Anhänger des entmachteten ägyptischen Präsidenten Mursi in Kairo © Muhammad Hamed/Reuters

Die Fronten im Machtkampf zwischen Islamisten und dem Staat in Ägypten verhärten sich weiter. Die Anhänger des abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi wollen nach den gewaltsamen Zusammenstößen der vergangenen Tage ihre Demonstrationen gegen die Übergangsregierung und das Militär fortsetzen. Sie kündigten für den heutigen Sonntag neue Protestmärsche in Kairo an.

Die Übergangsregierung bleibt kompromisslos. "Es kann keine Versöhnung geben mit denjenigen, an deren Händen Blut klebt", sagte Ministerpräsident Hasim al-Beblawi. Seine Regierung erwägt ein Verbot der islamistischen Muslimbruderschaft, aus deren Reihen Mursi stammt. Die Bruderschaft war in der Ära des 2011 gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak verboten. Die Regierung droht, mit "eiserner Faust" gegen Terrorismus vorzugehen. Die Behörden ermitteln gegen 250 Unterstützer der Muslimbrüder wegen Mordes, versuchten Mordes und Terrorismus.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Konfliktparteien zu äußerster Zurückhaltung und Versöhnung auf. Sie sollten sich um Deeskalation bemühen. Die Regierung und die politischen Führer müssten einen glaubhaften Plan zur Eindämmung der Gewalt schaffen und den politischen Prozess wiederbeleben.

Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte von der Regierung in Kairo eine Rückkehr zum Dialog. Westerwelle habe in einem Telefongespräch mit dem ägyptischen Außenminister Nabil Fahmi ein besonnenes Vorgehen angemahnt, sagte eine Sprecherin den Auswärtigen Amtes.


Seit der gewaltsamen Räumung von Protestlagern der Mursi-Anhänger am Mittwoch war es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen den Islamisten sowie Polizei und Militär gekommen. Mehr als 750 Menschen wurden nach offiziellen Angaben getötet, darunter 57 Polizisten. Im Zentrum von Kairo räumten Einsatzkräfte am Samstag die Al-Fath-Moschee, wo sich Hunderte Mursi-Anhänger verschanzt hatten.

Mustafa Hegasi, ein Berater von Übergangspräsident Adli Mansur, warf internationalen Medien vor, sie berichteten nicht über die Gräueltaten militanter Islamisten, beispielsweise über die Stürmung einer Polizeistation im Kairoer Bezirk Kerdasa, wo Offiziere getötet und ihre Leichen geschändet worden waren.