zschäpe-Mandats an sich. Dass manche Strafverteidiger für sich ein solches "Killermandat" ablehnen, ist legitim. Es aber einer Kollegin vorzuwerfen, zumal einer dezidiert liberalen, zeugt von einem verengten Blick auf den Rechtsstaat.

Da wird der Grundsatz ignoriert, dass jedem Angeklagten, mag die Tat noch so grässlich sein, eine engagierte Verteidigung zusteht. Was also macht Anja Sturm falsch? Sollten etwa nur rechtsextreme Anwälte Rechtsextremisten verteidigen? Dass sich Sturm veranlasst sieht, die Stadt zu verlassen, ist ein Lehrstück über falsch verstandenen Antifaschismus in Berlin.

Erschienen im Tagesspiegel

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Kommentare

94 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Gute Punkte würde ich wünschen, sagen zu können, aber

Was ist Unterschied hier unten?

- Sie können sogar ein Fan sein.
- Sie sind ein Fan.

Habe ich die Erste oder Zweite gesagt?
das Wort "Sogar" betont hier was besonderes?

Übrigens, eine Meinung != Links heißt nicht Nazi.
Erstens, Woher wissen Sie, dass ich überhaupt ein Linker bin? Spräche über Grundrechte und Kritik an eine Anwältin kommen nur von Linke?

Wann waren sie das letzte mal in einem Standesamt?

Ich habe längere Zeit in solch einer Behörde gearbeitet und es ist schon sehr anstrengend, weil es dort sehr viel "Emotionen" gibt und das gleichzeitig.
Wenn sie in einem "Großraumbüro" sitzen.

Das reicht von Geburtsurkunden über die es Streit gibt bis zur Aufdröselung von Heiratsgeschichten, wenn Papiere rangeschafft werden müssen.
Ebenso bei Todesfällen.
Wobei es eher üblich ist, dass der Bestatter Todesfälle beurkunden läßt und nicht Angehörige selbst.

Scheidungsfälle und Kindschaftssachen sind da wesentlich emotionaler.