Bundestagswahl : Merkel schließt große Koalition nicht aus

Kanzlerin Angela Merkel rechnet mit einem knappen Ausgang der Bundestagswahl. Daher will sie auch die Neuauflage einer Koalition mit der SPD nicht ausschließen.
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) © Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Kanzlerin Angela Merkel will nicht ausschließen, nach der Bundestagswahl wieder mit der SPD zu regieren – wie bereits zwischen 2005 und 2009. "Eine große Koalition strebt nun wirklich niemand an", sagte die CDU-Vorsitzende der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Allerdings habe sie einmal eine große Koalition geführt, "sodass ich völlig unglaubwürdig wäre, wenn ich sie ausschlösse".

Dennoch, so Merkel, wäre es für die Menschen in Deutschland besser, die christlich-liberale Koalition fortzusetzen. Union und FDP arbeiteten sehr gut zusammen. "Aber wahr ist auch, dass es sehr, sehr knapp wird, wie es bei Bundestagswahlen oft knapp wird", sagte die Kanzlerin.  

Wie knapp, das zeigen auch aktuelle Umfragen. Laut dem jüngsten  ARD-Deutschlandtrend liegt die schwarz-gelbe Koalition knapp vor den Oppositionsparteien. Das ZDF-Politbarometer sieht dagegen beide Lager gleichauf.

Steinbrück lehnt ab

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück allerdings bleibt bei seiner Absage an eine erneute Koalition mit der Union und rechtfertigt diese mit Wünschen aus der eigenen Partei: "Die Entscheidung entspricht der Stimmungslage in der SPD", sagte er in der Hamburger Morgenpost. "Wir haben zwischen 2005 bis 2009 unsere Erfahrungen gemacht. Der weit überwiegende Teil der Mitglieder und der Mandatsträger will schlicht und ergreifend keine Wiederauflage."

Steinbrück spielt damit auch auf die Wahlniederlage an, die die Sozialdemokraten im Anschluss an ihre Regierungsbeteiligung hinnehmen musste. Obwohl die SPD, so der damalige Bundesfinanzminister Steinbrück jetzt, "überzeugender Partner mit einer starken Handschrift" gewesen sei, "sind wir 2009 mit 23 Prozent auf die Bretter gegangen. Das sitzt tief." 

"Gesamte Legislaturperiode"

Merkel wiederum äußerte sich in dem FAZ-Interview auch zu ihrem persönlichen Werdegang und wies Mutmaßungen von sich, sie könne nach einer Wiederwahl das Amt der Kanzlerin vorzeitig abgeben. "Ich trete für die gesamte Legislaturperiode an", sagte sie. Alle ihre Gedanken drehten sich darum, "wie ich die nächsten vier Jahre politisch gestalten kann".  

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Kommentare

103 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

Unwahrscheinlich

Das Klientel mag ähnlich sein (Bildungsbürger in der mittleren bis oberen Mittelschicht). Dennoch gibt es innerhalb dieser Klientel zwei Lager, die einen wählen die Grünen, die anderen die FDP. Daraus eine Schnittmenge abzuleiten ist grundfalsch, denn es handelt sich nicht um Wechselwähler, sondern um solche, welche lediglich Attribute miteinander teilen.

Mögen sie formal auch beim Thema Bürgerrechten einer Meinung sein. Spätestens bei den Themen Freiheitsrechte des einzelnen, dem Steuersystem, der Energiepolitik, der Familienpolitik, der Agrarpolitik, uvm. offenbaren sich die tiefen Gräben zwischen diesen beiden Parteien.

Schwarz-Grün halte ich dennoch für unwahrscheinlich, da die Grünen hier nicht mitspielen würden.

Die letzen 24 Jahre verschlafen hat wohl eher die Linke!

Sie scheinen mir in einer Art ideologischer Verklärung zu leben. Die Linke hat nie eine scharfe Grenze zu ihrer SED Vergangenheit gezogen. Nichteinmal von den Todesschüssen an der Berliner Mauer hat sich diese Partei glaubhaft distanziert!

http://www.spiegel.de/pol...

http://www.welt.de/politi...

http://www.faz.net/themen...

Lediglich zum Punkt Alt-Nazis in der jungen BRD gebe ich Ihnen Recht. Das aber als Grund zu nehmen die gleichen Fehler nocheinmal zu begehen ist mehr als grotesk!

Absurd

Abgesehen davon, dass es doch arg absurd ist einer Partei vorzuwerfen, in einem Unrechtsstaat, der keine Opposition duldet, keine Opposition praktiziert zu haben:

Welche führenden Ost-CDUler sind heute noch in der Politik aktiv? Welcher nicht-Linken Poltiker verteidigt heute noch den Mauerbau oder beyweifelt, dass die DDR ein Unrechtsstaat war? Wer außer bestimmten Kreisen der Linken boykottiert Schweigeminuten zu Gedenken der Maueropfer?

Nein, die Linke vermittelt absolut nicht den Eindruck schon in der Demokratie angekommen zu sein!

Und die berechtigte Kritik dann auch noch als "emotionalisiert" oder "im Kern unwahr" zu bezeichnen bezeugt eben gerade jede ideologisch Verklärung, die bereits zuvor angesprochen wurde.

Wirrer Kommentar

Zunächst zu Ludwig Erhard.
Ist hier zwar nicht Thema, aber man sollte sich zumindest ansatzweise informieren, bevor man hier unwissentich Unsinn postet.

Z.B. hier :

http://de.wikipedia.org/w...

Ich hoffe mal, das hat ihre ideologischen Grundfesten nicht zu stark erschüttert.

Zu den Blockparteien CDU/FDP der DDR: Es steht Ihnen vollkommen frei, von CDU/FDP eine stärkere Abgrenzung zur DDR-Politik zu fordern. Ich persönlich sehe diese Gefahr bei diesen Parteien nicht.

Wohl aber bei der Linken, wo von führenden Parteigrößen wiederholt der Mauerbau verteidigt wurde, abgestritten wurde, dass die DDR ein Unrechtsstaat gewesen sei und sich gewisse Parteiflügel weigern den Mauertoten zu gedenken.

"Ach ja, lesen sie doch mal ihre Links genauer, dann würde ihnen auffallen das die Linke sich sehr wohl von den Todesfällen an der Mauer distanziert"

Hätten sie meinen Kommentar gelesen, so wäre Ihnen wohl das Wörtchen "glaubhaft" aufgefallen. Ich jedenfalls halte es nicht glaubhaft, wenn man sich zwar einerseits von den Tötungen distanziert, andererseits aber Gedenkminuten für deren Opfer boykottiert werden!

Den Auszug aus dem Ahlener Programm kenne ich sehr gut, den hätten sie sich sparen können. Abgesehen davon bin ich auch kein CDU-Wähler, falls sie darauf hinaus wollen.

@ 69. Absurd

"Abgesehen davon, dass es doch arg absurd ist einer Partei vorzuwerfen, in einem Unrechtsstaat, der keine Opposition duldet, keine Opposition praktiziert zu haben:
Welche führenden Ost-CDUler sind heute noch in der Politik aktiv? " (Zitat Ende)

zu 1. Absurd? Bitte überstrapazieren Se dieses Wort nicht. Diese "Opposition" war nie eine und sollte auch nie eine sein. Ihre staatstragende Rolle bestand ausschließlich darin, das "demokratisches Feigenblättchen" für die SED zu spielen. Sie verhielt sich demzufolge gleichermaßen totalitär (wie schon gesagt). Diese sog. "Opposition" ist an den menschenverachtenden Zustände in der DDR nicht minder beteiligt als die SED selbst. Aber das wollen die gewendeten Herrschaften in ihrer neuen CDU-Heimat heute natürlich nicht mehr wissen.

zu 2. Erklären Sie mir doch bitte einmal, welche Rolle es argumentativ spielt, wer von der Ost-CDU heute noch politisch aktiv ist oder nicht. Irgendwann ist niemand mehr poltisch aktiv. So what? Aber wenn Sie einen prominenten Namen brauchen, der als linientreuer DDR-Funktionär bis vor kurzem noch CDU-Ministerpräsident eines Bundeslandes war, dann verweise ich gern auf Herrn Althaus.

@Kommentar 79

Das ein gewisses Mass an Umverteilung durchaus sinvoll ist, habe ich nie bestritten. Unsinn war es aber hier Ludwig Erhard für sich vereinnahmen zu wollen. Das habe ich lediglich klar gestellt.

Dass man meint der Umgang mit Mauertoten gehöre nicht zum Thema "Glaubhaftigkeit und Demokratiefähigkeit der Linken", spricht für sich.

"Und das sie das Ahlener Programm kennen bezweifle ich doch stark."

Ich kenne im übrigen auch die Bibel sehr gut und bin trotzdem kein gläubiger Christ und trotz gewisser Korankenntnisse auch kein gläubiger Muslim.